Monatsarchiv für Februar 2008

Vattenfall: CO2-freier Zweckoptimismus

Mittwoch, den 13. Februar 2008

Lars Göran Josefsson, Chef des schwedischen Stromkonzerns Vattenfall, hat am vergangenen Wochenende SpiegelOnline ein Interview gegeben. Darin bekundet er seinen festen Glauben an die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) – kein Wunder, ist diese umstrittene Technologie doch die einzige Hoffnung, Vattenfalls Kohlekraftwerke klimaschonender zu machen. „Es wird funktionieren“, versprach er, „und nach 2015 wird die Technologie wirtschaftlich sein.“ Und das sage er „nicht nur auf Basis unserer Fortschritte, sondern auch, weil es ein gesellschaftliches Muss ist.“ Auf Norddeutsch: Wat mutt, dat mutt.

Unklar bleibt, worauf Josefssons Optimismus fußt – und wie er auf das Jahr 2015 kommt. Selbst Befürworter von CCS gehen bisher von einem Start des großtechnischen Einsatzes nicht vor 2020 aus. In den USA, wo die Bush-Regierung in der „Clean Coal“-Technologie einen Schlüssel zum Klimaschutz sieht, wurde gerade ein groß angekündigtes Forschungsprojekt auf Eis gelegt. Vattenfall selbst baut derzeit in der Lausitz die Mini-“Pilotanlage“ eines Braunkohlekraftwerks mit CCS, und schreibt dazu auf seiner eigenen Homepage:

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Wieso zeigt sich Josefsson plötzlich noch optimistischer? Vielleicht nicht wegen eigener Forschungsfortschritte, sondern wegen einer Vereinbarung, die Vattenfall im Dezember 2007 mit dem Hamburger CDU-Senat abgeschlossen hat? Ohne diese – butterweich formulierte – Erklärung hätte der Konzern ein im Stadtteil Moorburg geplantes Kohlekraftwerk kaum genehmigt bekommen. In dem Papier nämlich sprach der Konzern von anderen Daten: Bauanträge für eine CCS-Anlage werde man „spätestens zum 31.12.2013″ einreichen und „spätestens drei Jahre nach Erteilung der Genehmigung“ in Betrieb nehmen.

Und die versprochene ‚Wirtschaftlichkeit? Weil die CCS-Technologie in jedem Fall teuer ist und viel Energie verschlingen wird, kamen Experten des Wuppertal-Instituts in einer gründlichen Analyse zu dem ernüchternden Ergebnis: „Schon im Jahr 2020, dem Jahr der voraussichtlich frühesten kommerziellen Verfügbarkeit der CCS-Technologie, dürften eine Reihe von erneuerbaren Energietechnologien zu vergleichbaren oder günstigeren Konditionen Strom anbieten.“


Eon: „Lügen, bis das Image stimmt“

Montag, den 11. Februar 2008

Sie haben den Fernsehspot vielleicht auch schon gesehen: Ein sympathischer junger Mann stapft über einen Sandstrand, tritt an einen Schaukasten und erklärt das Prinzip eines Gezeitenkraftwerks: „Am Meeresboden befinden sich Turbinen. Die Strömung, die zwischen Ebbe und Flut entsteht, treibt diese Turbinen an, und es wird saubere Energie erzeugt. Das Ganze müssen Sie sich wie Windräder unter Wasser vorstellen, nur dass hiermit wetterunabhängig und daher zuverlässig Strom produziert wird.“ Das Reklamefilmchen des E.on-Konzerns läuft seit November im Fernsehen, auch auf der Homepage des Unternehmens kann man ihn ansehen.

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Die ZEIT durchleuchtete kürzlich – wie wir es auch hier im Klima-Lügendetektor tun – den Wahrheitsgehalt des Spots und überschrieb den Text: „Lügen, bis das Image stimmt“.

Zwar wird seit Jahren mit solchen Gezeitenkraftwerken experimentiert, in der Bucht von Bristol vor der britischen Küste läuft seit 2003 eine Pilotanlage namens „Seaflow“ – aber Strom erzeugt sie nicht, weil aus Kostengründen keine Netzanbindung installiert wurde. Sechs Turbinen, die Ende 2006 vor Manhattan im East River installiert wurden, musste die Betreiberfirma wieder an Land zurück holen, weil die Strömung stärker war als erwartet und die Rotorblätter verbog. Und das Projekt, mit dem E.on sich in dem Spot schmückt,“existiert sogar nur auf dem Papier“, stellt die ZEIT fest. „Es fehlt eine Baugenehmigung, der Testlauf einer Turbine ist erst in diesem Jahr geplant. Dass E.on tatsächlich bereits 2010 sauberen Strom aus dem Meer schöpfen wird, halten Fachleute für ausgeschlossen.“ Die Behauptung, die geplante Anlagen seien“weltweit einzigartig“ ist schlicht falsch.

Ohnehin wird Gezeitenstrom noch auf lange Sicht weitaus teurer sein als Energie aus Offshore-Windparks auf hoher See. Ausreichend starke Gezeitenströmung gibt es auch nur an wenigen Küstenabschnitten. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung zu globalen Umweltveränderungen schätzt das weltweit nutzbare Potenzial auf nur etwa ein Zehntel der Offshore-Windenergie. Und gründliche Kritiker rechnen vor, dass der Stromriese wesentlich mehr Geld in die Werbekampagne als in die Entwicklung seines Unterwasserkraftwerks gesteckt hat.

(Danke an den ZEIT-Kollegen Dirk Asendorpf für die Erlaubnis zum Nachdruck von Textauszügen.)


BMW: Klimakiller for Peace

Samstag, den 9. Februar 2008

bmw_kl.jpgDerzeit finden in Berlin die 58. Filmfestspiele statt, und seit Tagen schon ist die halbe Stadt tapeziert mit dunkelblauen Großplakaten.

Eine „Initiative Cinema for Peace“ wirbt damit für ihre jährlich während der Berlinale stattfindende Gala, zu der zahlreiche Stars anreisen und Bob Geldof einen Preis „für Frieden und Völkerverständigung“ an einen Film überreicht.

Hauptsponsor der Veranstaltung ist BMW. Deshalb ist auf allen Plakaten und sehr prominent das Logo des Autoherstellers platziert:

bmw_ausriss.jpg Nun ist BMW bislang nicht durch besonders saubere Energie bzw. klimaschonende Mobilität aufgefallen. In einer aktuellen Studie über den Kohlendioxid-Ausstoß europäischer Autohersteller rangiert BMW auf dem vorletzten Platz.

Des Rätsels Lösung: Mit „CleanEnergy“ meint der Konzern – eigentlich – gar nicht aktuelle Produkte, sondern seine Wasserstoff-Fahrzeuge. „Es geht um den Schutz unserer Umwelt. Und darum, den drohenden Klimawandel nachhaltig abzuwenden“, erläutert der Leiter der BMW-Niederlassung Berlin. „Mit dem BMW Hydrogen 7 haben wir einen maßgeblichen Impuls gesetzt – der Antrieb mit Wasserstoff ist eine dringend erforderliche Alternative im Straßenverkehr der Zukunft.“

Die Betonung liegt auf Zukunft, denn trotz dreißigjähriger Forschungsarbeit hat BMW die Technologie bis heute nicht aus dem Vorführ Versuchsstadium gebracht. Zahlreiche Ankündigungen – zuletzt aus dem Jahr 2006 – schon bald werde ein Wasserstoff-BMW lieferbar sein, sind längst vergessen. (Eine Chronik der Forschung und der Versprechen von BMW findet sich in dieser Studie des Wissenschaftszentrum Berlin ab Seite 26.) Mal ganz abgesehen davon, dass Wasserstoff-Autos überhaupt nur dann „clean“ sind, wenn der getankte Wasserstoff klimaschonend gewonnen wird – zum Beispiel aus Solar- oder Windkraft, was aber derzeit noch NICHT der Fall weil viel zu teuer ist.

