Archiv des Schlagwortes ‘Ball Packaging Europe’

Ball Packaging & Coca Cola: 50 Jahre Dosenmüll

Donnerstag, den 11. Juli 2013

Mit großem Trara feiert der Büchsenmacher Ball Packaging (ehemals Schmalbach-Lubeca) ein – wie wir finden – trauriges Jubiläum:

Ausriss von Firmenwebsite mit Zitat: "Erste Coca-Cola Dose kam 1963 auf den deutschen Markt / Trendverpackung als moderner Freizeitbegleiter -- Kultverpackung für Kultgetränk: 1963 kam in Deutschland die erste Coca-Cola in der Getränkedose auf den Markt. Seitdem erfrischt Coca-Cola in der praktischen Metallverpackung die Konsumenten. Das koffein- und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränk, das Markengeschichte geschrieben hat, war auch in der Getränkedose ein Erfolg. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich die Dose als Verpackung nicht nur optisch, sondern auch in puncto Umweltbilanz enorm weiterentwickelt.

In diesem Tonfall geht es auf der Firmenwebsite noch zehn (!) Absätze lang weiter. Vom tollen Lebensstil mit Blechbüchsen wird da schwadroniert und von superkreativen Dosendesigns – und natürlich auch von der Ökobilanz der Getränkedose. Die ist, wie wir hier auf dem Blog schon öfter schrieben, richtig lausig im Vergleich zu Mehrwegflaschen. Aber mit professionellem Wortgeklingel verschleiern die Werber von Ball Packaging das immer wieder. So auch diesmal:

Ausriss von Firmenwebsite mit Text: "Recyclingweltmeister mit Zukunft Eine aus Weißblech hergestellte 33cl-Dose bringt heute rund 21 Gramm auf die Waage, eine Aluminiumdose nur etwa 10 Gramm (ohne Deckel). Die Dosenwände sind mit 0,097 Millimeter sogar dünner als ein menschliches Haar. Ebenso wichtig für die Umweltbilanz der Dosen: Die Dose ist die meistrecycelte Getränkeverpackung der Welt, in Deutschland sind es 96 Prozent. Das verringert CO2-Emissionen und trägt zum Klimaschutz bei. Durch das Recycling lassen sich bis zu 95 Prozent der Energie einsparen, die zur Herstellung von Neumaterial benötigt würde. Durch zunehmende Gewichtsreduzierung können heute mit der gleichen Menge Primärmaterial rund dreimal mehr Dosen hergestellt werden, als dies noch vor rund 30 Jahren der Fall war.  Ohne Ende Gut Die zwei wichtigsten Vorteile der Getränkedose auf den Punkt gebracht: Erstens bietet die Dose den besten Schutz für Getränke, vermittelt absolute Frische und ist ein Lifestyle-Produkt. Zweitens sind Getränkedosen unendlich oft und ohne Qualitätsverlust recycelbar: Metall ist ein permanentes Material. Und deshalb sind Getränkedosen: Ohne Ende Gut"

Der Text ist eine Sammlung der typischen Grünfärber-Tricks:

  1. unauffällige, aber wichtige Einschränkungen in Klammern („ohne Deckel“ – zählt man die Deckel mit, so erhöht sich das Dosengewicht laut Angaben auf einer anderen Ball-Website um immerhin 50 Prozent auf 30 Gramm für Weißblech und 16 Gramm für Alu),
  2. belanglose Superlative („meistrecycelte Getränkeverpackung der Welt“ – das sagt nichts, weil die umwelt- und klimaschonendste Getränkeverpackung, nämlich die in der Region befüllte Mehrwegflasche, überhaupt nicht recycelt zu werden braucht, sondern direkt wiederverwendet wird),
  3. Bis-zu-Angaben („bis zu 95 Prozent“ – die Zahl gilt nur für ideale Rahmenbedingungen, die oft mit der Realität wenig gemein haben),
  4. relative statt absolute Aussagen („95 Prozent der Energie, die zur Herstellung von Neumaterial benötigt würde“ – auch die restlichen fünf Prozent könnten, absolut betrachtet, noch eine ganze Menge sein),
  5. Betonung von Möglichkeiten („unendlich oft und ohne Qualitätsverlust recycelbar“ – stimmt in der Theorie, sagt aber nichts über das tatsächliche Recycling).

Und der letzte Satz („Ohne Ende Gut“) ist wirklich ein Musterbeispiel für ebenso wohlklingende wie unpräzise Slogans – je weniger konkret, desto weniger sind sie angreifbar. Hier haben die Mülldemagogen offenbar dazugelernt – mit einem früheren Werbespruch nämlich hatte Ball Packaging vor wenigen Wochen juristischen Schiffbruch erlitten. Gegen den Aufdruck „Die Dose ist grün“ war die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erfolgreich vors Düsseldorfer Landgericht gezogen.

