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Shell: Falsche Lösung Erdgas

Donnerstag, den 19. Februar 2015

Die aktuelle Werbekampagne des Ölriesen Shell ist typisch für grünfärberische Imagewerbung: Der Slogan ist weitgehend inhaltsleer („Let’s go“), und auch die Motive haben praktisch nichts mit Energie zu tun – sondern sind vor allem gefühlig: zwei Kinder im Bademantel auf einem Ufersteg, Tüftler und ein futuristisches Auto, ein Paar vor beeindruckend beleuchteter Großstadt-Skyline. Oder dieses Motiv hier, nahezu perfekt fürs fußballbesessene Deutschland:

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Im Anzeigentext geht es um das Bevölkerungswachstum und das Jahr 2050. Bis dahin, heißt es, werde das Erdenvolk auf neun Milliarden Menschen angewachsen sein – von derzeit 7.296.082.800 Menschen, zumindest waren es beim Produzieren dieses Textes so viele. Neun Milliarden Menschen – wow, superviele Kunden! Nein, das schreibt Shell natürlich nicht. Sondern verweist in demonstrativ fürsorglichem Ton darauf, dass diese Bevölkerungszahl „erhebliche Herausforderungen für die Umwelt mit sich“ bringe.

Der dazugehörige Kampagnen-Auftritt im Internet wird konkreter: „Der globale Energieverbrauch wird bis 2050 voraussichtlich um 80 % steigen.“ Aber natürlich will Shell mit seiner Annonce keine Angst machen, sondern sich als Lösung präsentieren:

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Erdgas soll helfen, die Lichter für die nächsten 250 Jahre am Brennen zu halten? Moooment!

Es stimmt zwar, dass Erdgas der sauberste unter allen fossilen Energieträgern ist – aber trotzdem bleibt es ein fossiler Energieträger. Wird in einem modernen und effizienten Erdgas-GuD-Kraftwerk eine Kilowattstunde Strom erzeugt, so entstehen dabei rund 428 Gramm Kohlendioxid. Zwar ist das nur etwa ein Drittel dessen, was bei der Verstromung von Braunkohle freigesetzt wird, weshalb Gaskraftwerke für die Übergangszeit auch Braunkohlekraftwerken vorzuziehen sind. Aber 428 Gramm sind fast das Zwanzigfache der Emissionen, die Windkraftanlagen pro Kilowattstunde erzeugten Stroms verursachen. Viel zu viel also, um wirklich zukunftsfähig zu sein.

Shell möchte dem Publikum die einfache Formel vermitteln: „mehr Erdgas = weniger Treibhausgase“. Doch die ist, in dieser Pauschalität, leider falsch. Am Beispiel des US-Energiemarktes haben Forscher kürzlich in den Environmental Research Letters vorgerechnet, dass ein Erdgasboom, wie er durch das umstrittene Fracking ausgelöst wurde, dem Klima wenig bringt oder sogar schaden kann. Weltweit ist das Ergebnis ähnlich, so ein internationales Team von fünf Forschungsinstituten in einer in Nature erschienenen Studie. „Leider erweist sich die Hoffnung als irrig, dass Erdgas zu einer Verringerung der Erderwärmung beitragen kann“, hat Nico Bauer vom beteiligten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) den Kollegen der Süddeutschen Zeitung erklärt.

Mehr und billigeres Erdgas hatte demnach drei Folgen: Es verdrängte zwar zehn Prozent der klimaschädlichen Kohle aus dem Energiemix – aber auch emissionsärmere Technologien wie erneuerbare Energien oder Atomkraft. Zweitens wurde mehr Energie verbraucht, weil durch das billige Erdgas die Preise sanken. Drittens stiegen durch die vermehrte Erdgasförderung auch die Leckagen aus undichten Rohren oder Bohrlöchern oder Ähnlichem. Und weil Erdgas – chemisch CH4, Methan – als Treibhausgas mehr als 30-mal so stark wirkt wie Kohlendioxid, bedeuten mehr Erdgaslecks auch viel mehr Treibhauseffekt. Selbst das beste der durchgerechneten Szenarien brachte gesamtwirtschaflich lediglich eine Senkung des CO2-Ausstoßes um magere zwei Prozent – im schlechtesten Fall stiegen die Emissionen sogar um elf Prozent!

