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Thermotec: Die Ökostrom-Verschwender

Mittwoch, den 4. April 2012

Elektroheizungen sind ja ein Dauerbrenner hier auf dem Blog. Aber der letzte Text liegt tatsächlich schon mehr als ein Jahr zurück, deshalb schauen wir mal wieder auf das Thema. Schließlich wirbt auch die Elektroofen-Branche trotz aller Warnungen von Verbraucherschützern und Umweltverbänden und entgegen eindeutiger Forschungsergebnisse weiter für ihre Stromfresser.

Diesmal hat uns ein Leser auf die Internetseite der sächsischen Firma Thermotec hingewiesen:

Im Kleingedruckten der Homepage heißt es:

Hübsch, oder? Weil es sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass Elektroheizungen die Schadstoffemissionen lediglich aus dem eigenen Heizungskeller ins Kraftwerk verschieben, legen viele Hersteller ihren Kunden mittlerweile einen Ökostrom-Vertrag nahe (aber meist nur im Kleingedruckten). Thermotec verzichtet sogar darauf und verweist einfach auf die 20 Prozent sauberen Stroms, die sich dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mittlerweile im normalen Strommix finden.

Formal stimmt ja auch, dass für diese Elektrizität keine Treibhausgas-Emissionen anfallen (jedenfalls nach der üblichen Bilanzierungsmethode). Trotzdem wäre es falsch, mit Ökostrom zu heizen (jedenfalls wenn es sich nicht um ein Niedrigenergiehaus handelt, wo für den minimalen Wärmebedarf manchmal tatsächlich eine Elektroheizung sinnvoll sein kann). Von „Verschwendung“ spricht klar und deutlich beispielsweise Jens Schuberth vom Umweltbundesamt. Stattdessen sollte Ökostrom, solange es ihn noch nicht im Überfluss gibt, im Interesse des Klimaschutzes dort eingesetzt werden, wo er am meisten Kohlendioxid vermeidet. Und das ist nunmal nicht beim Heizen – denn hierfür gibt es eine ganze Reihe relativ klimaschonender Möglichkeiten: Fernwärme (aus effizienten Gaskraftwerken) zum Beispiel oder Sonnenkollektoren in Kombination mit einem Erdgas-Brennwertkessel oder einer Holzpellet-Heizungen oder ähnliches. “Der wertvolle Ökostrom sollte zur Substitution des Kohle- und Atomstroms verwenden werden in Bereichen, wo man keine andere Energie einsetzen kann“, erklärt Birgit Holfert von der Energieberatung des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (vzbv), „beispielsweise bei der Beleuchtung oder bei Elektromotoren.“ Wer Ökostrom hingegen zum Heizen nutzt, treibt den Gesamt-Elektrizitätsbedarf hoch und sorgt dafür, dass dreckige Stein- oder Braunkohlekraftwerke unnötig am Netz bleiben.

Achso, Elektroheizungen als „heimliche Klimaschützer“ zu bezeichnen, ist in jedem Falle falsch. Selbst unter Berücksichtigung des 20-prozentigen Ökostrom-Anteils ist der deutsche Strommix mit gut 560 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde immer noch so dreckig, dass die (indirekten) CO2-Emissionen fürs Heizen mit Strom mehr als doppelt so hoch sind wie beispielsweise einer modernen Erdgasheizung.

Danke für Mario Sedlak aus Wien für den Hinweis