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Eon: Der Zukunft hinterherhinken

Donnerstag, den 14. August 2014

Neuester Schrei in der Konzernkommunikation sind die sozialen Medien. Wobei etliches, was auf Facebook publiziert wird, oder manch „Scheißsturm“ bei Twitter eigentlich die Bezeichnung „asozial“ verdient hätte. Aber sei es drum, die Konzernkommunikation von Eon fand es eine gute Idee, mit folgendem „empfohlenen Beitrag“ – wie Werbung bei Facebook heißt – auf Sendung zu gehen:

eonface

Wie kommt man bei Windstille zu Strom? Komische Frage – ausgerechnet von Eon. Na, aus Atomkraftwerken von Eon zum Beispiel. Oder aus den Eon-Kohlekraftwerken.

Beide sind bekanntlich weder “intelligente Lösungen“ noch die „Energiezukunft“, wie es im Anreißer der Werbung heißt: Statt nach der intensiv zu suchen, hatte der größte Energiekonzern Europas jahrelang lieber all seine Energie in die Lobby-Arbeit für die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke gesteckt oder ins Anschalten illegal gebauter Kohle-Blöcke.

Aber seien wir nicht so voreingenommen und gönnen Eon den Klick. Denn darum geht es in der Internet-Werbewirtschaft, um Klicks: Was empfehlen uns denn die Werbeexperten des Fossilkonzerns auf die Frage, was passiert, wenn der Wind nicht weht?

Nichts Geringeres als die Zukunft:

eon

Abgebildet ist die Nordsee-Insel Pellworm. Weil es hier weder Kohle- noch Atomkraftwerke gibt, wurden 1983 auf dem 37 Quadratkilometer großen Eiland 17.568 Solarmodule vom Typ AEG PQ 10-20 an Netz gebracht und ein – heute museal anmutendes – Windrad Enercon-E-33 aufgebaut. Zukunfsfreundliche Stromversorgung, die gibt es für die 1.200 Pellwormer schon länger, als es Eon gibt – seit über 30 Jahren.

Aber natürlich ist auch auf der Insel der Stromverbrauch gestiegen. Und dann kommen immer mehr Touristen. Zwar gibt es für den Fall, dass es Nacht ist und der Wind nicht bläst, ein Untersee-Kabel zum stromversorgenden Festland. Seit 2013 aber gibt es das Projekt „Smart Region Pellworm“Die Schleswig-Holstein Netz AG erprobt hier gemeinsam mit der Fachhochschule Westküste, dem Fraunhofer-Institut, der Saft Group und der Aachener Universität RWTH, wie sich Strom speichern lässt. Die Pellwormer sollen im Kleinen testen, was irgendwann für alle Wirklichkeit werden soll: Ohne Atom- und Kohlestrom auszukommen, regenerativ und dezentral. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium, Eon stellt die Batterien.

So weit die Fakten. Im zur Kampagne gehörenden Eon-Werbespot brüstet sich Eon dafür: „Schon heute können wir ein ganzes Gebiet zuverlässig mit Erneuerbarer Energie versorgen“.

Schon heute?

Liebe Werbe-Leute von Eon: Kann ja sein, das euer Konzern damals beim Installieren der Pellwormer Autark-Systeme nicht dabei war. Eon hat die Zukunft glatt verschlafen. Die Zukunft der Erneuerbaren hat nämlich schon vor Jahren begonnen!

Vielen Dank für den Hinweis an Kathrin K. aus Erlangen!


Philipp Rösler: Des-Informationsoffensive

Mittwoch, den 15. Mai 2013

Das Bundeswirtschaftsministerium ist in der „Informationsoffensive“. Mit folgender Darstellung:

bmwi-netzausbau

„Damit nicht Sie zum Strom kommen müssen, sondern der Strom zu Ihnen“, begründet das FDP-geführte Ministerium im Kleingedruckten seinen Appell an die Steuerzahler.

Im dazugehörigen Kino-Spot sieht man dann auch, was bei einem „Nein zum Netzausbau“ passieren wird: Die Leute greifen sich ihr liebstes elektrisches Gerät und pilgern zu den Strommasten, um endlich einmal E-Gitarre spielen oder die Wäsche waschen zu können. Oder um einfach mal das Licht der Lieblings-Stehlampe zu genießen.

kino

Vielleicht fragen Sie sich: Häh? Was soll denn dieser Unsinn? Panikmache mit „Zurück ins Mittelalter“?

Also bitte, liebe Leser! Nicht so despektierlich! Immerhin handelt es sich um eine Informationsoffensive von den Experten des Bundeswirtschaftsministers Philipp Rösler (FDP). Und natürlich haben die sich etwas gedacht bei der Offensive. Schließlich hatte die FDP beschlossen, die Atomkraftwerke länger am Netz zu lassen – äähh: bis 2022 aus der Atomenergie auszusteigen. Weshalb Röslers Experten in ihrer Informationsoffensive nun auch folgerichtig ausführen: Um die erforderliche Strommenge ohne Atomkraftwerke zu produzieren, „setzen wir auf den Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind, Wasser und Sonne“.

