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Vattenfall: Der Rüpel wird zum Oberlehrer

Freitag, den 8. Februar 2008

Es gibt Meldungen, die braucht man eigentlich gar nicht zu kommentieren. Wenn George W. Bush für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wird. Oder McDonalds Ernährungskundeunterricht in Schulen sponsert. Oder Alice Schwarzer sich für Werbeplakate der Bild-Zeitung ablichten lässt.

Nun also diese: Der Energieversorger Vattenfall veranstaltet im Rahmen einer Klimaakademie Unterricht an Schulen in Brandenburg. Ein ähnliches Projekt läuft seit ein paar Wochen in Hamburg. Auch auf der Homepage des Unternehmens wird das Projekt groß angekündigt:
Vattenfall: Der Rüpel wird zum Oberlehrer

Ein – wohl unfreiwillig – wahrhaftiger Slogan, will doch Vattenfall ganz offenbar wirklich ernsthaften Klimaschutz in die nächste Generation verschieben. Mit seinen Kohlekraftwerken ist der Konzern nämlich laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers der zweitgrößte Kohlendioxid-Emittent Europas (Ausstoß 2006: 82 Millionen Tonnen). Und die derzeit im Bau befindlichen Anlagen werden zwar einen etwas höheren Wirkungsgrad haben, aber doch Kohlendioxid-Schleudern bleiben.

Trotzdem hat Vattenfall als Schirmherren für seine „Akademie“ Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) und die Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges Dierig (CDU) einkaufen gewinnen können. Umweltverbände, Grüne und Linkspartei kritisierten das Projekt, denn damit werde der Bock zum Gärtner gemacht.

Das Praktische am Lehrer-Sein ist ja, dass man gar nicht Lügen braucht, um falsches Wissen zu vermitteln. Man braucht nur zu schweigen, zum Beispiel darüber, dass es keinen Energieträger gibt, bei dem pro erzeugter Kilowattstunde so viel Kohlendioxid frei wird wie bei Braunkohle. Dass riesige Kohlekraftwerke einen lausigen Wirkungsgrad haben und Vattenfall die auf der Homepage für Schulen angebotene „Effizienzberatung“ vielleicht selbst gut gebrauchen könnte. Oder dass das „co2-freie“ Vattenfall-Pilot-Kraftwerk in der Lausitz, mit dem Vattenfall bereits geworben hat (was ihm inzwischen aber gerichtlich untersagt wurde), noch ganz ferne Zukunftsmusik ist.

Aber vielleicht sollten wir uns einfach auf den Widerspruchsgeist von mündigen Schülern verlassen? Einen besseren Debattengegner als Vattenfall kann man sich in einer Klimaakademie kaum vorstellen.


Wolfgang Clement: Die Lüge von der Energie-Abhängigkeit

Sonntag, den 20. Januar 2008

Ein Aufsichtsratsmitglied des Atom- und Kohle-Konzerns RWE warnt im hessischen Landtagswahlkampf vor der Partei, die Atom- und Kohlekraftwerke überflüssig machen will. So what? Er tut halt einfach seine Pflicht, indem er versucht, Schaden von dem Unternehmen abzuwenden, von dem er Geld bekommt. Zur Nachricht wird all das erst, wenn der Herr auch Mitglied der angegriffenen Partei ist – hier der SPD. Und wenn er einst Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen und Bundeswirtschaftsminister war.

Wolfgang Clement also hat in der Welt am Sonntag ein Plädoyer veröffentlicht, in dem er von der Wahl der SPD-Spitzenkandidatin, Andrea Ypsilanti, abrät. Blöderweise ist eines seiner zentralen Argumente schlicht falsch: Das Energiekonzept der hessischen SPD, schreibt Clement, führe zu einer „Erhöhung unserer Abhängigkeit vom Ausland“.

Das Gegenteil ist richtig: Jede Kilowattstunde Strom aus Sonne, Wind oder Wasser verringert den Importbedarf an Kohle, Erdgas oder Uran.

P.S.: Selbst für die Übergangszeit bis zu einer vollständig regenerativen Energieversorgung ist Clements Argument verkehrt. Zwar sollen während der Umstiegs phase hocheffiziente, erdgasbefeuerte Kraftwerke vorübergehend die Kohle- und Atommeiler ersetzen. Weil aber – auch durch massive Förderung des Staates – zugleich der Heizbedarf in sanierten Gebäuden zurückgeht, muss unterm Strich kein Mehrverbrauch von z.B. russischem Erdgas stehen. Im übrigen ließen sich solche Kraftwerke langfristig auch mit Biogas aus heimischer Produktion befeuern.