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Hapag-Lloyd: Die Wahrheit vernebeln

Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung [1] stammt die folgende Anzeige:

hpa [2]Mehr als Eis? Ist doch bekannt: Ruß und Schweiß!

Der Verkehr auf den Weltmeeren ist heute für zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Das Bundesumweltministerium schreibt in seiner leider im Dezember eingestellten Zeitschrift Umwelt [3]: „Ohne politische Gegenmaßnahmen könnten die Kohlendioxid-Emissionen des Seeverkehrs bis 2050 sogar um 250 Prozent steigen“.

Aber das ist nur ein Teil des Problems. Kreuzfahrtschiffe von Hapag-Lloyd und Co verbrennen Schweröle [4] – ohne jeglichen Rußfilter. Nach Angaben des Naturschutzbundes [5] stoßen die 15 größten Seeschiffe der Welt pro Jahr mehr Schwefeloxide aus als 760 Millionen Autos. Jedes Jahr würden 50.000 Menschen an Schiffsabgasen sterben. Das sind jährlich 50.000 Menschen – 33-mal mehr, als es Tote beim Unfall der Titanic vor 100 Jahren gab.

Nach einer Studie des UN-Umweltprogramms UNEP [6] tragen Rußpartikel aus Schiffs- und anderen Dieselmotoren neben den direkten Emissionen auch noch auf andere Art ganz wesentlich zur Klimaerwärmung bei: Die schwarzen Rußpartikel werden bis an die Pole geweht und lagern sich dort auf dem Eis ab. Die dunkleren Eisflächen schmelzen durch die Sonneneinstrahlung dann deutlich schneller – Ruß und Schweiß.

Der Anstieg der globalen Temperaturen könnte bis 2050 um ein halbes Grad reduziert werden, wenn kurzlebige klimarelevante Emissionen von Dieselruß effektiv bekämpft würden, so die UNEP-Studie. Um zur Anzeige zurückzukommen: Auf www.mehr-als-eis.de [7] heißt es:

hapag [8]
Und tatsächlich stockt uns da der Atem: Von Emissionen keine Spur! Nix da mit Hinweisen auf den Dieselruß, Klimawandel und die schmelzenden Polkappen. Die Reederei Hapag-Lloyd spricht von einem „grandiosen Schauspiel der riesigen Tafeleisberge“ und lädt die Leserschaft der FAZ auf die „kleinen Expeditionsschiffe Hanseatic [9] und Bremen [10]“ ein. So, als ob es gar kein Problem gebe, wird die Wahrheit vernebelt.

Das es auch anders geht, zeigt der Konkurrent Aida [11]. Der hat nämlich heute einen Vertrag mit Atmosfair [12] unterschrieben, mit dem die entstandene „Klimaschuld“ der eigenen Kreuzfahrtschiffe künftig kompensiert werden soll. Die Ausgleichs-Agentur Atmosfair [13] sagt zwar selbst, dass Kompensation das Klimaproblem nicht lösen kann [14], „weil sie nichts an den eigentlichen Kohlendioxid-Quellen ändert“. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man sich eines Problems bewusst wird oder es einfach ignoriert. Bei Atmosfair heißt es zur Kompensation: „Sie ist aber so lange als zweitbeste Lösung notwendig, solange die beste Lösung noch nicht existiert.“

Nun ist es nicht so, dass Hapag-Lloyd überhaupt noch nichts vom Klimaschutz gehört hat. Auf den Seiten der Reederei findet sich – wenn auch ziemlich versteckt – ein „Klimarechner“, [15] mit dem die Kreuzfahrtkunden ihre Klimaschuld berechnen können. Auch auf www.mehr-als-eis.de wird auf diesen „Klimarechner“ – im Versteck versteckt – verwiesen. Im Unterpunkt „Nachhaltigkeit“ heißt es:

hap [16]
Der Unterschied Nummer zu Aida ist aber, dass Hapag-Lloyd nur „freiwillig“ kompensieren läßt. Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair, gegenüber dem Klima-Lügendetektor: „Aida kompensiert nicht nur, Aida hat sich auch ein glaubhaftes Filterprogramm gegeben, mit dem der Dieselruß verringert werden soll.“ Außerdem habe sich der Aida-Konzern ein Klimaschutzprogramm gegeben, das beispielsweise den Einstieg in die Treibhausgas-freie Energieerzeugung an Bord der Kreuzfahrtschiffe vorsieht.

Das Urteil des Klima-Lügendetektors: MEHR ALS EIS geht jedenfalls mehr, als bei Hapag-Lloyd!


PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert [17]. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im ersten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER [18]