MVV Mannheim: Wärme kommt aus der Wand

Fernwärme ist eine feine Sache. Vor allem in Städten mit dichter Bebauung lässt sich viel Kohlendioxid einsparen, wenn Heizenergie gemeinsam mit Elektrizität erzeugt wird. Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird das Prinzip genannt, bei dem die im Brennstoff enthaltene Primärenergie besonders gut ausgenutzt wird.

Kein Wunder also, dass der Mannheimer Energieversorger MVV derzeit groß Werbung macht. In seinem Kundenmagazin und mit Flugblättern, aber auch in Zeitungsannoncen wie dieser im Stadtteil-Blättchen Neckarau-Almenhof-Nachrichten stellt sich das größte börsennotierte Stadtwerk Deutschlands als Lieferant ökologischer Heizenergie dar. Auf der Firmenhomepage wird neben geringen Kosten, Wartungsfreundlichkeit und Komfort als Vorteil genannt:

Falsch ist das nicht. Doch es fällt auf, dass nirgends in dem wirklich umfangreichen Infoangebot der MVV mit einem Wörtchen erwähnt wird, woher die angepriesene Wärme eigentlich kommt. Genau dies ist natürlich entscheidend für die Klimabilanz von Fernwärme. Denn Heizenergie aus einem Kohlekraftwerk, in dem außer Wärme auch Strom erzeugt wird, verursacht natürlich weniger Kohlendioxid, als wenn die dreckige Kohle ausschließlich zum Heizen verbrannt würde. Doch deutlich klimaschonender ist es, statt Kohle Erdgas zu verbrennen. Betreibt man KWK-Anlagen mit Biogas, wird sogar fast CO2-neutrale Energie erzeugt. Durch geschicktes Formulieren erweckt die MVV in ihrem Infomaterial den Eindruck, ihre Fernwärme sei eine Erneuerbare Energie.

Anruf beim Pressesprecher der MVV Energie AG. Er weist den Vorwurf zurück, man verheimliche irgendetwas. In Mannheim kenne schließlich jeder das kohlebefeuerte Großkraftwerk GKM – deshalb müsse man niemandem erklären, woher die Fernwärme kommt. In diesem Kraftwerk will die MVV einen neuen Block 9 bauen, wogegen es massive Proteste gibt. Wortreich verteidigt der Sprecher die Charakterisierung der Fernwärme als klimaschonend, der CO2-Ausstoß „eigentlich null“. Denn, so erklärt er, man lege die Gesamtemissionen an Kohlendioxid (im neuen Block 9 schätzungsweise vier Millionen Tonnen pro Jahr) vollständig auf die erzeugte Elektrizität um und weise entsprechende Zahlen in der gesetzlichen Stromkennzeichnung aus. Klar, da bleibt dann – rechnerisch – eine Emission von null für die Wärme. Das sei, betont der MVV-Sprecher, im Einklang mit „gesetzlichen und politischen Definitionen“.

In Berlin hat der Energiekonzern Vattenfall nach heftigem Gegenwind kürzlich Pläne für ein neues Kohlekraftwerk ad acta gelegt und angekündigt, Strom und Fernwärme stattdessen aus Erdgas und Biomasse zu gewinnen. Im Prinzip, räumt der Sprecher ein, ginge das auch in Mannheim. Selbstverständlich könnte man beispielsweise Geothermie-Anlagen errichten und auf dezentrale Wärme- und Stromversorgung setzen. Das wäre aber teurer als ein Kohlekraftwerk, behauptet er. Vor allem wäre es wohl weniger profitabel für die MVV.

Danke an Daniel B. aus Mannheim für den Hinweis