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Autobranche: Auf der Überholspur – aber ganz weit hinten

Mittwoch, den 6. Februar 2008

Matthias Wissmann (CDU) ist ein Politik-Profi. Er war unter Helmut Kohl Forschungs- und Verkehrsminister, saß mehr als dreißig Jahre im Bundestag und hat nebenher gut verdient – unter anderem als Partner in einer internationalen Anwaltssozietät oder im Beirat von Rolls Royce. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) holte ihn im letzten Jahr als Präsidenten, als die Branche in der Klimadebatte in die Kritik geriet.

Heute zeigte Matthias Wissmann wieder einmal, wie gute Krisen-PR aussieht: „Die deutschen Autohersteller haben nach eigenen Verbandsangaben bei Spritverbrauch und Senkung des schädlichen Kohlendioxids (CO2) im Vergleich zu Frankreich und Japan aufgeholt“, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Und zitiert den VDA-Präsidenten: „Dank der hohen Innovationskraft unserer Hersteller und Zulieferer haben wir im vergangenen Jahr die höchsten Minderungsleistungen (beim CO2) erreicht.“ Japanische Firmen hätten den Ausstoß ihrer Autos um 0,6 Prozent gesenkt, französische Marken um 0,8 – die deutschen Hersteller aber um 2 Prozent.Brav transportiert dpa damit die freundliche Lesart des Lobbyisten Wissmann.

Bisher nämlich gehörten deutsche Autos zu den Spitzenreitern beim Kohlendioxid-Ausstoß. In Studien des BUND oder des Brüsseler Umwelt-Dachverbands Transport&Environment rangieren Audi, BMW & Co. regelmäßig ganz hinten. Deutsche Hersteller bauen demnach besonders schwere Autos mit besonders hohen CO2-Werten (deutscher Durchschnitt 173 Gramm/Kilometer, Japan: 161 g/km, Frankreich: 144 g/km). Damit liegen die deutschen Autobauer weit, weit über dem Wert von 140 g/km, den zu erreichen sie 1998 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung für das Jahr 2008 zugesagt hatten.

Bei so hohem Niveau ist das Sparen ziemlich einfach. Oder in der Autosprache: Wer von weit hinten kommt, kann viele überholen. „Der VDA rechnet sich die Welt schön“, kommentiert Gerd Lottsiepen vom umweltbewussten Verkehrsclub VCD.

Im letzten Absatz ihrer Meldung kommt die dpa dann der Wahrheit wieder etwas näher. Aber auch nur etwas. „Die deutschen Hersteller hätten vor allem den Verkauf ihrer Fahrzeuge mit einem Spritverbrauch von weniger als fünf Liter auf 100 Kilometer steigern können“, steht da. Um 57 Prozent sogar. Nunja. Man könnte auch sagen, die Kunden haben stärker als früher sparsame Modelle gekauft.


Die deutschen AKW-Betreiber: Beste Grünfärber Europas

Mittwoch, den 2. Januar 2008

Deutschlands ungeliebte Klimaschuetzer

Ein Bündnis verschiedener Organisationen schreibt jedes Jahr einen Preis für die verlogenste Lobby-Arbeit in Europa aus, den Worst Lobby Award. 2007 wurde zusätzlich ein Preis in der Kategorie „Worst EU Greenwash“ ausgeschrieben – für Firmen, „deren Werbung, PR- und Lobbyrhetorik im Widerspruch zu den wahren Umweltauswirkungen ihres Kerngeschäfts steht“, so die Initiatoren.

Nominiert waren:

- Airbus („für eine Anzeigenserie, in denen Passagierflugzeug-Silhouetten mit schönen Landschaften ausgefüllt wurden, um Airbus-Flugzeuge grün und sauber erscheinen zu lassen“)

- der britische BAE Systems („weil sie tödliche Waffen als umweltfreundlich bewerben“)

- das Deutsche Atomforum (wegen „Missbrauch der öffentlichen Sorge um den Klimawandel zur Imagepflege für die Atomenergie“)

- der Ölkonzern ExxonMobil („nominiert für die Behauptung, das Unternehmen würde seine Treibhausgase reduzieren, während die Emissionen in Wirklichkeit anstiegen“)

- der Energieriese Royal Dutch Shell (weil er „den Eindruck erweckt, dass seine Ölraffinerien Blumen statt Rauch ausstoßen“)

Ausführliche Informationen zu allen Nominierten stehen hier.

Durchgesetzt hat sich – wie so oft auf dem Weltmarkt – deutsche Wertarbeit. Beim allgemein schlimmen Lobbying gewannen die Autokonzerne BMW, Daimler und Porsche. Und auch in der Sonder-Wertung für Grünfärberei lag die Bundesrepublik vorn: Das Deutsche Atomforum, das Akw in einer millionenschweren Werbekampagne als „Klimaschützer“ darstellte, deklassierte die gesamte Konkurrenz.

P.S.: Bei YouTube gibt es ein amüsantes Video – es zeigt, wie ein Vertreter des „Worst Lobby Award“ bei den Brüsseler Büros von BMW, Daimler und Porsche versucht, Blumensträuße loszuwerden…