Deutsche Telekom: Ein kleiner Anfang

telekom_sz1Eine dreiseitige Farbbeilage zur Süddeutschen Zeitung hat sich heute die Deutsche Telekom geleistet – knapp 200.000 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer) kostet so etwas laut offizieller Anzeigenpreisliste. „Ein Einzelner kann viel bewegen“, heißt es da über dem Bild eines kleines Männchens, das verloren auf der  Straße des 17. Juni im Berliner Tiergarten steht.

„Wenn er einer von vielen ist“, steht über dem nächsten Motiv. Diese Seite zeigt Tausende Menschen mit Deutschland-Fahnen – vermutlich haben die Telekom-Werber hier ein Bild von der Fanmeile der Fußball-WM aus dem Jahr 2006 recyelt.

telekom_sz2„Große Veränderungen fangen klein an“, lautet schließlich die magentafarbene Überschrift auf der dritten Seite der Telekom-Beilage. Diese Sprüche klingen nicht zufällig wie Slogans aus der Umweltbewegung. Im folgenden Anzeigentext geht es dann nämlich darum, was „wir alle“ tun müssten, „um unsere Welt besser und unsere Zukunft sicherer zu machen“. Kurz werden dort Energiespar-Häuser und Bio-Lebensmittel erwähnt, etwas länger dann Dinge wie Papiersparen oder die Wiederverwertung alter Telefone und einige andere, mehr oder weniger sinnvolle Sachen.

Ganz am Ende der Annonce heißt es dann:

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Nanu? Sponsert die Telekom jetzt Umweltverbände? Unterstützt sie etwa lokale Bürgerinitiativen, die gegen klimakillende Kohlekraftwerke aktiv sind? Setzt sie nun ihre Lobbyisten in Bewegung, um sich bei der Bundesregierung oder der EU-Kommission für strenge Klimaschutz-Vorgaben einzusetzen?

Nein, nein, natürlich nicht. Die Telekom richtet lediglich – wie der nächste Satz enthüllt – ihre „Produkte und Serviceleistungen … konsequent an den Bedürfnissen unserer Kunden … unserer Umwelt und unserer Gesellschaft“ aus. Näheres erfährt man auf der neuen Website www.millionen-fangen-an.de, die Teil einer „Kommunikationsoffensive für Nachhaltigkeit“ ist. In aufwändigen Grafikanimationen und Fernsehspots wirbt die Telekom dafür, Rechnungen online zu beziehen – klar, das spart erst mal Papier und Transportenergie, aber viele Kunden drucken sie sich zu Hause dann doch aus, und ihr Computer verbraucht ja auch Strom. Der Konzern ruft dazu auf, alte Handys in T-Shops vorbeizubringen, um sie der Wiederverwertung zuzuführen – am ressourcensparendsten aber wäre es sicherlich, Mobiltelefone so lange wie möglich zu benutzen und nicht alle zwei Jahre mit Ablauf des Vertrages ein neues zu kaufen. Jedenfalls haben die meisten Punkte der Telekom-Werbung eher wenig mit Umwelt- oder Klimaschutz zu tun.

Am konkretesten ist noch, was der Konzern auf der Kampagnenwebsite als „Grünes Netz“ anpreist.

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„Seit 2008 decken wir unseren gesamten Strombedarf, den wir zum Betrieb der Netzinfrastruktur benötigen, mit ‚grüner Energie‘, die aus regenerativen Ressourcen wie Wind, Wasser und Biomasse gewonnen wird“, heißt es da neben einem lieblichen Bild von Windrädern. Auf der weiterführenden Internetseite stellt die Telekom dann auch ihre (dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sehr profitablen) Solaranlagen vor. Doch erst nach mehrmaligem Klicken ahnt man, dass der Strom für das „grüne Netz“ nicht aus den beworbenen Sonnen- oder Windkraftwerken stammt. Laut Nachhaltigkeitsbericht 2009 nämlich geschehe der Strombezug

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Diese RECS-Zertifikate aber sind in der Umweltszene umstritten, weil sie allein wenig aussagen über die grüne Güte des Stroms. Häufig nämlich werden die Papiere einfach bei alten Wasserkraftwerken eingekauft, um mit ihnen deutschen Kohle- oder Atomstrom preiswert zu Ökostrom umzuetikettieren. Ein wirklicher und zusätzlicher Nutzen fürs Klima aber entsteht erst durch den Neubau von Ökostromanlagen. Eine Nachfrage beim Chef der Nachhaltigkeitsabteilung der Telekom, Ignacio Campino, ergab denn auch, dass der Telekom-Strom vor allem aus alten Wasserkraftanlagen in Norwegen oder Schweden stammt. Mehr sei leider nicht möglich, so Campino, weil „wir als Unternehmen unter einem gewaltigen Wettbewerbsdruck stehen“. Bei Nachhaltigkeit müsse man den „Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem“ beachten. Im Klartext: Ökostrom, der die Kohlendioxid-Emissionen real senken würde, ist der Deutschen Telekom zu teuer.

„Große Veränderungen fangen klein an“, heißt der Kampagnenslogan. Sehen wir es so: Auch die Telekom fängt beim Klimaschutz erst mal klein an.