Echt jetzt? In der Informationsoffensive heißt es weiter:

Damit unsere Stromversorgung sichergestellt bleibt, sind also auch Investitionen in hochmoderne Kohle- und Gaskraftwerke notwendig. Ein leistungsfähiges Netz ist außerdem die Voraussetzung dafür, dass in Zukunft neue dezentrale Erzeugungsanlagen ihren Strom einspeisen können.

Also, nun wird man langsam ungeduldig! Neue Kohlekraftwerke sind notwendig und der Ausbau der Netze, damit dann auch „neue dezentrale Kraftwerke ihren Strom einspeisen können“? Wo ist denn da die Logik? Vielleicht so: Neue Kohlekraftwerke produzieren noch mehr Kohlestrom, der dann das Netz verstopft, das dann natürlich erst ausgebaut werden muss, bevor neue dezentrale Kraftwerke ihren Strom einspeisen können?

„Die Diskussionen der vergangenen Wochen stimmen mich zuversichtlich, dass die Verantwortlichen auf allen Ebenen in unserem Lande den Netzausbau inzwischen als nationale Aufgabe begreifen und gemeinsam voranbringen wollen“, erklärte der Chef des Hauses, Philipp Rösler, Ende April. Gerade hatte der Bundestag das „Bundesbedarfsplangesetz“ für den Netzausbau beschlossen – ein Gesetz, das die Einspruchsmöglichkeiten Betroffener bei den Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschränkt. „Rechtsstreitigkeiten hinsichtlich der im Bundesbedarfsplan genannten Vorhaben werden erst- und letztinstanzlich dem Bundesverwaltungsgericht zugewiesen“, heißt es aus dem Ministerium. Wenn jetzt auch noch der Bundesrat im Juni zustimmt – dann war Röslers Informationsoffensive ein voller Erfolg.

Oder vielleicht doch nicht? „Der angestrebte Netzausbau ist überdimensioniert“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Lorenz Jarass. Der beschlossene Stromnetzausbau sei vielmehr ein „Verstoß gegen die Energiewende“, weil er diese unnötig verteuere: Statt die geplanten neuen Leitungen (5.700 Kilometer) für bis zu 20 Milliarden Euro zu bauen, sollte das Netz nicht aus-, sondern bedarfsgerecht umgebaut werden: Für ungefähr zehn Milliarden Euro – das wäre um die Hälfte billiger!

Aber davon wollen Rösler und Co nichts wissen: Die Politik plant ein Netz aufzubauen, das auch die seltenen Starkwindeinspeisungen etwa im deutschen Norden gesichert abtransportieren kann – und „zusätzlich und parallel dazu auch noch Strom von einer Vielzahl von Kohlekraftwerken“, so Jarass. „Das widerspricht der Idee der Energiewende“, sagt der Ökonomieprofessor. „Wenn ich mehr Strom aus umweltfreundlichen erneuerbaren Energien habe, dann kann ich doch die umweltbelastenden Kohlekraftwerke herunterfahren. Aber das geschieht nicht. Die Kohlekraftwerksbetreiber haben einen Rechtsanspruch darauf, auch bei Starkwind einspeisen zu können.“

Rechtsanspruch? Starkwindeinspeisungen? 20 Milliarden Euro, die dann ja doch wieder nur auf die kleinen Leute umgelegt werden, weil die großen von der FDP wieder großzügig mit „Ausnahmen“ ausgestattet werden? Darüber erfährt man nichts in Röslers Info-Offensive zum Netzausbau. Man erfährt nichts über das Förderprogramm des Bundesumweltministeriums für Batteriesysteme zur Solarstromspeicherung, das in diesem Monat angelaufen ist. Nichts über neue Ideen wie das „Zuhause-Kraftwerk“, die – konsequent umgesetzt – einen Netzausbau zumindest teilweise obsolet machen würden.

Aber das darf Sie jetzt nicht verwundern: Bundeswirtschaftsminister Rösler WILL den Netzausbau. Er WILL den großen Übertragungsnetzbetreibern ein hübsches Investitionsprogramm zuschanzen, das dann die Steuerzahler finanzieren. Und damit sein WILLE geschehe, beauftragte er die Kölner Agentur ergo, ihm eine DES-Informationsoffensive zu organisieren. Finanziert mit Steuermitteln, versteht sich.

Gern blenden wir uns in diese Kampagne noch einmal ein. Tenor: Bekommt Rösler seinen Netzausbau nicht, dann bleibt uns nur noch der beschwerliche Gang zu den Strommasten vor der Stadt:

netz

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