Archiv des Schlagwortes ‘Peter Terium’

RWE: Ist das wirklich die kehRtWEnde?

Mittwoch, den 2. Dezember 2015

Also, echt, dass wir das noch erleben dürfen! Diese Titelschlagzeile der Süddeutschen Zeitung heute:

rwe_kehrtwende

RWE? War das nicht der Konzern, dessen Vorstandschef noch vor dreieinhalb Jahren lästerte, Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll „wie Ananas züchten in Alaska“? Ja, Jürgen Großmann hieß dieser Herr. Der wie ein Bulldozer für die alten Energien kämpfte – und es schaffte, dass Angela Merkels schwarz-gelbe Regierung 2010 den rot-grünen Atomkonsens kündigte. Der viele Milliarden in Kohlekraftwerke versenkte und maßgeblich für die heutige Existenzkrise bei RWE verantwortlich ist. Ende 2008 notierte die RWE-Aktie bei knapp hundert Euro, vor einer Woche waren es noch gut zehn Euro.

Die Lage des Unternehmes ist zu traurig, als dass wir uns Schadenfreude erlauben. Großmanns Nachfolger Peter Terium versucht seit 2012, die Scherben zusammenzukehren, er muss sparen, Unternehmensteile verkaufen, Leute entlassen. Nun, endlich, will er offenbar das Ruder herumreißen und auf das Geschäft mit klimaschonender Energie setzen. Wie ernsthaft er das tut, werden wir genau verfolgen – und beispielsweise gucken, wie es mit dem geplanten Braunkohle-Monster BoA plus im rheinischen Niederaußem weitergeht. Zweifellos hat Terium einen langen Weg vor sich – im vergangenen Jahr lag der Erneuerbaren-Anteil an der RWE-Stromversorgung bei gerade fünf Prozent.

Wir wünschen jedenfalls viel Erfolg bei der kehRtWEnde!


RWE: In der Lügenfalle

Freitag, den 15. Mai 2015

Spielen Sie Schach?

Da kann es folgende Situation geben: Sie spielen Zug um Zug, haben das Gefühl, dass alles super läuft. Der Gegner wird bald geschlagen sein, Sie werden Ihren König sicher durchs Spiel bringen. Und da passiert es: Sie haben sich in eine Situation hineinmanövriert, in der Sie nichts mehr richtig machen können. Egal, welchen Zug Sie als nächstes auch tun, es wird ein falscher sein. Sie sind überführt, noch bevor Sie Ihre Figur setzen.

So geht es auch Peter Terium und RWE.

Und folgendermaßen läuft die Partie: Unter dem Druck der Kritiker behauptete das Unternehmen jahrelang, dass es genügend Geld für den Rückbau der Atomkraftwerke zur Seite gelegt hat. Das Geld sei sicher, hieß es. Wieder und wieder und wieder. Zehn Milliarden Euro an Atomrückstellungen stünden bereit und warteten nur darauf, bei Bedarf für den AKW-Rückbau und die Lagerung der strahlenden Altlasten ihren Einsatz zu finden. Schachfigur gesetzt.

Angriff an der Nuklearflanke fürs Erste abgewehrt.

Die Partie geht aber weiter. Scheinbar überraschend gibt es einen Angriff an der Kohleflanke. Die Klimaabgabe, die sich das Bundeswirtschaftsministerium unter dem verhaltenen Jubel der Umweltverbände ausgedacht hat, droht das fossile Kraftwerksgeschäft zu schmälern.

Was nun?

Um die RWE-Figuren zu retten, tat Konzernchef Peter Terium in einem Interview mit dem Sender n-tv in dieser Woche den nächsten Schachzug: Er behauptete, dass die Klimaabgabe 80 bis 90 Prozent der Braunkohle in einem Ausmaß treffen würde, „wo RWE es nicht mehr stemmen würde“. Das Geld aus dem Braunkohlegeschäft aber brauche man auch dafür – holte Terium die ganz große Keule raus –, um die Versprechungen zu den Atomrückstellungen einzuhalten.

Und jetzt sitzt er in der Falle.

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Denn:

Gilt sein Argument, hat er gerade – als erster führender Vertreter der großen Energiekonzerne und in aller Öffentlichkeit – zugegeben, dass RWE die Öffentlichkeit bei der Sicherheit der Atomrückstellungen all die Jahre über belogen hat. Mit seiner Aussage würde er bestätigen, wovor Umweltverbände und Anti-Atom-Gruppen immer gewarnt haben: Die Energieriesen haben mit der Nuklearenergie das Geschäft gemacht, auf der teuren Entsorgung der Altlasten aber bleiben die Steuerzahler sitzen. Eine Bankrotterklärung und Blamage auf ganzer Linie.

Sollte das Ganze aber „so nicht gemeint gewesen“ sein, kann Terium die Partie ebenso wenig für sich retten. Denn dann würde sich sein Rückstellungs-Argument als ein überaus dreister Erpressungsversuch erweisen, um die drohende Klimaabgabe abzuwenden. (Experten sind sich einig, dass die Abgabe den zum Erreichen des deutschen Klimaziels wichtigen Strukturwandel auf sehr sanfte Weise einläutet.)

