Archiv des Schlagwortes ‘Flugverkehr’

TUIfly: Fliegen ist prima fürs Klima

Freitag, den 2. Januar 2009

Ausriss aus der TUIfly-WebsiteDachten Sie bisher, Fliegen sei nicht gut für die Umwelt? Sie glaubten zu wissen, dass Flugzeuge sogar die klimaschädlichsten Verkehrsmittel überhaupt sind? Dann schauen Sie mal, was die drittgrößte deutsche Fluggesellschaft, TUIfly, auf ihrer Internetseite schreibt:

Super, was? Dort kann mit einer Flugbuchung die Umwelt schützen!

Seit gut einem Jahr kooperiert das in Hannover ansässige Unternehmen mit „MyClimate“, einem Schweizer Anbieter von Klimakompensationsmaßnahmen. Deren Prinzip klingt verlockend: Den Klimaschaden, den man durch sein eigenes Verhalten anrichtet, lässt man an anderer Stelle ausgleichen – zum Beispiel, indem man Geld gibt für Windräder in der Dritten Welt. Kritiker aber nennen das modernen Ablasshandel, weil man sich bequem von eigenen Sünden freikaufen könne. Denn besser als Kompensation sei eine Vermeidung oder Minderung des Klimaschadens – also zum Beispiel mit dem Zug in den Urlaub zu reisen statt mit dem Flugzeug.

Dies findet TUIfly (Werbeslogan: „Übers Wochenende nach Sylt jetten! Ab 29 Euro“) natürlich keine so tolle Idee. Stattdessen ruft die Firma also ihre Kunden während der Buchung dazu auf, eine „freiwillige Spende“ zu leisten – von dem Geld sollen Familien in Eritrea brennstoffsparende Kocher erhalten. Wählt man zum Beispiel einen Hin- und Rückflug von Hannover nach Las Palmas, erscheint auf der TUIfly-Website dies:

Will man aber auf der Website von Partner MyClimate exakt denselben Flug kompensieren, sieht das Angebot ganz anders aus:

Für denselben Flug wird dort also nicht nur viel höhere Kosten ausgewiesen, auch die Menge des auszugleichenden Kohlendioxid ist dort dreimal so groß wie bei TUIfly.

Des Rätsels Lösung: Bei der Fluggesellschaft werden nur die direkten CO2-Emissionen berücksichtigt. Der Klimaschaden durchs Fliegen aber ist viel größer, weil Düsentriebwerke neben Kohlendioxid noch andere Schadstoffe ausstoßen und die Emissionen in besonders empfindlichen Schichten der Erdatmosphäre freiwerden. Der direkte CO2-Ausstoß von Flugzeugen wird deshalb üblicherweise mit dem sogenannten RFI-Faktor („Radiative Forcing Index“) multipliziert, um den Klimaschaden zu errechnen. Der Weltklimarat IPCC hat 1999 als realistischen Faktor irgendwas zwischen 2 und 4 vorgeschlagen. „Nach Schätzung des Umweltbundesamtes liegt er zwischen 3 und 5″, heißt es in einem von den obersten deutschen Umweltbeamten herausgegebenen Ratgeber zu Klimakompensationen, „das heißt, die Klimawirkung des Flugverkehrs ist mindestens 3-mal und höchstens 5-mal so groß wie die Wirkung des ausgestoßenen Kohlendioxids allein.“ Andere Umweltschäden – etwa die Gesundheitsbelastung von Flughafenanwohnern durch Fluglärm – fallen bei Kompensationsangeboten sowieso unter den Tisch.

TUIfly hat für seine Kunden also eine sehr günstige Offerte zur Gewissensberuhigung – bei der natürlich alles korrekt formuliert ist. Denn stets ist bei TUI nur von einer Kompensation des Kohlendioxids die Rede, der Rest der Geschichte wird einfach verschwiegen (und die meisten Kunden werden vom RFI-Faktor noch nie gehört haben).

Spricht man MyClimate, immerhin eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Zürich, auf die Diskrepanz an, hat die Sprecherin ein hörbar schlechtes Gewissen. Keine Fluggesellschaft weltweit, erklärt sie, erkenne die Sache mit dem RFI-Faktor überhaupt an. Was TUIfly macht, sei immerhin „ein erster Schritt“ – der innerhalb eines Jahres 420.000 Euro Spenden brachte. „Wir wollen die große Gruppe der Leute erreichen, die sich sonst gar keine Gedanken übers Klima machen“, sagt die MyClimate-Sprecherin.

