Neues dem Fundus (I): Das „Klumpenrisiko Deutschland“

In dieser Woche stellt RWE seine neuen Geschäftszahlen für das Wirtschaftsjahr 2014 vor. Und so viel steht schon fest: Gut werden die Zahlen deshalb nicht ausfallen, weil  RWE als einziger Großkonzern an seinem alten Geschäftsmodell festhält – der Braunkohleverstromung. Wir haben uns gefragt, wieso das Managment so sehr auf dem „Gesternkurs“  besteht. Und sind auf folgende Antwort aus dem Jahr 2011 gestoßen:

Der Atomkonzern RWE ist bekanntlich der, der vorweg geht. Auch rein werbetechnisch:

Insofern liegt es nahe, dass die Essener nun, nach der beschlossenen Energiewende, vorweg gehen, rein kommunikationstechnisch. In der Chemnitzer Freien Presse, vor 20 Jahren noch die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung, mittlerweile leider zu einem Provinzblatt heruntergewirtschaftet, offeriert uns RWE ein verblüffendes Angebot:

Gerne, RWE! Los geht es:

Stimmt es, liebe RWE, dass Sie nicht mehr bereit sind, wie jeder vernünftige deutsche Steuerzahler seiner Steuerpflicht nachzukommen und das Gemeinwohl zu finanzieren? Spielplätze, Bibliotheken, Universitäten, Nahverkehr? Unsere erste Kernfrage: Stimmt es, dass Sie gegen die Brennelementesteuer Klage eingereicht haben?

Zweite Kernfrage, die wir an Sie haben:  Sie wollen von den Steuerzahlern Geld dafür, dass Sie ihre Atomkraftwerke abschalten? Einen Ausgleich dafür, dass „Vermögenswerte“ – also Atomkraftwerke – jetzt bis Ende des Jahrzehnts schrittweise vom Netz gehen sollen?  Und das, obwohl Sie doch selbst im rot-grünen Atomkonsens dafür gestimmt hatten, dass die AKWs bis 2021 abgeschaltet werden?

Drittens: Trifft es weiterhin zu, dass RWE ein „Riesenproblem“ beim Netzausbau hat, wie Ihr Chef Jürgen Großmann dem Stern vor einem halben Jahr* erklärte? Und falls ja: Steht der Verkauf des Netzes, den Sie nun offenbar planen, damit in irgendeinem Zusammenhang?

Viertes: Stimmt es, dass Ihnen die Stromkunden in Deutschland sch…egal sind, solange nur die Rendite stimmt? Das hatte doch gerade Ihr Vorstandschef der Süddeutschen Zeitung so gesagt: Das „Klumpenrisiko Deutschland“ müsse verringert werden, es ziehe Sie ins Ausland.

Fünftens schließlich: Sie halten sich diesmal auch ganz ehrlich und versprochen und endgültig und jetzt wirklich an den Ausstieg aus der Atomenergie, weil die in Deutschland einfach keiner mehr haben will? Sie schießen nicht schon wieder quer, wie beim Dauerfeuer nach dem Atomkonsens des Jahres 2000?

Natürlich haben wir noch jede Menge anderer Fragen an Sie. Aber Sie wollten ja unsere „Kernfragen“.

Und hier nun die Antwort von RWE:

Danke an Ines B. für den Hinweis

* Der Text erschien zuerst am 22. Juni 2011 auf diesen Seiten

PS: Drei Jahre können viel Zeit sein. Wer erinnert sich schließlich schon an sein Geschwätz von vor drei Jahren? Wir haben glücklicherweise ein Archiv, in dem wir ab und zu stöbern: Der Klima-Lügendetektor wird Sie ab sofort auf einige der bemerkenswertesten Fundstellen in diesem hinweisen. Um Ihre und unsere Sinne zu schärfen.