Erdgas ist also alles andere als eine saubere Lösung – hilfreich fürs Klima ist es allenfalls, wenn sein Einsatz durch kluge politische Maßnahmen begleitet wird, etwa durch eine Kohlendioxid-Steuer. Schon gar nicht sichert Erdgas

shell5Mag ja sein, dass alles Erdgas der Welt für zweieinhalb Jahrhunderte reichen würde. Nur darf es schon in viel näherer Zukunft, nämlich in knapp hundert Jahren, keine Netto-Emissionen von Kohlendioxid mehr geben, wenn die Menschheit die Erderwärmung in halbwegs beherrschbarem Rahmen, also unter zwei Grad Celsius halten will. Für Lichter ist Kohlendioxid auch gar nicht notwendig – die Sonne schickt uns genügend Energie, um alle zu betreiben.

Auf Erdgas sind jedenfalls weniger die Menschheit angewiesen oder das Klima, sondern vor allem Shell selbst. Seine Investitionen in erneuerbare Energien hat der Konzern nämlich schon vor vielen Jahren gestoppt, seine einstige Solarsparte längst abgestoßen. Stattdessen will Shell künftig selbst in der hochempfindlichen Arktis bald Öl und Gas fördern. Die Konsequenzen solcher Bohrungen hat Greenpeace in einem Videoclip ausgemalt – auch der ist gefühlig, aber ganz anders als die Shell-Werbung.

 

 Vielen Dank an Jörg S. für den Hinweis


Shell: Grünfärber seit (mindestens) 1977

Montag, den 29. Juli 2013

Vor einer Woche luden wir Sie zu einem kleinen Sommerrätsel ein – heute nun also die Lösung. Vorab schonmal die Info: Kein Teilnehmer kannte die korrekte Antwort. Die versprochene Preise versenden wir trotzdem.

Wir hatten ja gefragt, aus welchem Jahr diese wundervolle Shell-Annonce stammt:

Ausriss einer Doppelseite, rechts viel Text, links das Foto einer Südseeinsel, im Vordergrund ist auch ein Stück Meeresgrund zu sehen

Es waren nicht die 2000er Jahre, nicht die 1990er und auch nicht die 1980er Jahre – nein, diese Werbung, in der sich Shell als Meeresschützer geriert, ist bereits 36 Jahre alt! In Ausgabe 4/1977 der Reisezeitschrift Merian haben wir sie gefunden.

Sechs Millionen Mark soll die gesamte Kampagne, zu der das Motiv gehörte, damals gekostet haben, weitere Slogans lauteten zum Beispiel „Erdöl kann man essen“ oder „Wird das Herz aus Erdöl jemals schlagen?“ So berichtete es DIE ZEIT im Frühjahr 1976. Eine ganze Welle von Imagekampagnen habe es demnach Mitte der 70er gegeben. Neben Shell Deutschland versuchten auch BP (Claim: „Energie. Und neue Ideen“) sowie Esso („Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an!) ihr Image aufzupolieren. Das war damals weniger durch Klima- oder Umweltprobleme ramponiert als durch die Ölkrise 1973, während der die Benzinfirmen als Preistreiber zu Buhmännern der Nation geworden waren.

Mit seiner Werbeoffensive wolle Shell, so die ZEIT 1976, „das Erdöl als Rohstoff und Energiespender für viele Bereiche von Industrie und Wissenschaft profilieren“. Das Blatt zitierte Shell-Werbeleiter Manfred Sieben: „Wir werden in unseren Anzeigen darüber sprechen, welche Bedeutung Erdöl heute und in Zukunft für unser Leben hat.“ In einer Annonce unter der Überschrift „Ist Erdöl tot?“ wurde beispielsweise beschrieben, was man aus der klebrigen Masse alles herstellen könne: Düngemittel, Asphalt und Kunststoff, Zahnbürsten, Matratzen und Autolack, Eiweiß, Medikamente und künstliche Gelenke und so weiter. Oder – siehe die oben abgebildete Annonce – künstlich angelegte Algenwälder. Ausgedacht hatte sich das Ganze die Werbeagentur Young & Rubicam. Nicht zur Sprache kamen natürlich irgendwelche Umweltsauereien, die Aktivitäten von Shell im Niger-Delta im westafrikanischen Nigeria ebenso wenig wie der Unfall der MS Metula, jenes Schiffes, das 1974 in der Magellanstraße an der Südspitze Südamerikas auf Grund lief und eine der bis dahin schwersten Ölkatastrophen der Schifffahrtsgeschichte verursachte.

