Archiv des Schlagwortes ‘UN-Klimagipfel’

Atomlobby: Ein vergiftetes Angebot

Montag, den 7. Dezember 2015

Die World Nuclear Association, so etwas wie die Weltlobby für die Atomkraft, fordert von den Klimadiplomaten in Paris ein „ambitioniertes Klimaabkommen“. Agneta Rising ist als Generaldirektorin sozusagen die oberste Lobbyistin der Weltlobby für die Atomkraft. Sie erklärt: 

002Interessant! Um die Ziele eines ehrgeizigen Klimavertrages zu erreichen, müsse die Politik „Investitionen besonders in die Kernenergie“ fördern. Agneta Rising: Wir brauchen 1.000 Gigawatt neuer Kernkraftkapazitäten bis zum Jahr 2050, um den Klimawandel zu bekämpfen.“

Um eine Vorstellung zu bekommen: 1.000 neue Gigawatt entsprechen mindestens 1.000 neuen Atomkraftwerken. Das sind mehr als doppelt so viele, wie derzeit am Netz sind.  Nach Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA liefern derzeit 438 Reaktoren in 31 Ländern mit einer installierten elektrischen Gesamtnettoleistung von rund 379 Gigawatt Strom. Und weil viele Reaktoren älter als 40 Jahre sind, werden in den kommenden Jahren etliche AKWs abgeschaltet.

Dankenswerteweise hat uns die World Nuclear Association auch eine Website mitgeliefert, die die klimafreundlichen Details zur Forderung „1.000 Gigawatt Atomkraft zusätzlich bis 2050″ liefert:

001Huups. Bei Minute 1:15 hat sich doch glatt eine kleine Lüge eingeschlichen! Dort heißt es: „Atomkraft sorgt nur für 16 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde mit einer kleinen Menge Müll, der mit größter Obacht behandelt wird.“

Nein, liebe Atomlobby! Der Müll wird eben gar nicht behandelt. Es gibt nach nunmehr 60-jähriger Nutzung der Atomkraft weltweit nicht ein einziges Endlager für den Hunderttausende Jahre strahlenden Müll. Es gibt in manchen Staaten noch nicht einmal eine Idee, wie dieses Problem in den Griff zu bekommen ist.

Stattdessen gibt es verseuchte Gebiete, die trotz viel Aufwand und jeder Menge Energie nicht in den Griff zu bekommen sind. Und: Es lohnt sich wirtschaftlich gar nicht, wie der Bau des AKW Olkiluoto in Finnland zeigt. Ursprünglich sollte der 1.600-Megawatt-Koloss drei Milliarden Euro teuer werden und 2009 ans Netz gehen. Inzwischen ist 2018 als Startdatum geplant – und mehr als das Doppelte an Kosten.

Die Investitionskosten wird das Kraftwerk niemals einspielen.

Vielen Dank an Verena K. für den Hinweis.


COP 21: Der Gipfel der Grünfärberei

Sonntag, den 29. November 2015

Was stellen Sie sich unter dem Spruch: „Kommen Sie und erleben Sie die Klima-Erfahrung!“ vor? Damit wirbt die Veranstaltung „Solutions“ am Rande der Pariser Klimakonferenz:

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Vielleicht kann man hier einen Tag in der sengenden Hitze und ohne Wasser ein Feeling dafür bekommen, was Dürre bedeutet? Einmal im Wasser auf einer Eisscholle stehen, die immer kleiner wird? Oder in einem Starkregen-Pavillon mal am eigenen Leib spüren, wie lebensgefährlich Sturzfluten sein können?

Weit gefehlt! Im Grand Palais im Zentrum von Paris laden europäische Wirtschaftskonzerne zu ihrem Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel und zur UN-Vertragsstaatenkonferenz COP 21 ein. Im Werbevideo zum Event heißt es schunkelnd: „We can make a change, we can make a change“ – kurze Pause – „We can make a change, we can make …

Richtig toll!!!

Fragt sich nur: Warum macht ihr denn dann keinen „Change“? Mitorganisator GDF Suez beispielsweise – neuerdings heißt der Konzern Engie – hat in Deutschland gerade ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gebracht, dass die nächsten 35 Jahre jährlich 4,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid erzeugt. Davon erfährt man in der Pariser Innenstadt natürlich nichts!

Der Autoriese Renault – ein anderer Mitorganisator und „Changer“ – teilte frühzeitig mit:

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Auf dem Gelände der UN-Klimakonferenz kann „jede/r Delegierte“ elektromobil testfahren! Mit „null Emissionen“!!

