Total: Immer noch nicht schlauer

Der französische Ölkonzern Total stellt in halbseitigen Zeitungsannoncen eine Frage: „Könnte es sein, dass der Kampf gegen den Klimawandel und die Deckung des Energiebedarfs nicht voneinander zu trennen sind?“ Und überschreibt dies noch mit dem Slogan „Komplexe Aufgaben“. Hm, echt knifflige Frage. Oder?

Erste spontane Idee: Nö, eigentlich gar nicht. Spätestens 1990 mit dem ersten Bericht des Weltklimarats IPCC ist sie beantwortet. Die Senkung des Treibhausgas- Ausstoßes ist eine Existenzfrage – eigentlich dürfte nur noch höchstens so viel Energie verbraucht werden, wie gerade noch ohne Schäden fürs Klima erzeugt werden kann. Unser Tipp an Total: Vielleicht die Werbeagentur das nächste Mal besser briefen.

Zweite Idee: Total? War das nicht das Unternehmen, das 1999 einen rostigen Tanker namens „Erika“ gechartert hatte, über den italienischen Eigentümer Giuseppe Savaresi, der sich hinter liberianischen und panamaischen Briefkastenunternehmen versteckte? Genau, das war Total. Jener Konzern, der im Januar 2008 zur Höchststrafe verurteilt wurde, weil er – wie das Gericht feststellte – den Untergang der „Erika“ durch schwerwiegende Fehler mitverursacht hatte? Reparaturarbeiten am Öltanker wären damals unter der Vorgabe der Kostenminimierung vorgenommen worden. Das Unternehmen, das den Europäischen Gerichtshof im Juni 2008 zu einem Grundsatzurteil animierte, demzufolge Ölfirmen für die Auswahl ihrer Transportschiffe haftbar gemacht werden können? Als die „Erika“ am 12. Dezember 1999 vor der bretonischen Küste auseinanderbrach, liefen 30.000 Tonnen Öl aus, hunderte Kilometer Küste wurden verseucht, Zehntausende Seevögel verendeten. Genau, das ist Total. Für den Konzern war 1999 ansonsten übrigens ein prima Jahr. Es gab sensationelle Renditen, die Fusion mit Elf gelang und Vorstandschef Thierry Desmarest wurde zum „Manager des Jahres“ gewählt.

Dritte Idee: Gibt es eigentlich auch Preise für besonders dumme Anzeigenkampagnen? Das Kleingedruckte der Annonce ist so banal, dass es sich hier nichtmal zu diskutieren lohnt. Da werden die Worte „Nachhaltigkeit“, „Minimierung der Umweltbelastung“, „Verpflichtung“, „Erneuerbare Energien“ irgendwie zusammengerührt, Hauptsache es klingt gut. Und das Ganze ist ein Recycling einer Werbung aus dem Vorjahr. Einzig die Überschrift wurde verändert – früher stand dort „Gemeinsame Interessen“.

Schon im letzten Jahr hat Total in seiner Kampagne nur Fragen gestellt. Offenbar ist der Konzern den Antworten nicht einen einzigen Schritt nähergekommen.