So oder so, an dieser Stelle der Partie kann der RWE-Chef nichts mehr richtig machen. Er trägt eine peinliche Niederlage davon.

Vielen Dank an Jürgen D. für den Hinweis


RWE: Die Sache mit den Zahlen

Donnerstag, den 6. März 2014

In der Werbung gibt es manchmal Anzeigen, die so treffsicher sind, dass es sich nur um Satire handeln kann. Zum Beispiel heute in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 19, in der Aachener Zeitung, den Aachener Nachrichten oder im Wirtschaftsteil der Rheinischen Post:

RWE

Zur Kampagne gibt es auch eine Web-Seite, die dann erklärt: „Als Gestalter der Energiezukunft geht der Stromversorger vorweg – sowohl im Service als auch bei Innovationen und nachhaltiger Stromerzeugung …“ RWE gehöre „zu den Besten der Energiebranche“.

Richtigerweise aber müsste es an dieser Stelle heißen: „RWE ist der schlechteste Konzern der Energiebranche.“ Denn soeben hat der Essener Konzern seine Geschäftszahlen für das Wirtschaftsjahr 2013 vorgestellt – und es gibt keinen anderen Energiekonzern in Deutschland, der im vergangenen Geschäftsjahr so schlecht gewirtschaftet hat. Erstmals in seiner Firmengeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg hat RWE kein Geld verdient – sondern einen gewaltigen Schuldenberg aufgetürmt: 2,8 Milliarden Euro. „Nach Feiern ist uns schon lang nicht mehr zumute“, sagte RWE-Chef Peter Terium am Dienstagmorgen. Aber da waren die Anzeigen für den Donnerstag offenbar schon bei den Zeitungen gekauft.

Versuchen wir also den Werbetext einen Moment lang ernst zu nehmen:

rwe2Erste Zahl: RWE hatte im vergangenen Sommer ein Schiedsgerichtsverfahren gegen Gazprom gewonnen. Der russische Staatsmonopolist musste dem deutschen Konzern – O-Ton RWE – „eine hohe Kompensationszahlung“ leisten, dem Vernehmen nach über eine Milliarde Euro. RWE stand also vor einem prächtigen Geschäftsjahr.

Die zweite Zahl: Seit Anfang 2013 läuft die dritte Periode des europäischen Emissionshandels. Erstmals müssen Stromkonzerne wie RWE für die Emissionen, die sie verursachen, auch tatsächlich zahlen: Zuvor bekamen sie die Zertifikate vom Staat einfach geschenkt.

RWE hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass dieses staatliche Schenken irgendwann einmal endet – und investierte seit 2006 europaweit 12 Milliarden Euro in fossile Kraftwerke, etwa in das Braunkohlekraftwerk Neurath. Und für fossile Kraftwerke benötigte der Konzern nun erstmals auch fossile Zertifikate. Obwohl der Handelspreis das ganze Jahr im Keller war, musste RWE dafür 1,2 Milliarden Euro berappen. Eine komplett verfehlte Geschäftspolitik.

Leiden müssen darunter die RWEler. Die dritte Zahl: Bis Ende 2016 will der Konzern jede zehnte Stelle streichen; insgesamt geht es um rund 6.700 Jobs, 4.700 davon in Deutschland.

Leiden müssen aber auch – nächste Zahl – die Kommunen im Ruhrgebiet. Insgesamt sind 25 Prozent der RWE-Aktien in kommunalem Besitz, und viele Städte rechnen für ihren kommunalen Haushalt fest mit der RWE-Dividende. In den Jahren 2006 bis 2010 gab es 3,50 Euro je Aktie, dann waren es 2011 und 2012 nur noch 2 Euro, jetzt soll es nur noch 1 Euro sein – ein „Fluch für Essen, Dortmund, Mühlheim und Co“.

„Wir sind spät in die erneuerbaren Energien eingestiegen – vielleicht zu spät“, räumte Konzernchef Peter Terium am Dienstag ein. Tatächlich wollen wir an dieser Stelle auch noch die entscheidenden Zahlen präsentieren: 17 Prozent des von RWE produzierten Stroms kommen aus Atomkraftwerken, 79 Prozent aus fossilen Kraftwerken. Aus erneuerbaren Quellen stammen gerade einmal 4 Prozent. Zum Vergleich: Im bundesdeutschen Strommix waren 2013 durchschnittlich 23 Prozent erneuerbar.

Aber natürlich stimmt der Werbetext von RWE auch irgendwie: In Niederaußem betreibt RWE die größte Treibhausgas-Schmiede in Deutschland. Hier werden jährlich 26.300.000 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent verursacht – so viel stößt Ghana insgesamt aus. Und dort leben mehr als 25 Millionen Menschen.

Stimmt also: RWE ist – irgendwie - die NUMMER 1!

Danke für den Tipp an Dirk J. aus Düsseldorf und Darius Karl D. aus Aachen