Tolltolltoll!!

Dumm nur, dass es bei Renault außerhalb des UN-Konferenzgeländes mit den Emissionen nicht so super aussieht. Wie auch Volkswagen mussten sich die Franzosen gerade nachweisen lassen, dass zwischen offiziell gemessenem und dem realen Schadstoff riesige Unterschiede bestehen. Im Normalbetrieb überschreiten die Stickoxid-Emissionen eines Renault Espace 1.6 dCi den geltenden Grenzwert um das 13- bis 25-Fache.

Ganz auf „Change“ eingestellt ist auch Energiekonzern EDF:

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„98 Prozent des Stroms in Frankreich werden ohne CO2 hergestellt“, heißt es auf der EdF-Partnerseite. Atomkraft ist ja schließlich eine Lösung gegen den Klimawandel!

Geflissentlich verschweigt der Atomkonzern, dass die ältesten Reaktoren aus den Anfängen der 1970er Jahre stammen und in den kommenden Jahren abgeschaltet werden müssen. Neue Reaktoren will unter Marktbedingungen niemand mehr bauen - viel zu teuer, abgesehen vom Risiko, dass doch mal einer hochgeht.

„Der Klimawandel ist nicht nur eine Verantwortung, sondern auch eine Chance, unseren Alltag zu verbessern und lebenswerter zu machen“, heißt es auf den Seiten zur Veranstaltung „Solutions“. Jetzt gebe es Gelegenheit zum Wechsel. Spätestens an dieser Stelle wird der Sinn der „Change“-Veranstaltung klar: EdF, Renault, Suez und Co wollen einfach nur so weitermachen wie bisher.

EdF, Renault und Suez sponsern mit anderen großen Treibhausgasschleudern wie Air France den UN-Gipfel – und hoffen offenbar, dass niemand unter ihren Teppich guckt. 


PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


SAA: Spezielle Flugtarife für das Arktis-Eis

Donnerstag, den 15. Dezember 2011

Die Klimabelastung, die ein Flugzeug pro Passagier verursacht, ist bis zu fünfmal so groß wie die, die ein ICE bewirkt. Und im Vergleich mit den Kundenzahlen der Bahn sind die der Luftfahrtbranche geradezu explodiert: Rund 190 Millionen Menschen hoben 2010 von einem der 23 deutschen Verkehrsflughäfen ab, in diesem Jahr sollen es schon 200 Millionen sein. Mittlerweile trägt der weltweite Flugverkehr etwa neun Prozent zum menschgemachten Treibhauseffekt bei.  Wir haben also ein Problem, das sich in der südafrikanischen Tageszeitung Business Day so darstellt:

Über einem Foto, das offenbar brüchiges Meereis zeigt, steht da: „Wenn Du die Welt siehst, wie wir sie sehen, dann wirst du verstehen, warum die Klimakonferenz so wichtig ist.“ Die Annonce stammt von der südafrikanischen Fluggesellschaft South African Airways und erschien während des diesjährigen UN-Klimagipfels in Durban. Tatsächlich haben dort Wissenschaftler des Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) Alarm geschlagen: Der Klimawandel in der Arktis vollziehe sich deutlich schneller als einst vom Weltklimarat IPCC vorhergesagt. Passiere nichts, werde der Arktische Ozean in den nächsten 20 bis 30 Jahren im Sommer komplett frei von Eis sein.

Es müsste also wirklich etwas passieren, damit der Anblick nicht noch schlimmer wird, der sich Piloten und Passagieren von South African Airways bietet. Die Fluglinie hat da auch was im Angebot:

In reichlich verschwurbelten Worten wird die neunfache Auszeichnung als „Beste Fluglinie Afrikas“ als Verpflichtung gedeutet, irgendwie Gutes zu tun. Weshalb man sich gern zur „Offiziellen Fluglinie der Klimakonferenz COP 17″ habe ernennen lassen und Delegierten spezielle Tarife biete: „Wir wollen dabei helfen, die Welt nach Durban zu bringen, um den Klimawandel zu bekämpfen.“

Nun wird das Fliegen bekanntlich sowieso schon künstlich verbilligt: Fluggesellschaften zahlen keine Kerosinsteuer, sind weitgehend befreit von der Mehrwertsteuer, mit Händen und Füßen wehrt sich die Branche gegen die Einbeziehung in den EU-Emissionshandel. Deshalb wird der SAA ihr „Spezialtarif“ nicht besonders schwergefallen sein. Speziell daran war nämlich nichts, nicht einmal das Feigenblatt der Klimakompensation wurde bemüht. Der „Spezialtarif“ war einfach nur besonders billig.