Heute gibt es exakt 100 Stück vom „Hydrogen 7″, die BMW zu Test- und Werbezwecken zur Verfügung stellt: Und so können wir auch am kommenden Montagabend in Berlin Stars und Sternchen im „BMW Hydrogen 7″ vorfahren sehen. Schöne Bilder werden das.

Auf Anfrage wollten weder BMW noch die Veranstalter Angaben über die Höhe des finanziellen Engagements des Autobauers machen. Stattdessen hier noch ein Auszug aus der BMW-Pressemitteilung: „Schon heute an morgen denken. Dieser Leitgedanke findet sich bei Cinema for Peace wieder – mit dem konsequenten Einsatz für mehr Frieden, mehr Gerechtigkeit, mehr Toleranz und Menschlichkeit, überall auf diesem Erdball. BMW CleanEnergy und Cinema for Peace stellen sich gemeinsam der Verantwortung für eine bessere Umwelt, für eine bessere Gesellschaft.“

(Danke an Matthias B. aus Berlin für den Hinweis.)


Vattenfall: Der Rüpel wird zum Oberlehrer

Freitag, den 8. Februar 2008

Es gibt Meldungen, die braucht man eigentlich gar nicht zu kommentieren. Wenn George W. Bush für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wird. Oder McDonalds Ernährungskundeunterricht in Schulen sponsert. Oder Alice Schwarzer sich für Werbeplakate der Bild-Zeitung ablichten lässt.

Nun also diese: Der Energieversorger Vattenfall veranstaltet im Rahmen einer Klimaakademie Unterricht an Schulen in Brandenburg. Ein ähnliches Projekt läuft seit ein paar Wochen in Hamburg. Auch auf der Homepage des Unternehmens wird das Projekt groß angekündigt:
Vattenfall: Der Rüpel wird zum Oberlehrer

Ein – wohl unfreiwillig – wahrhaftiger Slogan, will doch Vattenfall ganz offenbar wirklich ernsthaften Klimaschutz in die nächste Generation verschieben. Mit seinen Kohlekraftwerken ist der Konzern nämlich laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers der zweitgrößte Kohlendioxid-Emittent Europas (Ausstoß 2006: 82 Millionen Tonnen). Und die derzeit im Bau befindlichen Anlagen werden zwar einen etwas höheren Wirkungsgrad haben, aber doch Kohlendioxid-Schleudern bleiben.

Trotzdem hat Vattenfall als Schirmherren für seine „Akademie“ Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) und die Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges Dierig (CDU) einkaufen gewinnen können. Umweltverbände, Grüne und Linkspartei kritisierten das Projekt, denn damit werde der Bock zum Gärtner gemacht.

Das Praktische am Lehrer-Sein ist ja, dass man gar nicht Lügen braucht, um falsches Wissen zu vermitteln. Man braucht nur zu schweigen, zum Beispiel darüber, dass es keinen Energieträger gibt, bei dem pro erzeugter Kilowattstunde so viel Kohlendioxid frei wird wie bei Braunkohle. Dass riesige Kohlekraftwerke einen lausigen Wirkungsgrad haben und Vattenfall die auf der Homepage für Schulen angebotene „Effizienzberatung“ vielleicht selbst gut gebrauchen könnte. Oder dass das „co2-freie“ Vattenfall-Pilot-Kraftwerk in der Lausitz, mit dem Vattenfall bereits geworben hat (was ihm inzwischen aber gerichtlich untersagt wurde), noch ganz ferne Zukunftsmusik ist.

Aber vielleicht sollten wir uns einfach auf den Widerspruchsgeist von mündigen Schülern verlassen? Einen besseren Debattengegner als Vattenfall kann man sich in einer Klimaakademie kaum vorstellen.


Moderne Märchen (1): Die Renaissance der Atomkraft

Donnerstag, den 7. Februar 2008

Walter Hohlefelder, der Präsident des Deutschen Atomforums, des Lobbyverbandes der deutschen AKW-Branche, hat „die Politiker vor ‚Isolierung‘ in der umstrittenen Frage der Kernenergie-Nutzung gewarnt“. So meldet es heute die Nachrichtenagentur dpa. Weltweit sei, so Hohlefelder bei der Wintertagung seines Verbandes, „nach allen Plänen mit einem erheblichen Ausbau der Atomenergie zu rechnen“.

Natürlich wünschen sich Herr Hohlefelder und die deutschen AKW-Betreiber einen „erheblichen Ausbau“ (für seine Klima-Werbekampagne wurden sie übrigens mit dem Worst Lobby Award 2007 geehrt). Und das Atomforum ist auch nicht der einzige, der von einer „Renaissance der Atomkraft“ spricht, Frankreichs Präsident Nicholas Sarkozy und zahlreiche Medien tun es auch.

Doch ein Blick auf die nüchternen Zahlen des „World Nuclear Industry Status Report“ belegt: Die Renaissance (franz.: „Wiedergeburt“) leidet unter einer beängstigend niedrigen, wenn nicht gar rückläufigen Geburtenrate. Zwischen 1987 und 2007 sind ganze 16 neue Reaktoren ans Netz gegangen. Ihre Gesamtzahl stieg damit auf heute 439 – trotzdem liegt 2008 schon um fünf Kraftwerke unter dem „Rekordjahr“ 2002.

Gern verweisen Atomkraft-Befürworter darauf, dass sich 32 weitere Reaktorblöcke im Bau befänden. Stimmt – aber gut ein Drittel davon sind unendliche Geschichten wie Atucha-2 in Argentinien (Baubeginn 1981) oder Busheer im Iran (Baubeginn 1975). In den USA, wo Präsident Ronald Reagan 1981 schon einmal eine Renaissance der Atomkraft ankündigte, ist seit 1973 kein Atomkraftwerk mehr fertiggebaut worden.

„Es gibt keinen Boom“, stellte kürzlich Lutz Mez, Geschäftsführer der Forschungsstelle Umweltpolitik an der FU Berlin, in einem ZEIT-Interview fest. Er verweist darauf, dass bei einer angenommenen Betriebszeit von 40 Jahren bis 2015 insgesamt 90 Reaktoren und bis 2025 sogar deren 192 vom Netz gehen werden. Selbst wenn die 32 Dauerbaustellen bis dahin wider Erwarten alle fertiggestellt sein sollten, so Mez, müssten „immer noch zusätzlich 250 Reaktorblöcke… gebaut und in Betrieb genommen werden“.

Und das europäische Vorzeigeprojekt Olkiluoto-3 in Finnland? Es wird frühestens 2011 und nicht, wie geplant, 2009 seinen Betrieb aufnehmen – sechs Mal wurde der Starttermin bereits verschoben, bislang sind Mehrkosten von bislang 1,5 Milliarden Euro aufgelaufen. An der ausbleibenden Renaissance ändern auch Ankündigungen wie jüngst der britischen Regierung nichts, den AKW-Kraftwerkspark zu erneuern.

„Warum bauen Unternehmen denn überhaupt Kernkraftwerke?“, lautete eine Frage in dem bereits zitierten ZEIT-Interview. Lutz Mez: „Weil ein Atomkraftwerk für den Betreiber sehr profitabel sein kann. Margen von 25 Prozent sind da keine Seltenheit. Bei den Erneuerbaren Energien liegt die Rendite gerade mal bei zehn Prozent.“


Autobranche: Auf der Überholspur – aber ganz weit hinten

Mittwoch, den 6. Februar 2008

Matthias Wissmann (CDU) ist ein Politik-Profi. Er war unter Helmut Kohl Forschungs- und Verkehrsminister, saß mehr als dreißig Jahre im Bundestag und hat nebenher gut verdient – unter anderem als Partner in einer internationalen Anwaltssozietät oder im Beirat von Rolls Royce. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) holte ihn im letzten Jahr als Präsidenten, als die Branche in der Klimadebatte in die Kritik geriet.