So wie TUIfly die Klimakompensation vermarktet, werden sie sich wohl auch künftig keine Gedanken machen.


Lufthansa: Das Drei-Liter-Verwirrspiel

Freitag, den 14. November 2008

Unter dem Titel „Lufthansa zum Thema Fliegen und Umwelt“ hat die größte deutsche Fluggesellschaft eine neue Imagekampagne gestartet. Den Auftakt bildeten Anfang der Woche großformatige Anzeigen unter anderem in Spiegel und Süddeutscher Zeitung inklusive Foto eines lächelnden Konzernchefs Wolfgang Mayrhuber. Sie versuchen, Lufthansa als ökologischen Musterschüler hinzustellen und gleichzeitig Stimmung gegen die von der EU geplante Beteiligung des Flugverkehrs am Emissionshandel zu machen. Herausgekommen ist eine etwas wirre Mischung aus Selbstbeweihräucherung, Ablenkungsmanövern und Jammern auf höchstem Niveau.

Unter anderem hieß es in der ersten Annonce:


Doch, peng, schon vier Tage später gibt es das 3-Liter-Flugzeug. Denn in Teil 2 der Anzeigenserie steht an gleicher Stelle:


Ja, was denn jetzt? Lufthansa fordert politische Unterstützung für eine technische Neuerung, die es bereits gibt? Bekanntermaßen ist der A380 von Airbus bereits Realität, wenn auch (noch) nicht in der Lufthansa-Flotte. Ähnlich wirr geht es weiter, steht doch weiter unten in derselben Annonce, der A380 „mit einem Verbrauch von nur noch rund 3,4 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer“ sei ein „neuer ökologischer Meilenstein“. Wie viel verbraucht er denn nun?

Geht es um die Klimaschädlichkeit des Luftverkehrs, ist der Blick bloß auf den Treibstoff-Verbrauch sowieso ein Vernebelungsmanöver. Denn Flugzeugabgase enthalten neben CO2 noch diverse andere klimaschädigende Stoffe und werden zudem in besonders sensiblen Schichten der Atmosphäre freigesetzt – ein Liter Kerosin ist deshalb etwa dreimal so klimaschädlich wie ein Liter Autobenzin. Diese Tatsache aber lässt Lufthansa – wie die Flugbranche generell – konsequent außer Acht.

Noch aus anderem Grund ist die Bezeichnung „3-Liter-Flugzeug“ irreführend: Sie soll suggerieren, Fliegen sei derzeit weniger klimaschädlich als Autofahren. Doch wird bei dieser Kalkulation von einem vollbesetzten Flugzeug ausgegangen. Beim Auto hingegen reduziert sich der Pro-Kopf-Verbrauch mit jedem Mitfahrer weiter.


Airbus: Wie 275 Tonnen sich in heiße Luft auflösen

Donnerstag, den 28. August 2008

„Greenwashing“ in vollendeter Form gibt es jetzt auf der englischsprachigen Airbus-Website zu bewundern: Der Flugzeughersteller zeigt seinen Riesenjet A380 als luftige und grüne Silhouette – und verspricht eine „natürlichere Art zu fliegen“.

Der Inhalt der Kampagne lässt sich kurz zusammenfassen: Der A380 sei komfortabler und leiser als andere Flugzeuge und emittiere – pro Passagier und Kilometer – 17 Prozent weniger CO2. Und stehe besser da als so manches Auto.

Absolut betrachtet aber verbraucht der 275-Tonnen-Koloss 1700 Liter Kerosin auf 100 Kilometer. Pro Kopf und Kilometer entspricht das etwa einer DC-3, die im Jahr 1935 ihren Erstflug hatte (in Deutschland auch als Rosinenbomber bekannt). Die A380 repräsentiere „veraltete Technik im Großformat“, kritisiert denn auch Werner Geiß vom VCD. Und der europäische Umweltverband Transport & Environment bilanziert, die Effizienzgewinne der letzten Jahrzehnte hätten gerade mal den Mehrverbrauch beim Umstieg von der Propellermaschine aufs Düsenjet wettgemacht.

