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REWE/toom: Nachhaltige Startschwierigkeiten

Mittwoch, den 24. November 2010

Das Hauptmotiv der neuen Anzeigenkampagne der Rewe-Handelsgruppe ist ganz hübsch: Eine Kleinfamilie steht da mit ihrem gefüllten Einkaufswagen auf einem Waldweg, vor ihr ein großer Holzlaster, die Trucker gucken verblüfft: „Unsere Kunden bewegen mehr als ihren Einkaufswagen“, lautet der Slogan dazu. Der zweitgrößte Lebensmittelhändler Deutschlands will sich so als Adresse für „verantwortungsvollen Einkauf“ empfehlen. Nachhaltigkeit, heißt es auf der Firmenwebsite, sei bei Rewe „fest in der Unternehmensphilosophie“ verankert.

Im Anzeigentext erfährt man dann leider, dass die „verantwortungsvollen“ Produkte nur einen Teil des Sortiments ausmachen. An einem neuen Label namens „Pro Planet“ sollen sie bei Rewe, toom und Penny ab sofort zu erkennen sein, es geht beispielsweise um Schreibblöcke aus Recyclingpapier oder Wandfarben ohne Lösungsmittel. „Dabei kombinieren wir Imagewerbung intelligent mit Verkaufsimpulsen“, erklärte Rewe-Vorstandschef Alain Caparros.

Die Realität bei Rewe sieht allerdings nicht ganz so glänzend aus wie die von der Edel-Agentur Scholz&Friends betreute PR-Kampagne. So wählte man als Partner für die Elektroauto-Ladestationen in Berliner Märkten ausgerechnet Vattenfall - jenen Konzern, dessen Braunkohlekraftwerke Unmengen von Kohlendioxid ausstoßen und der mit 890 Gramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde laut Greenpeace „Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter“ ist.

Zudem ging bei Rewes Baumarkttochter toom der Start der Öko-Offensive gründlich daneben, dort hat man Imagewerbung und Kaufimpulse tatsächlich sehr intelligent miteinander verbunden. Mit billigen Energiesparlampen lockte toom Kunden in die Filialen, schaltete dazu auf Seite 1 der Bild eine große Annonce. Für 99 Cent wurden da Lampen aus „Energieeffizienzklasse A“ angepriesen – doch tatsächlich zeigte und verkaufte toom schlechtere Energiesparlampen der Klasse B. Daraufhin ging die Deutsche Umwelthilfe (DUH) juristisch gegen Rewe und die Bild vor. „Mit falschen Angaben wurden die Verbraucher getäuscht und zum Kauf niederwertiger Energiesparlampen verleitet“, kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes wird mit solchen Aktionen eine grundsätzlich positive Technologie wie die Energiesparlampe diskreditiert.“

Vor einigen Tagen fiel toom zum zweiten Mal negativ auf: Die Kette verkaufte Energiesparlampen mit überhöhten Quecksilberwerten. Bereits seit Juli 2006 beschränkt die RoHS-Richtlinie der EU die Menge dieses gefährlichen Schwermetalls auf höchstens fünf Milligramm pro Lampe, die DUH fand bei Testkäufen jedoch 5,7 und 6,35 Milligramm. Rewe rechtfertigte das gegenüber der DUH mit den Worten, man habe die beanstandeten Lampen schon im Mai 2002 eingekauft – dieses Datum sei juristisch der Zeitpunkt des Inverkehrbringens, mithin fielen die fraglichen Lampen auch heute noch nicht unter den EU-Grenzwert. Nachhaltig sei bei Rewe, so DUH-Mann Resch, „nur das Streben nach Gewinnmaximierung, notfalls auch zu Lasten der Gesundheit der Verbraucher und der Umwelt“.

„Das ist zweimal wirklich blöd gelaufen“, sagt Rewe-Sprecher Andreas Krämer hörbar zerknirscht. Im ersten Fall sei einem Mitarbeiter der Werbeabteilung schlicht ein Fehler passiert, im zweiten Fall habe es sich um „eine minimale Restmenge“ alter Lampen gehandelt – und die Antwort des Firmenjuristen sei mit der Unternehmensspitze nicht abgestimmt gewesen. Krämer versichert, dass man es tatsächlich ernst meine mit dem Nachhaltigkeitsengagement. Die Vorfälle seien Rewe bzw. toom „wirklich unangenehm“ – und sollten nicht nochmal vorkommen.

Nun, wir werden ein Auge drauf haben.

