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REWE/toom: Nachhaltige Startschwierigkeiten

Mittwoch, den 24. November 2010

Das Hauptmotiv der neuen Anzeigenkampagne der Rewe-Handelsgruppe ist ganz hübsch: Eine Kleinfamilie steht da mit ihrem gefüllten Einkaufswagen auf einem Waldweg, vor ihr ein großer Holzlaster, die Trucker gucken verblüfft: „Unsere Kunden bewegen mehr als ihren Einkaufswagen“, lautet der Slogan dazu. Der zweitgrößte Lebensmittelhändler Deutschlands will sich so als Adresse für „verantwortungsvollen Einkauf“ empfehlen. Nachhaltigkeit, heißt es auf der Firmenwebsite, sei bei Rewe „fest in der Unternehmensphilosophie“ verankert.

Im Anzeigentext erfährt man dann leider, dass die „verantwortungsvollen“ Produkte nur einen Teil des Sortiments ausmachen. An einem neuen Label namens „Pro Planet“ sollen sie bei Rewe, toom und Penny ab sofort zu erkennen sein, es geht beispielsweise um Schreibblöcke aus Recyclingpapier oder Wandfarben ohne Lösungsmittel. „Dabei kombinieren wir Imagewerbung intelligent mit Verkaufsimpulsen“, erklärte Rewe-Vorstandschef Alain Caparros.

Die Realität bei Rewe sieht allerdings nicht ganz so glänzend aus wie die von der Edel-Agentur Scholz&Friends betreute PR-Kampagne. So wählte man als Partner für die Elektroauto-Ladestationen in Berliner Märkten ausgerechnet Vattenfall - jenen Konzern, dessen Braunkohlekraftwerke Unmengen von Kohlendioxid ausstoßen und der mit 890 Gramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde laut Greenpeace „Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter“ ist.

Zudem ging bei Rewes Baumarkttochter toom der Start der Öko-Offensive gründlich daneben, dort hat man Imagewerbung und Kaufimpulse tatsächlich sehr intelligent miteinander verbunden. Mit billigen Energiesparlampen lockte toom Kunden in die Filialen, schaltete dazu auf Seite 1 der Bild eine große Annonce. Für 99 Cent wurden da Lampen aus „Energieeffizienzklasse A“ angepriesen – doch tatsächlich zeigte und verkaufte toom schlechtere Energiesparlampen der Klasse B. Daraufhin ging die Deutsche Umwelthilfe (DUH) juristisch gegen Rewe und die Bild vor. „Mit falschen Angaben wurden die Verbraucher getäuscht und zum Kauf niederwertiger Energiesparlampen verleitet“, kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes wird mit solchen Aktionen eine grundsätzlich positive Technologie wie die Energiesparlampe diskreditiert.“

Vor einigen Tagen fiel toom zum zweiten Mal negativ auf: Die Kette verkaufte Energiesparlampen mit überhöhten Quecksilberwerten. Bereits seit Juli 2006 beschränkt die RoHS-Richtlinie der EU die Menge dieses gefährlichen Schwermetalls auf höchstens fünf Milligramm pro Lampe, die DUH fand bei Testkäufen jedoch 5,7 und 6,35 Milligramm. Rewe rechtfertigte das gegenüber der DUH mit den Worten, man habe die beanstandeten Lampen schon im Mai 2002 eingekauft – dieses Datum sei juristisch der Zeitpunkt des Inverkehrbringens, mithin fielen die fraglichen Lampen auch heute noch nicht unter den EU-Grenzwert. Nachhaltig sei bei Rewe, so DUH-Mann Resch, „nur das Streben nach Gewinnmaximierung, notfalls auch zu Lasten der Gesundheit der Verbraucher und der Umwelt“.

„Das ist zweimal wirklich blöd gelaufen“, sagt Rewe-Sprecher Andreas Krämer hörbar zerknirscht. Im ersten Fall sei einem Mitarbeiter der Werbeabteilung schlicht ein Fehler passiert, im zweiten Fall habe es sich um „eine minimale Restmenge“ alter Lampen gehandelt – und die Antwort des Firmenjuristen sei mit der Unternehmensspitze nicht abgestimmt gewesen. Krämer versichert, dass man es tatsächlich ernst meine mit dem Nachhaltigkeitsengagement. Die Vorfälle seien Rewe bzw. toom „wirklich unangenehm“ – und sollten nicht nochmal vorkommen.

Nun, wir werden ein Auge drauf haben.

Danke an Christian B. und Christoph S. für die Hinweise


Compo Blumenerde: Moorleiche mit Bio-Stempel

Donnerstag, den 8. April 2010

compo_bioerde_grNun, endlich, ist der Frühling da. Auf Balkonen und in Gärten wird gewerkelt, was das Zeug hält. In den Bau- und Gärtenmärkten wimmelt es vor Kundinnen und Kunden. „Wow“, freuen die sich, neuerdings gibt es sogar Blumenerde in Bio-Qualität! Jedenfalls liegen diese Plastesäcke der Münsterschen Firma Compo, einer Tochter des Düngemittelgiganten K+S, in etlichen Baumärkten, beispielsweise bei der „toom“-Kette.

„Bio Universal-Erde“ also prangt auf den Säcken, dazu ein possierlicher Pinguin. Und vielleicht erinnern sich die Gartenfreunde, dass sie schon irgendwann einmal gehört hatten, dass die übliche Blumenerde ein ziemlicher Umweltfrevel ist – denn sie besteht größtenteils aus Torf, der in Mooren gestochen wird. Rund zehn Millionen Kubikmeter Torf werden nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Deutschland jährlich verbraucht – ein Großteil davon wandert in Hobbygärten, Blumentöpfe oder Balkonkästen. Von hierzulande einst 500.000 Hektar Hochmoorflächen, so die Umweltstiftung WWF, existieren heute noch 30.000. Beim Torfabbau gehen nicht nur Lebensräumen seltener Tier- und Pflanzenarten verloren, etwa von Birkhuhn, Kreuzotter oder Sonnentau, einer fleischfressenden Pflanze. Moore sind außerdem ein wichtiger Speicher für Kohlendioxid - weltweit binden sie mehr von dem Treibhausgas als alle Wälder zusammengenommen. Wird der Torf gestochen und der Luft ausgesetzt, wird das Kohlendioxid wieder frei. Wer wirklich einen grünen Daumen hat, kauft also keine torfhaltige Blumenerde.

Doch auf der Rückseite des Compo-Sacks dann die Überraschung – bei „Ausgangsstoffe“ steht: „75 % Hochmoortorf wenig bis stark zersetzt“. Die vermeintliche Bio-Erde ist also in Wahrheit ein Biotop-Killer. compo_bioerde_logoWohl um darüber hinwegzutäuschen, schmückt die Rückseite des Sacks gleich noch ein freundlich und grün wirkendes Logo. Und in einem langen Text (der sich wortgleich auf der Compo-Website findet) versucht man, die negativen Folgen des Torfabbaus kleinzuschreiben. Von „selbstverständlicher Verantwortung“ für die Natur ist da die Rede und von „klaren“ Naturschutzgesetzen. Hierzulande werde Torf „ausschließlich auf bereits seit Jahrzehnten degenerierten,
trockengelegten Flächen“ abgebaut, heißt es da. Das mag ja stimmen – doch wurden die Flächen eben doch vom Menschen trockengelegt. Und längst werden Millionen Tonnen Torf aus Osteuropa importiert, über die Zustände dort spricht die deutsche Garten- und Erden-Industrie ungern. Und nach dem Torfabbau, schreibt Compo, werde sowieso renaturiert, also die „natürliche Moorlandschaft“ wiederhergestellt:

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Heidrun Heidecke, die beim BUND in Berlin für den Moorschutz zuständig ist, kann darüber nur lachen. „Compo verschweigt relevante Dinge“, sagt sie. Ein bisschen Wasser auf abgetorfte Böden zu kippen, das ergebe noch keine Moorlandschaft. „Frühestens in ein paar Jahrzehnten könnte man davon sprechen.“ Torfschichten wachsen nämlich nur um etwa einen Millimeter pro Jahr. Den Klimaschaden schließlich, den mache keine Renaturierung wett: Denn die Torfförderung bringt nun einmal Kohlenstoffmengen wieder an die Oberfläche, die besser im Boden geblieben wären. Für umweltbewusste Kunden hat der BUND deshalb einen Einkaufsführer erarbeitet, der torffreie Blumenerden empfiehlt.

Aber was hat denn dann das „Bio“ auf dem Compo-Sack zu suchen? Anruf bei der Firmen-Pressestelle: Die Rezeptur der Erde sei so gewählt, erklärt die Sprecherin, „dass sie für den ökologischen Landbau geeignet ist“. Aha, die Erde ist also kein Bio-Produkt, sondern sie ist für Bio-Produkte gedacht! „Compo darf das tatsächlich da draufschreiben“, sagt auch Umweltschützerin Heidecke. „Anders als etwa bei Lebensmitteln ist der Begriff ‚bio‘ bei Erden und Pflanzsubstraten nicht gesetzlich geschützt.“