Zurück zu unserem Sommerquiz. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat niemand das richtige Jahr 1977 erraten (niemand kam ihm auch nur nahe, weiter als bis in die 1990er Jahre reichte kein Tipp zurück). Die versprochenen Preise (je ein Exemplar des Buches zum Lügendetektor: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“) wollen wir trotzdem stiften. Unser Leser Jan D. aus Schwerin hatte in seiner Einsendung geschrieben: „Falls ich das Buch gewinne, spende ich es einer der drei Umweltbibliotheken in M-V.“ Eine schöne Idee! Deshalb geht nun tatsächlich je ein Buch nach Neubrandenburg, Rostock und Stralsund.

Danke, liebe Leserinnen und Leser, fürs Mitmachen! Und einen schönen Sommer noch!!


SOMMERQUIZ — Shell: Grünfärber seit ????

Montag, den 22. Juli 2013

Haben Sie vielleicht Lust auf eine kleine Sommerrätselei? Neulich ist uns nämlich eine alte Illustrierte in die Hand gefallen, eine Ausgabe des Reisemagazins Merian. Sie stammte, so viel sei schon mal verraten, aus dem letzten Jahrtausend. Und sie enthielt eine doppelseitige Werbeannonce. Auf der linken Seite ist ein Südseeidyll zu sehen, eine Palmeninsel und davor klares Wasser – so weit, so gewöhnlich für eine Reisezeitschrift.

Ausriss einer Doppelseite, rechts viel Text, links das Foto einer Südseeinsel, im Vordergrund ist auch ein Stück Meeresgrund zu sehen

Doch die Anzeige stammt nicht von irgendeinem Touristikunternehmen, sondern vom Mineralölkonzern Shell. Und der Text ist wirklich ein Knaller! „Der größte Garten der Erde liegt unter Wasser“, lautet die Titelzeile. In zwei Spalten geht es dann um – ja, worum eigentlich? Der Text schwurbelt und schlingert und versucht irgendwie, einen Zusammenhang herzustellen zwischen Ölförderung und Meeresschutz. Das Ganze ist – verglichen mit den Grünfärber-Kampagnen von Shell aus diesem Jahrtausend – fast schon anrührend platt. Aber lesen Sie selbst:

Ausriss mit Text: "Noch vor wenigen Tagen galt der Fischreichtum der Meere als grenzenlos. Heute wissen wir: es ist nicht so. Wenn wir in den nächsten Jahren noch mehr Fische fangen, werden wir bald keine mehr haben. Um das zu verhindern, müssen wir Menschen uns unter Wasser begeben. Wir müssen das Verhalten der Fische studieren. Und dabei hilft uns Erdöl. Denn der Taucheranzug, die Flossen, die Brille sind aus Erdöl. Die Tiefenmesser und wichtige Teile der Luftversorgung. Ohne Erdöl wüssten wir nichts über die Schonzeiten und die Zucht von Seefischen. Und wir wüßten nichts über die Anpflanung von Algen. Heute gibt es bereits großangelegte Versuche, an verödeten Küsten Algengärten anzulegen: die Algen werden einfach an Kunstoffleinen verankert. Mit Erfolg. Innerhalb kürzester Zeit siedeln sich ind en Algenwäldern wieder Fische an. Als Ergebnis dieser Forschung werden wir eines Tages wieder reich an Fischen sein. Es wird möglich sein, in Fjorden oder anderen abgrenzbaren Meeresteilen ausgedehnte Unterwasserfarmen einzurichten. In diesen Farmen wird dann aus Erdöl gewonnenes Eiweiß an die Fische verfüttert werden. Ein künstlich angelegter Algenwald wird ihnen die Behaglichkeit einer Lagune vermitteln. Und ein Luftperlenvorhang aus einem Kunststoffschlauch wird sie vor Raubfischen schützen. Erdöl ist eben mehr als Heizöl und Benzin. Viel mehr. Deshalb brauchen wir die Mineralölindustrie. Die Gesellschaften die Erdöl suchen, fördern, transportieren und weiterverarbeiten. Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal an einer unserer Tankstellen halten. Benzin ist ein wichtiger Teil von dem, was wir machen. Aber es ist noch lange nicht alles. Eine Information der Shell."

Putzig, oder? Wie sich hier ein Unternehmen als Meeresschützer zu präsentieren versucht aus genau jener Branche, die am laufenden Band die Meere durch Ölkatastrophen verseucht und auch im normalen Regelbetrieb Tausende Tonnen Öl in die Ozeane entweichen lässt.

„Ohne Erdöl wüssten wir nichts über die Schonzeiten … von Seefischen.“ Oooooh.

„Ein Luftperlenvorhang aus einem Kunststoffschlauch wird sie vor Raubfischen schützen.“ Gott, wie lieb von dem Kunststoffschlauch!

„Ein künstlich angelegter Algenwald wird ihnen die Behaglichkeit einer Lagune vermitteln.“ Klar, dann können Shell und Co die natürlichen Algenwälder ja ohne schlechtes Gewissen zerstören.

Ein wunderbares Beispiel ist dies aus der Frühzeit der Grünfärberei. Womit wir beim Quiz wären: Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser, aus welchem Jahr stammt diese Werbeannonce? Schicken Sie Ihren Tipp an hinweise@klima-luegendetektor.de – unter den richtigen Einsendungen verlosen wir drei Exemplare des Buches zum Lügendetektor: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“.

Und die Auflösung gibt es kommende Woche an dieser Stelle.


IWO: Zahlentricks für klimaschädliche Ölheizung

Freitag, den 23. März 2012

Das Institut für Wärme und Öltechnik (IWO) ist – nein, kein Forschungsinstitut. Sondern ein Lobbyverband der deutschen Mineralöl-Industrie, zu dessen Mitgliedern BP, Esso oder auch Shell zählen. IWO wirbt für Ölheizungen. Diesen Monat hat die Organisation zum Beispiel eine ganzseitige Annonce im Schrägstrich geschaltet, dem Mitgliedermagazin der Bündnisgrünen – 4.650 Euro (plus Mwst.) hat sich die Ölindustrie das laut Anzeigenpreisliste kosten lassen.

Noch bis zum 31. Juli veranstaltet IWO eine Kampagne „Deutschland macht Plus“: Wer eine moderne Ölheizung kauft, so die Idee, bekommt 350 bis 500 Liter Heizöl geschenkt, mit etwas Losglück können es sogar 1.111 Liter werden. In Zeitungsannoncen, etwa in der Süddeutschen, bewirbt die Heizöl-Lobby ihre Aktion. Ein junger Mann sitzt da mit weißem Laptop auf einem weißen Sofa, vor ihm auf einem weißen Teppich ein Mädchen, das lächelnd in einem „Was ist was“-Buch zum Thema Klima blättert. Hach, schön sauber alles! Dazu die Slogans „Plus für mein Konto: Ich heize bis zu 40% sparsamer – Plus für unsere Umwelt: Wir heizen mit bis zu 40% weniger Emissionen – Machen Sie Plus mit einer Öl+Solar-Heizung.“

Die Werbung ist natürlich nicht gelogen – aber sie trickst mächtig. Dass eine neue Heizung besser ist als eine alte, ist ja eigentlich banal. Auch sind Einsparungen von bis zu 40 Prozent durch einen hochmodernen Ölkessel mit unterstützender Solaranlage sicherlich nicht unmöglich. Aber, sagt Birgit Holfert vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), „die 40 Prozent sind in aller Regel Augenwischerei: Da werden sehr schlechte alte Ölheizungen durch sehr gute ersetzt, und die große Solaranlage leistet einen wesentlichen Beitrag“. Für eine Heizungssanierung im Eigenheim sei das „ein eher untypischer Fall“.

Was die Anzeige auch ausblendet: Betrachtet man nicht relative Einsparungen, sondern absolute Werte, dann gibt es viel bessere Lösungen als den Einbau einer neuen Ölheizung. Stichwort Konto: „Erdgas-Brennwertkessel sind inzwischen sehr preiswert zu bekommen“, erklärt etwa der Berliner Energieberater Peter Mellwig. „Bei Ölgeräten sieht es da noch schlechter aus.“ Auch beim Stichwort Umwelt liegt Gas vor Öl: „Erdgas verbrennt sehr sauber“, so Mellwig, „sodass fast nur feuchte Luft aus dem Schornstein kommt.“

Grundsätzlich gilt: Erdgas-Brennwertkessel sind klimaschonender als vergleichbare Öl-Anlagen. Die Erklärung ist schlichte Chemie: Erdgas enthält mehr Wasserstoff und weniger Kohlenstoff als Erdöl, woraus gleich zwei Vorteile für Erdgas-Brennwertkessel resultieren. Erstens führt der geringere Kohlenstoffanteil von Erdgas dazu, dass bei dessen Verbrennung weniger Kohlendioxid frei wird als bei Erdöl. Bei idealer Vermischung mit der Zuluft beträgt der CO2-Anteil im Abgas bei Erdgas (Typ LL)  maximal 10,8 Prozent, bei Heizöl (Typ EL) höchstens 15,4 Prozent.* Daneben haben Erdgas-Brennwertkessel noch einen zweiten Klimavorteil, der aus dem höheren Wasserstoff-anteil von Gas folgt: Bei dessen Verbrennung entsteht logischerweise mehr Wasserdampf als bei der Verbrennung von Öl. Nun nutzen Brennwertkessel, egal für welchen Brennstoff, neben der normalen Verbrennungshitze auch die Kondensationswärme des Wasser-dampfes im Abgasstrom. Und weil bei Erdgas mehr Wasserdampf entsteht, können Brennwertkessel aus dem Abgasstrom einer Erdgasverbrennung auch mehr Energie saugen als aus dem eines Ölkessels.

Zurück zum IWO-Inserat: In Wahrheit ist für, wie es da so schön heißt, „unsere Umwelt“ (und auch für „mein Konto“) die Investition in eine neue Ölheizung mitnichten das Beste. Sehr klar sind die Kohlendioxid-Emissionen fossiler Energieträger in einer Grafik der ASUE dargestellt, der „Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch“.

Zwar ist die ASUE ein Interessenverband der deutschen Gaswirtschaft, also die direkte Konkurrenz des IWO – doch in punkto CO2-Ausstoß haben diese Lobbyisten halt wirklich bessere Argumente als die Ölindustrie

 

* Noch klimaschonender sind (wenn man kein Passivhaus hat und damit das Heizen praktisch wegfällt) moderne Holz-Brennwertkessel, denn Holz als Brennstoff gilt ja als klimaneutral. „In Verbindung mit einer Solarthermie zur Unterstützung der Warmwasserbereitung ist das klimatechnisch gesehen das Optimum“, sagt Verbraucherschützerin Holfert.


Shell: Let’s go – für mehr Treibhausgase

Freitag, den 23. Juli 2010

Für BP läuft es imagemäßig ja grad nicht so gut. Prima, wird man beim Konkurrenten Shell denken, kommt unsere neue Werbekampagne halt umso stärker zur Geltung. Unter dem Motto „Let’s go“ präsentiert sich der britisch-holländische Konzern derzeit als besonders zukunftsbewusst: shell_letsgo_1In lieblichen Werbefilmchen treten nicht etwa Ölarbeiter oder Tankwarte auf. Nein, Shell zeigt einen verliebten Teenager namens Kim, der mit seiner Freundin auf dem Mofa durch irgendeine asiatische Stadt knattert. Den japanischen Jungen Riku, der mit seiner E-Gitarre die Eltern nervt. Und zwei brasilianische Kinder, die am Strand von Rio einen Drachen steigen lassen wollen. Um deren Wohlergehen kümmere man sich, so die Botschaft. Süß!

