Archiv des Schlagwortes ‘Ökostrom’

E.on WasserKraft: Alter Strom in neuen Schläuchen

Mittwoch, den 16. Juli 2008

„Wir freuen uns, treuen Kunden ein ganz besonderes Angebot zu machen“, heißt es in einem Brief, den E.on Bayern in diesen Wochen verschickt. „Wie wäre es, wenn Sie ganz unkompliziert einen Beitrag für eine saubere Zukunft leisten könnten?“ Prima Idee, denkt man. E.on sei, preist sich das Unternehmen in dem Brief, „Deutschlands größter Betreiber von Wasserkraftwerken“ – dabei sollte es für den größten Energieversorger Deutschlands eigentlich selbstverständlich sein, auch die meisten Wasserkraftwerke zu haben. Aber E.on versucht sich ja neuerdings mit vielerlei Mitteln ein grünes Image zu geben.

Egal. Unter dem Namen „E.on WasserKraft“ bietet das Unternehmen nun Strom an, der „komplett aus Wasserkraft gewonnen“ wird. Und dies zu „fairen Konditionen“, wie E.on schreibt – unter „fair“ versteht der Konzern offenbar, den eigenen Preis knapp unter dem von unabhängigen Ökostrom-Anbietern wie GreenpeaceEnergy oder Lichtblick zu kalkulieren. Auf deren umweltbewusste, potenzielle Kundschaft hat der Energieriese es offenbar abgesehen.

Auf dem  Hochglanz-Faltblatt, das dem Brief beiliegt, finden sich liebliche Fotos und blumige Worte – aber auch ein Versprechen, das dieser Zielgruppe besonders wichtig sein dürfte:

Dies Versprechen aber ist zumindest zweifelhaft. Der Strom, den E.on seinen Kunden hier anbietet, stammt nämlich aus den 133 Wasserkraftanlagen, die der Konzern ohnehin betreibt – das sagt E.on auf Anfrage auch ganz offen, und ebenso offen gibt man zu, dass die Einnahmen auch nicht direkt in neue Ökostrom-Erzeugungsanlagen fließen. Die Produktidee von E.on WasserKraft ist so schlicht wie profitabel: Den Wasserstrom, den man ohnehin produziert und der bisher anteilig an alle E.on-Kunden floss, löst der Konzern einfach aus seinem allgemeinen Strommix heraus und verkauft ihn teurer an umweltbewusste Abnehmer.

Im Kleingedruckten des Faltblatts ist dies auch – mit etwas Mühe – zu erkennen. Laut Gesetz müssen Stromanbieter offenlegen, wieviel Gramm des Klimakillers Kohlendioxid sie pro erzeugter Kilowattstunde ausstoßen. Für die von E.on insgesamt in Deutschland erzeugte Elektrizität sind es 299 Gramm. Für Bezieher von „E.on WasserKraft“ werden in dem Werbeblatt null Gramm angegeben – dafür schlagen im Gegenzug bei den restlichen E.on-Kunden 303 Gramm zu Buche. Sie erhalten in ihrem persönlichen Energiemix einfach ein Prozent weniger Wasserstrom – und dafür ein Prozent mehr Atom- und Kohlestrom. Im Klartext: Je mehr E.on-Kunden zum teureren Wasserstrom wechseln, desto höher steigt bei den weniger umweltbewussten Kunden der Kohlendioxid-Wert - aber die interessiert das ja sowieso nicht. Insgesamt und damit fürs Klima ändert sich dadurch nichts.

Lügt E.on also mit dem Versprechen, „WasserKraft“-Kunden erhöhten den „Anteil von sauberem Strom am Gesamtstromaufkommen“? Nein, natürlich nicht, darauf achtet das Unternehmen selbstverständlich. Auf Anfrage erläutert E.on, man schenke doch jedem neuen WasserKraft-Kunden ein Guthaben von 25 Euro. Dies könnten sie auf Wunsch spenden, und zwar für ein „innovatives Wasserkraftprojekt“, sie müssten auf dem Bestellschein nur ein entsprechendes Kästchen ankreuzen. Welche Wasserkraftprojekt dies denn sei und wo es entstehen werde, konnte der Unternehmensvertreter auf die Schnelle aber nicht sagen. Und erwähnte beiläufig, dass sowieso kaum jemand die 25 Euro spende…