Danke an Christian B. und Christoph S. für die Hinweise


Peter Ramsauer (CSU): Lügen zur Ökosteuer

Montag, den 22. März 2010

Als „Abrechnung“ verkauft das Magazin Focus in seiner neuen Ausgabe ein großes Interview mit Bundespräsident Horst Köhler – weil er genau jene schwarz-gelbe Koalition kritisiert, die ihn ins Amt gebracht hat. ramsauer_focuskoehler_klIn dem Gespräch erinnerte Köhler auch an Rohstoff-Knappheit und Umweltschäden und regte eine Wende der Wirtschaft hin zu „grünem Wachstum“ an. Wörtlich sagte er: „Auch auf die Gefahr hin, mich jetzt mit vielen anzulegen: Wir sollten zum Beispiel darüber nachdenken, ob der Preis von Benzin nicht tendenziell höher als tendenziell niedriger sein sollte.“ Schließlich sei der Preis das stärkste Signal, damit Menschen ihr Verhalten ändern.

Der ADAC fand das natürlich ganz blöde, hingegen applaudierten die Umweltverbände. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer meldete sich per Bild zu Wort: „Die Öko- bzw. Spritsteuer im Benzinpreis hat bis heute keinerlei Lenkungswirkung entfaltet“, so der CSU-Mann. „Gefahren wird wie eh und je.“ Doch der erste Satz ist schlicht falsch, der zweite lediglich geschickt formulierter Zweck-Populismus.

Denn selbstverständlich hat die von Rot-Grün 1999 eingeleitete „Ökologisch-Soziale Steuerreform“ (so der ausführlich Titel der „Ökosteuer“), deutliche Wirkungen gehabt. Die gezielte Verteuerung von Energie (z.B. Strom und Benzin) hat deren Verbrauch gedämpft, der deutsche Kohlendioxid-Ausstoß wurde so um zig tausend Tonnen pro Jahr gemindert, und durch höhere Steuerzuschüsse an die Rentenkassen wurden Beitragserhöhungen vermieden und Zehntausende von Arbeitsplätzen geschaffen. Nachzulesen ist das alles in ausführlichen Studien etwa des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) oder des Think Tanks Ecologic. (Noch stärker übrigens wären die positiven Effekte gewesen, wenn Wirtschaftslobbyisten, schwarz-gelbe Opposition und der Clement-Flügel der SPD die Ökosteuer nicht mit zahlreichen Ausnahmen regelrecht durchlöchert hätten.)

Geschickter schwindelt der Bundesverkehrsminister mit seiner zweiten Aussage. Denn in der Tat ist die Fahrfreude der Deutschen stabil groß: Laut dem Standardwerk „Verkehr in Zahlen“ (S. 220f.), herausgegeben von Ramsauers Ministerium, werden hierzulande mehr als eine Billion Personenkilometer pro Jahr zurückgelegt, mehr als 80 Prozent davon im „Motorisierten Individualverkehr“, also mit Personenwagen oder Motorrädern . So gesehen könnte man den Satz, es werde „gefahren wie eh und je“, durchaus gelten lassen. Schaut man sich aber genauer an, WIE die Leute fahren, so wird die Lenkungswirkung der Ökosteuer offensichtlich: Rot-grüne Politik schaffte es nämlich, den jahrzehntelangen Zuwachstrend beim Spritverbrauch zu brechen. Die alljährliche Steigerung galt im Nachkriegsdeutschland fast schon als Naturgesetz; laut Mineralölwirtschaftsverband (siehe Seite 51 des Jahresberichts 2008) explodierte der Verbrauch geradezu: von 2,6 Millionen Tonnen (1950) auf fast 60 Millionen Tonnen (1998). Doch im Jahr der Ökosteuer knickt diese Kurve plötzlich weg, exakt seit 1999 sinkt der Verbrauch. Diese Grafik des UPI-Instituts verdeutlicht  die Entwicklung:

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Das Bild zeigt auch einen weiteren Effekt, den Experten der Ökosteuer zuschreiben: den Trend zu relativ sparsamen Diesel-Pkws. Während nämlich der Benzinabsatz deutlich zurückging, blieb der Verbrauch von Diesel (bei zunehmender Fahrzeugzahl) ziemlich stabil.

Im Klartext: Die Leute fahren zwar nicht unbedingt weniger Auto, wenn das Tanken teurer wird – aber ganz offensichtlich fahren sie sparsamer bzw. mit sparsameren Autos. Und das sollte doch eigentlich auch dem Bundesverkehrsminister ein Anliegen sein, oder?


VDA: Mit Neusprech für Klimakiller

Sonntag, den 16. August 2009

Ein Jahr ist es her, dass der Verband der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam mit der Bild in patriotischem Schwarz-Rot-Gold  für „Unsere Autos“ trommelte. Ausgiebig haben die Lobbyisten seither an ihrer Propaganda-Website gearbeitet.
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Inzwischen präsentiert sie sich in so ausgefeiltem Neusprech, dass selbst George Orwell erblassen würde. Äußerst gekonnt werden da Aussagen über Fahrzeugsicherheit, Elektronikspielereien und Klimaschutz vermixt, um im Vorfeld der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main das Bild einer wahren Öko-Industrie zu hinterlassen. Irgendwie scheinen die „Träger der Initiative“ – laut Website Audi, BMW, Bosch, Daimler, Ford, Opel, Porsche und Volkswagen – solche Tricks nötig zu haben.

