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Gazprom: Der größte Schurke

Donnerstag, den 23. Januar 2014

Wir hatten unserer verehrten Leserschaft die Public Eye Awards ans Herz gelegt: Mit dem wohl bekanntesten Internationalen Schmähpreis werden Unternehmen „ausgezeichnet“, die sich im Laufe des vergangenen Jahres die schlimmsten Verstöße gegen Umweltgesetze und Menschenrechte geleistet haben. Es sind zwei Preise: Einen bestimmt eine Jury aus Wirtschaftsethikern, Menschenrechts- und Umweltexperten, den anderen, den Publikumspreis, bestimmt die Öffentlichkeit, also Sie!

Nun ist die „Hall of Shame“ mit neuen Namen bestückt: Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, das am Mittwoch begonnen hat, wurden die US-Textilkette Gap mit dem Jury-Preis und der russische Gaskonzern Gazprom mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Wie die Organisatoren der mittlerweile zehnten Preisverleihung am heutigen Donnerstag mitteilten, habe Gap den Preis erhalten, weil sich das Unternehmen Reformen in der Textilindustrie beim Arbeits- und Brandschutz in den Weg stellt. Selbst nach dem folgenschweren Einsturz eines Produktionsgebäudes in Bangladesch mit über 1.100 Toten im Mai 2013 habe sich GAP geweigert, ein entsprechendes internationales Abkommen (Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh) für bessere Produktionsbedingungen in dem Entwicklungsland zu unterzeichnen.

„Gap weigert sich weiterhin, gemeinsam mit Zulieferern und lokalen wie internationalen Gewerkschaften sicherzustellen, dass die Mängel in den dortigen Fabriken behoben werden und die Arbeitenden das Recht haben, ihre Arbeit bei gefährlichen Bedingungen zu verweigern“, sagte Kalpona Akter, Arbeitsrechts-Aktivistin aus Bangladesch, auf der Pressekonferenz in Davos.

Für den Publikumspreis der „Public Eye Awards“ hatten dieses Jahr über 280.000 Online-Voter abgestimmt. Der Preis geht an den Ölkonzern Gazprom, der in der Arktis ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt nach Öl bohrt. Dem damit verbundenen hohen Risiko begegne Gazprom mit einem völlig unzureichenden Notfallplan und setze zudem auf veraltete Technik, erklärten die Preisverleiher.

Zudem habe das Unternehmen, das als einer der schlimmsten Klimasünder weltweit gilt, nicht aus seinen Fehlern gelernt: Im Dezember 2011 starben 53 Mitarbeiter, als die Bohrinsel Kolskaja kenterte. Im selben Jahr habe der russische Monopolist allein an Land 872 Ölunfälle verursacht, mehr als jeder andere Ölkonzern der Welt. “Gazprom ist das erste Unternehmen auf der Erde, das Öl aus den eisigen arktischen Gewässern pumpt, obwohl seine Sicherheitsbilanz entsetzlich ist“, kritisierte Kumi Naidoo, Direktor von Greenpeace International.

Was soll man sagen? Herzlichen Glückwunsch? Oder: Igitt?

Sagen wir es so: Der Klima-Lügendetektor wird auch 2014 versuchen, Stachel im Fleisch der fossilen Energielobby und ihrer Firmen zu sein. Mit Ihrer Hilfe: Eine fragwürdige Werbeannonce? Ein grünfärberischer Fernsehspot? Eine verlogene Politikerrede? Senden Sie uns Ihre Hinweise! Und unterstützen Sie unsere Arbeit auch finanziell: Seit Sommer 2011 wird die Arbeit des Klima-Lügendetektors größtenteils von seiner Leserschaft finanziert.

Anders ausgedrückt: Wir sind nur so gut, wie Sie uns machen!


Gesucht: Der größte Schurke 2013

Samstag, den 28. Dezember 2013

Bevor wir unserer verehrten Leserschaft viel Kraft und Mut für das Jahr 2014 wünschen können, müssen wir noch auf die Public Eye Awards hinweisen: Mit den wohl bekanntesten internationalen Schmähpreisen werden Unternehmen „ausgezeichnet“, die sich im Laufe des vergangenen Jahres die schlimmsten Verstöße gegen Umwelt- und Menschenrechte geleistet haben. Es sind zwei Preise: Einen bestimmt eine Jury aus Wirtschaftsethikern, Menschenrechts- und Umweltexperten, den anderen, den Publikumspreis, bestimmt die Öffentlichkeit, also Sie!

In der „Hall of Shame“ finden sich diesmal illustre Namen wie der Textilgigant Gap, der Bergbaukonzern Glencore Xstrata oder die Chemieriesen Syngenta, Bayer und BASF.

