Archiv des Schlagwortes ‘In eigener Sache’

In eigener Sache: Dem Astroturfing auf der Spur

Mittwoch, den 19. Oktober 2016

Es war die Zeit, als Turnhallen in den USA gerade groß in Mode kamen: Sport machen bei Regenwetter, ohne nass zu werden, prima Sache. Es gab natürlich Kinderkrankheiten, wie zum Anfang einer jeden neuen Epoche: Der Rasen ging in den Hallen immer wieder ein, er wollte einfach nicht nachwachsen.

Aber wie bei jeder neuen Kinderkrankheit wurde bald auch hier eine neue Medizin entdeckt: 1965 hatten sich Donald Elbert, James Faria und Robert Wright den „ChemGrass“ genannten Kunstrasen patentieren lassen. Erste Erfahrungen mit dem neuen Sportbelag waren durchaus positiv. Und als dann Monsanto 1987 groß in die Vermarktung einstieg – Markenname nun „Astro Turf“ –, war der weltweite Siegeszug des Kunstrasens programmiert.

Bekanntlich hat dieser „Astro Turf“-Rasen keine Graswurzel. Deshalb musste sich der Klima-Lügendetektor in München mit dem „Astroturfing“ befassen: „Wenn Konzerne den Protest managen“ hieß die Veranstaltung, zu der Lügendetektor-Autor Nick Reimer – links im Bild neben Marc Winkelmann, dem Moderator und Chefredakteur des Magazins enorm – zum diesjährigen Klimaherbst geladen war.

Wirkungsgrad-Konzernprotest-1

Grünfärberei, wie sie uns auf diesem Blog seit 2008 beschäftigt, ist nur eine der Strategien, mit der die alten Fossilkonzerne die Energiewende aufhalten wollen. Eine andere ist die Gründung von Tarninitiativen, im Englischen „Astroturfing“ genannt – weil eben keine Graswurzelbewegung hinter diesen vermeintlichen Bürgerinitiativen steckt.

Beispiel gefällig? Die „Bürgerinitiative Unser Revier – unsere Zukunft – An Rur und Erft“ aus dem Rheinland war bei uns auf dem Klima-Lügendetektor bereits 2015 Thema:

rwe1

Die Gruppe „versteht sich als ‚Allianz für Realismus und Sachlichkeit‘ in der Energiepolitik“, ist dort zu lesen. „Konstruktiv und kreativ“ wolle man sich „in die gesellschaftspolitische Diskussion um die Zukunft der Braunkohle und des Reviers einbringen“. Auf dem zugehörigen Foto sind sieben Herren zu sehen, die meisten schon etwas älter und im Jackett. Sie halten Schilder, auf denen zum Beispiel steht: „Kohle sichert Existenzen“. Es geht hier nämlich um eine Pro-Braunkohle-Initiative.

hier

Nun ist es den Herren natürlich unbenommen, wenn sie ihre Meinung kundtun, dass ist ja eine der Errungenschaften unseres Landes. Schwierig wird es, wenn es zu einer Verwischung von PR- und Bürgerinteresse kommt. Ulrich Müller von Lobbycontrol rät, beim Verdacht auf eine Tarnorganisation die Jahresberichte zu studieren (soweit existent), Geldflüsse zu erkunden oder zu schauen, ob verwendete Kontaktadressen oder Telefonnummern schon mal anderweitig aufgetaucht sind.

Man kann sich auch die beteiligten Personen anschauen. Und da fällt dann bei „Unser Revier – unsere Zukunft“ gleich ein RWE-Betriebsrat auf. Ein zweites Vorstandsmitglied war für Müller sogar ein alter Bekannter: Thomas Mock, Mitarbeiter eines großen Aluminiumkonzerns, und schon vor Jahren in einer Anti-Windkraft-Gruppe namens „Bundesverband Landschaftsschutz“ aktiv, der enge Verbindungen zur Industrie vorgeworfen wurden. Zur Erklärung heißt es von solchen Personen, das Engagement sei natürlich streng privat und werde aus eigener Tasche finanziert.

Im Interview mit dem Veranstalter erklärt Nick Reimer HIER, warum „Astroturfing“ der Versuch ist, die Energiewende aufzuhalten. Ja sogar umzudrehen.


ARD: Auf den Detektor gekommen

Dienstag, den 8. Dezember 2015

Klimakonferenzen lenken in der Regel die Aufmerksamkeit auf unser Thema, das Thema des Klima-Lügendetektors und seines Mutterportals klimaretter.info.

Große, wichtige Klimakonferenzen, wie die derzeit in Paris natürlich noch ein bisschen mehr. Deshalb möchten wir auf folgenden Beitrag der ARD hinweisen, der die Arbeit unseres Detektors beschreibt – in einer Kurzform zum Beispiel im ARD-Mittagsmagazin:

br2

Und unsere Leserschaft ermuntern: Melden Sie uns Ihren Verdacht! Zuletzt war es eher ruhig in unserem Postkasten. Vielleicht liegt das ja daran, dass tatsächlich weniger gelogen wird?

Wir bezweifeln das! Wir – das ist ein Team von Journalisten im – beziehungsweise im Umfeld – des GutWetter Verlages. Unser Rüstzeug ist die Recherche, unsere Waffe die Wahrheit. Doch wir können nur bestehen, wenn wir nicht alleine bleiben. Stark sind wir nur, wenn uns unsere Leser stark machen.

Mit Ihrem Tipp. Mit Ihrem Verdacht.

Und mit Ihrer Unterstützung für unabhängigen Journalismus im Netz!


Jetzt im Handel: Das Buch zum Blog

Montag, den 25. Mai 2009

Als der Klima-Lügendetektor Anfang 2008 startete, da gingen wir zwar davon aus, dass uns nie langweilig wird. Aber dass es dann so viele Fälle von Grünfärberei geben würde, dass es häufig sogar mehrmals pro Woche neuen Stoff für diesen Blog geben würde und wir oft gar nicht hinterherkämen mit dem Recherchieren und Schreiben – das war dann doch eine Überraschung.

Dass es irgendwann ein Buch zum Thema geben könnte, war gleich gar nicht geplant. Doch seit heute liegt es in den Buchläden: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“ lautet der Titel. Auf 272 Seiten versammelt es aktualisierte, überarbeite und oft auch erweiterte Blogbeiträge, außerdem neue Artikel und einen gründlichen Text darüber, wie Grünfärberei funktioniert und warum sie ein Problem ist. Das Buch ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und kostet 8,95 Euro. 

Hier können Sie es gleich online bestellen.