Heute zeigte Matthias Wissmann wieder einmal, wie gute Krisen-PR aussieht: „Die deutschen Autohersteller haben nach eigenen Verbandsangaben bei Spritverbrauch und Senkung des schädlichen Kohlendioxids (CO2) im Vergleich zu Frankreich und Japan aufgeholt“, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Und zitiert den VDA-Präsidenten: „Dank der hohen Innovationskraft unserer Hersteller und Zulieferer haben wir im vergangenen Jahr die höchsten Minderungsleistungen (beim CO2) erreicht.“ Japanische Firmen hätten den Ausstoß ihrer Autos um 0,6 Prozent gesenkt, französische Marken um 0,8 – die deutschen Hersteller aber um 2 Prozent.Brav transportiert dpa damit die freundliche Lesart des Lobbyisten Wissmann.

Bisher nämlich gehörten deutsche Autos zu den Spitzenreitern beim Kohlendioxid-Ausstoß. In Studien des BUND oder des Brüsseler Umwelt-Dachverbands Transport&Environment rangieren Audi, BMW & Co. regelmäßig ganz hinten. Deutsche Hersteller bauen demnach besonders schwere Autos mit besonders hohen CO2-Werten (deutscher Durchschnitt 173 Gramm/Kilometer, Japan: 161 g/km, Frankreich: 144 g/km). Damit liegen die deutschen Autobauer weit, weit über dem Wert von 140 g/km, den zu erreichen sie 1998 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung für das Jahr 2008 zugesagt hatten.

Bei so hohem Niveau ist das Sparen ziemlich einfach. Oder in der Autosprache: Wer von weit hinten kommt, kann viele überholen. „Der VDA rechnet sich die Welt schön“, kommentiert Gerd Lottsiepen vom umweltbewussten Verkehrsclub VCD.

Im letzten Absatz ihrer Meldung kommt die dpa dann der Wahrheit wieder etwas näher. Aber auch nur etwas. „Die deutschen Hersteller hätten vor allem den Verkauf ihrer Fahrzeuge mit einem Spritverbrauch von weniger als fünf Liter auf 100 Kilometer steigern können“, steht da. Um 57 Prozent sogar. Nunja. Man könnte auch sagen, die Kunden haben stärker als früher sparsame Modelle gekauft.


TelDaFax: Sehr gute Geschäfte mit „Ökostrom“

Dienstag, den 5. Februar 2008

Sie wollen Ökostrom? Sehr gut! Sie wollen billigen Ökostrom? Vorsicht! „Sunpower“ heißt ein Angebot der Troisdorfer Firma TelDaFax, das in etlichen Strompreis-Vergleichstabellen weit oben rangiert. Der angebotene Strom stammt allerdings nicht – wie der Name nahelegt – aus Solaranlagen, sondern – wie ein Blick auf die Firmenhomepage zeigt – aus Wasserkraftanlagen.

TelDaFax produziert den Ökostrom nicht selbst, sondern ist nur ein Zwischenhändler. Das Prinzip klingt denkbar einfach: Durch den Öko-Aufpreis von einem Cent pro kWh auf den normalen Haushaltstarif, erklärt die Homepage, könne man zum Ökostrom-Kunden werden:

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Das TelDaFax-Angebot basiert auf RECS-Zertifikaten – solche Scheine kann man sich als Strom-Großhändler z.B. bei Wasserkraftwerks-Besitzern kaufen und damit die saubere Herkunft einer bestimmten Menge Strom garantieren. Das erklärt TelDaFax auch ausführlich auf der eigenen Internetseite. Den Preis solcher RECS-Zertifikate aber nennt die Firma nicht: Sie liegen derzeit bei ca. 0,05 Cent pro Kilowatt-Stunde.

Übernimmt also TelDaFax nicht nur generös „eventuelle Mehrkosten“, sondern behält einfach die Differenz?

Anruf bei der TelDaFax-Hotline. Ein junger Mann preist den eigenen Ökostrom und den „niedrigen Preis“ an. Der Öko-Aufschlag betrage nur einen Cent, und „damit werden Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen gefördert“, verspricht er.

Nachfrage: „Aber ich hab gelesen, diese RECS-Zertifikate kosten nur 0,05 Cent pro kWh. Wohin fließen denn die restlichen 0,95 Cent?

Da fängt der junge Mann an zu drucksen. Das wisse er nicht, aber er frage mal den Teamleiter. Etwa eine Minute lang gibt es Musik aus der Warteschleife, dann die Antwort: „Keine Ahnung!“

Ob man denn den Teamleiter sprechen könne? „Nein“, lautet die Antwort, „ich glaube, der weiß es selbst nicht.“


Strom-Industrie: Hurra, neue Kraftwerke!

Samstag, den 2. Februar 2008

Bundesweit planen Stromversorger etwa zwei Dutzend neue Kohlekraftwerke, und bundesweit regt sich dagegen Protest. Im saarländischen Ensdorf beispielsweise ließ ein Bürgerentscheid eine Milliarden-Investition von RWE platzen. Es sei „vermehrt Widerstand gegen Bauvorhaben zu beobachten“, klagte gestern Michael Feist, der Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Jedes neue Kraftwerk ist ein Gewinn für den Klimaschutz“, versuchte er die Öffentlichkeit zu mehr Investitionsfreundlichkeit zu ermahnen, „da es wesentlich effizienter arbeitet als die Vorgänger.“

So pauschal aber stimmt das nicht. Natürlich haben neue Kohlekraftwerke in der Regel einen höheren Wirkungsgrad als völlig veraltete Anlagen aus den sechziger und siebziger Jahren, die vielerorts noch immer am Netz sind. Pro erzeugter Kilowattstunde (kWh) Strom stoßen neue Kohleblöcke deshalb etwas weniger klimaschädliches Kohlendioxid aus.

Aber erstens sind kleine, flexible Erdgas-Kraftwerke, die zugleich Strom und Wärme erzeugen, noch effizienter. Pro kWh wird dort nur etwa halb so viel CO2 frei, wie in den modernsten Kohlekraftwerken. Von regenerativen Energien wie Wind- oder Wasserkraft ganz zu schweigen.

Und zweitens sollen für die derzeit geplanten, neuen Kohlekraftwerke – wenn überhaupt – nur viel kleinere Vorgängeranlagen vom Netz gehen. Thorben Becker, Klima-Experte beim BUND, hat sich die Mühe gemacht, sämtliche Neubauvorhaben durchzugehen und mit versprochenen oder angekündigten Stilllegungen zu vergleichen. Fazit: den 33 geplanten neuen Kohleblöcken stehen zwar 39 alte gegenüber, die Gesamtleistung der alten Anlagen liegt mit 6.917 Megawatt aber bei gerade einem Viertel der geplanten Kapazitäten (zusammen 27.720 Megawatt). Selbst bei einem etwas höheren Wirkungsgrad der neuen Kohlekraftwerke erhöht sich unterm Strich deshalb der Ausstoß an Kohlendioxid: von jetzt 43,1 Millionen Tonnen auf dann 164,8 Millionen Tonnen.

Werden die derzeit geplanten Kohlekraftwerke wirklich gebaut, warnt auch das Umweltbundesamt (UBA), sind die Klimaschutzziele der Bundesregierung nicht zu erreichen. Die entsprechende Studie wurde übrigens auf Bitten des Umweltministeriums von der UBA-Homepage genommen – mit einem Klick hier können Sie sie trotzdem lesen.