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Markus Pieper (CDU): Toller Temperaturrückgang

Freitag, den 4. November 2011

Sie sorgen sich um die Klimawandel? Wirklich? Wie blöd sind Sie denn? Lesen Sie doch mal die tolle Nachricht, die der Münsterländische CDU-Europaparlamentarier Markus Pieper auf seiner Facebook-Seite gepostet hat:

Wie, was, Erderwärmung? Gibts vielleicht auf der ganzen Erde, aber nicht bei uns! Ungefähr dies, vermuten wir, wollte Pieper durch seine lapidare Aufreihung der letzten zwölf Temperatur- Jahresmittelwerte für Deutschland sagen.

Markus Pieper scheint ein echter Klima-Experte der CDU zu sein. So vertrat er seine Fraktion im „Nichtständigen Ausschuss Klimawandel“ des Europaparlaments. Nach eigenen Angaben setzte er sich dort unter anderem dafür ein, „unterschiedliche wissenschaftliche Befunde“ zur Erderwärmung zu berücksichtigen. (Gleichlautend meldete er sich im Plenum zu Wort, als es um Empfehlungen für die EU-Klimapolitik ging -  siehe Video, ab 10:42.) Herr Pieper meint also, „große Teile“ der Wissenschaft würden „ausgegrenzt“, vor allem jene, die sich dem Klimawandel „positiv“ nähern. Aha.

Gern hätten wir Markus Pieper gefragt, wen genau er denn da im Auge hat. Und was sein Facebook-Posting wirklich bedeuten soll. Doch auf mehrfache Anfrage teilte sein Büro leider mit: „Wir wollen dazu kein Interview geben.“ So müssen wir mutmaßen, dass der Klimaskeptikerpolitiker Pieper ein Problem mit der Logik hat. Er kann ja einerseits nicht ernsthaft irgendjemanden zu einem Thema anhören wollen, das es andererseits eigentlich gar nicht gibt. Beide Spielarten des Klimaleugnens – „Klimawandel gibts nicht“ und „Klimawandel ist ne gute Sache“ – gehen logisch schlecht zusammen.

Ganz abgesehen davon, dass beide Positionen Quatsch sind:

Erstens gibt es keine „großen Teile“ der Forschung, die sich dem Klimwandel „positiv“ nähern und deshalb „ausgegrenzt“ werden – es ist wissenschaftlicher Konsens, dass der Klimawandel existiert und er menschengemacht ist und die negativen Folgen deutlich überwiegen.

Zweitens ist eine Temperturreihe über zwölf Jahre schlicht zu kurz, um verlässlich etwas über Klimatrends auszusagen. Üblicherweise betrachtet die Klimaforschung Zeiträume von mindestens 30 Jahren. Und wenn man langfristig auf die deutschen Temperatur-Durchschnittswerte schaut (sagen wir mal, auf die Dekadenmittel von 1880 bis 2010), ergibt sich diese Zahlenreihe:

7,3/7,7/7,7/8,0/7,9/8,1/8,3/8,1/7,9/8,2/8,5/8,9/9,2

Temperaturrückgang in Deutschland??

Für Markus Pieper und alle anderen selbsternannten Klimaexperten deshalb hier eine Erläuterung des (ja auch von Pieper zitierten) Deutschen Wetterdienstes: