BP: Jatropha soll das Klima retten

bp_jatropha_aus1.jpgDie Purgiernuss ist ein Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse, deren Samen früher auch als Arznei verwendet wurden. Neuerdings wird die Pflanze als Heilmittel ganz anderer Art beworben, zum Beispiel vom Ölkonzern bp in großformatigen Anzeigen im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung. Jatropha Curcas, so der botanische Name, soll das Klima retten. Beziehungsweise die liebgewonnene Mobilität im eigenen Auto. Beziehungsweise die Zukunft eines Unternehmens wie British Petrol, das sich mit großem Aufwand als ökologisch profilieren möchte – was die ZEIT kürzlich als „Grünes Getöse“ bezeichnete.

„BP pflanzt Energie“ verspricht die Firma nun also in Zeitungsannoncen. Man habe, heißt es im Anzeigentext,

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Rund 160 Millionen US-Dollar, so bereits im Sommer 2007 eine Presseerklärung von BP, werde man in das Projekt investieren.

Inzwischen spricht sich herum, dass der Klimanutzen von Agrotreibstoffen häufig zweifelhaft ist und der großflächige Anbau von Energiepflanzen zu einer weltweiten Nahrungsmittelknappheit führen könnte. Genau deshalb wird die Purgiernuss so gepriesen. Doch es lohnt sich, den BP-Werbetext genau zu lesen: Jatropha „kann auch auf kargen Böden wachsen“, heißt es da zutreffend. Die Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion werde dadurch „reduziert“. Mehr aber eben auch nicht.

Längst nämlich häufen sich Berichte, dass der Jatropha-Anbau afrikanische Bauern von ihrem angestammten Land vertreibt und den Wassermangel verstärkt. „Die entzauberte Nuss“, überschrieb die Schweizer Wochenzeitung WoZ kürzlich eine ausführliche Analyse von Vor- und Nachteilen. Die magere Ausbeute pro Hektar und der hohe Energieaufwand für Kunstdünger und die Weiterverarbeitung der Samen lassen das Allheilmittel zweifelhaft erscheinen. „Man muss Jatropha als eine Pflanze für lokale Anwendungen im Kleinen sehen, für Lampenöle, Seifen und Ähnliches. Da ist sie sehr sinnvoll“, wird eine Wissenschaftlerin zitiert. „Aber im großtechnischen Maßstab kann es schnell in eine ungewollte Richtung gehen.“ Profitable Plantagen würden nämlich am Ende wohl doch wieder auf fruchtbaren Böden stehen und die Nahrungsmittelproduktion verdrängen. Ob Jatropha wirklich ein „nachhaltiger Biodiesel-Rohstoff“ ist, wie von BP behauptet, lässt sich allenfalls am Einzelfall überprüfen. Wirklich nachhaltig wäre eine Verringerung des Energieverbrauchs.

Nicht nur BP, auch Daimler fördert die Jatropha-Forschung. Für den Autokonzern sei dies „eine wichtige Werbeaktion“, zitiert die WoZ einen der beteiligten Wissenschaftler. Das IFEU-Institut aus Heidelberg kam im Auftrag von Daimler zum Ergebnis, dass die negativen Umweltauswirkungen beim großtechnischen Jatropha-Anbau erheblich sein können und eine Pilotanlage in Indien „deutlich optimiert werden kann“. Eindeutig ist die Antwort, wie künftige Jatropha-Ernten verwendet werden müssten, um einen wirklich großen Nutzen fürs Klima zu haben: Man sollte dank der Wunderpflanze am besten kohlebefeuerte Kraftwerke ersetzen oder schwefelhaltige Dieselkraftstoffe, die außerhalb Europas noch in vielen Ländern üblich sind. Beides würde nicht unbedingt in die Werbestrategien von BP oder Daimler passen.