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Ver.di: Zur Kohle unterschiedliche Positionen

Donnerstag, den 29. Dezember 2016

Hallohallo? Sehen Sie etwas?

Können Sie uns empfangen? Nein!?!

Nun: Dafür gibt es einen Grund:

verdi

Diese Aufnahme ist liegen geblieben, auf unserem Schreibtisch. Genauso wie die folgende:

verdi1

Es geht um eine Kampagne, die bei unseren Lesern ganz schön für Verärgerung gesorgt hat:

verdi2

Die Aufnahmen entstammen alle dem Rheinischen Braunkohlerevier, wo die Gewerkschaft ver.di Front gegen den Kohleausstieg macht.

Moment! Ver.di? Haben die nicht in diesem Jahr gerade einen Ausstiegsplan aus der Kohle vorgelegt? Doch, doch, im September war das, es begann mit einem Gutachten zum sozialverträglichen Kohleausstieg.

Damals erklärte ver.di-Chef Frank Bsirske in Düsseldorf: „Der Ausstieg ist sozialverträglich machbar, er ist finanzierbar und unser Vorschlag belastet die Gesellschaft nicht. Jetzt ist die Politik gefordert, zu handeln.“

Die Politik ist jetzt also dran. Während die Verdianer um die Ecke in Grevenbroich, Neurath oder Jülich weiterhin solche Plakate aufhängen?

Also Anruf bei der Pressestelle von ver.di? Was bedeutet die ver.di-Kampagne für die Gewerkschaftsposition? Anders gefragt: Wer ist ver.di – sind das die mit dem Kohleausstieg in der Zukunft oder die mit der Braunkohle für unsere Zukunft?

Die Antwort erreichte uns schriftlich:

Liebe Gewerkschafter von ver.di: Zur Erderwärmung und zum Anteil der deutschen Braunkohle daran gibt es keine unterschiedlichen Positionen! Allein das Rheinische Braunkohlerevier ist für über zwei Prozent der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen in Europa verantwortlich – 85 Millionen Tonnen, so viel wie Angola und Afghanistan zusammen. Die rheinischen Braunkohlekraftwerke verursachen deutlich mehr Treibhausgase als das gesamte Horn von Afrika, also die Länder Eritrea, Somalia, Äthiopien und Dschibuti mit 121 Millionen Einwohnern.

Insofern wünschen wir euch die Kraft, 2017 den Disput zu beenden – und weltdemokratisch und -sozialverträglich zu handeln.

Übrigens: Ver.di ist nicht die schlimmste Plakat-Gewerkschaft im Rheinrevier. Das folgende Plakat stammt von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie:

Vielen Dank stellvertretend an Rolf Z. aus Aachen, an Bodo P. Schmitz aus Meerbusch und an Andi H. für ihre Einsendungen!

Der verehrten Leserschaft wünschen die Redaktion und die Autoren des Klima-Lügendetektors auch 2017 stets ein wachsames Gespür für die Wahrheit! Falls Ihnen etwas komisch vorkommt: Fragen Sie uns HIER nach. 


Bsirske: Sich dämlich rechnen

Montag, den 13. April 2015

Deutschland droht nun doch noch eine schwere Wirtschaftskrise, und zwar eine hausgemachte. Der oberste Gewerkschafter des Landes wird dieser Tage nicht müde, vor dem drohenden Untergang zu warnen. Die Rheinische Post titelt beispielsweise:

Bsirske

Es geht um den Klimaschutz: Die Bundesregierung hatte beschlossen, bis zum Jahr 2020 den Treibhausgas-Ausstoß um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Weil bis heute aber erst knapp 27 Prozent geschafft sind und keine fünf Jahre Zeit mehr bleiben, hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) im Dezember einen „Klimaschutz-Aktionsplan“ auf den Weg gebracht. Stromkonzerne sollen nach diesem Plan bis 2020 mindestens 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich einsparen

Um dies umzusetzen, hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (auch SPD) ein „Eckpunkte-Papier Strommarkt“ vorgestellt. Darin ist ein „nationaler Klimabeitrag“ vorgesehen, quasi ein Kohlekraft-Deckel, der die uneffektivsten Altkraftwerke unwirtschaftlich machen würde. Das veranlasste auch so seriöse Zeitungen wie die Süddeutsche zu den 100.000-Jobs-Schlagzeilen:

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Aber stimmt das denn? Werden tatsächlich 100.000 Menschen in den vier deutschen Braunkohlegebieten arbeitslos, wenn einige der ältesten und unrentabelsten Kraftwerke abgeschaltet werden?

Natürlich nicht: Die Zahl ist glatt gelogen! Der Bundesverband Braunkohle, eine Lobby-Organisation, die immer wieder im Fokus des Klima-Lügendetektors stand, hat soeben eine Statistik über die Beschäftigten veröffentlicht:

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21.089 Beschäftigte gab es also Ende Februar in der Braunkohle, der Verband rechnet die Zahlen eher hoch als runter. Man beachte die Fußnoten: Lediglich 5.430 dieser Beschäftigten sind in den Kraftwerken beschäftigt. Eine Faustregel der Braunkohlewirtschaft besagt, dass solch ein „Industrie-Arbeitsplatz“ bis zu 1,3 Dienstleistungsarbeitsplätze in der Kantine oder bei Zulieferern nach sich zieht. Selbst wenn man sofort komplett aus der Braunkohle aussteigen würde, wären also allenfalls 50.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Aber das will Gabriel ja gar nicht, nur einige der Altkraftwerke sollen möglicherweise schließen.

Wie kommt der Gewerkschafter Bsirske also auf 100.000 Arbeitsplätze? Zur Beantwortung hilft vielleicht ein Blick in die Geschäftsunterlagen des RWE-Konzerns. Dort ist unter dem Punkt „Höhe der Vergütung des Aufsichtsrats“ Folgendes zu lesen:

brs

Während es dem RWE-Konzern schlecht geht und schon ganz ohne Klimabeitrag oder Kohleausstieg tausende Kohlekumpel entlassen werden, hat RWE-Aufsichtsrat Frank Bsirske gerade eine Gehaltserhöhung um 23.000 Euro auf 200.000 Euro erhalten. Nicht, dass der Verdi-Boss das dringend nötig hätte, der Gewerkschafter verdient für seinen Vorsitzenden-Job zurzeit schon 175.500 Euro im Jahr. Aber ungerechtfertigt ist die Steigerung von Bsirskes Aufsichtsratssalär nun auch wieder nicht! „Gute Arbeit muss sich lohnen“, lautet eine alte Verdi-Forderung. Und 100.000 Arbeitsplätze – für RWE ist solch ein Krawallschlagen natürlich „gute Arbeit“!

PS: Zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass Frank Bsirske einen Großteil seiner Aufsichtsratsgelder an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung abführt. Bsirske behält lediglich 50.900 Euro zusätzlich zu seinem Verdi-Gehalt selbst.