Brown & Sarkozy: Die Zukunft endet in 50 Jahren

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist auf Staatsbesuch in Großbritannien, und das Hauptthema – neben seiner frischvermählten Frau Carla Bruni natürlich – ist die künftige Zusammenarbeit beider Länder im Bereich der Atomkraft. Sarkozy und Premierminister Gordon Brown vereinbarten die Entwicklung einer „neuen Generation“ von Reaktoren – und begründeten das mit dem Kampf gegen den Klimawandel. Zuletzt vor ein paar Tagen hatte der britische Wirtschaftsminister die Atomkraft als „klimaschonende Technologie“ gepriesen.

Die „Renaissance der Atomkraft“ ist trotz der britischen und französischen Ankündigungen ein modernes Märchen – um die Zahl der laufenden Reaktoren weltweit auch nur stabil zu halten, müssten nach Berechnungen der FU Berlin in den kommenden sieben Jahren 90 neue Meiler ans Netz gehen. Was nahezu unmöglich ist.

Noch verkehrter ist es, Kernkraftwerke als Lösung des Klimaproblems zu präsentieren. Abgesehen davon, dass die Atomkraft – ganzheitlich betrachtet – mitnichten CO2-frei ist, je nach Herkunft der Brennstoffe werden laut einer Studie des Öko-Instituts 30 bis 60 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde Strom freigesetzt. (Nicht nur Wind- und Wasserkraft, sondern auch Erdgas-Blockheizkraftwerke liegen darunter.) Die weltweiten Uranvorräte reichen nur für einige Jahrzehnte – und je mehr Reaktoren laufen, desto schneller gehen die Lagerstätten zur Neige. Fieberhaft wird bereits nach neuen Uran-Vorkommen gesucht. Die Investitionen in neue Energietechnologien sollten daher besser in wirklich dauerhafte Lösungen fließen.

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages prognostizierte vor zwei Jahren, dass die weltweit sicher bekannten Uranvorräte in etwa 25 Jahren ausgeschöpft seien. Seitdem ist der Marktpreis stark gestiegen, und dadurch können weitere Lagerstätten profitabel ausgebeutet werden – aber selbst bei 130 Dollar pro Tonne würden die „hinreichend gesicherten Vorräte“ („reasonably assured resources“) bloß für 47 Jahre Laufzeit genügen. Und auch das nur, wenn die Zahl der Reaktoren weltweit nicht steigt. Die Autoren kommentieren das nüchtern:

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Klingt echt nach einer zukunftsweisenden Technologie, oder?

Wenn man neben den gesicherten auch noch die geschätzten Vorräte hinzurechnet, erhöht sich die mögliche Laufzeit der Reaktoren auf 67 Jahre. Die von Atombefürwortern gern versprochene Reichweite von mehr als hundert Jahren ergibt sich nur, wenn noch weitere, „spekulative“ Lagerstätten in die Rechnung einbezogen werden.

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Das Fazit des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages lautet:

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Wir finden, bei Fragen des Klimawandels kann der „politische Zeithorizont“ kaum lang genug sein.