Archiv des Schlagwortes ‘Otto Brenner’

Jubiläum (3): Zehn Jahre Klimalügen aufgedeckt

Montag, den 5. Februar 2018

In unserem kleinen Rückblick auf zehn Jahre Arbeit des Klima-Lügendetektors geht es heute um ein Schlüsseljahr: 2012. Einerseits fühlte sich die Redaktion damals ausgelaugt. Es schien, als ob alle Lügen, die einem aufgetischt wurden, irgendwie schon einmal gelogen worden waren – teilweise mussten wir uns beim Widerlegen selbst zitierten.

Andererseits war mit dem Greenpeace-Magazin ein kongenialer Partner weggefallen und damit auch die Finanzierung unserer Arbeit in Frage gestellt. Zudem sah sich die Redaktion zunehmender Anfeindung ausgesetzt (hier ein Beispiel, das wir wegen seiner Systematik dokumentiert haben).

Es gab also reichlich Gründe, nach fünf Jahren Lügendetektei den Klima-Lügendetektor abzuschalten. Dann aber erklärten uns viele Leserinnen und Leser, warum unser kleiner Watchblog notwendig ist – die ersten fingen an, freiwillig Geld für unsere Arbeit einzuzahlen.

Anfangs fanden wir das rührend, später nahmen wir es als Auftrag: In der Auseinandersetzung um die richtige Klima- und Energiepolitik ist es eben wichtig, den Lügnern und Rechtfertigern unserer fossilen Lebensweise mit Argumenten zu begegnen und Scheinheiligkeit aufzudecken. Das hat uns überzeugt.

Nicht nur uns. 2012 war auch deshalb ein Schlüsseljahr für den Klima-Lügendetektor, weil ihm einer der renomiertesten Journalistenpreise des deutschsprachigen Raumes verliehen wurde, der Otto-Brenner-Preis. Mit diesem will die Otto-Brenner-Stiftung kritischen Journalismus fördern, unser Laudator Harald Schumann begründete die Preisvergabe damals mit den Worten: die Redaktion habe „eine wirksame Fackel der Aufklärung im Netz gezündet“. Besonders preiswürdig sei die Zusammenarbeit mit den Lesern, die ihren Verdacht an die Redaktion melden können. Die schlechte Nachricht sei – so der Laudator 2012 – dass das Fortbestehen des Klima-Lügendetektors nicht gesichert sei.

Leider hatte Harald Schumann damit recht: Im Herbst 2013 war die Zuwendung der Leser so weit gesunken, dass der Klima-Lügendetektor neuerlich abgeschaltet werden musste. Was dann wieder eine solche Welle von Sympathie (und freiwilligen Abos) mit sich brachte, dass wir gar nicht aufhören konnten.

Diese finanziellen Turbulenzen sind bis heute ein Graus für uns. Deshalb unsere Bitte zum Geburtstag: Wenn Ihnen an unserem Lügendetektor etwas liegt (und Sie noch nicht zu unseren freiwilligen Abonnenten gehören) – abonnieren Sie uns jetzt.

Und feiern Sie mit uns: Stimmen Sie ab, welches Stück unserer Rückschau die dreisteste unter den dreisten Lügen enthält. Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlosen wir am Ende fünf Exemplare des (nicht mehr lieferbaren) Buches „Grün, grün, grün ist alles was wir kaufen“ von Toralf Staud .

Heute die Jahre 2012/13:

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Otto Brenner: Ausgezeichnete Lügen

Donnerstag, den 1. November 2012

Aus Berlin Henriette Wienges

4,8 Milliarden Euro. So viel Steuergeld zahlte das Land Baden-Württemberg wohl insgesamt, um der EdF die Anteile an der Energie Baden-Württemberg abzukaufen – Deutschlands viertgrößtem Stromkonzern. Wir wissen heute: Der Deal war nicht koscher. Im Gegenteil: Er war ein Skandal.

Aufgedeckt hat diesen Andreas Müller von der Stuttgarter Zeitung. Und dafür wurde er nun mit dem 1. Preis der Otto-Brenner-Stiftung für kritischen Journalismus 2012 ausgezeichnet. Nur weil er sich nicht mit vagen Erklärungen zufrieden gab, sondern unermüdlich nachfragte, „erfuhr die Öffentlichkeit vom ganzen Ausmaß des Amtsmissbrauchs zum Schaden der Steuerzahler“, so die Jury, zu der unter anderen Sonia Mikich (WDR), Harald Schumann (Tagesspiegel) und Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) gehören.