Weshalb die Delegierten in Durban dann unter anderem debattierten, wie man Fliegen teurer – und damit seltener – machen kann. So würden gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

Erstens soll aus einer Flugverkehrsabgabe jener Klima-Fonds gefüllt werden, der den Entwicklungsländern ab 2020 jährlich hundert Milliarden Dollar zur Verfügung stellen soll, damit die sich zumindest ein wenig an die schon nicht mehr vermeidbare Erderwärmung anpassen können.

Zweitens würde das Durch-die-Weltgejette zumindest etwas teurer und brächte so manchen Passagier zum Nachdenken, ob er wirklich am Samstag nach Mailand in die Oper oder nach London zum Shoppen muss.

Und drittens müssten sich dann die Leute von South African Airways nicht mehr so oft das schwindende Eis von oben angucken.


Klimagipfel Kopenhagen: Versager als Sponsoren

Montag, den 7. Dezember 2009

COP15_LOGO_web_shAls „wichtigste Konferenz seit dem zweiten Weltkrieg“ hat der britische Regierungsberater Sir Nicholas Stern den UN-Klimagipfel in Kopenhagen bezeichnet. Für Mark Grundy ist es „die weltgrößte Gelegenheit fürs Klimamarketing in den nächsten vier Jahren – mindestens“. Grundy ist PR-Berater bei der weltweit agierenden Agentur Edelman, und bereits im Oktober 2008 riet er seinen Kunden, in Kopenhagen präsent zu sein, um im „grünen Image-Krieg“ zu punkten.

Die Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, Volvo und Honda haben – bewusst oder unbewusst – seinen Rat befolgt. Sie können sich nun schmücken, „Sponsor“ der Konferenz zu sein. Ja, richtig: Automarken dürfen bei der UN-Konferenz zur Rettung der Welt als Sponsoren auftreten! Was sie dafür tun müssen? Ganz einfach, sie brauchten dem Gastgeber, dem dänischen Außenministerium, bloß ein paar Limousinen zur Verfügung stellen.

Natürlich fahren Marketingprofis nicht irgendwelche Fahrzeuge  bei einer Klimakonferenz auf. Vielmehr repräsentieren die Autos „eine breite Spanne der Wege, wie die Sponsoren die Klima-Herausforderung angehen“, so die Konferenzwebsite. Die Volvos zum Beispiel werden mit Stroh-Sprit betankt, der aus einer gerade fertig gestellten Fabrik für Bioethanol der zweiten Generation nahe Kopenhagen stammt. Honda spendiert sein Hybridauto „Insight“, und BMW führt seinen „Hydrogen 7“ vor (den der Spiegel einmal einen „grünen Schluckspecht“ nannte – und den neuesten Meldungen zufolge auch der Konzern selbst als Irrweg erkannt hat). Mercedes schließlich hat Brennstoffzellen-Fahrzeuge nach Kopenhagen bringen lassen, die an der jüngst eröffneten ersten Wasserstoff-Tankstelle Dänemarks tanken – und darüber hinaus zehn Mercedes-Benz S 420 CDI Guard, „das erste in Serie produzierte gepanzerte Auto mit Dieselmotor“ (280 Gramm CO2/Kilometer).

Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen bemüht sich die dänische Regierung, den Gipfel so „grün“ wie möglich zu gestalten. Doch, so heißt es, bei der Auswahl von Fahrzeugen, die den Sicherheitsstandards der Staatsgäste entsprächen, seien dem Gastgeber weitgehend die Hände gebunden gewesen.

Wirkliche Klimaschützer sind die vier Autokonzerne jedenfalls nicht. Im wahren Leben, also jenseits ihrer Vorzeigelimousinen, ist die Klimabilanz nämlich lausig. Mercedes-Neuwagen beispielsweise stoßen (im Durchschnitt der 2008 in Deutschland verkauften Neuwagen) satte 188,7 Gramm CO2 pro Kilometer aus, bei Volvo sind es 186,6 Gramm. BMW kommt immerhin auf 160,2 Gramm, Honda liegt bei 154 Gramm. Bei der Erfüllung ihres vor gut zehn Jahren selbstgesetzten Zieles, nämlich bis 2008 den Ausstoß ihrer gesamten Neuwagenflotte auf  140 Gramm CO2 pro Kilometer zu senken, haben sie alle versagt.

Mit der gleichen Logik könnte sich die Weltgesundheitsorganisation WHO von Tabakriesen sponsern lassen – sofern diese auch ein paar Light-Zigaretten im Programm haben.