Jedenfalls sind viele Aussagen der Website ohne Dolmetscher kaum zu verstehen:

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Übersetzung: „Ein Glück, dass es auch andere Treibhausgase gibt neben Kohlendioxid und andere Klimasünder neben unseren Spritschleudern – sonst hätten wir kein Material für krude Vergleiche und schwer nachprüfbare Rechenspiele. Um die Verwirrung zu komplettieren liefern wir als Hintergrundinformationen zu dieser Aussage nicht etwa Grafiken über den CO2-Ausstoß ‚unserer Autos‘, sondern über Kohlenwasserstoff-Emissionen und andere Gifte – es fällt bestimmt keinem auf, wenn wir hier nur die Ergebnisse gesetzlicher Auflagen präsentieren.“vda_unsereautos09_2gr

Übersetzung: „Der hohe CO2-Ausstoß unserer Fahrzeugflotte – bei Audi waren es 2008 z.B. 176 g/km, bei Mercedes 188 g/km oder bei VW 166 g/km – beschämt uns so sehr, dass wir die einzelnen Zahlen nirgends auf diese Website gestellt haben. Denn dann würde jeder merken, dass wir mit dem Smart nur ein einziges 88-Gramm-Auto herstellen – das neben dem viel größeren Toyota Prius (89 Gramm) ziemlich alt aussieht.“
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Übersetzung: „Garantiert bekommt niemand mit, dass mit dem ‚wir‘ in diesem Satz diesmal nicht die deutschen Autos gemeint ist, sondern sich die Aussage zur Treibhausgasreduktion auf die deutsche Gesamtbilanz bezieht. Dass Experten den Rückgang der Verkehrsemissionen vor allem auf die Wirkung der rot-grünen Ökosteuer (die wir vom VDA stets bekämpften) zurückführen und auf die Umstellung vieler Pkw auf effizientere Dieselmotoren, das erwähnen wir natürlich nicht.“
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Übersetzung: „So richtig geht es zwar nicht voran mit der Forschung an den sogenannten ‚Biokraftstoffen der zweiten Generation‘. Wir machen trotzdem weiter Werbung damit – und sparen uns die Entwicklung wirklich verbrauchsarmer Autos. Obwohl viele Experten vor einer Überschätzung des CO2-Sparpotenzial von Biokraftstoffen warnen, schreiben wir 90 Prozent – mit den Wörtchen ‚bis zu‘ ist schließlich jedes noch so hochtrabende Versprechen irgendwie wahr.“

vda_unsereautos09_7grSo geht es weiter und weiter. Die Textakrobaten vom VDA verdrehen, verbiegen, lassen weg. Besonders phantasievoll waren sie bei einer kleinen Grafik, in der sie die weltweiten Verursacher von Kohlendioxid darstellen. Die Stromerzeugung liegt – dank dreckiger Kohlekraftwerke – mit großem Abstand auf dem Spitzenplatz, deutlich vor dem Straßenverkehr auf Platz 5. In der VDA-Illustration symbolisiert ein kleines Windrad den Energiesektor. Deutsche Autos, soll das wohl suggerieren, sind noch klimaschonender als Windkraftanlagen…

Wir wollen Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht mit weiteren Beispielen ermüden. Sondern zum Mitmachen aufrufen. Schicken Sie weitere Zitate von der Propaganda-Website des VDA und die zugehörige Übersetzung an: hinweise(at)klima-luegendetektor.de. Die drei „besten“ Einsendungen werden veröffentlicht – als Dank gibt es zudem je ein Exemplar des Buches zum Blog: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“.

Danke an Barbara M. aus Berlin für den Hinweis


Bild: Sechs Lügen für die Atomkraft

Mittwoch, den 8. Juli 2009

Nach dem wiederholten Störfall im AKW Krümmel sind die hochprofitablen Reaktoren von Eon, RWE, Vattenfall und EnBW unter Druck geraten – passend dazu präsentiert Deutschlands größte Boulevardzeitung heute auf Seite 2 in großen Lettern „Die 7 Wahrheiten über unsere Energie“. Sechs davon sind – nunja – blanke Propandalügen:

