Archiv des Schlagwortes ‘Bernd Ostmann’

auto, motor und sport: Werbung für die Werbung

Dienstag, den 13. Januar 2009

Motorjournalisten, so das böse Vorurteil, sind bloß der verlängerte Arm der Marketingabteilungen der Autohersteller. Auf Kosten der Konzerne jetten sie durch die Welt, um bei der Premiere neuer Modelle Schampus zu trinken. Die aktuelle Ausgabe des Vorzeigeblatts der Dienstwagenfahrer, auto, motor und sport, bestätigt dies Vorurteil auf erschreckende Weise: Die Autohersteller hätten längst verstanden, schreibt Chefredakteur Bernd Ostmann da in seinem Editorial, dass Umweltfreundlichkeit ein Wettbewerbsargument sei. Sein Beleg dafür: schlicht zwei Anzeigen von BMW und Audi. Und deren Inhalt wird in der redaktionellen Bildzeile kritiklos übernommen:

Das Peinliche an der linken Werbung ist: Alle Neuwagen sind momentan von der Kfz-Steuer befreit – und damit natürlich auch alle Audis. Und BMWs Selbstlob in der rechts abgebildeten Annonce, es gebe bereits ein paar Autos mit einem geringerem CO2-Ausstoß als 140 Gramm pro Kilometer, ist bei genauem Blick ebenfalls ziemlich daneben: Nach einer zehn Jahre alten Selbstverpflichtung der Autoindustrie hatte schon 2008 der Durchschnitt ALLER Neuwagen bei diesem Wert liegen sollen. Tut er aber nicht.

Auch direkt in seinem Text macht der Chefredakteur plumpe Öffentlichkeitsarbeit für die Konzerne:

Leider erklärt Ostmann in seinem ganzen Editorial nicht, warum der Flottenverbrauch (nicht nur von BMW) heute trotz dieser Wundertechniken noch weiter über der einstigen Selbstverpflichtung liegt. Dabei beweisen Autojournalisten seit Jahren, dass sie durchaus kritisch sein können: Die Fortschritte bei der passiven und aktiven Fahrsicherheit sowie die immer komfortableren, schnelleren und dickeren Autos gehen wesentlich auf ihr Drängen zurück. Wären die deutschen Autoschreiber bei Umweltschutz und Verbrauch genau so hartnäckig wie bei Leistung, Komfort und Sicherheit, würden Autos heute mit Sicherheit viel weniger verbrauchen und viel weniger Kohlendioxid emittieren.