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Eon: Ein solares Gutenmorgenmärchen

Freitag, den 14. Oktober 2016

Was unsere Leser vielleicht nicht wissen: Manchmal ist die Arbeit, die das Team vom Klima-Lügendetektor investiert, völlig umsonst. Es gibt einen Anfangsverdacht, wir recherchieren, kommen aber nicht zum Ziel: Entweder ist die getroffene Behauptung keine Lüge – oder sie lässt sich mit unseren journalistischen Mitteln einfach nicht nachweisen. Zwei Tage Arbeit, aber trotzdem kein Text!

Eingesandt hat diesmal Constanze W. aus München den Scan folgender Anzeige, mit der knappen Frage: „Was soll das?“

eon

„Speichern von Solarenergie wird immer wichtiger für die Energiewende“, behaupten die Werbetreibenden im Auftrage Eons. Zum Beispiel um die Gutenachtgeschichte mit gespeicherter Sonnenenergie vorzulesen.

Für die verkaufte Kilowattstunde Strom aus einer kleinen Dachanlage gibt es aktuell 12,7 Cent, Strom aus der Steckdose kostet 28,7 Cent im bundesweiten Durchschnitt. Logisch, dass selbst genutzter Solarstrom die Anlage schneller refinanziert.

Das Dumme ist: Die Speichertechnik ist noch eine Technologie in den Kinderschuhen, die solare Gutenachtgeschichte deshalb ein Problem.

Aber dafür gibt es ja nun Eon! Denn in der Werbung heiß es:

eon1

Und wenn man jetzt wie anempfohlen eon-solar.de ansteuert, dann war die Arbeit des Klima-Lügendetektors wieder einmal umsonst: Deutschlands ehemals größter Atom- und Fossilkonzern bietet tatsächlich seit dem 7. April dieses Jahres eine technologische Lösung für die solare Gutenachtgeschichte. Das geht also mit Eon, der deutsche Energiekonzern will mit dem Speichersystem Aura dem US-amerikanischen Konkurrenten Tesla Paroli bieten.  Und deshalb hat der Lügendetektor bei der Prüfung der aus München eingereichten Anzeige nicht negativ ausgeschlagen.

Obwohl: Genauer betrachtet geht das ja doch nicht mit Eon!

Zwar hat der Konzern sich gerade aufgespalten und all seine „alte Energie“ in die neue Tochter Uniper ausgelagert. Aber Sonnenenergie kann Eon gar nicht speichern! Einfach, weil Eon doch praktisch keine Sonnenenergie produziert – der Anteil ist so gering, dass er im Geschäftsbericht für 2015 in den Tabellen zu Kraftwerkspark und erzeugten Strommengen (Seite 28-30) nicht einmal einzeln ausgewiesen wird. Eon und Sonnenstrom? Das ist offensichtlich wie Veganer und Schweinshaxe!

„Bei Photovoltaik ist definiert: Dies ist ein Eon-Wachstumsfeld“, hatte Eon-Manager Sven Utermöhlen unserem Schwesterportal klimaretter.info vor einem Jahr erklärt: „Dass wir in der Photovoltaik aufholen wollen, ist unstreitig.“ Und damit das Sonnenstromspeichern dann mit Eon doch klappen kann, bietet der Konzern zu seinem Speicher Aura auch gleich noch eine Solaranlage an.

Könnte der Beginn eines wirtschaftlichen Guten-Morgen-Märchens werden: Tataaa!! Eon ist aufgewacht!

Vielen Dank an Constanze W. aus München für den Hinweis