Katastrophenschutz: Unwetter ohne Ursachen?

Aufklärung kann vor unschönen Überraschungen schützen – das gilt für moderne technische Gerätschaften ebenso wie für körperliche Liebe oder Naturkatastrophen. Deshalb hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine Aufklärungsschrift herausgebracht. Titel:


Detailliert wird darin erklärt, wie es zu Starkregen kommt, wie sich Gewitter bilden, wie Hagelkörner oder Wirbelstürme entstehen. Und genauso detailliert ist ausgeführt, was zu tun und besser zu lassen sei: „Halten Sie zu Überlandleitungen einen Mindestabstand von 50 Metern“, steht da beispielsweise für den Fall eines Gewitters. Oder, bei Wirbelstürmen: „Meiden Sie Räume mit großen Deckenspannweite, wie z.B. Hallen.“ Und was sollte man nach einem Unwetter tun? „Ist das Gebäude beschädigt, so verlassen Sie es sicherheitshalber und betreten es erst wieder, wenn es von Fachleuten freigegeben wurde.“

Das achtseitige Faltblatt gibt auch

Doch keine einzige Silbe verliert die Aufklärungsschrift über den Zusammenhang zwischen Unwettern und Erderwärmung. Dabei ist der physikalisch schnell erklärt: Je wärmer die Luft, desto höher der maximal mögliche Dampfdruck. Deshalb kann wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen. Oder, in den Worten von Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Je wärmer die Luft, desto größer der Schwamm.“ Wasser ist wiederum ein Speichermedium für Energie. Das bedeutet: Je stärker sich die Luft erwärmt, um so energiegeladener – vulgo heftiger – die Unwetter. Klimaschutz könnte demnach auch die Zahl und Heftigkeit von Unwettern verringern.

„In der Wissenschaft gibt es darüber geteilte Meinung“, sagt Elena Weber, die Sprecherin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Echt? Der Weltklimarat IPCC warnte schon in seinem letzten Sachstandsbericht 2007, „dass sich die Art, Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen ändert, wenn sich das Klima der Erde verändert und diese Veränderungen könnten sogar bei relativ geringen durchschnittlichen Klimaänderungen auftreten“. Insbesondere Starkregen hätten bereits merklich zugenommen. Im vergangenen November veröffentlichte der IPCC einen Sonderbericht über Extremwetterereignisse (zu Starkregen siehe darin S. 11).

Die Broschüre ist in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) erstellt, der seit Jahren für Deutschland eine statistisch signifikante Zunahme der Durchschnittstemperatur wie auch extremer Wetterereignisse registriert. Entsprechend unglücklich ist der DWD über das Gemeinschaftsprodukt. Sprecher Gerhard Lux: „Klimaschutz in der Öffentlichkeit zu verankern, das ist eine wichtige Aufklärungsarbeit, die bei jeder Gelegenheit erfolgen sollte.“

Genau.