„Weltweit werden derzeit 42 Kernkraftwerke gebaut“, lautet Bild-Wahrheit Nr. 1. „Weitere 81 sind beantragt oder geplant – auch in unseren Nachbarländern Frankreich, Polen, Schweiz und Tschechien.“ – Die wahre Wahrheit ist: Von den gut 40 weltweiten AKW-Baustellen kommen manche seit Jahrzehnten nicht voran. Andere machen vor allem Schlagzeilen dadurch, dass Sicherheitsprobleme auftreten oder die Kosten explodieren. Selbst wenn alle diese Reaktoren ans Netz gehen, werden sie die gleichzeitig aus Altersgründen stillzulegenden AKW nicht ersetzen können. Und was ist mit Polen? Tatsächlich sieht das Regierungsprogramm „Die Energiepolitik Polens bis 2025“ einen Reaktorneubau vor. Nach einem Standort wird gesucht, unter anderem in unmittelbarer Nähe zum uckermärkischen Nationalpark Unteres Odertal. Doch weil 80 Prozent der Polen gegen Atomstrom sind, erwägt die Regierung, sich lieber an einem neuen Reaktor in Litauen zu beteiligen.

Bild-Wahrheit Nr. 2: „Unsere Stromversorgung bricht ohne Atomkraft zusammen!“ – Das hat man besonders gut im vergangenen Jahr beobachten können: Obwohl sieben Atomkraftwerke längere Zeit stillstanden, exportierten Deutschlands Stromkonzerne 22,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das ist etwa so viel, wie vier mittlere AKW im Jahr produzieren.

„Experten sagen voraus, dass sich der weltweite Strombedarf bis 2030 verdoppeln wird“, lautet Bild-Wahrheit Nr. 3. „Ohne Atomkraft ist die gigantische Energienachfrage nicht zu stillen.“ – Auch das ist Quatsch. Um den wachsenden Energiehunger weltweit mit AKW decken zu können, müssten Tausende neue Reaktoren gebaut werden – auch in vielen Ländern, die heute noch nicht über AKW verfügen. Das aber würde nicht nur die Gefahr eines katastrophalen Störfalls und der unkontrollierten Weiterverbreitung von Atomwaffen vervielfachen, auch der Brennstoff Uran würde in wenigen Jahrzehnten zur Neige gehen.

Bild-Wahrheit Nummer 4: „Sonne und Wind können Atomkraft nicht ersetzen. Gerade mal 11 Prozent unseres Stromes stammen aus Wind, Wasser und Sonne.“ – Die Wahrheit jenseits von Bild: Der Anteil aller erneuerbaren Energien an der deutschen Stromerzeugung lag nach den Erhebungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) 2008 bei 15,1 Prozent. Vermutlich wäre er noch größer gewesen, wenn die Netze nicht ständig mit Atomstrom blockiert wären: Bläst beispielsweise im Norden der Wind kräftig, müssen dort die Windräder abgeschaltet werden, weil die Stromnetze das Mehr an grüner Energie nicht fassen können.

„Atomstrom gehört zu den günstigsten Energiearten“, heißt es bei Bild als Wahrheit Nr. 5. „Die Herstellung einer Kilowattstunde kostet 2 Cent, bei Braunkohle sind es 5 Cent, bei Solarstrom 40 Cent.“ – Das mag stimmen, aber über niedrige Erzeugungskosten freuen sich vor allem die Konzerne. Beim Endkunden kommt davon wenig an. Und die Windkraft, die Bild geflissen verschweigt, ist mit rund neun Cent Erzeugungskosten bereits fast konkurrenzfähig.

„Der Ausstieg gefährdet den Standort Deutschland“, lautet Bild-Wahrheit Nr. 6. „Für energieintensive Branchen wie Auto, Stahl und Maschinenbau ist eine sichere und bezahlbare Stromversorgung von großer Bedeutung.“ – Wie „sicher“ die Stromversorgung aus den pannenanfälligen deutschen AKW ist, hat der Fall Krümmel gerade wieder gezeigt. Ingroßen Teilen von Hamburg brach die Strom- und Wasserversorgung zeitweise zusammen. Was Bild verschweigt: Der größte Jobmotor des vergangenen Jahrzehnts waren die erneuerbaren Energien. Seit 1998 nahm die Zahl der Arbeitsplätze in dieser Branche um 332 Prozent zu (auf 285.000 im Jahr 2008). In der AKW-Branche sank sie um 21 Prozent (auf 30.000). Und auch die viel gelobte Autoindustrie stagnierte bei einem Plus von fünf Prozent (745.000 Jobs 2008). 2020 werden die Ökoindustrien, so eine Prognose der Roland-Berger-Unternehmensberatung, satte 14 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften – doppelt so viel wie heute.

