Atom-Lobby: CO2 und reich dabei

Die für ihre Grünfärberei preisgekrönte Werbekampagne des Deutschen Atomforums läuft wieder:

ftd_akw_kl.jpgIn der Financial Times Deutschland zum Beispiel erschien am Samstag eine viertelseitige Annonce – ein liebliches Foto vom AKW Neckarwestheim, darüber der Slogan „Deutschlands ungeliebte Klimaschützer“ und die Behauptung „CO2-Ausstoß: Null“. Es sei „ein Rückschritt im Kampf gegen den Klimawandel“, so das Kleingedruckte, die „sichersten und zuverlässigsten Kernkraftwerke der Welt“ abzuschalten. Denn Atomstrom gebe es „ohne CO2-Ausstoß

Das ist verkehrt: Zwar haben Akw keine Schlote, aus denen Kohlendioxid quillt. Aber ganzheitlich betrachtet – wenn man beispielsweise die Emissionen beim aufwändigen Kraftwerksbau oder der Uranförderung, bei Brennelemente-Herstellung und Atommüll-Entsorgung einrechnet – verursacht Atomstrom natürlich CO2: laut internationalen Studien zwischen zehn und 120 Gramm pro Kilowattstunde, das Darmstädter Öko-Institut ermittelte 8 bis 65 Gramm.

Mit Verweis auf das Klima versucht die Akw-Lobby den Atomausstieg zu kippen und zumindest längere Restlaufzeiten zu erreichen. Dabei würde ein Weiterbetrieb, argumentiert etwa Umwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD), den Umbau der Energieversorgung verzögern – das heute ohnehin bestehende Überangebot an Strom würde verstärkt, der Anreiz zum Bau neuer, effizienter Anlagen verringert.

Für die Energiekonzerne aber haben Reaktoren, die kurz vor der Abschaltung stehen, einen großen Vorzug: Sie sind längst abgeschrieben, produzieren Strom zu niedrigen Kosten. Jedes dieser Akw spült dem Betreiber eine Million Euro Gewinn in die Kasse – und zwar pro Tag. Eine Viertelseite in der FTD kostet 9.700 Euro (plus MwSt). Grob überschlagen bräuchte solch ein Akw nur drei Tage zu laufen, um ein ganzes Jahr lang den Platz für diese Anzeige zu kaufen.