Archiv des Schlagwortes ‘Autos’

BMW & Mini: Einäugige Klima-Könige

Sonntag, den 15. März 2009

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein großer Autokonzern und haben ein Versprechen gebrochen. Was tun Sie? Genau, Sie brüllen mit großen Buchstaben drüber hinweg – in der Hoffnung, niemand werde sich an das Versprechen erinnern.

Die „BMW Group“, zu der die Marken BMW und Mini gehören, hat in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung gleich drei ganze Anzeigenseiten geschaltet. Auf zweien werden die Modelle des Konzerns präsentiert, die weniger als 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Und vorgeschaltet ist noch dieses Motiv:

Das klingt prima. Und tatsächlich hat BMW in den vergangenen Jahren angefangen, sich endlich ernsthaft um den Treibhausgas-Ausstoß seiner Autos zu kümmern. 2006 hatte der Konzern in einer Studie des Brüsseler Umweltdachverbandes Transport&Environment noch als Vorletzter abgeschnitten (nur DaimlerChrysler war damals noch schlechter). Seitdem konnten die Münchner vor allem durch ihr breit eingeführtes Spritspar-Paket „Efficient Dynamics“ die Emissionen deutlich reduzieren – laut Annonce auf 158 g/km.

Der Haken an dem Selbstlob: BMW hatte sich für 2008 eigentlich ein ganz anderes Ziel gesetzt. Gucken wir nochmal kurz in die „Freiwillige Selbstverpflichtung“, die der Konzern als Mitglied des Europäischen Autoindustrie-Verbandes ACEA 1998 feierlich unterzeichnete (um bindende EU-Vorschriften abzuwenden). BMW habe

ist dort zu lesen. Zu Deutsch: BMW werde jede Anstrengung unternehmen, das Ziel von 140 g/km bis 2008 zu erreichen. Den hehren Worten folgten dann jahrelang kaum Taten. Zu übermäßigem Stolz für letztlich erreichte 158 g/km haben BMW und Mini deshalb eigentlich keinen Grund. Aber klar, die Konkurrenz von Audi, Mercedes und VW steht in Sachen Klimaschutz noch mieser da. Und unter den Blinden ist der Einäugige bekanntlich König.


Audi S4: Abrüstung in Trippelschrittchen

Dienstag, den 10. März 2009

Etwas Gutes hat die Krise – offenbar achten die deutschen Autokäufer endlich etwas stärker auf den Verbrauch. Die Hersteller von Kleinwagen fahren Sonderschichten, die rumänische Renault-Tochter Dacia und der tschechische VW-Ableger Skoda melden Rekordverkäufe. Bei Ford in Köln wurde die ankündigte Kurzarbeit abgesagt – weil sich die Modelle Ka, Fiesta und Fusion viermal so gut verkaufen wie vor einem Jahr.

Anders als Dacia, Ford und Skoda schaltet Audi derzeit teure Werbeanzeigen – zum Beispiel eine Doppelseite im aktuellen stern (Listenpreis: 112.800 Euro plus MwSt.):

Anscheinend ist man bei Audi hin- und hergerissen: Einerseits haben sich die Ingolstädter in den vergangenen Jahren so sehr auf sportliche Boliden festgelegt, dass ein ökologischer Kurswechsel ohne Schaden am Markenimage kaum möglich ist. Andererseits ist klar, dass es nicht mehr weitergeht wie bisher. Von Modellreihe zu Modellreihe hatten die Audi-Limousinen bei PS-Zahl, Fahrzeuggewicht, Geschwindigkeit und Leistung zugelegt. Am Ende dieses Rüstungswettlaufs standen beim S4 (der Sportversion der A4-Baureihe) 8-Zylinder-Ungetüme mit fast 350 PS und einem exorbitantem Kohlendioxid-Ausstoß von bis zu 321 Gramm pro Kilometer.

„Es ist ein Trugschluss zu meinen, die ganze Welt werde nur noch Kleinwagen fahren“, hatte Audi-Chef Rupert Stadler letzte Woche in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gefrotzelt. Ein Kleinwagen ist der neue S4 wahrlich nicht. Und „weniger“ meint bei diesem Fahrzeug eine Kürzung um elf Pferdestärken (auf „nur“ noch 333 PS) und zwei Zylinder (auf sechs). Der großspurig beworbene Audi ist jetzt zwar zehn Kilogramm leichter als sein Vorgänger, mit gut 1,7 Tonnen aber immer noch 200 Kilogramm schwerer als ein S4 aus dem Jahr 1998.

Und der Spritverbrauch? Der Nach Audi-Angaben soll er um 3,6 auf 9,7 Liter pro hundert Kilometer gesunken sein – im Test der Zeitschrift auto, motor, sport allerdings schluckte der Wagen 14,1 Liter (deutlich mehr übrigens als der gleichfalls getestete und ebenso „sportliche“ BMW 335i). Zur Klimaschädlichkeit sagt das Kleingedruckte der Annonce

Klar, das ist weniger als beim Vorgänger – aber immer noch knapp das Doppelte des künftigen EU-Richtwerts von 120 Gramm Kohlendioxid. Dafür mit dem Wort „weniger“ zu werben – das ist, tja, frech? Jedenfalls ist es so, als würde ein Hersteller völlig überzuckerter Limonaden ein etwas kalorienreduziertes Getränk als Diät-Produkt anpreisen. Oder, um im oben schon einmal gewählten Rüstungsbild zu bleiben, als würde ein Staat sich für das Abwracken einiger Panzer loben – aber auch weiterhin eine waffenstarrende Armee unterhalten.

Danke an Christian B. aus Leipzig für den Hinweis


Genfer Autosalon: The same procedure …

Dienstag, den 3. März 2009

… as every fair. Die Autoindustrie sieht sich durch Klimakollaps, Ressourcenknappheit und Wirtschaftskrise bedroht – und sie tut: nichts. Wie ein verängstigtes Tier stellt sich ein ganzer Wirtschaftszweig tot, statt mit zukunftsfähigen Produkten sein Überleben zu sichern.

Aber der Reihe nach. Jedes Jahr trifft sich die Branche zum Autosalon in Genf, jedes Jahr gibt es reihenweise Ankündigungen grüner Autos. Aber jedes Jahr ist es dasselbe, wenn man genauer hinschaut: Volkswagen hat heute am Vorabend der Messe in Genf seinen neuen Polo präsentiert. Ein Massenauto wie dieses ist für die deutsche Klimabilanz wirklich relevant. Und, was macht VW? Die Wolfsburger zelebrieren wieder mal den Grundfehler der Branche: Statt technologische Fortschritte zur Senkung von Emissionen und Verbrauch zu nutzen, wird die Leistung bei gleichem Verbrauch gesteigert. Am Ende steht beispielsweise der neue Polo TSI, auf dessen offizielle 129 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer VW auch noch stolz ist. Dabei liegt dieser Wert nicht nur über dem EU-Ziel für 2012 und der ab Juli hierzulande geltenden Schwelle für die Kfz-Steuerbefreiung (beide 120 g CO2/km), sondern der TSI steht auch noch schlechter da als der Basis-Polo (128 g CO2/km). Ganz davon abgesehen, dass der neue Polo heute etwa so groß und schwer ist wie einst der Golf. Ach so, der neue Spar-Polo BlueMotion (87 g/km) wurde in Genf erst als „Studie“ präsentiert – lieferbar ist er erst in einem Jahr.

Dasselbe Prinzip findet sich bei den Hybridautos aus deutscher Produktion. Die gibt es zwar noch nicht zu kaufen, sie werden der Presse aber bereits zur Probefahrt gestellt. Beispiel Porsche Cayenne und VW Touareg: Hier wird der alte Motor in der Leistung gesteigert und mit einem Elektromotor kombiniert. Das Ergebnis sind fast 400 PS insgesamt, die über 2,5 Tonnen Ballast noch schneller fortbewegen können. Ein Downsizing in allen Bereichen – also die gezielte Reduktion von Gewicht, Fahrzeuggröße und Motorleistung – findet nicht statt.

Dasselbe gilt für Elektroautos, die in Genf gar in einem „grünen Pavillon“ gefeiert werden: Energie ist und bleibt ein knappes Gut. Selbst mit Strom aus Wind oder Sonne wird es darum niemals sinnvoll sein, zwei Tonnen Blech im Renntempo auf ICE-Geschwindigkeit zu beschleunigen. Bei vielen ihrer elektrischen Visionen wiederholt die Autoindustrie ihre Fehler – unnötig groß, schwer und stark. Ändert sich das nicht bis zur Serienproduktion, bleiben Elektroautos das, was sie jetzt sind: ein Feigenblatt fürs grüne Gewissen und ein Ablenkungsmanöver zur Vertuschung der klimakillenden Bestseller vom laufenden Montageband.


BMW & VW: Bald am Ziel – von vorgestern

Sonntag, den 22. Februar 2009

Neulich ließ Spiegel Online den obersten Entwickler von VW zu Wort kommen:

Mittlerweile habe man, hieß es weiter,

Schön. Aber ein Grund zum Protzen ist das nicht: Denn 140 Gramm Klimagift pro Kilometer sind nicht etwa ein ehrgeiziges Zukunftsziel, sondern Schnee von gestern. Bereits 1998 hatten die europäischen Autohersteller in einer „Freiwilligen Selbstverpflichtung“ zugesagt, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß all ihrer verkauften Neuwagen auf diesen Wert zu senken – und zwar bis 2008.