Einzig der Wahrheit Nr. 7 können wir zustimmen: „Das Problem Atomabfall ist ungelöst“, so Bild endlich einmal zutreffend. „Es gibt nach wie vor kein Endlager für den hoch radioaktiven Atomabfall (pro Jahr 400 Tonnen) in Deutschland.“

Bild schreibt immer die Wahrheit. Wer ihr mögliche Rücksichtnahme auf die Interessen von Großkonzernen unterstellt, den fährt Springer-Chef Mathias Döpfner schon mal brüsk an: „Also, jetzt wird’s ungemütlich. Sie stellen die redaktionelle Integrität der Bild-Zeitung infrage.“

Danke an Elias P. aus Berlin und Volker U. aus Aurich für die Hinweise


Vattenfall: Erster Wortbruch in Moorburg

Montag, den 26. Januar 2009

Hoch schlugen die Wellen, als Vattenfall vor gut zwei Jahren die Pläne für ein neues Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg bekanntmachte. Es gab heftige Proteste, fast wäre die schwarz-grüne Koalition in der Hansestadt an dem Klimakiller-Projekt gescheitert. Groß waren deshalb die Versprechen des Energiekonzerns: Mit Inbetriebnahme der neuen Anlage werde man ein altes Heizkraftwerk im nahen Wedel abschalten. Auf der Vattenfall-Homepage heißt es dazu, die Errichtung der neuen Anlage in Moorburg

Ausriss: soll bis zum Jahr 2012 abgeschlossen werden. Sie wird das dann 50 Jahre alte Kraftwerk in Wedel ersetzen.

Außerdem versprach Vattenfall, das neue Kraftwerk baldmöglichst mit einer Anlage zur Abscheidung von Kohlendioxid nachzurüsten.

Nun sind die Genehmigungen für Moorburg erteilt. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. Der rechte Zeitpunkt also, alte Versprecher, äh, Versprechen abzuräumen. Das Hamburger Abendblatt meldete am Wochenende, Vattenfall habe „mit Verweis auf die unsichere Situation in der Energiepolitik“ mittlerweile seine Pläne geändert: Wedel soll nun doch nicht mit Inbetriebnahme von Moorburg stillgelegt werden. Dabei hatte es in den öffentlichen Diskussionen immer geheißen, die neue Anlage sei doch ganz toll fürs Klima, weil dann das alte Kraftwerk abgeschaltet werde. Bild brachte dieses (schon immer falsche) Argumente mit einer Schlagzeile auf den Punkt: „Sind die Grünen Umweltsünder?“, fragte sie angesichts des Widerstands der GAL gegen die Vattenfall-Pläne. Dass die alte Anlage siebenmal kleiner ist als der neue Kraftwerksriese und deshalb der Kohlendioxid-Ausstoß in Moorburg ein Vielfaches von dem in Wedel betragen wird, war dem Boulevardblatt wohl schon zu komplex.

Bei Regierung, Opposition und Umweltverbänden ist nun jedenfalls die Empörung groß. Von „Wortbruch“ und „gezielter Täuschung“ ist die Rede. Das Abendblatt zitiert eine Vattenfall-Sprecherin mit der kühlen Bemerkung, „die Versorgungssicherheit der Fernwärmekunden“ habe nun mal „Priorität“, deshalb brauche man für eine Übergangszeit beide Anlagen. Von zwei Jahren Aufschub für die Stilllegung von Wedel ist nun die Rede. Mal sehen, wie es weitergeht. Und wann der Konzern den Ausstieg aus dem zweiten, lauen Versprechen einleitet: dem Bau der CCS-Anlage in Moorburg.


Volkswagen: Pack das Akw in den Tank

Mittwoch, den 3. Dezember 2008

Was noch vor Kurzem in der Autobranche mit breitem Gähnen quittiert wurde, elektrisiert heute alle: Fahren mit Strom. Mercedes-Benz und BMW haben bereits mit großem Auftritt in Berlin Modellprojekte vorgestellt (die aber erst irgendwann im kommenden Jahr starten sollen). Da will sich auch Volkswagen nicht lumpen lassen. Eine Blockbatterie mit digital angepinseltem Zapfhahn ist das neueste Motiv der VW-Anzeigenkampagne „driving ideas“, zu Deutsch etwa: „fahrende Ideen“ oder auch „Ideen vorantreiben“.

Im Annoncentext verspricht der Wolfsburger Konzern für die Zukunft

Dann folgt ein doppeldeutiger Satz: „Klar ist aber auch, dass es noch eine Weile dauern wird, bis es so weit ist.“ Moment, bis was so weit ist? Die Deckung des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien oder die Produktion eines Elektro-Volkswagen?

Was VW wirklich meint, zeigt ein Interview, das Konzernchef Martin Winterkorn vor ein paar Monaten der Bild gab. „Die Zukunft gehört dem Elektroauto“, sagte er auch da. Um daraus zu folgern: „Deshalb sollten wir über Atomkraft neu nachdenken“, weil der Strom ja „nicht vom Himmel“ falle.

