Archiv des Schlagwortes ‘Otto-Brenner-Preis’

Stahl-Lobbyisten: „Polemisch und verblendet“

Sonntag, den 18. Mai 2014

„Ist Ihnen eine fragwürdige Werbeannonce aufgefallen? Ein grünfärberischer Fernsehspot? Eine verlogene Politikerrede?“ Die Autoren dieses Blogs verstehen sich auch als Dienstleister an ihren Lesern. Unter dem Menü-Punkt „Ihre Hinweise“ heißt es: „Schicken Sie uns bitte einen Hinweis! Und gern auch gleich Ihre Vermutung – oder Ihr Wissen – darüber, was daran nicht stimmt. Entweder per Mail an hinweise(at)klima-luegendetektor.de oder gleich über dieses Kontaktformular.“ Und da gilt es dann ein paar Felder auszufüllen.

Vergangene Woche tat dies unter anderem unser Leser B. Kleinermann. Seinen Leserbrief möchten wir hier gern in voller Länge wiedergeben:

BKHoppla, was ist denn da passiert? Unser aktueller Beitrag bei Eingang der Mail (13. Mai, 14.19 Uhr) befasste sich mit der Grünfärberei der Stahlwirtschaft. Und mit Umweltwissenschaftlern, die sich dafür benutzen lassen.

Sicher: Pöbeleien, Beschimpfungen, Verleumdungen, Drohungen erhalten wir (neben Lob und ernstgemeinten Hinweisen) des Öfteren über dieses Kontaktformular. Aber wieso treibt ausgerechnet ein Text über den Wiederholungstäter Stahlwirtschaft jemanden derart auf die Palme? Da es möglich ist, IP-Adressen von Computern im Internet zurückzuverfolgen, haben unsere Recherchen ergeben, dass der Beitrag offensichtlich aus dem Firmennetzwerk der Salzgitter AG abgeschickt wurde (beziehungsweise der Salzgitter-Tochter Gesis). Für Laien: Im Internet sind IP-Nummern so etwas wie Postadressen für Computer oder Computernetzwerke. Wie in einem Adress- oder Telefonbuch lassen sich damit Absender identifizieren.

Der Klima-Lügendetektor hat dazu sieben Anmerkungen:

1. Der genannte Hinweis, gezeichnet mit „B. Kleinermann“, wurde während der üblichen Bürozeiten abgesandt.

2. Die Salzgitter AG ist einer der größten Stahlproduzenten Europas und macht jährlich um die zehn Milliarden Euro Umsatz. Von den Ausnahmeregeln des Erneuerbare-Energien-Gesetzes profitiert sie massiv, nach eigenen Angaben drohen ihr bei dessen Novellierung „Zusatzkosten“ von jährlich 55 Millionen Euro bis 130 Millionen Euro.

3. Der für die Außendarstellung zuständige Konzernverantwortliche bei der Salzgitter AG heißt laut Firmenwebsite Bernhard Kleinermann.

4. Zahlreichen Internetnutzern ist nicht bewusst, wie viele Informationen sie über sich hinterlassen, wenn sie sich im Netz bewegen.

5. Es gibt (bisher) keinen Karl-Eduard-von-Schnitzler-Gedenkpreis, für den uns unser Leser „B. Kleinermann“ vorschlägt. Der Klima-Lügendetektor braucht aber auch gar keinen Preis mehr zu gewinnen: Unsere Arbeit wurde bereits mit einem der renommiertesten deutschsprachigen Journalistenpreise ausgezeichnet – dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus. (Die Laudatio hielt der Tagesspiegel-Journalist Harald Schumann, die heutige Chefredakteurin des NDR Sonja Mikich moderierte.)

