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Öl: Aus den Überlegungen streichen

Mittwoch, den 24. Mai 2017

Folgende Anzeige, gefunden im Vorwärts, der SPD-Parteizeitung, wurde uns von Marion A. zugesandt:

„Öl weiter denken?“

Ist doch schon geschehen: Das Klimaabkommen von Paris verpflichtet seine Vertragsstaaten, binnen der nächsten 32 Jahre treibhausgasneutral zu werden. Das bedeutet: Die Verbrennung fossiler Rohstoffe muss schrittweise zurückgefahren werden, sodass immer mehr Lebensbereiche unabhängig von Öl, Kohle oder Erdgas werden.

Zum Beispiel durch Elektromobilität (die aber nur dann besser ist, wenn der eingesetzte Strom aus regenerativen Quellen stammt). Zum Beispiel aber auch in der Wärmeversorgung unserer Gebäude – wie viel Kohlendioxid die traditionellen Träger von Wärmeenergie verursachen, zeigt diese Grafik:

Dummerweise fördert die Bundesregierung aber immer noch den Einbau von Ölheizungen. Eine Kleine Anfrage der energiepolitischen Sprecherin der Linken im Bundestag, Eva Bulling-Schröter, förderte im vergangenen Jahr zutage: Insgesamt 14.100 Öl-Brennwertkessel wurden 2015 gefördert, die staatliche Bank KfW gab dafür 52 Millionen Euro Subventionen aus. 2015 war der Absatz von Ölheizungen um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, der von erneuerbar betriebenen Heizungen hingegen gesunken.

Weil es „gute Gründe für eine Energiewende mit Heizöl“ gibt?

Verantwortlich für diesen Schwachsinn diese Argumentation ist das Institut für Wärme und Öltechnik (IWO):

Das Institut für Wärme und Öltechnik ist aber kein Institut. Mit einem Forschungsinstitut hat das IWO in etwa so viel zu tun wie ein Vegetarier mit Blutwurst. Das Institut für Wärme und Öltechnik ist vielmehr ein Lobbyverband der deutschen Mineralöl-Industrie, zu dessen Mitgliedern die Heizölproduzenten BP, Esso oder auch Shell zählen.

Das IWO wirbt für Ölheizungen. In der SPD-Parteizeitung. Just zu einem Zeitpunkt, zu dem das SPD-geführte Bundeswirtschaftsministerium seine Förderrichtlinien für Ölheizungen überarbeitet. Wegen Klimaschutz und so. Und hat damit anscheinend Erfolg. Nach dem Ministeriums-Entwurf soll die Förderung von Heizkesseln, die ausschließlich mit fossilen Energieträgern betrieben werden, nun erst 2019 auslaufen.

Danke an Marion A. aus Berlin für den Hinweis


IWO: Zahlentricks für klimaschädliche Ölheizung

Freitag, den 23. März 2012

Das Institut für Wärme und Öltechnik (IWO) ist – nein, kein Forschungsinstitut. Sondern ein Lobbyverband der deutschen Mineralöl-Industrie, zu dessen Mitgliedern BP, Esso oder auch Shell zählen. IWO wirbt für Ölheizungen. Diesen Monat hat die Organisation zum Beispiel eine ganzseitige Annonce im Schrägstrich geschaltet, dem Mitgliedermagazin der Bündnisgrünen – 4.650 Euro (plus Mwst.) hat sich die Ölindustrie das laut Anzeigenpreisliste kosten lassen.

Noch bis zum 31. Juli veranstaltet IWO eine Kampagne „Deutschland macht Plus“: Wer eine moderne Ölheizung kauft, so die Idee, bekommt 350 bis 500 Liter Heizöl geschenkt, mit etwas Losglück können es sogar 1.111 Liter werden. In Zeitungsannoncen, etwa in der Süddeutschen, bewirbt die Heizöl-Lobby ihre Aktion. Ein junger Mann sitzt da mit weißem Laptop auf einem weißen Sofa, vor ihm auf einem weißen Teppich ein Mädchen, das lächelnd in einem „Was ist was“-Buch zum Thema Klima blättert. Hach, schön sauber alles! Dazu die Slogans „Plus für mein Konto: Ich heize bis zu 40% sparsamer – Plus für unsere Umwelt: Wir heizen mit bis zu 40% weniger Emissionen – Machen Sie Plus mit einer Öl+Solar-Heizung.“

Die Werbung ist natürlich nicht gelogen – aber sie trickst mächtig. Dass eine neue Heizung besser ist als eine alte, ist ja eigentlich banal. Auch sind Einsparungen von bis zu 40 Prozent durch einen hochmodernen Ölkessel mit unterstützender Solaranlage sicherlich nicht unmöglich. Aber, sagt Birgit Holfert vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), „die 40 Prozent sind in aller Regel Augenwischerei: Da werden sehr schlechte alte Ölheizungen durch sehr gute ersetzt, und die große Solaranlage leistet einen wesentlichen Beitrag“. Für eine Heizungssanierung im Eigenheim sei das „ein eher untypischer Fall“.

Was die Anzeige auch ausblendet: Betrachtet man nicht relative Einsparungen, sondern absolute Werte, dann gibt es viel bessere Lösungen als den Einbau einer neuen Ölheizung. Stichwort Konto: „Erdgas-Brennwertkessel sind inzwischen sehr preiswert zu bekommen“, erklärt etwa der Berliner Energieberater Peter Mellwig. „Bei Ölgeräten sieht es da noch schlechter aus.“ Auch beim Stichwort Umwelt liegt Gas vor Öl: „Erdgas verbrennt sehr sauber“, so Mellwig, „sodass fast nur feuchte Luft aus dem Schornstein kommt.“

Grundsätzlich gilt: Erdgas-Brennwertkessel sind klimaschonender als vergleichbare Öl-Anlagen. Die Erklärung ist schlichte Chemie: Erdgas enthält mehr Wasserstoff und weniger Kohlenstoff als Erdöl, woraus gleich zwei Vorteile für Erdgas-Brennwertkessel resultieren. Erstens führt der geringere Kohlenstoffanteil von Erdgas dazu, dass bei dessen Verbrennung weniger Kohlendioxid frei wird als bei Erdöl. Bei idealer Vermischung mit der Zuluft beträgt der CO2-Anteil im Abgas bei Erdgas (Typ LL)  maximal 10,8 Prozent, bei Heizöl (Typ EL) höchstens 15,4 Prozent.* Daneben haben Erdgas-Brennwertkessel noch einen zweiten Klimavorteil, der aus dem höheren Wasserstoff-anteil von Gas folgt: Bei dessen Verbrennung entsteht logischerweise mehr Wasserdampf als bei der Verbrennung von Öl. Nun nutzen Brennwertkessel, egal für welchen Brennstoff, neben der normalen Verbrennungshitze auch die Kondensationswärme des Wasser-dampfes im Abgasstrom. Und weil bei Erdgas mehr Wasserdampf entsteht, können Brennwertkessel aus dem Abgasstrom einer Erdgasverbrennung auch mehr Energie saugen als aus dem eines Ölkessels.

Zurück zum IWO-Inserat: In Wahrheit ist für, wie es da so schön heißt, „unsere Umwelt“ (und auch für „mein Konto“) die Investition in eine neue Ölheizung mitnichten das Beste. Sehr klar sind die Kohlendioxid-Emissionen fossiler Energieträger in einer Grafik der ASUE dargestellt, der „Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch“.

Zwar ist die ASUE ein Interessenverband der deutschen Gaswirtschaft, also die direkte Konkurrenz des IWO – doch in punkto CO2-Ausstoß haben diese Lobbyisten halt wirklich bessere Argumente als die Ölindustrie

 

* Noch klimaschonender sind (wenn man kein Passivhaus hat und damit das Heizen praktisch wegfällt) moderne Holz-Brennwertkessel, denn Holz als Brennstoff gilt ja als klimaneutral. „In Verbindung mit einer Solarthermie zur Unterstützung der Warmwasserbereitung ist das klimatechnisch gesehen das Optimum“, sagt Verbraucherschützerin Holfert.