Ehrlicherweise hätte die VW-Werbeabteilung also die Zapfpistole nicht an einen 9-Volt-Block, sondern an ein gelbes Atommüllfass kleben müssen. Das hätte aber wohl nicht so gut ausgesehen.

P.S.: Der Strom für Elektroautos kann natürlich sehr wohl vom Himmel fallen. Für die wetterabhängige und damit schwankungsanfällige Sonnen- und Windkraft wären die Batterien von Elektroautos ein idealer Speicher.


Vattenfall: Schweres Erbe für Generationen

Dienstag, den 2. September 2008

Hamburg erwartet mit Spannung die vermutlich wichtigste Entscheidung des Senats in dieser Legislaturperiode: Am 9. September wird die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk bekannt geben, ob das Kohlekraftwerk Moorburg weitergebaut werden darf oder nicht. Im Vorfeld versucht nun der Bauherr Vattenfall mit Großanzeigen in Hamburger Abendblatt und Bild noch einmal gut Wetter zu machen für das Großprojekt. Darin nimmt der Energiekonzern Bezug auf die Kampagne „Wachsende Stadt“, mit der Hamburg für Stadtentwicklungprojekte wie die neue „HafenCity“ wirbt.

Vattenfall schreibt: „Die Hansestadt wächst unaufhaltsam, und die Hamburger Bürger brauchen eine sichere Energieversorgung. Mit 12 Terawattstunden im Jahr deckt das neue Kohlekraftwerk Moorburg fast den kompletten Strombedarf der Stadt und liefert Fernwärme für Hunderttausende Haushalte.“

Im letzten Senats-Bericht „Monitor Wachsende Stadt“ dagegen ist zu lesen: „Da sich die Vorräte an fossilen Energieträgern erschöpfen und ihre Verbrennung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft die Hauptursache für den Klimawandel ist, ist es notwendig, die Potenziale der regenerativen Energien für eine wachsende Metropole zu nutzen.“ Eine Grafik zeigt, dass Hamburg bei den Pro-Kopf-CO2-Emissionen mit 10,8 Tonnen schon heute im vorderen Mittelfeld der Bundesländer liegt. Dazu heißt es: „Pro-Kopf-Emissionen von ca. 10 t entsprechen nicht mehr einer nachhaltigen Energienutzung.“ Hamburg lege daher ein „ambitioniertes Klimaschutzkonzept“ auf. Der Bericht stammt übrigens vom September 2007, als die CDU in Hamburg noch allein regierte.

Kurz darauf rang Vattenfall dem CDU-Senat eine umstrittene Vereinbarung ab, in der sich das Unternehmen unter anderem dazu verpflichtet, in Moorburg einige Jahre nach der für 2012 geplanten Inbetriebnahme eine CO2-Abscheidungsanlage (CCS) zu installieren. Allerdings ist dieses Versprechen angesichts der Rückschläge bei der CCS-Erforschung kaum einzuhalten. Weil Vattenfall sich von der Verpflichtung mit nur 10,5 Millionen Euro freikaufen kann, halten Kritiker den Deal für eine Mogelpackung.

Ginge das Kraftwerk wie geplant in Betrieb, würde es jährlich zehn Millionen Tonnen CO2 emittieren. Hamburgs CO2-Ausstoß würden um 70 Prozent anschwellen. Die Pro-Kopf-Emissionen stiegen auf einen Schlag um beinahe sechs Tonnen jährlich.

Der Vattenfall-Anzeigentext suggeriert, ohne Moorburg sei die Energieversorgung in Hamburg nicht „sicher“ – dabei droht in hierzulande keine Stromlücke, schon gar nicht in Hamburg, weil die zahlreichen geplanten Windparks vor den Küsten in Norddeutschland in wenigen Jahren für ein Überangebot an Strom sorgen werden. Entscheidend ist, dass Hamburg beziehungsweise Vattenfall in die richtigen Technologien investieren. Der BUND hat in einer Studie die Alternativen zu Moorburg durchgerechnet: Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien, verbesserter Energieeffizienz und erdgasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen würden die CO2-Emissionen um bis zu 80 Prozent geringer ausfallen als mit dem Großkraftwerk. Darüber hinaus zeigen die Berechnungen zweier Energieinstitute, dass der Betrieb von Moorburg schon bald unrentabel wird, wenn die Kohlendioxid-Emissionsrechte wie geplant voll versteigert werden. Auch die extrem teure Nachrüstung mit einer CCS-Anlage und die dadurch entstehenden Effizienzverluste würden das Kraftwerk unwirtschaftlich machen.

Unter der Vattenfall-Anzeige, die eine fröhliche Familie in der HafenCity zeigt, steht der Slogan:

Moorburg soll mindestens 40 Jahre laufen, also bis Mitte des Jahrhunderts – bis dahin müssen die Industrieländer ihre CO2-Emissionen um 80 Prozent reduziert haben. Mit neuen Kohlekraftwerken ist dieses Ziel praktisch nicht zu schaffen. Vattenfall baut in Moorburg also eher ein schweres Erbe für Generationen.


Stromlücke (6): Michael Glos biegt Studie zurecht

Mittwoch, den 13. August 2008

Das Bundeswirtschaftsministerium hat diese Woche routinemäßig seinen „Monitoring-Bericht zur Versorgungssicherheit im Bereich der Elektrizitätsversorgung in Deutschland“ vorgelegt, zu dem es alle zwei Jahre verpflichtet ist. Ebenso routiniert nutzte Minister Michael Glos (CSU) den Anlass, um mal wieder vor einer „Stromlücke“ und höheren Strompreisen zu warnen – und daraus abgeleitet den Atom-Ausstieg in Frage zu stellen und noch mehr neue Kohlekraftwerke zu fordern. Der Bild war das gar eine Meldung auf Seite 1 wert, samt Ausrufezeichen und dem Wort „Alarm“:

Und wie das halt so ist, plapperten die anderen Medien – von stern.de bis Reuters - die Botschaft nach; einzig die Kollegin von zeit.de scheint vor Niederschrift ihres Textes auch einen Blick in den „Monitoring-Bericht“ selbst und die zugrundeliegende 186-seitige Experten-Studie geworfen zu haben und titelte zutreffend: „Keine Angst vorm Stromausfall!“ In dem Gutachten dreier Forschungsinstitute steht nämlich wenig, was Glos‘ Warnungen rechtfertigt – und im Punkt Atom-Ausstieg sogar genau das Gegenteil.

Detailliert rechnen die Experten darin vor, wieviel neue Kraftwerkskapazitäten hierzulande bis 2020 notwendig werden und fassen dann – etwas umständlich vielleicht – zusammen:

Gegenwärtig haben, das wird aus der Studie deutlich, die Energiekonzerne erheblich mehr Neubauten von Steinkohlekraftwerken in Planung oder bereits in Bau, als zur Deckung des zu erwartenden Bedarfes notwendig sein wird. Es sei jedenfalls kein Problem, so die Forscher auf Seite 66 ihrer Studie, dass in den letzten Monaten einige Projekte u.a. wegen lokaler Proteste aufgegeben wurden:

Am Interessantesten aber ist, was Glos‘ Gutachter zum Thema Investitionssicherheit schreiben:

Michael Glos ist also entweder dumm oder dreist, wenn er – mit Verweis auf exakt diese Studie! – erneut den Atomausstieg öffentlich in Frage stellt. Und das Wirtschaftsministerium macht seine eigenen Gutachter zu Idioten, wenn es in der Presseerklärung zum „Monitoring-Bericht“ behauptet, „alle rationalen Gründe“ sprächen „für eine Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten“.


Erwin Huber (CSU): Lügen für die Atomkraft

Montag, den 28. Juli 2008

CSU-Chef Erwin Huber hat am Wochenende der Bild am Sonntag ein Interview, äh, „Heimatgespräch“ gegeben.

Passend zur Überschrift ließ sich Huber von Starfotograf André Rival vor einem Akw ablichten. „Vergleichbares hat sich seit der Katastrophe von Tschernobyl im April 1986 kein deutscher Spitzenpolitiker getraut“, kommentierte Spiegel Online. In dem Interview geht es erst um Hubers „harte Kindheit“ und seine Zeit in der Freiwilligen Feuerwehr – und schließlich um die Atomkraft:

Huber gelingt hier das Kunststück, in drei Sätzen vier Lügen bzw. Halbwahrheiten über die Atomkraft unterzubringen:

Erstens sind (auch wenn es bisher keine Katastrophe wie in Tschernobyl gab) die deutschen Akw nicht sicher - Listen von gravierenden Störfällen gibt es auf den Internetseiten von Greenpeace und den Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs.

Zweitens ist Atomstrom nicht „CO2-frei“ – eine Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums ermittelte 31 bis 61 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde, je nach Herkunft des Urans.

Drittens ist Atomstrom keine „heimische Energiequelle“ – sämtliches Uran für die deutschen Akw muss importiert werden.

Viertens ist Atomstrom nicht der „preisgünstigste, den es auf der Welt gibt“ – sondern nur durch milliardenschwere Subventionen und die Freistellung der Betreiber von den Risiken überhaupt konkurrenzfähig (eine Übersicht findet sich beispielsweise bei Eurosolar oder in einem englischsprachigen Greenpeace-Papier).

