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Mercedes, VW & Co.: Einer blauer als der andere

Freitag, den 22. Mai 2009

Die neue Waffe im Werbekrieg der Autohersteller ist die Farbe Blau. Aber wie so oft werden dabei nur Scheingefechte geführt. Statt die Kunden mit nackten Zahlen zu beeindrucken (eben mit wirklich und deutlich sinkenden Verbrauchs- und CO2-Werten), werfen die Werbeabteilungen mit Kunstworten für schein-ökologische Fahrzeuge um sich. Die neue Trendfarbe ist ganz offensichtlich Blau. Wegen des blauen Planeten? Weil sauberes Wasser blau ist? Oder der Himmel? Wer weiß. Wie in der Werbung üblich muss es natürlich Englisch sein, weshalb dann „BlueMotion“ herauskommt (bei VW) oder „Blue Lion“ (Peugeot) oder „AdBlue“ (Aral).

Leider – oder zum Glück für die Werber? – versteht niemand die Begriffe. Was etwa soll „BlueMotion“ bedeuten? Blaue Bewegung? Klingt eigentlich nach gar nichts. Weil Volkswagen unter diesem Signum dicke Aufpreise verlangt, stimmt wohl eher, was Engländer hier verstehen würden: „traurige Bewegung“ – „blue“ bedeutet nämlich auch „bedrückt“ oder „traurig“ (wie in „Blues“). Für den Käufer ist es jedenfalls kein Vergnügen, wenn er viel Geld für für Banalitäten wie längere Getriebeübersetzung (also kleinere Rädchen im Getriebe) oder eine modifizierte Steuerungssoftware für den Anlasser bezahlen soll.

Die Verwirrung ist offensichtlich gewollt, denn sie verschleiert Defizite. VW etwa unterscheidet zwischen „BlueMotion“ und „Blue TDI“. Beim einen gibt’s weniger Verbrauch, beim anderen weniger Stickoxide in den Abgasen. Aber beides nicht serienmäßig, sondern gegen Aufpreis. Beim Passat etwa verkaufen die Wolfsburger beide Pakete in unterschiedlichen Modellvarianten. Beim „Blue TDI“ kriegt man fürs Geld wenigstens einen zugegeben aufwändig konstruierten Gegenwert mit Zusatztank und Spezialkatalysator. Beim „BlueMotion“ dagegen: Leichtlaufreifen, die längst in jedes Auto gehören, kosten ebenso ein Aufgeld wie die Tieferlegung, ein längerer fünfter Gang oder eine Schaltanzeige, die aus einem winzigen Pfeil im Cockpit und einer Software besteht.

Geradezu komisch wirkt bei genauer Betrachtung der Name des Hyundai-Brennstoffzellen-Konzeptfahrzeugs „i-Blue“ – als „eye blue“, also „Auge blau“ ließe sich das lesen. Ungekrönter Kaiser unter den Königen der scheinökologischen Verschleierungstaktik aber ist Mercedes: Von „BlueTec“ über „BlueTec Hybrid“ bis „BlueEfficiency“ ist alles zu haben. Doch trotz des Wortgeklingels belegt die Marke mit dem Stern beim Flottenverbrauch den letzten Platz der Premiumanbieter.

Die grundsätzliche Frage bleibt: Entweder sind die Autokonzerne davon überzeugt, mit ihren „blauen Baureihen“ die besseren Autos zu bauen – aber wieso kommen dann nicht alle Kunden in den Genuss der Vorteilstechnik? Warum werden dann Leichtbau und Downsizing, aerodynamische Verbesserungen und Optimierungen an den Motoren nicht Standard? Oder, und das ist ebenso wenig schmeichelhaft, es werden einfach nur umweltbewusstere Kunden abgezockt. Sogar der Sprachkritiker Wolf Schneider hat sich schon öffentlich über den Blautrend geärgert. „Ihren Wortmüll“, schrieb er kürzlich in der AutoBild, „sollen die Autohersteller für sich behalten.“


BP: Nur Peanuts für alternative Energien

Donnerstag, den 29. Mai 2008

Im Wirtschaftsteil der Süddeutschen freuten wir uns heute über eine große Annonce von BP, früher bekannt als British Petroleum.

bp_vielfalt.jpgSeit ein paar Jahren schreibt sich die Firma „bp“ und übersetzt sein Kürzel in kluger PR als „beyond petroleum“, zu Deutsch etwa „Über Erdöl hinaus“. In der Anzeige wirbt der Konzern für eine Vielfalt der Energiequellen – und lässt in der Aufzählung die wenig klimaschonende Kohle und die hochriskante Atomkraft weg. „Energievielfalt gibt Sicherheit, heute und in Zukunft“, heißt es im Text der Annonce. „Deshalb fördert die BP Group zusätzlich zu Öl und Gas auch alternative Energien. Von Solarenergie über Windkraft bis hin zu Biokomponenten für Kraftstoffe. Was können wir von BP und unsere Tankstellentochter Aral noch tun?“

Naja, das Unternehmen könnte die Annonce zum Beispiel mit einigen Zahlen anreichern. Gern hätten wir die BP-Pressestelle gefragt, welchen Stellenwert die genannten Produktbereiche im Unternehmen denn haben. Doch leider war bis zum Abend in der Firmenzentrale in Bochum nur ein Anrufbeantworter zu erreichen. Deshalb können wir hier – auf Basis der BP-Internetseite – nur zwei Zahlenvergleiche bieten:

Gesamtumsatz von BP: 266 Milliarden Dollar (im Jahr 2006)

Umsatz von BP Solar: eine Milliarde Dollar (Prognose für 2008)

Erdöl und Erdgas tragen demnach zum Konzernumsatz vielhundertfach mehr bei als der in gleicher Größe präsentierte Solarstrom. Aber vielleicht versucht BP als verantwortungsbewusstes Unternehmen ja, klimaschonenden Energien durch massive Investitionen zu einer Aufholjagd zu verhelfen? Der Konzern hat angekündigt, über zehn Jahre verteilt acht Milliarden Dollar in die Sparte „BP Alternative Energy“ zu stecken (darin sind Solar, Wind, Wasserstoff und hocheffiziente Gas-und-Dampfturbinen zusammengefasst). Doch verglichen mit den Gesamtinvestitionen des Ölriesen sind das nur Peanuts:

BP-Investitionen in „alternative Energien“: 0,8 Milliarden Dollar pro Jahr

BP-Gesamtinvestitionen: 16,9 Milliarden Dollar (im Jahr 2006)