TUIfly: Fliegen ist prima fürs Klima

Ausriss aus der TUIfly-WebsiteDachten Sie bisher, Fliegen sei nicht gut für die Umwelt? Sie glaubten zu wissen, dass Flugzeuge sogar die klimaschädlichsten Verkehrsmittel überhaupt sind? Dann schauen Sie mal, was die drittgrößte deutsche Fluggesellschaft, TUIfly, auf ihrer Internetseite schreibt:

Super, was? Dort kann mit einer Flugbuchung die Umwelt schützen!

Seit gut einem Jahr kooperiert das in Hannover ansässige Unternehmen mit „MyClimate“, einem Schweizer Anbieter von Klimakompensationsmaßnahmen. Deren Prinzip klingt verlockend: Den Klimaschaden, den man durch sein eigenes Verhalten anrichtet, lässt man an anderer Stelle ausgleichen – zum Beispiel, indem man Geld gibt für Windräder in der Dritten Welt. Kritiker aber nennen das modernen Ablasshandel, weil man sich bequem von eigenen Sünden freikaufen könne. Denn besser als Kompensation sei eine Vermeidung oder Minderung des Klimaschadens – also zum Beispiel mit dem Zug in den Urlaub zu reisen statt mit dem Flugzeug.

Dies findet TUIfly (Werbeslogan: „Übers Wochenende nach Sylt jetten! Ab 29 Euro“) natürlich keine so tolle Idee. Stattdessen ruft die Firma also ihre Kunden während der Buchung dazu auf, eine „freiwillige Spende“ zu leisten – von dem Geld sollen Familien in Eritrea brennstoffsparende Kocher erhalten. Wählt man zum Beispiel einen Hin- und Rückflug von Hannover nach Las Palmas, erscheint auf der TUIfly-Website dies:

Will man aber auf der Website von Partner MyClimate exakt denselben Flug kompensieren, sieht das Angebot ganz anders aus:

Für denselben Flug wird dort also nicht nur viel höhere Kosten ausgewiesen, auch die Menge des auszugleichenden Kohlendioxid ist dort dreimal so groß wie bei TUIfly.

Des Rätsels Lösung: Bei der Fluggesellschaft werden nur die direkten CO2-Emissionen berücksichtigt. Der Klimaschaden durchs Fliegen aber ist viel größer, weil Düsentriebwerke neben Kohlendioxid noch andere Schadstoffe ausstoßen und die Emissionen in besonders empfindlichen Schichten der Erdatmosphäre freiwerden. Der direkte CO2-Ausstoß von Flugzeugen wird deshalb üblicherweise mit dem sogenannten RFI-Faktor („Radiative Forcing Index“) multipliziert, um den Klimaschaden zu errechnen. Der Weltklimarat IPCC hat 1999 als realistischen Faktor irgendwas zwischen 2 und 4 vorgeschlagen. „Nach Schätzung des Umweltbundesamtes liegt er zwischen 3 und 5″, heißt es in einem von den obersten deutschen Umweltbeamten herausgegebenen Ratgeber zu Klimakompensationen, „das heißt, die Klimawirkung des Flugverkehrs ist mindestens 3-mal und höchstens 5-mal so groß wie die Wirkung des ausgestoßenen Kohlendioxids allein.“ Andere Umweltschäden – etwa die Gesundheitsbelastung von Flughafenanwohnern durch Fluglärm – fallen bei Kompensationsangeboten sowieso unter den Tisch.

TUIfly hat für seine Kunden also eine sehr günstige Offerte zur Gewissensberuhigung – bei der natürlich alles korrekt formuliert ist. Denn stets ist bei TUI nur von einer Kompensation des Kohlendioxids die Rede, der Rest der Geschichte wird einfach verschwiegen (und die meisten Kunden werden vom RFI-Faktor noch nie gehört haben).

Spricht man MyClimate, immerhin eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Zürich, auf die Diskrepanz an, hat die Sprecherin ein hörbar schlechtes Gewissen. Keine Fluggesellschaft weltweit, erklärt sie, erkenne die Sache mit dem RFI-Faktor überhaupt an. Was TUIfly macht, sei immerhin „ein erster Schritt“ – der innerhalb eines Jahres 420.000 Euro Spenden brachte. „Wir wollen die große Gruppe der Leute erreichen, die sich sonst gar keine Gedanken übers Klima machen“, sagt die MyClimate-Sprecherin.

So wie TUIfly die Klimakompensation vermarktet, werden sie sich wohl auch künftig keine Gedanken machen.