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Vattenfall: Sie tun’s schon wieder

Donnerstag, den 20. September 2012

Dieser Klima-Lügendetektor beginnt mit einem Zitat. Mit einem etwas längerem.

Vorhang auf (Zitat-Anfang):

„Von allen Energiekonzernen lügt Vattenfall am dreistesten. Regelmäßige Leser des Klima-Lügendetektors erinnern sich gewiss an die „Klima-Unterschrift“: In großformatigen Anzeigen und im Internet rief Vattenfall dazu auf, mit unserer Unterschrift die Politik zu mehr Klimaschutz zu bewegen. Zur gleichen Zeit beantragte der Konzern drei neue Braunkohletagebaue in der Lausitz.

Erinnert sei auch an das Kraftwerk Hamburg-Moorburg, welches Vattenfall mit einer CCS-Technologie versprach, also mit integrierter Abscheidung des Kohlendioxids aus den Rauchgasen. Das war natürlich genauso gelogen, wie der Slogan „Für Deine Zukunft spannen wir die Windenergie ein“, mit der Vattenfall im Frühjahr 2008 warb: Damals produzierte der Konzern gut 1 Prozent seines Stromes mit Windkraftwerken, heute sind es immer noch gut 1 Prozent.“

Vorhang zu (Zitat-Ende)

Vattenfall-Lügen auf dem Klima-Lügendetektor zu präsentieren, ist nicht sonderlich innovativ. Kenner dieser Seite haben vielleicht erkannt: Der Detektor zitiert sich hier selbst.  Und doch kommen wir gar nicht umhin, uns immer wieder mit dem Deutschlandableger des schwedischen Staatskonzerns zu befassen. Tatsächlich haben etliche PR-Agenturen gelernt, die halbwahren Werbe-Botschaften ihrer fossilen Kunden nicht mehr so offenkundig, die menschliche Intelligenz beleidigend zu verkaufen. Was die Arbeit für die Lügendetektoren übrigens deutlich schwieriger gemacht hat. Aber dann kommen eben Vattenfall-Werbe-Strategen daher und die Arbeit der Detektoren ist wieder so simpel, dass sich die Autoren fragen, ob im fünften Jahr des Bestehens so etwas dem Stammpublikum eigentlich noch zuzumuten ist.

Konkret: Vattenfall lügt. Schon wieder!

Vattenfall hatte im vergangenen Jahr versprochen:

In der dazugehörigen Anzeige hieß es: „Die Hauptstadt hat ambitionierte Klimaschutzziele. Vattenfall trägt wesentlich zu deren Erreichen bei. In der Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin verpflichtet sich Vattenfall, seine CO2-Emissionen in Berlin bis zum Jahr 2020 zu halbieren.“

Vattenfall wollte dafür ein altes Kohlekraftwerk durch ein neues Biomasse-Kraftwerk ersetzen, in dem ab 2019 jährlich rund 500.000 Tonnen Holz verfeuert werden sollten. In Berlin-Lichterfelde sollte ab 2014 ein modernes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Betrieb gehen und 70.000 Haushalte versorgen.

Doch nun heißt es in der taz:

Es wird nämlich nichts mit dem von Vattenfall versprochenen Gas- und Biomasse-Kraftwerken. Zumindest nicht vor 2020. Das Motto von Vattenfall: ‚Was scheren mich meine Zusagen von Gestern, wenn ich heute meinen Profit maximieren kann.‘

Michael Schäfer, klimapolitischer Sprecher der Grünen, wirft Wowereit in der taz vor, Vattenfall aus der Verantwortung für das wichtigste Klimaschutzprojekt der Legislatur zu entlassen. Durch einen verspäteten Braunkohleausstieg könnten bis zu 4 Millionen Tonnen zusätzliches CO2 ausgestoßen werden, was 20 Prozent des Berliner Jahresausstoßes entspräche.

Vattenfall wollte gegenüber der taz nichts zu einem späteren Ausstieg sagen. „Aber wir werden die Klimaschutzvereinbarung und die Halbierung der CO2-Emission bis 2020 erreichen“, beteuerte ein Sprecher Steifen Ernstes. Wie Vattenfall das gelingen will – dazu konnte der Sprecher nichts aussagen.

Jede Wette: Zu diesem Thema werden Sie hier wieder lesen – MÜSSEN.

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Vattenfall: Gute Stimmung herlügen

Montag, den 17. September 2012

Vattenfall hat gerade eine Werbeoffensive gestartet. „Komm ins Team“, heißt es beispielsweise in der Berliner Zeitung. Oder im Hamburger Abendblatt: „Für die Energiewende in Hamburg braucht es Innovationen, Versorgungssicherheit – und mich“.  In der Sächsischen Zeitung lautet die Botschaft:

Im Kleingedruckten heißt es dort: „Braunkohle ist ein moderner, flexibler und bezahlbarer Energieträger – und spielt eine wichtige Rolle bei der Beschäftigung und Wertschöpfung in der Lausitz.“

„Modern, flexibel und bezahlbar“ – das ist natürlich glatt gelogen. Das größte Problem der Moderne ist die Erderwärmung und Braunkohle ist der mit Abstand klimaschädlichste aller Energieträger und damit das unmodernste, was es gibt. Pro Kilowattstunde Strom werden dreimal so viel Treibhausgase frei, als wenn diese Kilowattstunde beispielsweise in einem wirklich modernen Gaskraftwerk erzeugt worden wäre.