Wir gratulieren der DUH. Und möchten Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Kernsätze des Urteils (Az. 37 O 90/12) nicht vorenthalten:

Ausriss mit Zitat: "Die Beklagte wird verurteilt, es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr ... mit der Aufschrift zu werben: "Die Dose ist grün". ... Der Beklagten werden für den Fall der Zuwiderhandlung gegen dieses gerichtliche Verbot als Zwangsvollstreckungsmaßnahmen Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro ... und Ordnungshaft bis zu 6 Monaten angedroht".

Und weiter hinten:

Ausriss mit Zitat: "... Ergebnis, dass die werbend verwendete Aussage ... bei einem nicht unerheblichen Teil des Verkehrs die Vorstellung der besonderen ökologischen Vorteilhaftigkeit der mit ihr bedruckten Getränkedosen aus Eisenblech hervorzurufen ... Ein solches Verständnis ist unzutreffend ..."

Man wolle „künftig“ die „Kommunikationsaktivitäten intensivieren“, erklärte Ball nach dem Urteil. Oha! Statt von „unendlich recyclebar“ spricht Ball nun beispielsweise von „unendlich oft und ohne Qualitätsverlust recycelbar“ …


Ball Packaging: Verpackungsabfall ist grün

Dienstag, den 31. Juli 2012

Im vergangenen Jahr wurden hierzulande erstmals seit Einführung des Dosenpfands 2003 wieder mehr als eine Milliarde Getränkebüchsen verkauft. Um 20 Prozent schossen die Absatzzahlen in die Höhe. „Dem Verbraucher ist das Dosenpfand egal – er zahlt“, fasst Die Welt die offenbar weit verbreitete Stimmung zusammen.

Die Verpackungsindustrie – wäre zu ergänzen – tut alles Erdenkliche, um diese Stimmung zu fördern. Mit viel Phantasie versucht sie zum Beispiel, dem Verpackungsfrevel Getränkedose sein mieses Image zu nehmen. Ein besonders „schönes“ Beispiel ist kürzlich der Deutschen Umwelthilfe (DUH) aufgefallen. Die Firma Ball Packaging, einer der größten Büchsenmacher Europas, versieht seine Produkte seit einiger Zeit mit dem knackigen Slogan „Die Dose ist grün“.

Hier eine Dose der Edeka-Billigbiermarke „Neunundzwanzig“,
Foto: DUH

Die DUH hat das Unternehmen wegen des Spruchs verklagt. Ball Packaging antwortete selbstbewusst: Man werde den Slogan weiter verwenden, und dies war die (worteiche) Erklärung:

Na, ist Ihnen etwas aufgefallen? Nein, wir stören uns nicht daran, dass der konkretisierende Zusatz „unendlich recyclebar“ viel kleiner auf der Dose steht als der Spruch „Die Dose ist grün“. Wir meinen auch nicht, dass da lediglich recyclebar steht – was über das tatsächliche Recycling ja wenig aussagt. Uns ist vor allem die beiden Worte „darunter auch“ in diesem Satz aufgefallen: „Aus alten Getränkedosen können immer wieder neue hochwertige Metallprodukte, darunter auch Getränkedosen, hergestellt werden – ohne Qualitätsverlust. “ Und natürlich der Klassiker der Grünfärberei – relative statt absoluter Angaben: Es ist von 95 Prozent Energieeinsparung bei  recycletem Material im Vergleich zu Primärmetall die Rede.

Zum ersten Punkt wäre die Nachfrage, wieviel Recycling-Metall denn tatsächlich in der Dosenherstellung verwendet wird. Anruf bei der Firma Ball, bei der Pressesprecherin und dem Nachhaltigkeitsmanager. Doch beide können keine konkrete Zahlen für das Unternehmen nennen. Man kaufe das Rohmaterial für Stahlblech- oder Alu-Dosen bei verschiedenen Herstellern, im europäischen Durchschnitt werde von Stahl- oder Alu-Hütten 50 bis 55 Schrott eingeschmolzen und etwa so hoch werde dann wohl auch bei den eigenen Dosen der Anteil an recycletem Metall sein. Thomas Fischer von der DUH hingegen sagt, Firmen wie Ball verwendeten „fast ausschließlich Neumaterial“, deshalb enthalte „eine Weißblechdose weniger als 6 Prozent Recyclingmaterial – eine Aluminiumdose gar keine Anteile“. Das lasse sich einer Studie des IFEU-Instituts entnehmen, die im Auftrag der Dosenindustrie vor zwei Jahren erstellt wurde (siehe S. 32 und S. 184 der Untersuchung).

