Rewe: Die kompostierbare Leiche im Keller

Der Lebensmittelkonzern Rewe versucht uns gerade seine Geschäftstätigkeit sehr schmackhaft zu machen. Gleich mit einer ganzen Anzeigenserie. „Arbeitsleben oder Familie? Ich lebe beides“, sagt da beispielsweise Maren R. 32 Jahre, Fachverkäuferin und Mutter. Für Rewe sei Familie und Beruf kein Widerspruch, wie es in der Anzeige heißt. Hier geht eben beides – so selbstverständlich wie die tägliche Ernährung.

Oder Sandra G., 34jährige Marktmanagerin und Abdenteurerin: „Ich will im Beruf als Frau meinen Mann stehen. Mach ich ja auch privat“.  Der Anzeigentext erklärt, dass bei Rewe „Anstellung auch Gleichstellung“ bedeutet.

Beim Kauf von Lebensmitteln geht es im 21. Jahrhundert hierzulande eben um mehr als nur ums satt werden: Langsam scheint sich der Gedanke durchzusetzen, dass es ohne Ausbeutung von Individuum und Umwelt schmackhafter ist. „Mein Job soll auch nachhaltig Früchte tragen“, sagt beispielsweise Manfred B., Marktmanager und Hobby-Gärtner. Dabei steht er vor einem Wandbild, ein bisschen wirkt, als stamme es aus realsozialistischen Propagandazeiten. Der Anzeigentext dazu erklärt:

„Rewe – jeden Tag ein bisschen besser“ – das ist der Kampagnenslogan, der uns Hoffnung schenkt. Und Rewe jeden Tag ein paar mehr Kunden bringen soll. Dummerweise hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) diese Woche kritisiert, dass von Rewe vertriebene „Bio“-Einkaufstüten zuviel versprächen. Der Umweltverband beklagt: „Die als kompostierbar beworbenen Tragetaschen aus Bioplastik bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Erdöl. Nach Recherchen der Deutschen Umwelthilfe werden sie weder kompostiert noch recycelt. Die DUH fordert deshalb ein sofortiges Ende der Werbelüge und die Umstellung auf eine umweltfreundlichere Alternative.“

Neben Rewe bieten auch Aldi und andere Ketten diese „Biotüten“ der Firma Victor Güthoff & Partner aus Frechen im Rheinland an. Und werben mit deren angeblichen Umweltvorteilen. So seien die Tragetaschen „so weit wie möglich aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt“ und „100 Prozent kompostierbar“.

Rewe verspricht seinen Kunden, mit dem Kauf der Einwegtüte „gemeinsam Gutes“ zu tun. Aldi Süd ist noch pathetischer mit dem Aufdruck „Zeig der Umwelt ein Lächeln“. Alle Tüten sind mit lieblichen Motiven bedruckt, etwa mit Blumen, Tieren oder Wiesen. Dadurch werde der Eindruck erweckt, dass es sich bei den Plastiktüten um ein ökologisch vorteilhaftes Produkt handele, so die DUH. Die Beutel seien unter gewissen Umständen zwar kompostierbar, wirklich kompostiert würden sie aber nicht, wie eine Umfrage bei Abfallentsorgern ergeben habe.

Wie hieß nochmal der Werbespruch: „Jeden Tag ein bisschen besser“. Einen Tag nach der Pressekonferenz der Umwelthilfe reagierte Rewe denn auch und nahm die Tüten vorläufig aus dem Sortiment. „Mit diesem Schritt wollen wir dafür sorgen, dass es bei unseren Kunden nicht zu Verunsicherung über die tatsächliche Umweltverträglichkeit dieser Tragetaschen kommt“, erläuterte Rewe-Sprecher Martin Brüning. Gemeinsam mit Herstellern und unabhängigen Experten will Rewe die Tüten nun noch einmal auf ihre Umweltverträglichkeit hin untersuchen.

Rewe braucht also offenbar noch ein paar Tage, um wirklich gut zu werden.

P.S.: Seit Anfang Oktober ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2012 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER