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Hapag-Lloyd: Die Wahrheit vernebeln

Freitag, den 27. Februar 2015

Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stammt die folgende Anzeige:

hpaMehr als Eis? Ist doch bekannt: Ruß und Schweiß!

Der Verkehr auf den Weltmeeren ist heute für zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Das Bundesumweltministerium schreibt in seiner leider im Dezember eingestellten Zeitschrift Umwelt: „Ohne politische Gegenmaßnahmen könnten die Kohlendioxid-Emissionen des Seeverkehrs bis 2050 sogar um 250 Prozent steigen“.

Aber das ist nur ein Teil des Problems. Kreuzfahrtschiffe von Hapag-Lloyd und Co verbrennen Schweröle – ohne jeglichen Rußfilter. Nach Angaben des Naturschutzbundes stoßen die 15 größten Seeschiffe der Welt pro Jahr mehr Schwefeloxide aus als 760 Millionen Autos. Jedes Jahr würden 50.000 Menschen an Schiffsabgasen sterben. Das sind jährlich 50.000 Menschen – 33-mal mehr, als es Tote beim Unfall der Titanic vor 100 Jahren gab.

Nach einer Studie des UN-Umweltprogramms UNEP tragen Rußpartikel aus Schiffs- und anderen Dieselmotoren neben den direkten Emissionen auch noch auf andere Art ganz wesentlich zur Klimaerwärmung bei: Die schwarzen Rußpartikel werden bis an die Pole geweht und lagern sich dort auf dem Eis ab. Die dunkleren Eisflächen schmelzen durch die Sonneneinstrahlung dann deutlich schneller – Ruß und Schweiß.

Der Anstieg der globalen Temperaturen könnte bis 2050 um ein halbes Grad reduziert werden, wenn kurzlebige klimarelevante Emissionen von Dieselruß effektiv bekämpft würden, so die UNEP-Studie. Um zur Anzeige zurückzukommen: Auf www.mehr-als-eis.de heißt es:

hapag
Und tatsächlich stockt uns da der Atem: Von Emissionen keine Spur! Nix da mit Hinweisen auf den Dieselruß, Klimawandel und die schmelzenden Polkappen. Die Reederei Hapag-Lloyd spricht von einem „grandiosen Schauspiel der riesigen Tafeleisberge“ und lädt die Leserschaft der FAZ auf die „kleinen Expeditionsschiffe Hanseatic und Bremen“ ein. So, als ob es gar kein Problem gebe, wird die Wahrheit vernebelt.

Das es auch anders geht, zeigt der Konkurrent Aida. Der hat nämlich heute einen Vertrag mit Atmosfair unterschrieben, mit dem die entstandene „Klimaschuld“ der eigenen Kreuzfahrtschiffe künftig kompensiert werden soll. Die Ausgleichs-Agentur Atmosfair sagt zwar selbst, dass Kompensation das Klimaproblem nicht lösen kann, „weil sie nichts an den eigentlichen Kohlendioxid-Quellen ändert“. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man sich eines Problems bewusst wird oder es einfach ignoriert. Bei Atmosfair heißt es zur Kompensation: „Sie ist aber so lange als zweitbeste Lösung notwendig, solange die beste Lösung noch nicht existiert.“

Nun ist es nicht so, dass Hapag-Lloyd überhaupt noch nichts vom Klimaschutz gehört hat. Auf den Seiten der Reederei findet sich – wenn auch ziemlich versteckt – ein „Klimarechner“, mit dem die Kreuzfahrtkunden ihre Klimaschuld berechnen können. Auch auf www.mehr-als-eis.de wird auf diesen „Klimarechner“ – im Versteck versteckt – verwiesen. Im Unterpunkt „Nachhaltigkeit“ heißt es:

hap
Der Unterschied Nummer zu Aida ist aber, dass Hapag-Lloyd nur „freiwillig“ kompensieren läßt. Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair, gegenüber dem Klima-Lügendetektor: „Aida kompensiert nicht nur, Aida hat sich auch ein glaubhaftes Filterprogramm gegeben, mit dem der Dieselruß verringert werden soll.“ Außerdem habe sich der Aida-Konzern ein Klimaschutzprogramm gegeben, das beispielsweise den Einstieg in die Treibhausgas-freie Energieerzeugung an Bord der Kreuzfahrtschiffe vorsieht.

Das Urteil des Klima-Lügendetektors: MEHR ALS EIS geht jedenfalls mehr, als bei Hapag-Lloyd!


PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im ersten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER