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Vattenfall: Gar nicht schön problemlos

Dienstag, den 9. April 2013

Neues von der aktuellen Vattenfall-Kampagne in Berlin, derzeit ist die halbe Stadt zugepflastert mit diesem Plakatmotiv:

vattenfall

Hintergrund der Werbeoffensive ist ganz offensichtlich, dass Vattenfall um die Konzession zum Betrieb des städtischen Stromnetzes bangt. Im kommenden Jahr wird neu entschieden, und ein Berliner Bündnis hat das Volksbegehren „Neue Energie für Berlin“ gestartet, um ein kommunales Stadtwerk in Berlin aufzubauen und das städtische Verteilnetz selbst zu betreiben. Da bleibt Vattenfall natürlich nicht still, wie wir bereits vor fünf Wochen berichteten. Auch das neue Motiv zeigt ein Kind (in der Werbung immer eine sichere Bank), garniert mit Gute-Laune-Worten wie „schön“ und „problemlos“.

Dummerweise hat der schwedische Staatskonzern da einige der eigenen Baustellen vergessen – nicht immer nämlich fließt bei Vattenfall alles problemlos. 2007 zum Beispiel kam es zuerst im Atomkraftwerk Brunsbüttel zum Zwischenfall und kurz danach im Vattenfall-Reaktor Krümmel – bis heute sind die Zusammenhänge nicht endgültig geklärt. Dafür aber die Folgen: Stromausfall in Hamburg, 770 Ampeln blieben dunkel,  Fern- und Nahverkehrszüge waren betroffen, genauso wie automatische Türen, „sensible Geräte“ oder Computer, die abstürzten. Das Hamburger Abendblatt zitierte damals einen Vattenfall-Sprecher: „Über das Europäische Verbundnetz können solche Ereignisse ausgeglichen werden. Das ist zum Glück kein großes Problem.“ Aber das hat die Menschen, die in Zügen oder Läden feststeckten, natürlich erst recht verunsichert: Was, bitte schön, ist für Vattenfall dann ein großes Problem?

Inzwischen gibts ja den Atomausstieg, und Vattenfall hat ein Verfahren zum Rückbau seines Reaktors in Brunsbüttel eingeleitet. Eigenartigerweise bedeutet das aber immer noch nicht, dass die abgeschaltete Atomanlage problemfrei auf ihren Rückbau wartet: Den jüngsten Störfall gab es Anfang des Jahres.

Okay, wir können uns bereits den Anruf der Vattenfall-Pressestelle ausmalen – das seien doch Fälle, die weit zurück oder weit weg liegen. Aber was war das neulich, also im Februar, in Berlin-Charlottenburg? Rund 1.500 Haushalte waren da drei Stunden lang ohne Strom… 

Hoppla.

Aber natürlich verlässt sich Vattenfall beim Ringen ums Netz nicht allein auf Kinder und seine prall gefüllte Werbekasse. Unter der Überschrift „Wie in Berlin um das Stromnetz gekämpft wird“ berichtet die Berliner Morgenpost:

Um Einfluss zu nehmen, hatte Vattenfall sogar den früheren Stadtentwicklungssenator und SPD-Landeschef Peter Strieder als Lobbyisten verpflichtet.

Laut Morgenpost strebt Vattenfall mit dem Senat eine Art Deal an, um sich die Konzession noch vor dem geplanten Volksbegehren zu sichern. Bislang habe aber keiner der Versuche Erfolg gehabt, weshalb man nun einen Mann mit besten Verbindungen einschaltet – eben den nach einem Skandal zurückgetretenen Peter Strieder (SPD), der heute sein Geld beim PR-Riesen Ketchum Pleon verdient. Schade, dass man den Herrn nicht auf Vattenfall-Plakaten zu sehen bekommt.

Vielen Dank an Claudia L. aus Berlin für den Hinweis!

P.S.: Just gestern hat das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie eine Kurzstudie veröffentlicht, die die Tricks Strategien der Stromkonzerne im Kampf um die Netze beleuchtet – eine sehr lesenswerte Lektüre!