Daimler: Generation Verarsche

Deutschlands nobelster Autobauer hat gerade eine neue Anzeigenkampagne gestartet. Mit dieser Darstellung:

dai

Na? Geht Ihnen eine Energiesparlampe auf?

Nein, das abgebildete Ding ist nicht der neue Stern, der Daimlers Benzen vorne auf den Kühlergrill geschraubt werden wird. Es handelt sich auch nicht um eine besonders innovative Autobeleuchtung.

Daimler macht jetzt in Elektromobilität:

daimler

„Mit Energie aus der Steckdose macht das Autofahren richtig Spaß“, wird da behauptet. „Deshalb gewinnt der Elektroantrieb mehr und mehr Freunde.“

Hätte Daimler wohl gern. Aber die Zahlen sagen etwas anderes. Ganze 2.956 Elektroautos wurden im vergangenen Jahr neu zugelassen, wie aus der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht.

Genau genommen sagt diese Zahl noch nicht mal aus, wie wenig neue Freunde der Elektroantrieb im vergangenen Jahr tatsächlich fand: Die deutschen Renault-Händler waren beispielsweise vom Mutterkonzern angehalten, jeder einen dieser schrägen, zweisitzigen Twizys zu kaufen, für den Barbara Schöneberger ziemlich naiv wirbt. Jetzt stehen die Karren – zugelassen – bleischwer in den Renault-Autohäusern, was zwar die Statistik aufpeppt, aber für alles andere als „richtig Spaß“ bei den Händlern sorgt. Schließlich kosten die unverkäuflichen Dinger 7.000 Euro.

Die Freunde-Zahlen sind also noch geschönt: Insgesamt rollten zu Beginn dieses Jahres ganze 7.500 Elektro-Pkw auf deutschen Straßen. Das entspricht 0,1 Promille der gesamten Pkw-Flotte – trotz immenser Förderung durch die Steuerzahler.

Daimler schwindelt also ein bisschen, wenn da „mehr und mehr Freunde“ reklamiert werden. Ganz und gar gelogen aber ist die Aussage:

daimleggrWer heute elektrisch aus der Steckdose tankt, der tankt nur 38 Prozent emissionsfreien Strom. 22 Prozent liefern Sonne, Wind und Co, 16 Prozent kommen aus den Atomreaktoren.

Die anderen 62 Prozent aber kommen aus den Kohle- und Gaskraftwerken. Bedeutete 2012 nach Erhebung des Umweltbundesamtes 576 Gramm emittiertes Kohlendioxid je Kilowattstunde getanktem Strom.

www.daimler.com steht übrigens am Ende der Anzeige. Wer dort nach Informationen zum emmissionsfreien Elektrospaß und seinen Freunden sucht, findet was zum Produktionsstart der neuen S-Klasse. Oder zum „Goldenen Öltropfen“. Nichts aber zum emissionsfreien Fahren. Auch nicht eine Erklärung, was die krude Abbildung in der Anzeige eigentlich darstellen soll.

Vielen Dank an Laura S. aus Potsdam für den Hinweis!