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Peugeot iOn: 100 % verkürztes Denken

Donnerstag, den 12. November 2009

Herrje, wie oft muss man es noch sagen? Elektroautos sind höchstens so gut, wie der Strom mit dem sie fahren. Die potenziell gute Klimabilanz eines Strom-Smart oder Elektro-Mini wird dadurch versaut, dass sich Mercedes ausgerechnet RWE als Partner ausgesucht hat und BMW mit Vattenfall kooperiert. Beide Stromriesen setzen auf die besonders schädliche Braunkohle und investieren noch heute Milliarden in Kraftwerke mit exorbitantem CO2-Ausstoß – Elektroautos mit solchem Drecksstrom sind unterm Strich sogar noch klimaschädlicher als Kleinwagen mit sparsamen Dieselmotoren.

Heute nun hat Peugeot in der Süddeutschen Zeitung mit einer großen Anzeige für sein Modell iOn geworben, das Ende 2010 auf den deutschen Markt kommen soll.

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Und im Kleingedruckten heißt es:

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Hui, dachten wir, verkauft Peugeot sein Auto etwa zusammen mit einem Liefervertrag bei einem echten Ökostrom-Versorger? Leider nicht,wie ein Anruf bei Peugeot Deuschland ergab. Welcher Strom getankt wird, sei Sache des Kunden, so der Firmensprecher. Und „das ist doch logisch“, dass man in der Werbung nur auf den Kohlendioxid-Ausstoß direkt am Auto guckt.

„100% elektrisch. 100% echt“, lautet der Peugeot-Werbeslogan. „100% verkürztes Denken“, müsste man wohl ergänzen.


Mercedes, VW & Co.: Einer blauer als der andere

Freitag, den 22. Mai 2009

Die neue Waffe im Werbekrieg der Autohersteller ist die Farbe Blau. Aber wie so oft werden dabei nur Scheingefechte geführt. Statt die Kunden mit nackten Zahlen zu beeindrucken (eben mit wirklich und deutlich sinkenden Verbrauchs- und CO2-Werten), werfen die Werbeabteilungen mit Kunstworten für schein-ökologische Fahrzeuge um sich. Die neue Trendfarbe ist ganz offensichtlich Blau. Wegen des blauen Planeten? Weil sauberes Wasser blau ist? Oder der Himmel? Wer weiß. Wie in der Werbung üblich muss es natürlich Englisch sein, weshalb dann „BlueMotion“ herauskommt (bei VW) oder „Blue Lion“ (Peugeot) oder „AdBlue“ (Aral).

Leider – oder zum Glück für die Werber? – versteht niemand die Begriffe. Was etwa soll „BlueMotion“ bedeuten? Blaue Bewegung? Klingt eigentlich nach gar nichts. Weil Volkswagen unter diesem Signum dicke Aufpreise verlangt, stimmt wohl eher, was Engländer hier verstehen würden: „traurige Bewegung“ – „blue“ bedeutet nämlich auch „bedrückt“ oder „traurig“ (wie in „Blues“). Für den Käufer ist es jedenfalls kein Vergnügen, wenn er viel Geld für für Banalitäten wie längere Getriebeübersetzung (also kleinere Rädchen im Getriebe) oder eine modifizierte Steuerungssoftware für den Anlasser bezahlen soll.

Die Verwirrung ist offensichtlich gewollt, denn sie verschleiert Defizite. VW etwa unterscheidet zwischen „BlueMotion“ und „Blue TDI“. Beim einen gibt’s weniger Verbrauch, beim anderen weniger Stickoxide in den Abgasen. Aber beides nicht serienmäßig, sondern gegen Aufpreis. Beim Passat etwa verkaufen die Wolfsburger beide Pakete in unterschiedlichen Modellvarianten. Beim „Blue TDI“ kriegt man fürs Geld wenigstens einen zugegeben aufwändig konstruierten Gegenwert mit Zusatztank und Spezialkatalysator. Beim „BlueMotion“ dagegen: Leichtlaufreifen, die längst in jedes Auto gehören, kosten ebenso ein Aufgeld wie die Tieferlegung, ein längerer fünfter Gang oder eine Schaltanzeige, die aus einem winzigen Pfeil im Cockpit und einer Software besteht.

Geradezu komisch wirkt bei genauer Betrachtung der Name des Hyundai-Brennstoffzellen-Konzeptfahrzeugs „i-Blue“ – als „eye blue“, also „Auge blau“ ließe sich das lesen. Ungekrönter Kaiser unter den Königen der scheinökologischen Verschleierungstaktik aber ist Mercedes: Von „BlueTec“ über „BlueTec Hybrid“ bis „BlueEfficiency“ ist alles zu haben. Doch trotz des Wortgeklingels belegt die Marke mit dem Stern beim Flottenverbrauch den letzten Platz der Premiumanbieter.

Die grundsätzliche Frage bleibt: Entweder sind die Autokonzerne davon überzeugt, mit ihren „blauen Baureihen“ die besseren Autos zu bauen – aber wieso kommen dann nicht alle Kunden in den Genuss der Vorteilstechnik? Warum werden dann Leichtbau und Downsizing, aerodynamische Verbesserungen und Optimierungen an den Motoren nicht Standard? Oder, und das ist ebenso wenig schmeichelhaft, es werden einfach nur umweltbewusstere Kunden abgezockt. Sogar der Sprachkritiker Wolf Schneider hat sich schon öffentlich über den Blautrend geärgert. „Ihren Wortmüll“, schrieb er kürzlich in der AutoBild, „sollen die Autohersteller für sich behalten.“