Archiv des Schlagwortes ‘Clean Coal’

Saubere Kohle: Dies ist die Realität

Dienstag, den 24. März 2009

Vor ein paar Wochen haben wir in die USA geschaut und darauf, wie die dortige Kohleindustrie und der Kraftwerksbauer General Electric in Internet- und TV-Werbespots gut Wetter zu machen versuchen für „Clean Coal“.

Nun versuchen vier große US-Umweltverbände mit denselben Mitteln zurückzuschlagen, denn gute Argumente sind wichtig, aber nicht allesUnter dem Motto „This is reality“ haben sie eine Website ins Netz gestellt und ebenfalls witzige Werbefilmchen produziert. Den vorerst letzten produzierten die Oscar-Preisträger Ethan and Joel Coen („No Country for Old Men“, „The Big Lebowski“ u.a.). „Wir sind begeistert“, so die Coen-Brüder in der Los Angeles Times, „Teil dieses wichtigen Projekts zu sein und eine andere Seite der Geschichte von der ’sauberen Kohle‘ zu zeigen.“

Hier ist der Spot:

„Es ist so sauber“, freut sich der Familienvater am Anfang des Spots. Darauf der gelackte Verkäufer: „Ist gewöhnliches ’sauber‘ für Ihre Familie sauber genug?“ Und überreicht das neue „Clean Coal Clean“, den neuen „Saubere Kohle-Reiniger“. Die Stimme aus dem Off erklärt: „Die Bezeichnung ‚Saubere Kohle‘ macht sich die wunderbare Stärke des Wortes ’sauber‘ zunutze – um es als sauberstes ’sauber‘ überhaupt erscheinen zu lassen.“ Und dann nochmal der Verkäufer: „Clean Coal wird unterstützt von der Kohleindustrie, der vertrauenswürdigsten Stelle in Sachen Kohle.“ – „In Wahrheit gibt es so etwas wie ’saubere Kohle‘ nicht“, schließt der Abspann.


General Electric: Dreckiger Sex

Freitag, den 6. Februar 2009

Heute wollen wir nochmal nach Amerika schauen. Nein, (noch) nicht auf das, was der neue Präsident Barack Obama in Sachen Klimapolitik verspricht. Sondern erneut auf ein besonders „schönes“ Stück Grünfärberei.

Unter dem Label „Clean Coal“ wird auch in den USA sehr intensiv und sehr professionell versucht, gut Wetter zu machen für neue Kohlekraftwerke. Mit von der Partie ist General Electric, einer der größten Kraftwerksbauer weltweit. Inzwischen liefert GE zwar auch Windkraftanlagen – aber natürlich will der Mega-Konzern nicht auf das lukrative Geschäft mit Kohlekraftwerken verzichten. Und weil Sex immer funktioniert, werden sich die Werber von GE gedacht haben, verkaufen wir nun die dreckige Kohle mit straffen Brüsten und Waschbrettbäuchen und legen noch einen flotten Folk-Song drunter. Kein Witz! Sehen Sie selbst:

(falls der YouTube-Link nicht funktioniert, klicken Sie hier)

Von „emissionsreduzierender Technologie“ ist am Ende des Spots die Rede – was (wie bei der „Clean Coal“-Propaganda üblich) vollkommen offen lässt, ob damit ein paar neue Filterchen gegen Feinstaub gemeint sind oder das (bisher leere) Versprechen, irgendwann einmal mittels CCS-Technologie einen Teil des freiwerdenden Kohlendioxids im Kraftwerk abzufangen.

Deutschland importiert seine Steinkohle übrigens u.a. aus Russland, Südafrika, Kolumbien, China und Indonesien. Über die Arbeitsbedingungen in den dortigen Minen könnte man auch mal einen hübschen Spot drehen. General Electric aber ließ seine sexy Supermodels laut einem Bericht des Magazins Slate nicht unter Tage, sondern in nachgebauten Kulissen ablichten…


US-Kohlelobby: Süßer die Lügen nie klingen

Samstag, den 17. Januar 2009

Schon mehrfach ging es auf diesem Blog um die PR-Kampagnen der deutschen Kohlebranche – aber beim Blick in die USA wirken RWE, Vattenfall und ihre Lobby-Verbände fast wie einfallslose Stümper. Mit gigantischem Werbeaufwand wird dort versucht, unter dem Siegel „Clean Coal“ Akzeptanz zu schaffen für neue Kohlekraftwerke. Geschickt wird mit dem unklaren Begriff „Saubere Kohle“ jongliert: Mal sind damit reduzierte Emissionen an Feinstaub oder Schwefelabgasen gemeint, mal ein sinkender Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid in Kohlekraftwerken. Bei ersterem gab es auch in den USA in den letzten Jahrzehnten (gesetzlich erzwungene) Fortschritte, letzteres aber ist auch jenseits des Atlantiks noch ferne Zukunftsmusik. Anfang 2008 wurde beispielsweise das großangekündigte Projekt FutureGen gestoppt.

Eine Geschmacklosigkeit sondergleichen hatten sich die PR-Profis von der American Coalition for Clean Coal Energy (ACCCE) für das vergangene Weihnachtsfest ausgedacht: Trickfilme, in denen niedliche Kohlestückchen umgedichtete Weihnachtslieder sangen. Aus „Oh Tannenbaum“ wurde „Oh Technology“, aus „Stille Nacht“ machte man „Clean Coal Night“. Der populäre englische Song „Frosty, der Schneemann“ wurde zu „Frosty, the Coal Man“.

Umweltschützer protestierten, in vielen Blogs wurde Empörung laut. Und anscheinend bekam die Kohlelobby kalte Füße, jedenfalls nahm ACCCE die Clips nach wenigen Tagen (mit einer lauen Ausrede) vom Netz. Auf YouTube aber sind sie für die Nachwelt erhalten. Wir möchten die Filmchen gar nicht weiter kommentieren, sondern dokumentieren sie als ein ganz besonderes Stück Grünfärberei.

„Oh Tannenbaum“:

„Stille Nacht“:

„Frosty, the Snowman“: