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Jetzt wählen: Wer ist der größte Grünfärber?

Montag, den 18. Mai 2009

Was haben BP, Shell und Vattenfall gemeinsam? Sie sind weltweit führend bei der Produktion von Kohlendioxid. Sie sind erfahrene Grünfärberer (mit denen wir uns auch beschäftigen mussten). Und sie sind – gemeinsam mit dem Stahlkonzern ArcelorMittal, dem dänischen Staatskonzern Dong Energy und dem Ölriesen Repsol – Kandidaten für den „Climate Greenwash Award“.

Den Preis vergeben die dänischen Sektionen von Attac und Friends of the Earth gemeinsam mit dem lobbykritischen Brüsseler Verband Corporate Europe Observatory und anderen Organisationen. Anlass ist ein hochmögender „World Business Summit on Climate Change“, zu dem sich Al Gore, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und die Spitzen zahlreicher multinationaler Konzerne in Kopenhagen treffen. Man wolle „Empfehlungen vorbringen für das künftige Welt-Klimaabkommen“, heißt es offenherzig in der Einladung. Angesichts des bisherigen Verhaltens von BP, Dong, Shell, Vattenfall & Co. darf man das getrost als Drohung verstehen. Denn die vorgeschlagenen „Lösungen“ fürs Klimaproblem sind ziemlich bequem für die Firmen.

Freundliche Fernsehbilder und Medienberichte wird das Treffen den Unternehmen trotzdem bescheren – da wollen die Veranstalter des „Climate Greenwash Awards“ auf die dunklen Seiten der Klimabilanzen der Unternehmen hinweisen. Mit den sechs nominierten Firmen stünden einige der „empörendsten Beispiele für Klima-Grünfärberei“ zur Abstimmung.

Hier geht es zur – leider nur englisch- oder dänischsprachigen – Wahl-Website.


Audi: Al Gore als Feigenblatt für den neuen A6

Dienstag, den 21. Oktober 2008

Audi hat eine neue Version seiner Oberklasse-Limousine A6 vorgestellt; und weil es große Autos nicht mehr so leicht haben in Zeiten des Klimawandels, dachte sich die Werbeabteilung etwas besonderes aus: Sie setzte Al Gore in einen A6. Kein Witz!

Bei seinem Besuch in Holland vergangene Woche wurde also der Mann, der spätestens seit dem Friedensnobelpreis als wandelndes Klimagewissen gilt, in einem A6 herumkutschiert – und dies natürlich in einer Pressemitteilung nach außen posaunt.

Wie erwartet brachte dies wohlwollende Berichte in der Fachpresse. Die hat Audi auch nötig, weil der Kohlendioxid-Ausstoß der verkauften Audi-Neuwagenflotte in den vergangenen Jahren nicht etwa gesunken, sondern deutlich gestiegen ist: von 181 auf 184 Gramm pro Kilometer. Der Grund: Die Ingolstädter haben sich in der Vergangenheit auf immer größere und stärkere Wagen konzentriert und Effizienzfortschritte in der Motorentechnik nicht in niedrigere CO2-Werte umgesetzt, sondern in höhere PS-Zahlen.

Der sparsame Zwei-Liter-TDI, mit dem man Al Gore chauffierte, wirkt da wie ein Nischenmodell zur Aufwertung des Images. Ehrlicher ist der Slogan, mit dem Audi seit vergangener Woche in Riesen-Zeitungsannoncen um A6-Kunden wirbt: „Je stärker der Antrieb, desto besser die Performance“.

Das hier abgebildete Modell A6 3.0 TFSI quattro stößt pro Kilometer nicht 139 Gramm Kohlendioxid aus, wie Al Gores Fahrzeug, sondern satte 219 Gramm. Doch es passt – ebenso wie der Werbespruch – bestens zur Hauptzielgruppe des A6, den Geschäftskunden: Von den gut 55.000 Exemplaren, die Audi 2007 von der Limousine in Deutschland verkaufte, wurden laut Statistik des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg 46.609 Stück (84,7 Prozent) als Dienstwagen zugelassen. Und Gewerbliche Halter bevorzugen PS-starke Autos; nicht zuletzt, weil hohe Benzinpreise sie nicht zu kümmern brauchen, denn dank der deutschen Steuergesetze können sie sämtliche Fahrzeugkosten steuermindernd geltend machen und damit auf den Staat und die Gesamtheit der Steuerzahler abwälzen.

So versteht man auch den Spruch, mit dem Audi sein Spitzenmodell der A6-Baureihe, den RS6 (Zehn-Zylinder-V-Motor, 580 PS, 333 g/km CO2-Ausstoß, Grundpreis: 105.500 Euro) auf seiner Website anpreist:

Ebenfalls vergangene Woche meldeten US-Forscher einen dramatischen Temperaturanstieg in der Arktis. Gegenüber dem langjährigen Mittel ist es dort bereits fünf Grad Celsius wärmer geworden, und die schwindende Eisfläche führt dazu, das weniger Sonnenlicht reflektiert wird, was zu einem noch schnelleren Aufheizen und noch schnellerem Schmelzen führen dürfte – eine fatale Spirale.

Offenbar interessiert das Audi und seine A6-Kunden eher wenig.