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ING-Diba: FAIRantwortungsvoller Kohle-Finanzier

Montag, den 26. November 2012

Die ING-Diba gilt als größte Direktbank Europas. Die rund sieben Millionen deutschen Kunden haben mehr als 85 Milliarden Euro bei der Tochter des niederländischen Finanzkonzerns ING angelegt. Mit großem Aufwand pflegt das Unternehmen sein Image: Beispielsweise lässt die ING-Diba den Basketball-Star Dirk Nowitzki für sich werben. Im Rahmen der Aktion „DibaDu und Dein Verein“ hat sie im vergangenen Jahr tausend Vereine mit je 1.000 Euro beschenkt. Weil die Aktion mit einem öffentlichen Voting verbunden war, bei dem alle deutschen Vereine alle ihre Mitglieder und Freunde zur Stimmabgabe aufrufen konnten, dürfte der Werbeeffekt der verschenkten einen Million immens gewesen sein – währenddessen die Summe nicht einmal einem Sechshundertstel des Diba-Jahresgewinns 2011 entsprach.

Wer von der Bank Post bekommt, kann auf der Rückseite des Kuverts diesen Hinweis finden:

Großartig, oder? Das engagierte Geldhaus hat es nicht nur geschafft, dass die Adressfeldfolie ihrer Fensterbriefumschläge aus Bioplastik gefertigt ist (offenbar aus PLA-Folie). Nein, um ihr überragendes FAIRantwortungsgefühl für den Erhalt der Umwelt zu beweisen, hat die ING-Diba in sicherlich langwieriger und schwieriger Suche auch Papier aus nachwachsenden Rohstoffen auftreiben können! Nach unbestätigten Angaben soll es sich dabei um Papier auf Holzbasis handeln. (Briefumschläge aus Recyclingpapier hätten den hohen Ansprüchen der Bank vermutlich nicht genügt, weil für Recycling ja Fabriken gebraucht werden – natürlich nachwachsende Rohstoffe wie Frischholz sind da selbstverständlich besser.)

So begeistert waren wir von dieser Bank, dass wir sofort auf die Website der ING-Diba gegangen sind, um mehr über ihr Umweltengagement zu erfahren. Doch außer zwei lieblichen Fotos und drei dürren Sätzen („… engagiert sich für einen verantwortlichen, nachhaltigen und schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen“) war da leider nichts zu finden.

Und mit dem „FAIRantwortungsreport“, der dort zum Herunterladen angeboten wird, stimmte auch irgendetwas nicht. Als wir nämlich die PDF-Datei öffneten, war der gesamte Text ein Kauderwelsch aus unlesbaren Sonderzeichen:

Deshalb mussten wir bei der Kampagne „Bankwechsel jetzt!“ nachschauen, in der sich mehr als ein Dutzend Organisationen zusammengetan haben, unter anderem aus dem Umwelt- und Menschenrechtsbereich. Dort gibt es reichlich Informationen zur Umwelt-, Klima- und Sozialbilanz der Mutterbank ING: Beispielsweise mache sie gute Geschäfte mit Atomkonzerne wie EdF und Eon, ebenso mit dem Rüstungsunternehmen EADS oder dem „gegenüber Bürgerkriegen völlig gleichgültigen Erdölriesen PetroChina“. Und weiter: „Seit das Kyotoprotokoll in Kraft getreten ist, hat die ING Bank den Kohlesektor mit mehr als 3,3 Milliarden Euro unterstützt. Mehr als ein Drittel der Finanzdienstleistungen ging an Betreiber- und Bergbaufirmen in Osteuropa und Russland (1,383 Milliarden Euro). Rund 68 Millionen Euro erhielt als Projektfinanzierung der polnische Energieversorger Polska Grupa Energetyczna (PGE) direkt für den Bau des neuen Braunkohlekraftwerks BOT Elektrownia Bełchatów.“ Wahnsinn, wie sich die ING für einen nachhaltigen und schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen engagiert!

Noch mehr Infos dazu bietet die Website banksecrets.org (gestartet unter anderem von der Nichtregierungsorganisation Urgewald). Auf einer virtuellen Weltkarte lassen sich da echt FAIRantwortungsvolle Projekte und Firmen anklicken, die von der ING (mit-)finanziert wurden: Beispielsweise eine umweltzerstörende Gold- und Kupfer-Mine in Indonesien, die klimaschädliche Teersandförderung in Kanada oder Streubomben aus den USA.