Auf die Bitte nach Belegen für Hubers Behauptungen bat die CSU-Pressestelle erstmal um schriftliche Einreichung der Fragen. Am Nachmittag kamen dann die – ebenfalls schriftlichen – Antworten: Erstens habe Erwin Huber in dem Interview doch auch gesagt, dass die Risiken der Kernkraft „beherrschbar“ seien, „der Treibhauseffekt ist es nicht“. Zweitens, ja, es gebe schon Kohlendioxid-Emissionen bei der Atomkraft, aber eben weniger als bei anderen Arten der Energieerzeugung. Etwas komplizierter ist die CSU-Logik zu Punkt 3: Weil Akw (rein volumenmäßig) weniger Brennstoffe bräuchten als Kohlekraftwerke, stehe bei der Atomkraft „die Technologie der Energiegewinnung im Vordergrund“ – und „die Technologie der deutschen Kernkraftwerke stammt aus heimischer Produktion“. Viertens schließlich seien die deutschen Akw längst  abgeschrieben, deshalb fielen – anders als bei neu zu bauenden – Kohlekraftwerken oder Windparks auch keine „Amortisationskosten“ mehr an.

Toll. Dann sollte man die deutschen Akw doch am besten noch tausend Jahre laufen lassen!

Danke an Roland S. für den Hinweis


Bild & RWI: Windige Zahlen für die Atomkraft

Mittwoch, den 9. Juli 2008

7 Wahrheiten

Man sollte grundsätzlich misstrauisch sein, wenn die Bild-Zeitung „Wahrheiten“ ankündigt. Aber was sich heute auf Seite 2 von Deutschlands größter Boulevard-Zeitung fand, war schon ein besonderes Werk: „Kernkraft ist sicher“, lautete Wahrheit Nummer 1, sie befinde sich weltweit „im Aufschwung“, hieß es unter Punkt 2. Ersteres wird regelmäßig durch kleine oder größere Störfälle widerlegt. Zu Zweitem bräuchte man eigentlich nur zu sagen, dass die derzeit in Bau befindlichen Neu-AKW die altersbedingt in den nächsten Jahren nötigen Abschaltungen nicht ausgleichendie Zahl der Atomkraftwerke weltweit also eher im Abschwung ist.

Bild-Wahrheit Nummer 3 war zumindest neu – und wurde deshalb auch von der Deutschen Presseagentur und, nochmals zugespitzt, von focus.de weiterverbreitet.

Doch wahr ist diese „Wahrheit“ deshalb noch lange nicht. Denn die Erzeugungskosten einer Kilowattstunde Strom haben nur mittelbar etwas damit zu tun, wie viel der Endkunde dafür zahlen muss. Dessen Preis orientiert sich viel stärker an den Kursen der Strombörse in Leipzig. Die Differenz zwischen dem dort erzielbaren Preis und den Erzeugungskosten fließt als Gewinn in die Kassen der Energiekonzerne.

Der von Bild zitierte Experte Dr. Manuel Frondel vom RWI, dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, tritt in den Medien regelmäßig als Kritiker auf, wenn es beispielsweise gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz und dessen Förderung für Solarstrom geht. Wir haben Manuel Frondel angerufen und nach den Details seiner Rechnung gefragt. Leider hat er uns die im Gespräch gefallenen Zitate nicht autorisiert, weshalb wir sie hier nur indirekt wiedergeben dürfen. Klar, er habe die Zahl nur sehr überschlägig ermittelt, so Frondel, nämlich indem er die Differenz der Erzeugungskosten von Atom- und Kohlestrom – ca. zwei Cent pro Kilowattstunde – mit der Menge des im vergangenen Jahr hierzulande erzeugten Atomstroms (140 Mrd. kWh) multiplizierte und über 20 Jahre aufaddierte.

In der Tat, räumt Frondel ein, haben die Erzeugungskosten erst mal nichts mit dem Endpreis des Stroms zu tun. Die errechnete Ersparnis fällt also bei den Stromkonzernen an, und natürlich müssten die ihre Ersparnisse nicht an die Verbraucher weitergeben. Dies habe er so auch nie gesagt.

Die Bild-Zeitung allerdings zitierte ihn mit der Aussage, durch die Verschiebung des Atomausstiegs blieben „uns“ Kosten von 50 Milliarden Euro erspart. Wieso sagt Frondel „wir“, wenn es um Einsparungen auf Seiten der Energieerzeuger geht? Vielleicht, weil sein Institut mit der Energiewirtschaft verbändelt ist? Weil der langjährige Präsident der Gesellschaft der Freunde und Förderer des RWI Dietmar Kuhnt heißt? Der Dietmar Kuhnt, der vorher Vorstandschef des AKW-Betreibers RWE AG war?

P.S.: Für BILDblog ist einer der Autoren der Bild-“Wahrheiten“, Oliver Santen, übrigens kein unbekannter, schön öfter ist er durch ungemein wohlwollende Texte aufgefallen.