Die Bezeichnung „flexibel“ ist ein Witz der Werbetexter: Rohbraunkohle besteht zu 55 Prozent aus Wasser, zu 5 Prozent aus Asche und zu 40 Prozent aus Kohle. 60 Prozent des Brennstoffs sind also schon einmal Abfall. Und wenn man bedenkt, dass Menschen umgesiedelt werden müssen, bevor viele tausend Tonnen Abraum bewegt werden können, um die Tonnen Rohbraunkohle dann endlich zu heben, wird deutlich, wie „flexibel“ Braunkohle tatsächlich ist.

„Bezahlbar“ ist die Braunkohle nur deshalb, weil ihre wahren Kosten verschleiert sind: Der deutsche Steuerzahler musste Milliarden aufbringen, um die Tagebau-Restlöcher aus DDR-Zeiten zu renaturieren. Weil die Politik jede Menge Schlupflöcher in den europäischen Emissionshandel einbaute, kostet dort die Tonne Treibhausgas derzeit gerade mal so viel wie zwei Gläser Bier. Für die Klimaschuld in anderen Ländern zahlt Vattenfall natürlich nichts. Nach Greenpeace-Recherchen sind die deutschen Vattenfall-Kohlekraftwerke für rund 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verantwortlich– doppelt so viel wie ganz Bangladesch emittiert. In Bangladesch aber sterben schon heute Menschen an der Erderwärmung.

Menschenleben sind nicht „bezahlbar“. Vattenfall lügt wie gedruckt, weil der Konzern gute Stimmung für einen neuen Tagebau braucht. Derzeit laufen die Anhörungen zum geplanten Tagebau Welzow Süd. Zwar will Vattenfall hier erst ab 2027 Braunkohle fördern. Aber das Genehmigungs-Prozedere ist eben so unflexibel, dass jetzt schon mit den Planungen begonnen werden muss.

Zumal der Widerstand von den Betroffenen nicht unerheblich ist. Die Lausitzer Rundschau vermeldete (man beachte die dazu gehörige Werbung):

Ganz „modern“ ist Vattenfalls Politik der Zwangsumsiedlung nämlich nicht: 800 Menschen würden ihr Zuhause verlieren, sollte der Tagebau genehmigt werden. Das erinnert doch sehr an Nazi- oder DDR-Zeiten, als die Leute notfalls mit Gewalt vertrieben wurden.

Deshalb führt Vattenfall „Beschäftigung und Wertschöpfung“ ins Gefecht. Und hier sagt Vattenfall tatsächlich die Wahrheit. Nach dem Motto: „Wenn viele das Falsche machen und damit richtig Kohle verdienen, dann kann das Falsche von Vattenfall ja nur das Richtige für alle anderen sein.“

Danke an Susi M. aus Dresden für den Hinweis

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Kanzleramt: Ökostrom aus Uralt-Kraftwerk

Montag, den 10. September 2012

Herrje, wie oft muss man das denn noch sagen? Dass Ökostrom nicht gleich Ökostrom ist. Dass, wer durch seinen Strombezug wirklich etwas bewirken will für Klima und Umwelt, auf die genaue Herkunft achten muss. Dass – wie die Fachleute es nennen – der „zusätzliche Umweltnutzen“ davon abhängt, ob Ökostrom aus neuen Erzeugungsanlagen kommt – denn wenn man sich grünen Strom aus Altkraftwerken andrehen lässt, dann findet ja nur eine Neuverteilung des Stromkuchens statt: Der Betreiber zum Beispiel eines alten Wasserkraftwerks verkauft nun die Elektrizität, die er sowieso seit langem produziert hat, nicht mehr im Rahmen seines normalen Strommixes an alle Kunden, sondern an ausgewählte Abnehmer, die so blöd sind, für diesen Altstrom einen Aufpreis zu zahlen; die anderen Abnehmer erhalten im Gegenzug mehr dreckigen Strom, zum Beispiel aus Kohleblöcken, für die Umwelt ändert sich unterm Strich nichts.

Aber Moment, der Reihe nach. Wie Sie sich vielleicht erinnern, schrieben wir hier vor zwei Monaten über Angela Merkels neuen Ökostrom. Auf den war die Kanzlerin so stolz, dass sie den Umstieg eigens in ihrem wöchentlichen Podcast verkündete. Wir hingegen waren vor allem neugierig – darauf, woher der Strom denn komme.

Von der Firma Vattenfall, lautete die knappe Auskunft des Bundespresseamtes. Auch die für den Strombezug zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bafi) mochte keine Details verraten, weshalb wir förmliche Auskunft gemäß Informationsfreiheitsgesetz (IFG) verlangten.

Und, siehe da, plötzlich gab es doch Details (zwar nicht so viele, wie wir gern gehabt hätten, aber egal). Und, siehe da, unser Verdacht hat sich bestätigt. Die Bafi in Bonn schreibt uns nämlich:

Und das Kraftwerk Porjus, so Wikipedia, ist nicht nur ein altes Kraftwerk, sondern sogar „eines der ältesten“ in ganz Schweden. „Das Kraftwerk wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut“, schreibt auch Vattenfall auf seiner Website. Zwar wurden die Turbinen von vor hundert Jahren zwischenzeitlich ersetzt, aber das heutige Kraftwerk Porjus mit seiner Erzeugungskapazität von 465 Megawatt arbeitet auch schon seit 1975.

„Herrje“ ist das einzige Wort, das uns dazu einfällt. Jeder halbwegs kompetente Mensch weiß, dass ein Wasserkraftwerk nach fast 40 Jahren keine Neuanlage mehr ist. Hochwertige Ökostromanbieter garantieren zum Beispiel, dass mindestens ein Drittel oder gar hundert Prozent der gelieferten Energie aus Anlagen stammt, die nicht älter als sechs Jahre sind.

Als Service für die Damen und Herren im Bundeskanzleramt und in der Bundesanstalt für Immoblienaufgaben hier nochmal ein Auszug aus einem Ratgeber zur „Beschaffung von Ökostrom“, den das Umweltbundesamt speziell für Behörden herausgegeben hat:

Die Broschüre stammt übrigens aus dem Jahr 2006. Entweder hat man sie im Kanzleramt bis heute nicht gelesen. Oder es geht beim Ökostrom der Kanzlerin nicht um einen „konkreten Nutzen“ für die Umwelt, sondern für das Image.


Bild: Überschriften 30 Prozent tendenziöser!

Dienstag, den 28. August 2012

Peng! Das war ja heute wieder eine jener Titelseiten, für die man Bild so sehr schätzt: Hauptthema ist das „Liebes-Aus“ von Helge Schneider (allerdings mit Fragezeichen). Daneben spricht eine „Eiskunstlauflegende“ über „Männer, Sex & den Tod“. Eine „große Festveranstaltung“ der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bonn bot Gelegenheit, gleich zwei Fotos von Altkanzler Helmut Kohl unterzubringen. Und mittendrin diese Schlagzeile:

Man beachte das Ausrufezeichen am Ende der Überschrift und das liebevoll gebastelte Anti-Ökostrom-Logo links daneben. Der Minitext unter der Schlagzeile lautet: „Immer weiter steigt der Strompreis an, bringt Mehrkosten für Verbraucher und Familien bis zu 30 Prozent in den nächsten acht Jahren. Welche Rolle der teure Ökostrom spielt, warum die Preise gerade jetzt explodieren und was die Regierung beim Energiegipfel heute beschließen will – Seite 2″

Eine satte Leistung! Ganz beiläufig hat Bild den Ökostrom umgetauft in „der teure Ökostrom“. Und gleich zweimal die „30 Prozent“ auf der Titelseite untergebracht – da wird das Springer-Blatt für die Zahl sicher eine erstklassige Quelle haben…

Auf Seite 2 dann die Überraschung: Eine Infografik mit der Überschrift „Diese Infografik zeigt, wie die Preise entstehen“ zeigt tatsächlich, wie die Preise entstehen!

Im Detail ist da nachzulesen (im rechten Teil der Grafik), dass Privathaushalte gut viermal so viel für eine Kilowattstunde (kWh) Strom ausgeben wie die energieintensive Industrie (nämlich 25,45 Cent gegenüber 6,08 Cent). Dass die Privathaushalte derzeit 3,53 Cent Ökostrom-Umlage pro kWh zahlen müssen, Stromgroßkunden in der Wirtschaft aber nur ein Siebzigstel davon, nämlich 0,05 Cent. Dass Privathaushalte im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes insgesamt 4,5 Milliarden Euro pro Jahr für die Energiewende zahlen, die industriellen Großverbraucher hingegen läppische 37 Millionen Euro.

Im Text über der Grafik finden sich dann noch weitere Wahrheiten, die wir hier ständig ausbreiten - die dem größten Teil des Bild-Publikums hingegen neu sein dürften:

Wie gesagt, diese klaren Worte haben uns wirklich überrascht. Weshalb wir diesmal gar nicht auf anderen Textstellen herumreiten wollen, in denen sich das Springer-Blatt doch gewohnt industriefreundlich gibt.

Nur eins, die Quelle für die „30 Prozent“ aus der Titelzeile – die wollen wir Bild dann doch nicht durchgehen lassen: Es ist Tuomo Hataka, der gestern im Interview mit der Süddeutschen Zeitung von einem solchen Energiepreisanstieg sprach. Toll, oder? Die durch nichts untersetzte Aussage des Deutschland-Chefs von Vattenfall macht Bild flugs zur angstmacherischen Schlagzeile. Nicht mit Fragezeichen oder Anführungsstrichelchen - sondern mit fettem Ausrufezeichen! Dabei gehört der Chef des viertgrößten Stromversorgers sogar laut Bild zu den Abzockern (siehe oben).