Die „Väter“ der Klimaretter-Berichterstattung: Toralf Staud (2. v. l.) und Nick Reimer (3. v. l) gründeten 2007 klimaretter.info und 2008 den klima-luegendetektor.de. Ganz links Bertold Huber von der IG Metall, ganz rechts Sonja Mikich, neue Inlandschefin des WDR. In der Mitte Laudator Harald Schumann. (Foto: Marco Eisenack)

Gewonnen hat auch der Klima-Lügendetektor: In der Kategorie Medienprojekt sind in diesem Jahr dessen Gründer Nick Reimer und Toralf Staud geehrt worden. Der Klimalügendetektor decke mit gut recherchierten Artikeln sogenanntes Greenwashing von Firmen in Werbung auf. In der Klima- und Energiepolitik würden interessierte Konzerne und ihre Lobbyisten sowie folgsame Politiker fortwährend eine Flut von Halbwahrheiten und gelenkter Information verbreiten, so die Jury. „Selbst politischen Kennern fällt es schwer zu erkennen, ob die jeweilige Expertise seriös ist, ob die Annahmen stimmen und die Ergebnisse den Tatsachen entsprechen“, so die Brenner-Jury. Zum Glück gebe es online den Klima-Lügendetektor.

Mit den dort veröffentlichten Analysen und Kommentaren setzen die Autoren nach Auffassung der Jury „ebenso fachkundig wie zuverlässig Fakten und Aufklärung gegen Irreführung und Propaganda“. Schnell und auch unterhaltsam werden alle, die Bescheid wissen wollen, hier auf den aktuellen Stand gebracht. Die Jury nennt das Angebot der Redaktion eines, „das vorbildlich den Nutzen von kritischem Journalismus demonstriert“. Die beiden Kollegen würden „fachkundig und zuverlässig Fakten und Aufklärung gegen die ganze Irreführung, wie sie in der Klima- und Energiepolitik seit vielen Jahren gang und gäbe ist“, erklärte Jurymitglied Harald Schumann in seiner Laudatio.

Er empfinde eine „tiefe Demut“, sagte Nick Reimer nach der Preisverleihung. „Die anderen Preisträger haben im ablaufenden Jahr wirklich herausragendes im deutschen Journalismus geleistet. Und da gehören wir jetzt also auch dazu.“ Und Toralf Staud, lange Jahre Kopf des Klima-Lügendetektors, sagte: „Die Zeit, in der die Druckerschwärze den journalistischen Qualitätstakt bestimmt, ist längts vorbei. Wir sind der lebende Beweis“.

Der 2. Preis war Wilfried Huismann für seinen Film „Der Pakt mit dem Panda“ zugesprochen worden, der hinter die Öko-Fassade des WWF schaut. Huismanns größte Tat war sicherlich, seine Recherche gegen die spitzfindigen Anwälte des WWF zu verteidigen: Der Film weist nach, wie stark die Umweltschützer vom Kapital gekauft sind und nach dessen Pfeife tanzen.

Mit dem 3. Preis wurden Stefan Koldehoff und Tobias Timm für ihr Buch „Falsche Bilder – Echtes Geld“ über die Abgründe des Kunstmarktes ausgezeichnet. Gewinner des Spezial-Preises sind Hauke Wendler und Carsten Rau mit ihrem Film „Wadim“ (NDR) über den Selbstmord eines Asylbewerbers. Eine weitere Ehrung ging an Anne Lena Mösken von der „Berliner Zeitung“.


Das Kritischste, was der deutsche Journalismus 2012 zu bieten hatte: Die Preisträger der Otto-Brenner-Jury. (Foto: Marco Eisenack)

Namhafte Konkurrenz also. Während aber hinter all den anderen Preisträgern Verlage, Redaktionen, Sendeanstalten nebst juristischem, logistischem oder finanziellem Beistand stehen, steht hinter dem Klima-Lügendetektor „nur“ die Leserschaft. Dies mache das Projekt „besonders, aber eben auch besonders anfällig“, so Laudator Harald Schumann. Ohne stärkere Unterstützung sei absehbar, dass die Redaktion die wichtige Rechercheleistung nicht mehr erbringen könne. „Der Preis ist ein kleiner Beitrag, die Lücke finanziell zu stopfen“, sagte Schumann – immerhin 2.000 Euro Preisgeld sind ausgelobt. „Vor allem aber soll mit dem Preis klar gemacht werden: Wir brauchen den Lügendetektor“.

P.S.: Seit einem Jahr ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2013 finanzieren zu können. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER