Hafengeburtstag: Schweiz greift Hamburg an!

Hamburg feiert an diesem Wochenende den 820. Hafengeburtstag – wie immer mit viel Brimborium, und Partnerland ist diesmal die Schweiz. Womöglich in Ermangelung schöner Segelschiffe, mit denen das Binnenland die Einlaufparade hätte bereichern können, schickten die Eidgenossen die Düsenjägerstaffel Patrouille Suisse in den hohen Norden. Am Nachmittag mussten die Besucher des Volksfests sowie Tausende Anwohner ungefragt eine gespenstische Flugschau über sich ergehen lassen: Sechs Kampfjets des Typs Northrop F-5 Tiger II (im Foto vor dem Matterhorn) kreisten eine Viertelstunde lang mit ohrenbetäubendem Lärm über Elbe und Innenstadt. Wer dachte, seit der Flugkatastrophe von Ramstein sei so etwas in Deutschland undenkbar, wurde eines Besseren belehrt.

Wie absurd. Die schwarz-grün regierte Hansestadt, die „grüne Hauptstadt Europas“ werden möchte, lässt ein anachronistisches, gefährliches Militär-Spektakel über ihrem Gebiet zu. „Schrecklich, da werden natürlich Erinnerungen wach“, sagte eine ältere Dame, die an einer Bushaltestelle wartete. „Ich zittere richtig“. Bis Sonntag sollen die Düsenjäger insgesamt sechsmal starten.

Eine grobe Überschlagsrechnung ergibt, dass die sechs Flugzeuge (Tank-Fassungsvermögen: 2563 Liter) bei ihren Hamburger Flugdarbietungen inklusive Hin- und Rückflug nach Bern rund 20.000 Liter Treibstoff verbrauchen und damit rund 46 Tonnen Kohlendioxid freisetzen. Wie schön, dass die Schweiz beim Hafengeburtstag unter dem Motto „Von Hei-di bis Hi-Tech“ auch ein Solar-Boot zeigt – und eine deutsch-schweizer Expertenrunde über das Thema „moderne Umwelt- und nachhaltige Verkehrspolitik“ diskutiert.