Aber so funktionieren Kampagnen, zum Beispiel gegen die Erneuerbaren Energien – wer liest schon das Kleingedruckte auf Seite 2?


Kanzleramt: Informationssperre zum Ökostrom

Montag, den 2. Juli 2012

Heute ist die Antwort der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zum Ökostrom im Kanzleramt gekommen, über den wir vergangene Woche berichteten. Beziehungsweise es ist keine Antwort gekommen. Die Bonner Behörde nämlich bestätigte lediglich, was das Bundespresseamt bereits mitgeteilt hatte: Dass der neue Strom für das Büro von Angela Merkel und alle ihre Mitarbeiter von Vattenfall stamme.

In ausführlichen Worten beschreibt dann ein Mitarbeiter der „Sparte Facility Management, Abteilung ZEFM 4, Energie- und Umweltmanagement, Implementierung BALIMA und Querschnittsaufgaben“ die Vorgeschichte: Dass ein „Staatssekretärausschuss nachhaltige Entwicklung … am 6. Dezember 2010 das Maßnahmenprogramm ‚Nachhaltigkeit‘ der Bundesregierung beschlossen“ habe, in dessen Folge „die schrittweise Umstellung des Strombezuges der Dienstsitze der obersten Bundesbehörden in Berlin und Bonn auf Ökostrom“ vollzogen werde. Es habe dann eine Ausschreibung gemäß Empfehlungen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gegeben, bei dem neue Ökostrom-Erzeugungsanlagen bevorzugt behandelt wurden. Den Zuschlag habe letztlich der „Bieter mit dem wirtschaftlichsten Angebot“ erhalten, und dies sei „die Fa. Vattenfall Europe Sales GmbH“ gewesen.

Soweit, so gut. Aber dann heißt es:

Nein, wir haben leider kein Verständnis dafür, dass die Öffentlichkeit den Preis des Vattenfall-Ökostroms nicht erfahren soll – und offenbar auch nicht, aus welchen Erzeugungsanlagen konkret er denn nun stammt. Wir haben die BImA deshalb erneut um Auskunft gebeten und vorsorglich einen Antrag gemäß Informationsfreiheitsgesetz gestellt (dieses „Gesetz zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes“ verpflichtet Obere Bundesbehörden zu einer weitreichenden Auskunfterteilung).

Wir halten Sie über den Fortgang auf dem Laufenden.


Kanzleramt: Sauberer Strom von dreckiger Firma

Mittwoch, den 27. Juni 2012

Vor einem Jahr, nach Fukushima, vollzog die Bundeskanzlerin bekanntlich ihre ganz persönliche Energiewende. Vorher galt die Atomkraft der studierten Physikerin als verantwortbar und unverzichtbar, jedenfalls drückte sie im Herbst 2010 noch eine zwölfjährige Laufzeitverlängerung für die deutschen Akws von Eon, RWE, Vattenfall & Co. durch. Nach dem Mehrfach-GAU in Japan betonte sie dann: „Auch ich habe dazugelernt“. Der Bild am Sonntag sagte sie damals: „Die Katastrophe von Fukushima, deren ganzes Ausmaß wir ja immer noch nicht kennen, hat auch meine persönliche Haltung zur Kernkraft und ihren Risiken verändert.“

Weil aber die Energiewende inzwischen „stockt“, wie es kürzlich BUND und Greenpeace formulierten, hat Angela Merkel das Thema zur Chefinnensache gemacht. Sie wechselte den Umweltminister aus, lud Ministerpräsidenten zu einem Gipfeltreffen, und ab 1. Juli will die Kanzlerin – wie sie in ihrem wöchtentlichen PodCast (ab 5:13) ankündigte – in ihrem Büro selbst Ökostrom beziehen.

Donnerwetter! Nachdem bereits mehr als drei Millionen Haushalte auf grünere Elektrizität umgestiegen sind, vollzieht nun auch das Kanzleramt diesen Schritt.

Noch 2009 sah das anders aus. Damals kaufte das Kanzleramt (anders als etliche Bundesministerien und sogar die CDU-geführte Landesregierung von Hessen) dreckigen Strom der RWE-Tochter Envia ein. „Aus wirtschaftlichen Gründen“, wie damals ein Regierungssprecher der taz zu erklären versuchte. Pro Kilowattstunde verursachte der Envia-Strom 674 Gramm Kohlendioxid und damit viel mehr als der Bundesdurchschnitt, Ökostrom von Lichtblick wäre übrigens bloße 1,02 Cent pro kWh (oder jährlich 71.631 Euro) teurer gewesen.

Im Jahr 2012 ist das Kanzleramt entweder klüger oder hat mehr Geld. Jedenfalls soll es nun Ökostrom sein. Doch auf Nachfrage teilte eine Regierungssprecherin mit, man beziehe die Elektrizität künftig von Vattenfall – also ausgerechnet jenem Konzern, der die Bundesregierung kürzlich wegen der Energiewende auf milliardenschweren Schadenersatz verklagt hat. Details zum gelieferten Vattenfall-Strom wollte die Bundesregierung nicht mitteilen, sondern verwies auf die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die eine „ressortübergreifende Ausschreibung“ durchgeführt habe. Die Antwort von dort steht noch aus, wir liefern sie im nächsten Blogeintrag gern nach.

Ganz unabhängig davon ist bereits klar, dass sich die Kanzlerin einen der dreckigsten Lieferanten ausgesucht hat – Vattenfalls Braunkohlekraftwerke in der Lausitz verursachen bis zu 1.200 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde. Als Konsequenz ist Vattenfall, wie das Unternehmen auf seiner eigenen Website dokumentiert, deutlich klimaschädlicher als der Durchschnitt der deutschen Stromerzeuger.

Danke an Peter H. aus Köln und „Atomausstieg selber machen“ für die Hinweise


Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet

Freitag, den 11. Mai 2012

Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es einfach nicht besser beworben werden kann? Oder handelt es sich gar um Satire?

Ein solches Beispiel liefert die aktuelle Kampagne des Stromkonzern Vattenfall:

Vattenfall hat jede Menge Geld aus seinem PR-Topf in die Sportförderung gesteckt, um am vorhersehbaren Sommerhype um die Olympischen Spiele partizipieren zu können. Wenn zwischen 27. Juli und  12. August Sportler in London um Medaillen kämpfen, will Vattenfall irgendwie dabeisein.

In der Anzeige heißt es:

Langfristiger Einsatz? Vattenfall will damit vermutlich auf sein Festhalten an einer Steinzeittechnologie anspielen: In der Lausitz fressen sich seit hundert Jahren gigantische Schaufelradbagger in den Mutterboden, um Braunkohle zu Strom verbrennen zu können. „In langfristigem Einsatz steckt Energie“, texteten die Werber: Tatsächlich will Vattenfall gleich drei neue Tagebaue in der Lausitz aufschließen, um auch langfristig nach 2030 noch mit dieser Uralt-Technologie Profit aus der Schädigung der Erdatmosphäre zu schlagen. Denn Braunkohle ist bekanntlich der klimaschädlichste aller Brennstoffe, und daran angesichts der heraufziehenden Klimakatastrophe festzuhalten, ist schon dumm. Aber muss man damit auch noch werben?

Wer sich trotz der Annonce auf die Internetseite zur Kampagne verirrt, staunt nicht schlecht: Kein Wort von neuen Tagebauen, statt dessen heißt es dort: „Vattenfall investiert jedes Jahr große Summen in die Entwicklung von neuen und bereits vorhandenen Ressourcen.“ Dann sind da sechs verschiedene Energiequellen genannt: Wind, Wasser, Biomasse, Kernenergie, Kohle und Gas. In einer zugehörigen Karte lässt sich sogar jedes einzelne Kraftwerk bestaunen, das Vattenfall in Deutschland unterhält. Zum Beispiel ein Pumpspeicherkraftwerk Geesthacht bei Dresden: Wir erfahren, dass es mit Wasserkraft 10.ooo Megawattstunden Strom jedes Jahr produziere und so 2.000 Haushalte versorge.

Liebe Werbeagentur, liebes zuständiges Vattenfall-Management, ihnen sind da ein paar kleine Fehler unterlaufen:

Erstens produzieren Pumpspeicherwerke gar keinen Strom, sie speichern ihn lediglich – zum Beispiel dreckigen Braunkohlestrom.

Zweitens liegt Geesthacht nicht nahe Dresden, sondern unweit von Hamburg.

Drittens versorgt das Kraftwerk, das auf Ihrer Karte im richtigen Geesthacht verzeichnet ist (das AKW Krümmel), weder zwei Millionen Haushalte, wie Sie da schreiben, noch 2.000 Haushalte (Pumpspeicher) jedes Jahr mit Strom.

Es wurde viertens auch nicht wegen der Reaktorkatastrophe in Fukushima stillgelegt, wie dort suggeriert wird, sondern stand schon seit Juni 2007 fast ununterbrochen still, weil Vattenfall offenbar unfähig war, das Akw zuverlässig zu betreiben.

„Er hat sich sein Leben lang vorbereitet. Doch die Reise hat erst begonnen“, schreiben Sie über den Sportler, den Sie in ihrer Kampagne abbilden. Vielleicht sollte sich Vattenfall auch etwas länger vorbereiten. Nicht nur für vernünftige Werbekampagnen, sondern für die Reise zu einem wirklich zukunftsfähigen Energiemix.

Notwendige Anmerkung im Juli 2012: Vattenfall hat seinen Fehler in den Karten mittlerweile berichtigt und seinem Pumpspeicherwerk nahe Dresden die korrekten Daten, Bezeichnungen und Fotos angediehen. Ein Dankeschön für die Recherchearbeit der klima-lügendetektor-Redaktion wird vermutlich noch folgen. Wir unterrichten Sie über die Entwicklung. 