Der von Luftfahrtunternehmen gern gezogene Vergleich des Treibstoffverbrauchs mit Autos führt komplett in die Irre: Denn Flugzeuge emittieren neben Kohlendioxid noch andere klimaschädigende Stoffe wie Stickoxide, Rußpartikel und Wasserdampf, und die Abgase schädigen das Klima in Flughöhe rund dreimal stärker als am Boden. Der Pro-Kopf-und-Kilometer-Klimaeffekt des A380 entspricht dem eines Autos mit einem Verbrauch von knapp zehn Litern – und noch schlechter wird die Bilanz, wenn das Flugzeug nicht voll und das Auto mit mehr als nur dem Fahrer besetzt ist. Zudem wird der A380 auf Langstrecken eingesetzt, konkurriert also gar nicht mit dem Auto.

Schon im Jahr 2000 war die Luftfahrtbranche laut Transport & Environment weltweit für vier bis neun Prozent des menschengemachten Treibhauseffekts verantwortlich. Der Anteil wird aber nach allen Prognosen kräftig steigen, denn die Branche wächst so rasant, dass alle Effizienzgewinne binnen kürzester Zeit durch das Wachstum zunichte gemacht werden. Wenn es so weiter geht, berechnete das britische Tyndall Centre on Climate Change, wird der Flugverkehr in der EU im Jahr 2050 bis zu vier Fünftel der Menge an Treibhausgasen emittieren, die ganz Europa dann insgesamt noch ausstoßen darf.

P.S.: Die Pro-Kopf-Rechnung ist übrigens auch davon abhängig, wie der Käufer das Flugzeug bestuhlt. Der saudische Prinz al-Walid, der erste private Käufer des A380, will ihn sich als „fliegenden Palast“ einrichten. Käme er auf die Idee, damit alleine auf Reisen zu gehen, würde er es auf einen Pro-Kopf-Verbrauch von 1,5 Tonnen auf 100 Kilometer bringen.


Lufthansa & Co: "umweltschonende Flugzeuge"

Dienstag, den 11. März 2008

Preisfrage: Was ist ein „umweltschonendes Flugzeug“?

a.) ein Flugzeug, dessen Abgase nicht mehr zum Treibhauseffekt beitragen

b.) ein Flugzeug, das die Klimaschäden durch den Luftverkehr insgesamt senkt

c.) oder ein Flugzeug, das lediglich weniger Abgase ausstößt als ältere Flugzeuge

Na ja, wenn wir so fragen, können Sie sich die „richtige“ Antwort sicherlich denken. Jedenfalls können Sie sich denken, was der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) auf der am Wochenende zu Ende gegangenen Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin als großen Fortschritt gefeiert hat: dass nämlich die deutschen Airlines „neue, umweltschonende Flugzeuge“ kaufen. „Die Investition in moderne Technik stellt für uns eine wichtige Säule im Umweltschutz dar, um auf dem direkten Weg Emissionen einzusparen“, so BDF-Geschäftsführerin Tanja Wielgoß auf der ITB. Für insgesamt 20 Milliarden Euro haben demnach Lufthansa, Air Berlin & Co derzeit neue Flugzeuge bestellt.

Für das Klima ist das eigentlich eine Hiobsbotschaft – denn die Fluggastzahlen wachsen seit Jahren dramatisch, sowohl in Deutschland als auch weltweit. Schon heute trägt die Luftfahrtbranche mit bis zu neun Prozent zum weltweiten Treibhauseffekt bei (zwar liegt ihr Anteil am globalen CO2-Ausstoß nur bei etwa drei Prozent, wie Flug-Lobbyisten gern schönrechnen, aber in den oberen Schichten der Atmosphäre richten die Flugzeugabgase etwa dreimal so viel Klimaschaden an wie am Boden).

Kürzlich hat Airbus seine Marktprognose nach oben korrigiert: In knapp 20 Jahren werde sich demnach der weltweite Flugverkehr verdreifachen, mehr als 24.000 neue Flugzeuge würden dann benötigt. Gleichzeitig kündigt Airbus an, dass man bis 2020 den Kohlendioxid-Ausstoß pro Passagier halbieren wolle.

Zweite Preisfrage: Um wieviel Prozent wird unterm Strich in diesem Zeitraum die ABSOLUTE Klimabelastung durch den Flugverkehr steigen - mit „umweltschonenden Flugzeugen“?