Klein, aber oho (1): Stadtwerke Uelzen

Vor ein paar Wochen hing im niedersächsischen Uelzen diese Werbung an den Haustüren.

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Zum 1. Februar, versprechen die örtlichen Stadtwerke, würden alle Haushalte der 35.000-Einwohner-Stadt mit hundertprozentigem Naturstrom aus Österreich versorgt. Zudem haben die Stadtwerke schon vor Jahren in Solar- und Wasserkraft-Anlagen investiert. So weit so gut.

Zuvor war das Unternehmen über Monate mit weniger schönen Dingen Stadtgespräch: Ein neues Block-Heizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung für Uelzen wird mit Palmöl aus Malaysia betrieben – einem höchst umstrittenen Brennstoff. Für die Stadtwerke ist er zwar billiger als heimisches Rapsöl, für das Klima aber kann Palmöl sehr teuer werden. Denn zur Anlage entsprechender Plantagen wird vielerorts Regenwald gerodet. Nach neuen Studien müsste auf den Flächen 423 Jahre lang Palmöl angebaut werden, ehe damit gegenüber dem Einsatz von Erdöl Kohlendioxid eingespart werden kann. Im übrigen dürften sich die Arbeitsbedingungen malaysischer oder kolumbianischer Plantagenarbeiter deutlich von denen niedersächsischer Bauern unterscheiden. Die Uelzener Stadtwerke versicherten zwar, dass ihre Lieferanten nachhaltig wirtschaften – haben sich vorsichtshalber aber doch nach neuen Partnern in Afrika und der Ukraine umgesehen. So weit, so umstritten.

Die spannende Frage ist nun: Was passiert eigentlich mit dem Palmöl-Strom, wenn künftig alle Uelzener Haushalte Wasser-Strom bekommen? Der Strom aus dem Block-Heizkraftwerk diene künftig „der Versorgung von Industriekunden“, erklärt der Pressesprecher der Stadtwerke. Zudem werde er „ins allgemeine Netz eingespeist“.

Im Klartext: Der vor Ort umstrittene Strom wird weiterverkauft und verschwindet im bundesweiten Energiemix. Und anders als in Uelzen werden anonyme Käufer oder Industriekunden kaum gegen unsaubere Anbaupraktiken auf Palmöl-Plantagen protestieren.

(Danke an Ulrich S. aus Uelzen für den Hinweis.)