Danke an Steffi R. aus Berlin für den Hinweis!

P.S.: Seit Anfang Oktober ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2012 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


dena: Mit Vattenfall auf dem Holzweg

Samstag, den 22. Oktober 2011

Die Deutsche Energieagentur (dena) hat mal wieder eine spannende Studie vorgelegt. Genau, jene Institution, die vor dreieinhalb Jahren auf Basis zweifelhafter Zahlen kassandra-artig vor einer „Stromlücke“ warnte und noch mehr neue Kohlekraftwerke forderte. Auch diesmal geht es um Kohlekraftwerke, allerdings unter ganz anderem Blickwinkel:

Die Studie handelt vom neuesten Clou, mit dem Konzerne wie RWE oder Vattenfall ihre Großkraftwerke retten wollen: In Kohleblöcken, die mit CO2-Emissionen von bis zu 1.200 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde Strom echte Klimakiller sind, wird einfach ein Teil der Kohle durch Holz ersetzt. Dieser nachwachsende Rohstoff gilt als „CO2-neutral“, durch die Beifeuerung (engl.: „Co-Firing“) sinkt deshalb der Treibhausgas-Ausstoß der Gesamtanlage.

Auf 36 Seiten beleuchtet die dena Vor- und Nachteile – nein, Moment, irgendwie geht es die ganze Zeit nur um die Vorteile: Die Beifeuerung „wird als technisch unbedenklich erachtet“ und  „birgt ein hohes Treibhausgasvermeidungspotenzial“, heißt es da. Zugleich seien die Kosten pro vermiedener Tonne Kohlendioxid „im Vergleich zu anderen Erneuerbaren Energien … niedrig“. Eine tolle Sache, könnte man meinen. Konsequenterweise meldet die dena-Studie gleich einen Förderbedarf an: Der Staat könnte künftig ja auch Großkraftwerke, wenn in ihnen Holz verfeuert wird, über das Erneuerbare-Energien-Gesetz fördern.

Die kritischen Punkte beim „Co-Firing“ werden dagegen nur am Rande oder in Frageform oder gleich gar nicht behandelt. Beispielsweise steht und fällt der vorgebliche Klimanutzen mit der Herkunft des verfeuerten Holzes. Nun ist der deutsche Holzmarkt so gut wie leergefegt, weshalb man sich – so die dena – um „die Erschließung zusätzlicher Holzpotenziale“ kümmern müsse.

Völlig verschwiegen wird hier, dass Umweltverbände wie BUND oder Nabu bei diesen neuen Plantagen „zum Teil schwerwiegende Risiken“ für Artenvielfalt und Grundwasserhaushalt sehen.

Schon heute werden deshalb große Mengen an Holzpellets oder -hackschnitzeln nach Deutschland eingeführt. Im Ausland aber lässt sich der umweltschonende Anbau noch schwerer kontrollieren, und der Energieaufwand für den Transport schmälert die Klimabilanz. Vattenfall beispielsweise importiert für seine Berliner Kraftwerke bereits Holz aus Liberia – was Umweltschützer und Menschenrechtler sehr kritisch sehen. Die dena-Studie jedoch handelt den Punkt eher lapidar ab. Es müssten, konstatiert sie,

Auf absehbare Zeit dürfte also die Beifeuerung mit ausländischem Holz keine sinnvolle Klimaschutzmaßnahme sein. Doch diese Schlussfolgerung zieht die dena nicht. Stattdessen rechnet die Studie seitenlang CO2-Vermeidungskosten und -Einsparpotenziale vor, macht aber einen großen Bogen um das Hauptargument gegen „Co-Firing“.

Klar, die Beifeuerung ist eine schön billige Sache – die Konzerne können ja ihre alten Kohleblöcke weiternutzen („Man muss nichts Neues bauen“, brachte es kürzlich ein erfreuter RWE-Manager auf den Punkt). Natürlich kann Holz in Kohleblöcken viel CO2 sparen – deren Emissionen im Normalbetrieb sind ja auch exorbitant hoch. Die Kernfrage aber ist, ob die knappe Ressource Holz in Kohlekraftwerken überhaupt optimal genutzt wird. Die Antwort lautet: Nein. Im Anhang vermerkt die Studie selbst, dass der Wirkungsgrad konventioneller Kohleblöcke nur bei rund 40 Prozent liegt. Mehr als die Hälfte der Energie verpufft dort also ungenutzt. Kleine und dezentrale Heizkraftwerke hingegen sind doppelt so effizient. Weil dort neben dem Strom auch fast die komplette Abwärme genutzt wird, kommen sie locker auf Gesamt-Wirkungsgrade von mehr als 80 Prozent. „Wir sehen das Co-Firing kritisch“, sagt daher beispielsweise der Deutsche Energieholz- und Pelletverband (DEPV). Es sei „eigentlich eine Verschwendung unseres hochwertigen Energieträgers Holz“.