Danke an Carl P. für den Hinweis


Lichtblick: Den Mund zu voll genommen

Mittwoch, den 11. Juni 2008

Lichtblick ist hierzulande der größte Ökostrom-Anbieter, seinen mittlerweile mehr als 400.000 Kunden verspricht das Hamburger Unternehmen: „Seit 2003 wird unser Strom vollständig aus regenerativen Energiequellen wie Wasser, Biomasse, Sonnenenergie oder Windkraft erzeugt.“ Vollständig? In der heutigen Financial Times Deutschland ist zu lesen, dass dies nicht stimmt. Seit Dezember 2006 habe Lichtblick mehrmals Strom an der Leipziger Strombörse gekauft, der etwa aus Kohle- und Atomkraftwerken stammt. Die Gesamtmenge im Jahr 2007 soll rund 20 Gigawattstunden betragen haben, etwa zwei Prozent der insgesamt von Lichtblick-Kunden bezogenen Strommenge.

Lichtblick reagierte umgehend mit einer Stellungnahme - aber die lässt Fragen offen. Man könne gar nicht anders, heißt es, als den Strom, der „zur Kompensation von kurzfristig auftretenden Abweichungen zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Verbrauch der Kunden erforderlich“ ist, auf dem „grauen Markt“ einzukaufen – also ohne Grünstrom-Garantie. Und: „Alternativen gibt es nicht.“

Aber auch das ist verkehrt: Die Öko-Konkurrenten EWS Schönau und Greenpeace Energy schaffen – begünstigt durch ihre niedrigeren Kundenzahlen – offenbar sehr wohl, was dem Marktführer nicht gelingt. Sie kaufen auch den sogenannten Ausgleichstrom klimaschonend ein. Das ist zwar teurer. Aber ehrlicher.

P.S.:  Am 14. Juni hat GP Energy in einer detaillierten Stellungnahme zu den Feinheiten des Strommarktes auf die Vermischung von Regel- und Ausgleichstrom in der jüngsten Debatte (die auch uns in der ersten Textfassung unterlaufen war) hingewiesen: Auf ersteren können Ökostrom-Anbieter demnach Einfluss nehmen, auf zweiteren nicht.

Danke an Johannes B. für den Hinweis


Klein, aber oho (2): Wibo-Werk Hamburg

Sonntag, den 9. März 2008

Im Spielfilm „Ödipussi“ kauft der Stoffhändler Paul Winkelmann (gespielt von Loriot) einen Elektrokamin mit künstlicher Glut, um eine gemütliche Atmosphäre für den bevorstehenden Besuch der Psychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann) zu schaffen, die er auf einen Hefezopf eingeladen hat. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Effizienz und Umweltschädlichkeit verschiedener Heizungstypen dagegen sind messbar. Deshalb ist die Postwurfsendung des Hamburger Wibo-Werkes einfach zu widerlegen: Ihre Elektrokamine und andere Stromheizungen seien „Feinstaub und CO2 frei“, so die dreiste Behauptung. „Einfach hinstellen und einschalten“, heißt es weiter. Und das Hirn ausschalten, möchten wir hinzufügen.

In Wahrheit ist Heizen mit Strom extrem ineffizient und obendrein teuer. Verbraucherzentralen warnen deshalb seit Langem vor der Anschaffung solcher Geräte. Und weil der Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern hierzulande immer noch vor allem aus Kohlekraftwerken, sind Elektroheizungen und -kamine alles andere als CO2-frei.

Laut einer Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (IZES) verursachen Elektroheizungen 3,6-mal mehr CO2 als moderne Gasbrennwertheizungen und 13-mal mehr als Holzpelletheizungen. In Deutschland sind sie für den Ausstoß von jährlich 30 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich, das sind mehr als drei Prozent der gesamten Emissionen. Aus Gründen des Klimaschutzes möchte deshalb die Bundesregierung Elektroheizungen baldmöglichst verbieten. Für das Klima ist es schließlich egal, ob das CO2 im Wohnzimmer von Herrn Winkelmann entsteht oder in einem Kohlekraftwerk.

Darauf angesprochen, erwidert eine freundliche Dame am Servicetelefon des Wibo-Werks: „Es gibt doch heute Biostrom, das kann jeder selbst wählen.“ Zwar stimmt es, dass man mit einem Anbieterwechsel seine strombedingten CO2-Emissionen um zwei Drittel und mehr senken kann (und sollte!). Wie ernst es der Hamburger Firma aber mit diesem Hinweis ist, zeigt ein Blick auf deren Internetseite.