Auf der Liste steht auch die HSBC Holding, einer der größten Finanzdienstleister mit Geschäftstätigkeiten in über 85 Ländern. Der Bank werden schwere Fälle von Landenteignungen und Menschenrechtsverletzungen in Ländern wie Malaysia, Indonesien oder Liberia angelastet: HSBC beteilige sich an der Finanzierung der Palmölfirmen Sime Darby und Wilmar, die Regenwälder roden, Menschen verjagen, Land stehlen. „Trotz Studien, welche die zerstörerischen Geschäftspraktiken der Firmen belegen, vergibt HSBC weiterhin Kredite an die beiden Unternehmen und hält deren Aktien“, heißt es in der Nominierungsbegründung. Die Gesamtsumme dieser finanziellen Unterstützung belaufe sich auf über eine Milliarde Euro.

case-hsbc-consequences-002 Nominiert für den Public Eye Award ist auch Südafrikas staatlicher Energiekonzern Eskom. Der produziert circa 95 Prozent seines Stroms in 17 Kohlekraftwerken. Medupi, das 18. Eskom-Kohlekraftwerk, befindet sich noch im Bau und wird bei Fertigstellung das viertgrößte der Welt sein. Eskom produziert heute 45 Prozent des gesamten afrikanischen Stromes – aus Kohle. Und als ob der Kontinent nicht schon heute unter der Erderwärmung zu leiden hätte, plant Eskom ein noch größeres Kohlekraftwerk: Die Kusile Power Station soll nach der Fertigstellung das mit 5.400 Megawatt zweitgrößte Kohlekraftwerk der Welt sein, nach dem taiwanesischen Taichung Power Plant.

Für den Public Eye Award nominiert ist Eskom aber hauptsächlich wegen seiner Geschäftspraxis, die Verantwortung für die südafrikanische Luftqualität auf die Steuerzahler abzuwälzen: Eskom behauptet, nicht über die nötigen finanziellen Mittel zu verfügen, um die südafrikanischen Mindeststandards zum Schutz der Gesundheit und Umwelt zu erfüllen. Das Unternehmen hat gar beantragt, sich erst später oder gar nicht an die Emissionsstandards halten zu müssen.

eskom-content-image-003 Ebenfall zur Abstimmung steht der Kandidat Gazprom – der erste Konzern, der eine Bohrplattform in der Arktis errichtet hat. Gazprom verursachte bereits bei seinen kontinentalen Bohrungen eine beträchtliche Anzahl Öllecks. Bis heute weigert sich der russische Staatskonzern, seinen Notfallplan gegen eine Havarie in der Arktis zu veröffentlichen.

Nun ist es an Ihnen: Wählen Sie den größten Schurken des Jahres 2013! Und wenn Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, von Ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben, bleibt der Redaktion des Klima-Lügendetektors im zu Ende gehenden Jahr nur noch, Ihnen Kraft, Weitblick und Erfolg für 2014 zu wünschen! Bleiben Sie wachsam: Wer einen Engel um Rat fragen will, darf bei der Suche nicht nur auf die Flügeln achten. Sonst hat er es zum Schluss mit einem Schwan zu tun.

PS: Die Arbeit des Klima-Lügendetektors wird seit Sommer 2011 von seiner Leserschaft finanziert. Noch aber fehlt Geld, um die Recherche auch 2014 unabhängig zu leisten. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Terra Activ von Henkel: Putzen mit Palmen

Dienstag, den 13. April 2010

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Beim Namen seiner neuen Reiniger-Reihe haut der Chemieriese Henkel kräftig auf den Putz: „Terra Activ“, also aktive Erde. Das „e“ im Schriftzug ist ein Pflanzenblatt. Optisch dominieren das klassische Grün und die neue Öko-Trendfarbe Blau. Auf dem Etikett krabbelt ein niedlicher Marienkäfer, darüber prangt der Slogan „Bio+Kraft“. Man kann sich lebhaft ausmalen, wie Heerscharen von Werbeprofis an alldem getüftelt haben.

Auf einer eigenen Terra-Activ-Website erklärt der Konzern ausführlich, was es mit der Marke auf sich habe:

henkel_terraactiv_2„Nachwachsende Rohstoffe“, das klingt prima – jedenfalls schwingt dabei stets mit, sie seien ein Vorteil gegenüber endlichen Ressourcen wie Erdöl. Doch ob nachwachsende Rohstoffe tatsächlich etwas bringen für Umwelt und Klima, entscheidet sich bei deren Herstellung und Verarbeitung. Bei „Terra Activ“ werden die Tenside u.a. aus Palmkernöl produziert. Doch weltweit ist der Boom des Ölpalmenanbaus längst ein Umweltproblem: Zugunsten von Plantagen wurden und werden Tropenwälder abgeholzt – das heizt das Klima auf, und die letzten Orang-Utans verlieren ihre Lebensräume. Organisationen wie Rettet den Regenwald protestieren deshalb seit Jahren gegen Ölpalmen, Greenpeace hat kürzlich mit einer großen Kampagne gegen die Nestlé-Schokoriegel KitKat auf die Problematik hingewiesen.