Wie gesagt, diese Frage wird in der gesamten Studie nicht einmal gestreift. Komisch, oder? Oder auch nicht. Im Impressum findet sich dieser Vermerk:

Danke an Martin D. für den Hinweis


Vattenfall halbiert – seine Glaubwürdigkeit

Samstag, den 30. April 2011

Von allen Energiekonzernen lügt Vattenfall am dreistesten. Regelmäßige Leser unseres Detektors erinnern sich gewiss an die „Klima-Unterschrift“: In großformatigen Anzeigen und im Internet rief Vattenfall dazu auf, mit unserer Unterschrift die Politik zu mehr Klimaschutz zu bewegen. Zur gleichen Zeit beantragte der Konzern drei neue Braunkohletagebaue in der Lausitz.

Erinnert sei auch an das Kraftwerk Moorburg, dass Vattenfall mit einer CCS-Technologie versprach,  also mit integrierter Abscheidung des Kohlendioxids aus den Rauchgasen. Das war natürlich genau so gelogen, wie der Slogan „Für Deine Zukunft spannen wir die Windenergie ein“, mit der Vattenfall im Frühjahr 2008 warb: Damals produzierte der Konzern gut 1 Prozent seines Stromes mit Windkraftwerken, heute sind es immer noch gut 1 Prozent.

Vattenfall-Lügen auf dem Lügendetektor zu präsentieren ist also eigentlich nicht sonderlich innovativ. Und doch kommen wir gar nicht umhin, uns immer wieder mit dem Deutschlandableger des schwedischen Staatskonzerns zu befassen. Im neuen Vorwärts, der Parteizeitung der SPD, wirbt Vattenfall mit einem neuen Versprechen:

Und weiter heißt es in der Anzeige: „Die Hauptstadt hat ambitionierte Klimaschutzziele. Vattenfall trägt wesentlich zu deren Erreichen bei. In der Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin verpflichtet sich Vattenfall, seine CO2-Emissionen in Berlin bis zum Jahr 2020 zu halbieren.“

Richtig ist, dass Vattenfall in der Hauptstadt ein altes Kohlekraftwerk durch ein neues Biomasse-Kraftwerk ersetzen will. Ab 2019 sollen jährlich rund 500.000 Tonnen Holz verfeuert werden, und weil die Wälder Berlins so viel Holz nicht hergeben, wird auch Holz aus Brandenburg, Polen, Liberia verfeuert.

Sie lesen richtig: Liberia. Erste Lieferverträge mit dem afrikanischen Land solle es bereits geben, schließlich geht es

Gleich hinter der Grenze Brandenburgs zu Sachsen wird jetzt übrigends Vattenfalls Kraftwerk Boxberg mit Braunkohle aus dem neuen Tagebau Reichwalde beliefert. Der war 1999 eigentlich still gelegt worden, aber Vattenfall hat ihn nun reaktiviert: Jährlich sollen hier bis in das Jahr 2045 zehn Millionen Tonnen Kohle aus der Erde geholt werden.

In Brandenburg sollen zudem mindestens drei weitere Tagebaue neu zu den ohnehin bestehenden folgen. Dabei ist das Bundesland bereits heute ein schlimmerer Klimasünder als die USA: 1995 war jeder Einwohner statistisch gesehen für 23 Tonnen Treibhausgas verantwortlich, 2006 produzierte der Brandenburger schon 26 Tonnen und 2015 werden es dank Vattenfall knapp 30 sein. Amerikaner sind pro Kopf „nur“ für 20 Tonnen im Jahr verantwortlich.

Berliner sind statsitisch gesehen übrigends für 5 Tonnen Treibhasgas im Jahr verantwortlich. Da ist es natürlich heroisch, wenn Vattenfall seinen Kohlendioxid-Ausstoß in der Hauptstadt bis zum Jahr 2020 halbiert: Der Dreckstrom kommt ja aus dem Umland, aus Brandenburg.

PS: Nach Greenpeace-Recherchen sind die deutschen Vattenfall-Kohlekraftwerke für rund 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verantwortlich– doppelt so viel wie Bangladesch. Dazu kommen Neubauprojekte, die  18,5 Millionen Tonnen zusätzlich verursachen – soviel wie sieben Sahel-Staaten vom Senegal bis zum Sudan.

Danke an Samuel L. aus Berlin für den Hinweis


Vattenfall: Grün nur in der Werbung

Mittwoch, den 5. Januar 2011

Nach RWE versucht nun auch Vattenfall, sich mittels Autostrom als fortschrittlichen Energieversorger hinzustellen. In der Neujahrsausgabe der ZEIT erschien jedenfalls diese Annonce:

„Mit grünem Strom wird Fahrspaß umweltfreundlich“, steht da in großen Lettern – und diese Schlagzeile ist (wieder einmal) präzise mehrdeutig formuliert. Erstmal spricht der Satz ja nur eine Binsenweisheit aus. Aber im Zusammenhang mit dem Foto legt er nahe, dass Vattenfall tatsächlich solchen Grünstrom für Elektroautos liefert. Doch stimmt das auch?

Misstrauisch geworden, stolpert man ebenso über das Kleingedruckte:

Ist es Ihnen aufgefallen? Auch hier wird, im zweiten Satz, genau genommen NICHT behauptet, Vattenfall liefere grünen Strom. Der schwedische Staatskonzern sagt lediglich, dass er in Berlin Ladesäulen aufstelle, an denen saubere Elektrizität „getankt werden kann“. Und dass er „die Infrastruktur für eine emissionsfreie automobile Zukunft liefert“. Nicht aber den Strom? Komisch, oder?

Ein genauer Blick auf das Berliner Pilotprojekt von Vattenfall und BMW ergibt dann auch einen weniger strahlenden Eindruck als die ZEIT-Annonce. Der „große Alltagstest“ zum Beispiel, von dem hier gesprochen wird, läuft momentan gar nicht – sondern ist schon vor vier Monaten beendet worden. Ein zweiter Durchgang soll zwar in diesem Jahr starten, aber im Moment gibt es (außer 50 chic-blauen Ladesäulen) tatsächlich nichts zu bewerben.

Und was ist nun mit grünem Autostrom? Für das Berliner E-Mini-Pilotprojekt im vergangenen Jahr lieferte Vattenfall auch Energie und ließ sich diese vom renommierten o.k.-power-Label zertifizieren. Der Strom aber stammte von ziemlich weit her, nämlich aus einem (nicht näher spezifizierten) norwegischen Wasserkraftwerk. Auch das wirkt komisch. Hat Deutschlands drittgrößter Energieversorger denn keine inländischen Erzeugungskapazitäten für grünen Strom?

Offenbar nicht. Vattenfall bietet auf seiner Website ein Gesamtverzeichnis der konzerneigenen Kraftwerke. Nach ein paar Klicks ergibt sich hier, dass das Unternehmen in Deutschland zwar sechs „Wasserkraftwerke“ betreibt – aber alle sechs sind Pumpspeicheranlagen, die gar keine Energie erzeugen, sondern lediglich zwischenspeichern. Noch trauriger ist das Bild bei der Windkraft: Einen einzigen (!) Windpark im brandenburgischen Jänschwalde verzeichnet die Liste (daneben hat Vattenfall noch einige Kleinanlagen und ein Testprojekt in der Nordsee). Bleibt die „Biomasse“ – doch unter diesem Punkt nennt Vattenfalls größtenteils Müllverbrennungsanlagen.

Den ganzen Jammer des deutschen Vattenfall-Strommixes zeigt die Statistik weiter unten auf der Seite (die Daten beziehen sich auf das Jahr 2009): Der Anteil von Wasserkraft beträgt null, der von Windenergie 0,1 Prozent – dagegen stammen mehr als 90 Prozent der hierzulande von Vattenfall erzeugten Elektrizität aus Kohlekraft, vor allem aus besonders dreckigen Braunkohle-Blöcken.

Kein Wunder also, dass der Konzern vor gut zwei Jahren von Greenpeace zum „klimaschädlichsten Stromanbieter“ Deutschlands gekürt wurde. Kein anderer Energieversorger stößt pro erzeugter Kilowattstunde (kWh) so viel Kohlendioxid aus wie Vattenfall. Die Zahl, die der Konzern hierzu auf der Website veröffentlicht, ist übrigens komplett verkehrt:

Gut 67 Gramm pro kWh werden da genannt – was sensationell wenig und mit Kohlekraftwerken nie zu erreichen wäre. Schlägt man in der angegebenen Quelle nach, in Vattenfalls CSR-Bericht 2009, so ergibt sich: Die Zahl 67,6 ist in Wahrheit der absolute CO2-Ausstoß in Millionen Tonnen. Die sogenannte „spezifische“ CO2-Emission, also den Ausstoß pro kWh,  zeigt in dieser Grafik aus dem Report (Seite 57) der hellblaue Balken:

Sie liegt also in Wahrheit bei gigantischen 1.020 Gramm pro Kilowattstunde. Zurück zur ZEIT-Annonce: „Mit grünem Strom wird Fahrspaß umweltfreundlich“, heißt es da zutreffend. Nur: Bei Vattenfall in Deutschland gibt es grünen Strom praktisch nicht.

P.S.: Die Vattenfall-Pressestelle erklärte auf Anfrage, dass sich die ZEIT-Annonce tatsächlich auf den oben erwähnten zweiten Durchgang des Berliner Mini-Projekts bezieht; derzeit laufe die Bewerbungsphase, in der sich Testfahrer melden können. Der eigene Autostrom,  betont das Unternehmen, stamme zu hundert Prozent aus neu errichteten Anlagen, dies habe der Tüv Nord bestätigt. Lieferant sei das vier Jahre alte Wasserkraftwerk Blåfalli Vik in Westnorwegen.

Anm. d. Red.: Der letzte Punkt macht die Sache mit dem Vattenfall-Autostrom noch komischer. Betreiber von Blåfalli Vik ist nämlich nicht Vattenfall, sondern ein kleiner Regionalversorger, die Sunnhordland Kraftlag (SKL). Der Konzern nutzt also für sein imageförderndes Autostromprojekt Elektrizität der Konkurrenz!