Neues aus dem Fundus (II): Das Murmeltier Formel 1

Zum 10. Rennen der diesjährigen Formel-1-Saison: Beim langweiligsten Sportereignis der Welt steht Mercedes längst als Saisonsieger fest. Als Bleifuß-Sieger wohlgemerkt: Vor fünf Jahren fragte sich der Klima-Lügendetektor, was wohl aus der fünf Jahre alten Ankündigung geworden ist, „klimafreundlicher“ über die Rennstrecken zu brettern. Fünf Jahre nach der Fünfjahresbilanz liest sich die Bilanz erfrischend aufschlussreich. Lesen Sie mal den Text vom Juli 2010:

Eine „bahnbrechende“ Nachricht ist zu vermelden: Die Formel 1 wird grün! Dies ist kein Witz, sondern ein Zitat. Als „ground-breaking“ bezeichnet der Verband der Formel-1-Teams, FOTA, seine Bemühungen zur Minderung des eigenen Kohlendioxid-Ausstoßes. Um 12,4 Prozent will er innerhalb der nächsten drei Jahre die Emissionen senken. formel1_mclarenMartin Whitmarsh, FOTA-Vorsitzender und Chef des Vodafone-McLaren-Mercedes-Teams, erklärte wörtlich: „Ich bin entzückt, dass unser Sport eine weltweite Führerschaft in Sachen Umwelt einnimmt.“

Nun, weltweit führend sind die Formel-1-Wagen wirklich. Bei Spritverbrauch und CO2-Ausstoß nämlich. Die Fahrzeuge schlucken gern mal hundert Liter Sprit auf hundert Kilometer. Und mit CO2-Werten von anderthalb Kilogramm pro gefahrenem Kilometer liegen die Boliden etwa beim Zehnfachen eines deutschen Durchschnitts-Pkw. Da ist tatsächlich jede Menge Raum für Emissionsminderungen – um weit mehr als 12,4 Prozent.

Doch diese Zahl, so zeigt ein genauer Blick, bezieht sich gar nicht auf den Kohlendioxid-Ausstoß der Rennautos. Der Umweltreport, den sich FOTA von der britischen Beratungsfirma Trucost hat schreiben lassen, blickt auch auf indirekte Emissionen, etwa durch Flugreisen der Teams oder die Herstellung der Auto-Komponenten (unberücksichtigt bleiben hingegen viele andere Emissionsquellen, etwa die Anreise der Millionen Zuschauer zu den Rennen). Im Jahr 2009, so jedenfalls das Ergebnis, habe die Formel 1 exakt 215.588 Tonnen Kohlendioxid verursacht. Was etwa den Emissionen einer deutschen Kleinstadt entspricht.

Der größte Umweltschaden der Rennliga ist aber ein ganz anderer: Die Formel 1 vermittelt ein Autoverständnis, das Raserei und PS-Wettrüsten frönt und durch die Dekoration mit halbnackten Frauen erotisch auflädt – zig Millionen Macho-Männer eifern dem dann weltweit Tag für Tag nach. Dass dies nicht mehr recht in die Zeit passt, haben inzwischen selbst die Formel-1-Strategen verstanden. Und weil es ihnen mit dem Öko-Engagement so ernst ist, kündigen sie es ständig aufs Neue an, wie ein kleiner Blick ins Archiv zeigt:

2006

formel1_autobild2006

2007

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2008

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2009

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Ebenfalls 2009 versuchte man, sich mit der sogenannten KERS-Technologie an den Hybrid-Hype zu hängen (mit peinlichem Ausgang). Und nun, 2010, also ein „bahnbrechendes“ Klimaschutzprogramm.

Die einzig sinnvolle Konsequenz aus dem Formel-1-Wahnsinn zog im vergangenen Jahr BMW: Mit Verweis auf eine künftig ökologische Unternehmensausrichtung verkündeten die Münchner ihren Komplett-Ausstieg aus dem Rennzirkus.

Dieser Text erschien vor fünf Jahren. Trotzdem ist er noch aktuell.