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Bild: Überschriften 30 Prozent tendenziöser!

Dienstag, den 28. August 2012

Peng! Das war ja heute wieder eine jener Titelseiten, für die man Bild so sehr schätzt: Hauptthema ist das „Liebes-Aus“ von Helge Schneider (allerdings mit Fragezeichen). Daneben spricht eine „Eiskunstlauflegende“ über „Männer, Sex & den Tod“. Eine „große Festveranstaltung“ der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bonn bot Gelegenheit, gleich zwei Fotos von Altkanzler Helmut Kohl unterzubringen. Und mittendrin diese Schlagzeile:

Man beachte das Ausrufezeichen am Ende der Überschrift und das liebevoll gebastelte Anti-Ökostrom-Logo links daneben. Der Minitext unter der Schlagzeile lautet: „Immer weiter steigt der Strompreis an, bringt Mehrkosten für Verbraucher und Familien bis zu 30 Prozent in den nächsten acht Jahren. Welche Rolle der teure Ökostrom spielt, warum die Preise gerade jetzt explodieren und was die Regierung beim Energiegipfel heute beschließen will – Seite 2″

Eine satte Leistung! Ganz beiläufig hat Bild den Ökostrom umgetauft in „der teure Ökostrom“. Und gleich zweimal die „30 Prozent“ auf der Titelseite untergebracht – da wird das Springer-Blatt für die Zahl sicher eine erstklassige Quelle haben…

Auf Seite 2 dann die Überraschung: Eine Infografik mit der Überschrift „Diese Infografik zeigt, wie die Preise entstehen“ zeigt tatsächlich, wie die Preise entstehen!

Im Detail ist da nachzulesen (im rechten Teil der Grafik), dass Privathaushalte gut viermal so viel für eine Kilowattstunde (kWh) Strom ausgeben wie die energieintensive Industrie (nämlich 25,45 Cent gegenüber 6,08 Cent). Dass die Privathaushalte derzeit 3,53 Cent Ökostrom-Umlage pro kWh zahlen müssen, Stromgroßkunden in der Wirtschaft aber nur ein Siebzigstel davon, nämlich 0,05 Cent. Dass Privathaushalte im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes insgesamt 4,5 Milliarden Euro pro Jahr für die Energiewende zahlen, die industriellen Großverbraucher hingegen läppische 37 Millionen Euro.

Im Text über der Grafik finden sich dann noch weitere Wahrheiten, die wir hier ständig ausbreiten - die dem größten Teil des Bild-Publikums hingegen neu sein dürften:

Wie gesagt, diese klaren Worte haben uns wirklich überrascht. Weshalb wir diesmal gar nicht auf anderen Textstellen herumreiten wollen, in denen sich das Springer-Blatt doch gewohnt industriefreundlich gibt.

Nur eins, die Quelle für die „30 Prozent“ aus der Titelzeile – die wollen wir Bild dann doch nicht durchgehen lassen: Es ist Tuomo Hataka, der gestern im Interview mit der Süddeutschen Zeitung von einem solchen Energiepreisanstieg sprach. Toll, oder? Die durch nichts untersetzte Aussage des Deutschland-Chefs von Vattenfall macht Bild flugs zur angstmacherischen Schlagzeile. Nicht mit Fragezeichen oder Anführungsstrichelchen - sondern mit fettem Ausrufezeichen! Dabei gehört der Chef des viertgrößten Stromversorgers sogar laut Bild zu den Abzockern (siehe oben).

Aber so funktionieren Kampagnen, zum Beispiel gegen die Erneuerbaren Energien – wer liest schon das Kleingedruckte auf Seite 2?