Dazu schaltet der Ölriese doppelseitige Magazinanzeigen, etwa im Spiegel. Ist auf etlichen Websites mit Werbebannern präsent. Sogar bei Google hat der Ölriese Begriffe gekauft, sogenannte AdWords – wer etwa nach „Shell“ sucht, bekommt dies angezeigt:

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Etliche Millionen dürfte die ganze Kampagen kosten. „Lasst uns eine bessere Energiezukunft bauen“, lautet der Hauptslogan, „lasst uns starten!“

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Schauen wir also mal genauer hin, was Shell unter einer besseren, co2-armen Zukunft versteht. Auf der Kampagnenwebsite gibt es dazu viel – heiße Luft: Okay, der Konzern wirbt für Energieeffizienz und Kraftstoffsparen. Beides ist auch in Shells eigenem Interesse , denn dann kann man mit den bekanntlich knapper werdenden Ölvorräten der Erde länger Geschäfte machen. Unter dem Stichwort „Technologien“ präsentiert die Firma allen Ernstes das tiefste Tiefsee-Ölprojekt der Welt, pikanterweise im Golf von Mexiko – dabei weiß spätestens seit der dortigen BP-Katastrophe wirklich jeder, dass dies eine ökologisch hochriskante Technologie ist.

Sogenannte „Energiesicherheit“ verspricht der Konzern auf seiner Website (wieso eigentlich nicht in den Zeitungsannoncen oder Filmspots??) dadurch, dass er verstärkt in der ökologisch besonders sensiblen Arktis bohrt – wogegen Umweltschützer vehement protestieren. Und unter dem Punkt „CO2-Managment“ schmückt sich Shell mit einem Forschungsprojekt zur Abscheidung und unterirdischen Ablagerung von Kohlendioxid (CCS) im norwegischen Mongstad – obwohl die Regierung in Oslo kürzlich einen mehrjährigen Aufschub beschlossen hat.

Eine regelrechte Frechheit ist, was Shell beim Stichwort „Emissionen senken“ anbietet:

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Der Schlusssatz stimmt nur, wenn man „sauber“ ausschließlich auf Luftschadstoffe wie Staub oder Quecksilber bezieht – vorn im Text aber ist (wie überall in der Shell-Werbung) auch von Treibhausgasen und einer „CO2-armen Zukunft“ die Rede. Doch was das Klima angeht, ist Kohlevergasung eine ziemlich dreckige Angelegenheit. Die Umwandlung von Kohle in Gas ist nämlich energieintensiv und verursacht zusätzliches CO2. Vor einem „mehr als doppelt so hohem Ausstoß von Kohlendioxid verglichen mit konventionellem Erdgas“, warnen etwa Klimaexperten des US-Umweltverbandes NRDC. „Mit Blick auf die Erderwärmung ist das unakzeptabel.“ Dass das Endprodukt Synthesegas relativ sauber verbrennt, ist da eher belanglos.

Unter einer „bessereren Energiezukunft“ versteht Shell also nicht den Umstieg auf rundum saubere und erneuerbare Energien, sondern vor allem eine profitable Zukunft für sich selbst – durch Verlängerung des alten, allzu oft schmutzigen Kerngeschäfts mit Öl oder Gas.

P.S.: Interessant ist auch, was der Konzern auf seiner Kampagnenwebsite alles nicht anspricht: Dass Shell seine Investitionen in Wind- und Solarenergie gestoppt hat. Und stattdessen groß in den besonders umwelt- und klimaschädlichen Abbau von Ölsanden in Kanada eingestiegen ist. Oder dass Shell in Nigeria die Umweltprobleme der Ölförderung und Konflikte mit der lokalen Bevölkerung auch nach vielen Jahren noch nicht im Griff hat.


Jetzt wählen: Wer ist der größte Grünfärber?

Montag, den 18. Mai 2009

Was haben BP, Shell und Vattenfall gemeinsam? Sie sind weltweit führend bei der Produktion von Kohlendioxid. Sie sind erfahrene Grünfärberer (mit denen wir uns auch beschäftigen mussten). Und sie sind – gemeinsam mit dem Stahlkonzern ArcelorMittal, dem dänischen Staatskonzern Dong Energy und dem Ölriesen Repsol – Kandidaten für den „Climate Greenwash Award“.

Den Preis vergeben die dänischen Sektionen von Attac und Friends of the Earth gemeinsam mit dem lobbykritischen Brüsseler Verband Corporate Europe Observatory und anderen Organisationen. Anlass ist ein hochmögender „World Business Summit on Climate Change“, zu dem sich Al Gore, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und die Spitzen zahlreicher multinationaler Konzerne in Kopenhagen treffen. Man wolle „Empfehlungen vorbringen für das künftige Welt-Klimaabkommen“, heißt es offenherzig in der Einladung. Angesichts des bisherigen Verhaltens von BP, Dong, Shell, Vattenfall & Co. darf man das getrost als Drohung verstehen. Denn die vorgeschlagenen „Lösungen“ fürs Klimaproblem sind ziemlich bequem für die Firmen.

Freundliche Fernsehbilder und Medienberichte wird das Treffen den Unternehmen trotzdem bescheren – da wollen die Veranstalter des „Climate Greenwash Awards“ auf die dunklen Seiten der Klimabilanzen der Unternehmen hinweisen. Mit den sechs nominierten Firmen stünden einige der „empörendsten Beispiele für Klima-Grünfärberei“ zur Abstimmung.

Hier geht es zur – leider nur englisch- oder dänischsprachigen – Wahl-Website.


Shell: Kreativ vertuschen

Freitag, den 28. November 2008

Im Stern gibt es in dieser Woche auf der ersten Doppelseite eine bunte Anzeige des Ölkonzerns Shell:

Der Text beginnt so:

Blickfang der Anzeige ist ein stilisiertes, menschliches Gehirn voller Bilder, welche die Vielfalt der Shell-Lösungen für das Kraftstoffproblem symbolisieren sollen. Ein großes Bild ist dem „Wasserstoff-Sprit“ gewidmet – dabei ist die Euphorie über diese Energie-Speicherform längst verflogen und niemand weiß, ob sie je wirtschaftlich wird. Weitere Bilder zeigen Sprit aus Stroh, aus Holzchips und aus Algen – allerdings befinden sich diese sogenannten Biotreibstoffe der 2. Generation alle noch im Forschungsstadium. Ganz in der Mitte ist ein Windrad abgebildet – obwohl Shell kürzlich aus dem größten Offshore-Wind-Projekt Großbritanniens überraschend ausgestiegen ist und seine Aktivitäten bei den Erneuerbaren Energien in Zukunft auf profitable Projekte konzentrieren will, nicht mehr auf visionäre. Die Sonne als Energiequelle kommt gar nicht erst vor – kein Wunder, hat doch Shell seine Solarsparte längst abgestoßen.

Aber was hat der Ölkonzern im Hinterkopf? In diesem Hirn-Areal findet sich im Anzeigenmotiv der Punkt „Kohlevergasung“.

Kohle gehört nicht zu den Kerngeschäften von Shell, doch im Gegensatz zu Öl und Gas schlummert sie noch in riesigen Mengen unter der Erde – was die Kohle zur größten Bedrohung des Weltklimas macht. Was kümmert nun Shell an der Kohlevergasung? Klar, die Technologie könnte irgendwann bei der CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken eine Rolle spielen, aber auch bei dieser Technologie ist völlig ungewiss, ob sie jemals wirtschaftlich machbar sein wird. Bereits heute werden dagegen mithilfe der Kohlevergasung Kunstdünger und Chemikalien hergestellt. Darüber hinaus ist sie ein Zwischenschritt bei der Kohleverflüssigung. Und sollte es in dieser Anzeige nicht um Kraftstoffe gehen?

„Alles, was nicht existiert, müssen wir eben erfinden“, schreibt Shell. Aber: Flüssigkohle für den Tank muss gar nicht mehr erfunden werden – das nationalsozialistische Deutschland und das Apartheidregime in Südafrika haben sie schon vor Jahrzehnten in großem Stil hergestellt, um Ölengpässe zu vermeiden (in Südafrika stammt noch heute ein Drittel des Sprits aus Kohle). Auf dem Weltmarkt dagegen konnte die Flüssigkohle bislang nicht mit Kraftstoffen aus Erdöl konkurrieren. Angesichts knapper Ölressourcen könnte sich das bald ändern. So wirbt in den USA eine mächtige Lobby für die Idee, das Land mithilfe der heimischen Kohle von Ölimporten unabhängig zu machen. Auch in China gibt es bereits etliche „Coal-to-liquid“-Projekte (CTL).

