Ball Packaging & Coca Cola: 50 Jahre Dosenmüll

Mit großem Trara feiert der Büchsenmacher Ball Packaging (ehemals Schmalbach-Lubeca) ein – wie wir finden – trauriges Jubiläum:

Ausriss von Firmenwebsite mit Zitat: "Erste Coca-Cola Dose kam 1963 auf den deutschen Markt / Trendverpackung als moderner Freizeitbegleiter -- Kultverpackung für Kultgetränk: 1963 kam in Deutschland die erste Coca-Cola in der Getränkedose auf den Markt. Seitdem erfrischt Coca-Cola in der praktischen Metallverpackung die Konsumenten. Das koffein- und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränk, das Markengeschichte geschrieben hat, war auch in der Getränkedose ein Erfolg. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich die Dose als Verpackung nicht nur optisch, sondern auch in puncto Umweltbilanz enorm weiterentwickelt.

In diesem Tonfall geht es auf der Firmenwebsite noch zehn (!) Absätze lang weiter. Vom tollen Lebensstil mit Blechbüchsen wird da schwadroniert und von superkreativen Dosendesigns – und natürlich auch von der Ökobilanz der Getränkedose. Die ist, wie wir hier auf dem Blog schon öfter schrieben, richtig lausig im Vergleich zu Mehrwegflaschen. Aber mit professionellem Wortgeklingel verschleiern die Werber von Ball Packaging das immer wieder. So auch diesmal:

Ausriss von Firmenwebsite mit Text: "Recyclingweltmeister mit Zukunft Eine aus Weißblech hergestellte 33cl-Dose bringt heute rund 21 Gramm auf die Waage, eine Aluminiumdose nur etwa 10 Gramm (ohne Deckel). Die Dosenwände sind mit 0,097 Millimeter sogar dünner als ein menschliches Haar. Ebenso wichtig für die Umweltbilanz der Dosen: Die Dose ist die meistrecycelte Getränkeverpackung der Welt, in Deutschland sind es 96 Prozent. Das verringert CO2-Emissionen und trägt zum Klimaschutz bei. Durch das Recycling lassen sich bis zu 95 Prozent der Energie einsparen, die zur Herstellung von Neumaterial benötigt würde. Durch zunehmende Gewichtsreduzierung können heute mit der gleichen Menge Primärmaterial rund dreimal mehr Dosen hergestellt werden, als dies noch vor rund 30 Jahren der Fall war.  Ohne Ende Gut Die zwei wichtigsten Vorteile der Getränkedose auf den Punkt gebracht: Erstens bietet die Dose den besten Schutz für Getränke, vermittelt absolute Frische und ist ein Lifestyle-Produkt. Zweitens sind Getränkedosen unendlich oft und ohne Qualitätsverlust recycelbar: Metall ist ein permanentes Material. Und deshalb sind Getränkedosen: Ohne Ende Gut"

Der Text ist eine Sammlung der typischen Grünfärber-Tricks:

  1. unauffällige, aber wichtige Einschränkungen in Klammern („ohne Deckel“ – zählt man die Deckel mit, so erhöht sich das Dosengewicht laut Angaben auf einer anderen Ball-Website um immerhin 50 Prozent auf 30 Gramm für Weißblech und 16 Gramm für Alu),
  2. belanglose Superlative („meistrecycelte Getränkeverpackung der Welt“ – das sagt nichts, weil die umwelt- und klimaschonendste Getränkeverpackung, nämlich die in der Region befüllte Mehrwegflasche, überhaupt nicht recycelt zu werden braucht, sondern direkt wiederverwendet wird),
  3. Bis-zu-Angaben („bis zu 95 Prozent“ – die Zahl gilt nur für ideale Rahmenbedingungen, die oft mit der Realität wenig gemein haben),
  4. relative statt absolute Aussagen („95 Prozent der Energie, die zur Herstellung von Neumaterial benötigt würde“ – auch die restlichen fünf Prozent könnten, absolut betrachtet, noch eine ganze Menge sein),
  5. Betonung von Möglichkeiten („unendlich oft und ohne Qualitätsverlust recycelbar“ – stimmt in der Theorie, sagt aber nichts über das tatsächliche Recycling).

Und der letzte Satz („Ohne Ende Gut“) ist wirklich ein Musterbeispiel für ebenso wohlklingende wie unpräzise Slogans – je weniger konkret, desto weniger sind sie angreifbar. Hier haben die Mülldemagogen offenbar dazugelernt – mit einem früheren Werbespruch nämlich hatte Ball Packaging vor wenigen Wochen juristischen Schiffbruch erlitten. Gegen den Aufdruck „Die Dose ist grün“ war die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erfolgreich vors Düsseldorfer Landgericht gezogen.

Wir gratulieren der DUH. Und möchten Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Kernsätze des Urteils (Az. 37 O 90/12) nicht vorenthalten:

Ausriss mit Zitat: "Die Beklagte wird verurteilt, es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr ... mit der Aufschrift zu werben: "Die Dose ist grün". ... Der Beklagten werden für den Fall der Zuwiderhandlung gegen dieses gerichtliche Verbot als Zwangsvollstreckungsmaßnahmen Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro ... und Ordnungshaft bis zu 6 Monaten angedroht".

Und weiter hinten:

Ausriss mit Zitat: "... Ergebnis, dass die werbend verwendete Aussage ... bei einem nicht unerheblichen Teil des Verkehrs die Vorstellung der besonderen ökologischen Vorteilhaftigkeit der mit ihr bedruckten Getränkedosen aus Eisenblech hervorzurufen ... Ein solches Verständnis ist unzutreffend ..."

Man wolle „künftig“ die „Kommunikationsaktivitäten intensivieren“, erklärte Ball nach dem Urteil. Oha! Statt von „unendlich recyclebar“ spricht Ball nun beispielsweise von „unendlich oft und ohne Qualitätsverlust recycelbar“ …