henkel_terraactiv_4Gegen solche Kritik gat Henkel sich zu wappnen versucht, auf den Packungen findet sich ein Siegel namens „Greenpalm“. Und per Imagefilm im Internet wird eine indonesische Partnerfirma, United Plantation, präsentiert. Doch liest man auf Henkels Website die Erklärungen dazu aufmerksam, dann fällt auf, dass Henkel für seine Terra-Activ-Produkte direkt gar kein „nachhaltiges “ Öl bezieht. Man kaufe lediglich „Zertifikate“, über die „sichergestellt“ sei, dass „für die in jedem Terra Activ Produkt eingesetzte Menge an Palmkernöl eine entsprechende Menge an nachhaltigem Palmkernöl produziert und auf den Markt gebracht wurde“. Das sei ziemlich kompliziert, räumt eine Henkel-Sprecherin auf Nachfrage ein. Das Problem sei halt, dass man bei Lieferanten die Tenside als chemisches Zwischenprodukt einkaufe, aber eben nicht direkt den Rohstoff Palmkernöl. Dieser Zertifikatekauf sei im Moment die beste Möglichkeit, überhaupt etwas zu tun.

Henkel verweist außerdem auf den RSPO – hinter diesem Kürzel verbirgt sich der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“, der unter anderem vom WWF initiiert wurde. United Plantation ist dort Mitglied. Doch viele Umweltschützer kritisieren den Runden Tisch als Greenwashing-Instrument der Palmöl-Industrie, rund 250 Organisationen haben eine Protestdeklaration unterzeichnet. Die RSPO-Kriterien für „nachhaltiges“ Öl seien zu schwach, sagt Corinna Hölzel, Urwald-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland, beispielsweise werde nichts zum Schutz von klimarelevanten Torfböden gesagt oder zur Einsparung von Treibhausgasen. „Und nicht einmal diese schwachen Kriterien werden in der Praxis eingehalten“, so Hölzel. „Der RSPO existiert seit 2005, dennoch konnte die rasante Abholzung der wertvollen indonesischen Wälder nicht gestoppt werden. Es ist unverantwortlich, sich bei dem Thema Urwaldzerstörung auf den RSPO als Lösung zu verlassen.“ Laut Greenpeace-Recherchen habe der Henkel-Partner United Plantations seine Plantagen auch in Lebensräumen der Orang-Utans sowie in geschützten Seengebieten angelegt. Interessanterweise heißt es in dem (englischsprachigen) United-Plantations-Imagefilm auf der Henkel-Website (bei Minute 2:10) denn auch nur, die Firma produziere „einen Teil ihres Öls“ auf „nachhaltige“ Weise.

Als Sympathieträger für seine grüne Marke hat Henkel übrigens Esther Schweins eingekauft. Die Schauspielerin posiert in TV-Spots und auf der Website mit flotten Sprüchen für Terra Activ.

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Na, hoffentlich nicht den Regenwald.


Klein, aber oho (1): Stadtwerke Uelzen

Montag, den 18. Februar 2008

Vor ein paar Wochen hing im niedersächsischen Uelzen diese Werbung an den Haustüren.

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Zum 1. Februar, versprechen die örtlichen Stadtwerke, würden alle Haushalte der 35.000-Einwohner-Stadt mit hundertprozentigem Naturstrom aus Österreich versorgt. Zudem haben die Stadtwerke schon vor Jahren in Solar- und Wasserkraft-Anlagen investiert. So weit so gut.

Zuvor war das Unternehmen über Monate mit weniger schönen Dingen Stadtgespräch: Ein neues Block-Heizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung für Uelzen wird mit Palmöl aus Malaysia betrieben – einem höchst umstrittenen Brennstoff. Für die Stadtwerke ist er zwar billiger als heimisches Rapsöl, für das Klima aber kann Palmöl sehr teuer werden. Denn zur Anlage entsprechender Plantagen wird vielerorts Regenwald gerodet. Nach neuen Studien müsste auf den Flächen 423 Jahre lang Palmöl angebaut werden, ehe damit gegenüber dem Einsatz von Erdöl Kohlendioxid eingespart werden kann. Im übrigen dürften sich die Arbeitsbedingungen malaysischer oder kolumbianischer Plantagenarbeiter deutlich von denen niedersächsischer Bauern unterscheiden. Die Uelzener Stadtwerke versicherten zwar, dass ihre Lieferanten nachhaltig wirtschaften – haben sich vorsichtshalber aber doch nach neuen Partnern in Afrika und der Ukraine umgesehen. So weit, so umstritten.

Die spannende Frage ist nun: Was passiert eigentlich mit dem Palmöl-Strom, wenn künftig alle Uelzener Haushalte Wasser-Strom bekommen? Der Strom aus dem Block-Heizkraftwerk diene künftig „der Versorgung von Industriekunden“, erklärt der Pressesprecher der Stadtwerke. Zudem werde er „ins allgemeine Netz eingespeist“.

Im Klartext: Der vor Ort umstrittene Strom wird weiterverkauft und verschwindet im bundesweiten Energiemix. Und anders als in Uelzen werden anonyme Käufer oder Industriekunden kaum gegen unsaubere Anbaupraktiken auf Palmöl-Plantagen protestieren.

(Danke an Ulrich S. aus Uelzen für den Hinweis.)