Beim zweiten Punkt wird ausgeblendeet, dass zum Einsammeln, Einschmelzen und Neuproduzieren von Metallprodukten erhebliche Mengen Energie nötig sind – selbstverständlich weniger als bei der Produktion von neuem Stahl oder Aluminium, aber doch soviel, dass die Ökobilanz von Dosen alles andere als grün ist. Ökologisch am besten ist jedenfalls, Getränke in Pfandflaschen von einem regionalen Hersteller zu kaufen. Dosen nämlich müssen eingeschmolzen werden, um (eventuell) wiederverwendet zu werden – Pfandflaschen hingegen werden direkt wiederverwendet. Und zwar in der Regel Dutzende Male. Bei Getränkedosen sieht das ganz anders aus: Zwar werden wegen des Dosenpfands in Deutschland Sammelquoten von 95 Prozent erreicht – aber nach dem Einschmelzen werden die Dosen eben nicht wieder zu Dosen, sondern zu irgendwelchen Metallprodukten (ob sie „hochwertig“ sind, wie Ball in seiner oben zitierten Verteidigungsschrift, darf man getrost bezweifeln). Aus Getränkedosen werden vielleicht Fahrradrahmen oder Alu-Folien, Brillengestelle oder Konservenbüchsen, Träger für Stahlbeton oder Nägel oder was auch immer. Ob all dieses Metall jemals wieder eingesammelt und -verwendet wird, ist offen.

Pfandflaschen werden oft Dutzende Male befüllt – das ist tatsächlich umweltschonende Kreislaufwirtschaft. Getränkedosen werden, wenn es gut läuft, einmal wieder eingesammelt und dann mit erheblichem Energieaufwand zu irgend etwas anderem verarbeitet.


Dosenindustrie: Greenwash-Slogans verschrottet

Donnerstag, den 2. September 2010

Mitte Juli getraenkedose_gruenedosehaben wir an dieser Stelle über den Versuch der Dosenindustrie berichtet, Getränkebüchsen grün anzumalen – und so deren Wiedereinführung auf dem Markt propagandistisch zu begleiten. Kurz darauf nahm sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) des Themas an. Und erreichte tatsächlich, dass die frechsten Aussagen zurückgezogen wurde. Aber der Reihe nach:

Beim renommierten IFEU-Institut hatte sich der Branchenverband BCME eine Ökobilanz erstellen lassen. Dabei hatte man Annahmen vorgegeben, mit denen für die Dose vorteilhafte Ergebnisse programmiert waren. In Presseerklärungen und auf einer Website „Forum Getränkedose“ schlachtete die Büchsenlobby das gewünschte Resultat dann aus. Man färbte Dosen – im wahrsten Sinne des Wortes – grün (siehe rechts), in einer bunten Broschüre behauptete man vollmundig:

getraenkedose_rueckzug1

Das IFEU-Institut distanzierte sich daraufhin von seinem Auftraggeber. Und Anfang August ging die DUH die Dosenlobby frontal an: Deren Kampagne sei „ein Lehrstück an Verbrauchertäuschung“, sie sei „in hohem Maße irreführend, unseriös und unglaubwürdig“. In einem 19-seitigen Papier listete der Umweltverband auf, wie die Industrie Mehrwegverpackungen „mit nachweislich falschen Annahmen schlechtgerechnet“ habe. Die DUH verlangte vom Lobbyverband eine Unterlassungserklärung, zunächst erfolglos. Am Dienstag dieser Woche unterschrieb die Dosenindustrie dann doch – offenbar wenige Stunden nach Einreichung einer entsprechenden Klage beim Landgericht Hannover.

Das „Forum Getränkedose“, ein Zusammenschluss der Büchsenproduzenten Ball Packaging Europe, Rexam und Crown Bevcan Europe, darf nun nicht mehr behaupten: „Die Getränkedose ist jetzt auf Augenhöhe mit Mehrweg“, „Neue Ökobilanz des IFEU-Instituts zeigt: Getränkedosen sind ökologisch konkurrenzfähig“ und „Die Dose ist eine umweltfreundliche Verpackung, die ökologisch auf Augenhöhe mit Mehrwegflaschen liegt. Das bestätigt jetzt eine neue Ökobilanz“.

Die Dosenlobby sei damit „einer gerichtlichen Verurteilung zuvorgekommen“, kommentiert DUH-Anwalt Remo Klinger. „Eine derart dreiste Form der Täuschung des Verbrauchers habe ich selten erlebt.“ Welf Jung, einer der Sprecher des Lobbyverbandes, wies auf Anfrage die DUH-Vorwürfe „vehement zurück“. Man habe lediglich einen langen Rechtsstreit vermeiden wollen über „Formulierungen, die missverständlich sein könnten“. An der inhaltlichen Position aber wolle man festhalten.

Die grünfärberische Broschüre, in der die umstrittenen Ergebnisse der Ökobilanz nochmal zugespitzt worden waren, findet sich nun jedenfalls nicht mehr auf der Verbands-Website.