6. Seit längerem werden an den Klima-Lügendetektor Hinweise herangetragen, dass Unternehmenssprecher Redaktionen beschimpfen. Konzernmitarbeiter offen oder verdeckt meinungsstarke Leserbriefe an Lokalzeitungen, Fernsehsender oder Onlinemagazine schreiben. Dass bezahlte Social-Media-Spezialisten in Internetforen anonym Stimmung zugunsten von Firmen machen. Oder dass sehr gut bezahlte PR-Berater im Konzernauftrag Facebook-Einträge kontern, Wikipedia-Einträge manipulieren und so weiter – kurz: den öffentlichen Meinungsbildungsprozess zugunsten ihres Unternehmens oder dessen partikularer Interessen auf intransparente Weise zu beeinflussen suchen. Kürzlich haben sich beispielsweise die Kollegen vom ARD-Magazin Monitor und von Cicero mit dem Thema befasst.

7. Wie bei allen Tipps aus der Leserschaft danken wir auch „B. Kleinermann“ aus Salzgitter für seinen Hinweis.


In eigener Sache: Otto-Brenner-Preis gewonnen!

Sonntag, den 14. Oktober 2012

Tusch, Jubel, Konfetti! Der Klima-Lügendetektor ist einer der Gewinner des Otto-Brenner-Preises 2012!

Benannt ist der Preis nach dem Gewerkschafter und SPD-Politiker Otto Brenner, der in den 50-er und 60-er Jahren programmatischer Kopf der IG Metall war. In der Begründung zur Preisverleihung heißt es: „In der Klima- und Energiepolitik verbreiten interessierte Unternehmen und ihre Lobbyisten sowie folgsame Politiker fortwährend eine Flut von Halbwahrheiten und gelenkter Information. Selbst politischen Kennern fällt es schwer zu erkennen, ob die jeweilige Expertise seriös ist, ob die Annahmen stimmen und die Ergebnisse den Tatsachen entsprechen. Zum Glück gibt es online den Klima-Lügendetektor. Mit den dort veröffentlichten Analysen und Kommentaren setzen die Autoren nach Auffassung der Jury ‚ebenso fachkundig wie zuverlässig Fakten und Aufklärung gegen Irreführung und Propaganda‚. Schnell und auch unterhaltsam werden alle, die Bescheid wissen wollen, hier auf den aktuellen Stand gebracht. Die Jury zeichnet ein Medienprojekt aus, ‚das vorbildlich den Nutzen von kritischem Journalismus demonstriert‚.

Wir freuen uns sehr!

Aber der Preis gebührt auch unseren Leserinnen und Lesern. Schließlich stehen am Anfang vieler Texte Ihre Tipps und Hinweise. Zuletzt wies uns zum Beispiel Katharina R. aus Berlin auf  die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hin,  Susi M. aus Dresden auf Vattenfalls Lausitz-Botschaft, Peter H. aus Köln auf den Ökostrom der Kanzlerin und ihres Kanzleramtes. Und Sie beauftragen uns nicht nur, Sie sponsern uns auch noch. Es ist jetzt mehr als ein Jahr her, dass sich die Redaktion mit einem Hilferuf an seine Leserschaft wandte: Wir können aus eigenen Quellen die aufwändige Recherchearbeit nicht mehr finanzieren; und mit dem Fukushima-Ausstieg war die Energiewende ja gerade erst eingeleitet worden, ein Kompass im Nachrichtensturm fortan wichtiger denn je.

Anderthalb Jahre später ist die Lage viel besser, aber nicht gut: Zwar ist der Otto-Brenner-Preis mit 2.000 Euro dotiert. Weil zuletzt aber immer weniger Leser uns abonnierten, reicht unser Redaktionsbudget nur noch bis Jahresende, das Preisgeld geht fast dafür drauf, das aufgelaufene Defizit zu decken. Um auch 2013 weiter Ihren Hinweisen nachgehen zu können, brauchen wir neue Unterstützung. Bitte fördern Sie unsere Arbeit HIER. Damit wir weiterhin gemeinsam ausgezeichnete Aufklärung betreiben können!