Na, wenigstens sind die Briefkuverts voll öko.

Danke für den Hinweis an Julian L. aus Göttingen

P.S.: Unser Leser Felix W. weist uns darauf hin, dass bei ihm die PDF-Datei mit dem „FAIRantwortungsreport“ problemlos funktioniere. Anscheinend verwendet das Dokument eine Schriftart, über die unsere Standard-Software nicht verfügte. Dank seiner Hilfe haben wir nun den Bericht gelesen, und auf einer von 38 Seiten geht es dort tatsächlich um ökologisches Handeln. „Umweltschutz beginnt am Arbeitsplatz“, lautet da die Überschrift, und dann geht es um Geschäftsreisen mit der Bahn, die Einsparung von Kopierpapier und Energieeffizienz im Bankgebäude in Frankfurt/Main. Dann ist man ganz neugierig, wo Umweltschutz bei der ING-Diba denn weitergeht – und auf der folgenden Seite gibt es: ein Foto zum Thema Papiersparen und die Ankündigung, man werde „weitere Umweltmaßnahmen“ erarbeiten. Hm, da finden wir die Website banksecrets.org doch erheblich informativer…


KfW: Saubere Werbung, dreckige Kohlegeschäfte

Donnerstag, den 5. Januar 2012

Die staatliche KfW Bankengruppe hieß früher einmal „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ und förderte den Neustart der (west-)deutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute fördert sie reihenweise Dinge: Bildung und Entwicklungshilfe, Existenz-Gründungen und Exporte, kommunale Turnhallen und privates Wohneigentum. Einer der größten Geschäftszweige ist seit Jahren der Klimaschutz: Mit verbilligten KfW-Krediten können etwa Hauseigentümer ihre Fassaden dämmen oder energiesparende Fenster einbauen. Mehr als die Hälfte aller 2009 in Deutschland errichteten Windkraft-Anlagen, vermeldet das Institut stolz auf seiner Website,  sei von der KfW gefördert worden. Mit dem idyllischen Bild eines sonnen- beschienenen Offshore-Windparks wirbt die Bank denn auch in Zeitungsannoncen. „Energiewende. Wir fördern das“, lautet der Slogan dazu.

Ja klar, die KfW macht prima Sachen. Aber unter all dem Schönen, Guten finden sich auch eine ganze Reihe dreckiger Geschäfte. Laut einer Studie der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Urgewald hat die KfW in den vergangenen Jahren mehr als 500 Millionen Euro in Kohlekraftwerke investiert. In der Antwort der Bundesregierung auf eine Bundestagsanfrage der Bündnisgrünen finden sich einige Details dazu. So finanziert die KfW Entwicklungsbank derzeit das Kohlekraftwerk Krishnapatnam in Indien – mit einer Kapazität von 4.000 Megawatt ein gigantisches Projekt mit gigantischem CO2-Ausstoß.

Ein weiteres halbes Dutzend Kohlekraftwerke entstand und entsteht mit Unterstützung der KfW-Tochterbank IPEX. Dazu heißt es in der Bundestagsantwort:

Urgewald kritisiert insbesondere die beiden südafrikanischen Projekte. Jedes wird eine Kapazität von 4.800 MW haben – das Sechsfache eines typischen deutschen Kohlekraftwerks. Schätzungsweise 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr würden die Projekte verursachen und außerdem die Energieungerechtigkeit in Südafrika verschärfen: Mit hohen Preisen für die meist armen Privathaushalte würden Niedrigtarife für Großunternehmen quersubventioniert, die teilweise noch aus der Apartheid-Ära stammten.

Für Urgewald ist die KfW eine von weltweit 93 „Klimakiller-Banken“ (was die Bank natürlich zurückgewiesen hat). In der KfW-Werbung aber kommt das Thema ebensowenig vor wie im Nachhaltigkeitsbericht, das Wort Kohlekraft findet sich da kein einziges Mal. Stattdessen ist auf der Firmenwebsite viel von Nachhaltigkeit und Umweltschutz und gesellschaftlicher Verantwortung die Rede, man schmückt sich mit energiesparenden Bürogebäuden und effizienter Computertechnik. Letztere würden, heißt es da beispielsweise, der Atmosphäre pro Jahr rund 178 Tonnen Kohlendioxid ersparen

Die mit KfW-Hilfe gebauten Kohlekraftwerke dürften diese Menge in weniger als einer Minute ausstoßen.