Die Bilanz für das vergangene Jahr wird von den Konzernen gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Für 2007 zumindest hat das Greenpeace Magazin die Flottenwerte errechnen lassen – und da war VW alles andere als Spitze. 167 Gramm CO2 pro Kilometer verursachten damals die verkauften Neuwagen, und gegenüber 2002 waren sie sogar noch klimaschädlicher geworden. Marken wie Opel, Ford, Renault oder auch Fiat schnitten deutlich besser ab. VW rühmt sich also, dass es teilweise Fahrzeuge im Programm hat, die das Ziel von gestern erreichen, das aber für alle Autos galt. Natürlich schweigt Volkswagen über jene Modelle, die noch viel tiefer ins Spritglas gucken. Dabei muss man gar nicht zum Phaeton (ab 240 g CO2/km) greifen; auch der Bestseller Tiguan (ab 182 g CO2/km) oder ein 75-PS-Kleinwagen vom Typ Fox (159 g CO2/km) sind Klimaversager.

Diesen Zahlen-Trick haben sich die Wolfsburger wohl bei BMW abgeguckt. Dort werden Autos mit weniger als 140 Gramm CO2 pro Kilometer in ganzseitigen Zeitungsanzeigen beworben. Auf der BMW-Homepage gibt es gar einen eigenen „Car Configurator“ (siehe rechts). Und weil das noch nicht genug ist, werden Kurzfilme ins Netz gestellt und Fernsehmoderatoren aus Wissenschaftssendungen gekauft (links). Eine Welt der Wunder gibt es bei dem Münchner Konzern allerdings nicht zu kaufen. Nur 20 BMW-Modelle unter 140 g CO2/km – von mehr als 200, die das Gesamtprogramm umfasst.

Wie man auf einen Kohlendioxid-Ausstoß auf dem Niveau eines Golf Diesel von 1976 ernsthaft stolz sein kann, bleibt das Geheimnis der Werbeabteilungen in Wolfsburg und München. EU-weit gilt seit letztem Jahr als Nahziel für die Autobauer eine Grenze von 120 g/km, langfristig sollen es 95 g/km werden. Aber vielleicht lassen sich ja ein paar Käufer mit dem Wortgetöse beeindrucken. Fürs Klima jedenfalls sind 140 Gramm zu wenig. Und zu spät.


Die deutschen AKW-Betreiber: Beste Grünfärber Europas

Mittwoch, den 2. Januar 2008

Deutschlands ungeliebte Klimaschuetzer

Ein Bündnis verschiedener Organisationen schreibt jedes Jahr einen Preis für die verlogenste Lobby-Arbeit in Europa aus, den Worst Lobby Award. 2007 wurde zusätzlich ein Preis in der Kategorie „Worst EU Greenwash“ ausgeschrieben – für Firmen, „deren Werbung, PR- und Lobbyrhetorik im Widerspruch zu den wahren Umweltauswirkungen ihres Kerngeschäfts steht“, so die Initiatoren.

Nominiert waren:

- Airbus („für eine Anzeigenserie, in denen Passagierflugzeug-Silhouetten mit schönen Landschaften ausgefüllt wurden, um Airbus-Flugzeuge grün und sauber erscheinen zu lassen“)

- der britische BAE Systems („weil sie tödliche Waffen als umweltfreundlich bewerben“)

- das Deutsche Atomforum (wegen „Missbrauch der öffentlichen Sorge um den Klimawandel zur Imagepflege für die Atomenergie“)

- der Ölkonzern ExxonMobil („nominiert für die Behauptung, das Unternehmen würde seine Treibhausgase reduzieren, während die Emissionen in Wirklichkeit anstiegen“)

- der Energieriese Royal Dutch Shell (weil er „den Eindruck erweckt, dass seine Ölraffinerien Blumen statt Rauch ausstoßen“)

Ausführliche Informationen zu allen Nominierten stehen hier.

Durchgesetzt hat sich – wie so oft auf dem Weltmarkt – deutsche Wertarbeit. Beim allgemein schlimmen Lobbying gewannen die Autokonzerne BMW, Daimler und Porsche. Und auch in der Sonder-Wertung für Grünfärberei lag die Bundesrepublik vorn: Das Deutsche Atomforum, das Akw in einer millionenschweren Werbekampagne als „Klimaschützer“ darstellte, deklassierte die gesamte Konkurrenz.

P.S.: Bei YouTube gibt es ein amüsantes Video – es zeigt, wie ein Vertreter des „Worst Lobby Award“ bei den Brüsseler Büros von BMW, Daimler und Porsche versucht, Blumensträuße loszuwerden…