Der Haken an der Sache: Kohle-Sprit ist eine schrecklich dreckige Angelegenheit. Bei der Herstellung und Verbrennung eines Liters wird rund doppelt so viel CO2 frei wie bei normalem Benzin – für den Klimaschutz und die Bemühungen um eine emissionsarme Mobilität wäre die Kohleverflüssigung in großem Stil der Super-GAU. Selbst wenn es in ferner Zukunft gelingen sollte, das bei der Herstellung entstehende CO2 abzufangen und unterirdisch zu speichern, würde laut einer Untersuchung der Universität Princeton bei der Verbrennung im Automotor noch immer mehr CO2 frei als bei herkömmlichem Sprit.

Zurück zu Shell. Auf der Internetseite gibt es ein paar weiterführende Informationen zur Anzeige. Unter den Stichworten „vielfältige Energie“ und „XTL“ heißt es, aus allen kohlenstoffhaltigen Materialien lasse sich eine „saubere, geruch- und farblose Flüssigkeit“ gewinnen – „egal ob man Erdgas, Biomasse oder Kohle hineinsteckt“. Und in einer Presseerklärung vom März 2006 berichtet Shell China von einer geplanten Kooperation mit der Shenhua Ningxia Coal Ltd. zur Kohleverflüssigung. „Dieses Projekt steht im Einklang mit dem 11. Fünf-Jahres-Plan der Regierung, Coal-to-liquid-Projekte zu entwickeln und saubere Wege der Kohlenutzung zu ermöglichen.“ Sauber, aha.

Womöglich versucht Shell ja tatsächlich, kreativ zu denken – der Erfolg scheint eher bescheiden. Kreativ wirken eher die Werbeleute, die die Fantasielosigkeit des Konzerns bei der Lösung der Energieprobleme mit bunten Annoncen vertuschen wollen.


Die deutschen AKW-Betreiber: Beste Grünfärber Europas

Mittwoch, den 2. Januar 2008

Deutschlands ungeliebte Klimaschuetzer

Ein Bündnis verschiedener Organisationen schreibt jedes Jahr einen Preis für die verlogenste Lobby-Arbeit in Europa aus, den Worst Lobby Award. 2007 wurde zusätzlich ein Preis in der Kategorie „Worst EU Greenwash“ ausgeschrieben – für Firmen, „deren Werbung, PR- und Lobbyrhetorik im Widerspruch zu den wahren Umweltauswirkungen ihres Kerngeschäfts steht“, so die Initiatoren.

Nominiert waren:

- Airbus („für eine Anzeigenserie, in denen Passagierflugzeug-Silhouetten mit schönen Landschaften ausgefüllt wurden, um Airbus-Flugzeuge grün und sauber erscheinen zu lassen“)

- der britische BAE Systems („weil sie tödliche Waffen als umweltfreundlich bewerben“)

- das Deutsche Atomforum (wegen „Missbrauch der öffentlichen Sorge um den Klimawandel zur Imagepflege für die Atomenergie“)

- der Ölkonzern ExxonMobil („nominiert für die Behauptung, das Unternehmen würde seine Treibhausgase reduzieren, während die Emissionen in Wirklichkeit anstiegen“)

- der Energieriese Royal Dutch Shell (weil er „den Eindruck erweckt, dass seine Ölraffinerien Blumen statt Rauch ausstoßen“)

Ausführliche Informationen zu allen Nominierten stehen hier.

Durchgesetzt hat sich – wie so oft auf dem Weltmarkt – deutsche Wertarbeit. Beim allgemein schlimmen Lobbying gewannen die Autokonzerne BMW, Daimler und Porsche. Und auch in der Sonder-Wertung für Grünfärberei lag die Bundesrepublik vorn: Das Deutsche Atomforum, das Akw in einer millionenschweren Werbekampagne als „Klimaschützer“ darstellte, deklassierte die gesamte Konkurrenz.

P.S.: Bei YouTube gibt es ein amüsantes Video – es zeigt, wie ein Vertreter des „Worst Lobby Award“ bei den Brüsseler Büros von BMW, Daimler und Porsche versucht, Blumensträuße loszuwerden…