10 Gründe für das Heizen mit Strom“ sind dort aufgeführt, zum Beispiel: „Sie haben beim Heizen ein Bewusstsein für die Umwelt. Denn mit Strom nutzen Sie die hohen technischen Wirkungsgrade von modernen, staatlich streng kontrollierten Kraftwerken.“ Das ist ziemlicher Humbug, denn für Wirkungsgrade gibt es – leider – in Deutschland keine staatlichen Vorschriften. Ein Hinweis auf Ökostrom ist auch nirgends zu finden. Im übrigen hält Günther Frey, der Autor der IZES-Studie, selbst das Betreiben einer Elektroheizung mit Strom aus regenerativen Quellen für eine „erhebliche Verschwendung von Ressourcen“.

Das angepeilte Verbot der Bundesregierung wird sich vermutlich nur auf Nachtspeicherheizungen beziehen, das weiß auch die Dame am Wibo-Service-Telefon. Ist das vielleicht der Grund, warum die Firma schon mal verstärkt ihre Kamin-Imitate anpreist?

Danke an Torsten M. für den Hinweis


Epson: Grüner Strom für weniger grüne Drucker

Dienstag, den 26. Februar 2008

Der Drucker-Hersteller Epson hat seine Deutschland-Dependance auf Ökostrom umgestellt. Das sei, meldet die Firma heute stolz auf ihrer PR-Homepage, „ein weiterer Schritt auf dem ‚Green Way‘, wie das Programm zur nachhaltigen Unternehmensführung bei Epson heißt“.

Tatsächlich hat das Unternehmen einiges vorzuweisen. So verzichtet man „weitgehend“ auf Inlandsflüge der Mitarbeiter, kompensiert den CO2-Ausstoß der firmeneigenen Autos durch die Aufforstung von zwölf Hektar Wald. „Bereits seit mehreren Jahren“, so Geschäftsführer Henning Ohlsson, setze der Büromaschinen-Hersteller auf „nachhaltiges Wirtschaften“. Nun also der nächste Schritt:

epson_sh.jpgVon einem RWE- Vertreter ließ sich Ohlsson in der Epson- Zentrale ein Öko- Strom- Zertifikat über- reichen.

Wie bitte? RWE und Ökostrom? „Der TÜV hat uns das bestätigt“, sagt Firmensprecherin Andrea Koepfer. Lieferant des Ökostromes sei die RWE Rhein-Ruhr AG. „Es handelt sich um Ökostrom aus Wasserkraft“, so die Epson-Sprecherin, und er stamme aus einem Kraftwerk in Trier. In der Tat erzeugt RWE auch ein bisschen sauberen Strom, der Konzern ist aber wegen seiner zahlreichen Kohlekraftwerke der größte Kohlendioxid-Emittent ganz Europas.

Und Epson? Bezieht nun also sauberen Strom. Ein Blick auf die Produktpalette der Firma aber ist eher ernüchternd. Auf der Homepage www.energieeffizienz-im-service.de – betrieben von der Deutschen Energie-Agentur und übrigens unterstützt von RWE –, kann man sich mit wenigen Klicks eine Liste der zehn energieeffizientesten Drucker anzeigen lassen. Epson-Geräte rangieren da erst auf Rang neun und zehn.

Übrigens sitzt Epson Deutschland in Meerbusch. Meerbusch liegt 35 Kilometer vom Braunkohle-Tagebau Garzweiler II entfernt, der von RWE betrieben wird. Das nachhaltig wirtschaftende Unternehmen Epson könnte sich die dort entstehende Mondlandschaft ja mal im Rahmen eines Betriebsausflugs anschauen.

P.S. am 3. März 2008: Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland hat heute anlässlich der CeBIT eine Studie über den Stromverbrauch von Tintenstrahldruckern veröffentlicht – und bei zahlreichen Modellen den hohen Stand-by-Verbrauch kritisiert. Bei diesem Vergleich von „Multifunktions-Tintenstrahldruckern“ kommt Epson mit drei getesteten Geräten auf ein Gesamturteil „gut“ und liegt damit an der Spitze aller Marken, Schlusslicht sind hier Hewlett-Packard und Kodak. Die BUND-Studie bietet Hinweise, wie man aus dem schier unüberschaubaren Drucker-Angebot die energiesparendenGeräte herauspickt.


Klein, aber oho (1): Stadtwerke Uelzen

Montag, den 18. Februar 2008

Vor ein paar Wochen hing im niedersächsischen Uelzen diese Werbung an den Haustüren.

uelzen_sh.jpg

Zum 1. Februar, versprechen die örtlichen Stadtwerke, würden alle Haushalte der 35.000-Einwohner-Stadt mit hundertprozentigem Naturstrom aus Österreich versorgt. Zudem haben die Stadtwerke schon vor Jahren in Solar- und Wasserkraft-Anlagen investiert. So weit so gut.

Zuvor war das Unternehmen über Monate mit weniger schönen Dingen Stadtgespräch: Ein neues Block-Heizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung für Uelzen wird mit Palmöl aus Malaysia betrieben – einem höchst umstrittenen Brennstoff. Für die Stadtwerke ist er zwar billiger als heimisches Rapsöl, für das Klima aber kann Palmöl sehr teuer werden. Denn zur Anlage entsprechender Plantagen wird vielerorts Regenwald gerodet. Nach neuen Studien müsste auf den Flächen 423 Jahre lang Palmöl angebaut werden, ehe damit gegenüber dem Einsatz von Erdöl Kohlendioxid eingespart werden kann. Im übrigen dürften sich die Arbeitsbedingungen malaysischer oder kolumbianischer Plantagenarbeiter deutlich von denen niedersächsischer Bauern unterscheiden. Die Uelzener Stadtwerke versicherten zwar, dass ihre Lieferanten nachhaltig wirtschaften – haben sich vorsichtshalber aber doch nach neuen Partnern in Afrika und der Ukraine umgesehen. So weit, so umstritten.

Die spannende Frage ist nun: Was passiert eigentlich mit dem Palmöl-Strom, wenn künftig alle Uelzener Haushalte Wasser-Strom bekommen? Der Strom aus dem Block-Heizkraftwerk diene künftig „der Versorgung von Industriekunden“, erklärt der Pressesprecher der Stadtwerke. Zudem werde er „ins allgemeine Netz eingespeist“.

Im Klartext: Der vor Ort umstrittene Strom wird weiterverkauft und verschwindet im bundesweiten Energiemix. Und anders als in Uelzen werden anonyme Käufer oder Industriekunden kaum gegen unsaubere Anbaupraktiken auf Palmöl-Plantagen protestieren.

(Danke an Ulrich S. aus Uelzen für den Hinweis.)


TelDaFax: Sehr gute Geschäfte mit „Ökostrom“

Dienstag, den 5. Februar 2008

Sie wollen Ökostrom? Sehr gut! Sie wollen billigen Ökostrom? Vorsicht! „Sunpower“ heißt ein Angebot der Troisdorfer Firma TelDaFax, das in etlichen Strompreis-Vergleichstabellen weit oben rangiert. Der angebotene Strom stammt allerdings nicht – wie der Name nahelegt – aus Solaranlagen, sondern – wie ein Blick auf die Firmenhomepage zeigt – aus Wasserkraftanlagen.

TelDaFax produziert den Ökostrom nicht selbst, sondern ist nur ein Zwischenhändler. Das Prinzip klingt denkbar einfach: Durch den Öko-Aufpreis von einem Cent pro kWh auf den normalen Haushaltstarif, erklärt die Homepage, könne man zum Ökostrom-Kunden werden:

teldafax_sh_500.jpg

Das TelDaFax-Angebot basiert auf RECS-Zertifikaten – solche Scheine kann man sich als Strom-Großhändler z.B. bei Wasserkraftwerks-Besitzern kaufen und damit die saubere Herkunft einer bestimmten Menge Strom garantieren. Das erklärt TelDaFax auch ausführlich auf der eigenen Internetseite. Den Preis solcher RECS-Zertifikate aber nennt die Firma nicht: Sie liegen derzeit bei ca. 0,05 Cent pro Kilowatt-Stunde.

Übernimmt also TelDaFax nicht nur generös „eventuelle Mehrkosten“, sondern behält einfach die Differenz?

Anruf bei der TelDaFax-Hotline. Ein junger Mann preist den eigenen Ökostrom und den „niedrigen Preis“ an. Der Öko-Aufschlag betrage nur einen Cent, und „damit werden Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen gefördert“, verspricht er.

Nachfrage: „Aber ich hab gelesen, diese RECS-Zertifikate kosten nur 0,05 Cent pro kWh. Wohin fließen denn die restlichen 0,95 Cent?

Da fängt der junge Mann an zu drucksen. Das wisse er nicht, aber er frage mal den Teamleiter. Etwa eine Minute lang gibt es Musik aus der Warteschleife, dann die Antwort: „Keine Ahnung!“

Ob man denn den Teamleiter sprechen könne? „Nein“, lautet die Antwort, „ich glaube, der weiß es selbst nicht.“