Archiv des Schlagwortes ‘Prima Klima Weltweit’

Mazda: Billige Klima-Werbung

Mittwoch, den 26. Mai 2010

Nach dem Auslaufen der Abwrackprämie sind bei den meisten Autofirmen die Verkäufe in den Keller gegangen, und Mazda hat es offenbar besonders getroffen. Während der Gesamtmarkt gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent schrumpfte, setzten die Japaner von ihrer Mittelklasselimousine Mazda 6 hierzulande nur etwa halb so viele ab wie im Vorjahr, beim kleinen Mazda 2 (2009 noch ein Renner) brach die Nachfrage gar um 65 Prozent ein. Mit Klima-Werbung versucht die Firma nun dagegenzuhalten. In Radiospots, großen Annoncen etwa in der Süddeutschen Zeitung sowie im Internet preist der Hersteller eine „grüne Mazda VarioFlat“.

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Die Idee: Bei Abschluss eines Leasingvertrags wird für eine pauschale Kilometerzahl der CO2-Ausstoß berechnet – und ein Aktionspartner bekommt Geld dafür, dass er dieselbe Menge Treibhausgas anderswo ausgleicht. In diesem Falle verspricht Mazda, dass der Düsseldorfer Verein Prima Klima Weltweit eine entsprechende Zahl Bäume pflanzt. Für Flüge gibt es solche „Klimakompensationen“ schon lange, und auch fürs Autofahren ist die Idee nicht neu. Seit Jahren bietet zum Beispiel eine Münchner Leasingfirma den Spritfresser Porsche Cayenne „co2 neutral“ an. Kritiker monieren, dass sich Konsumenten hier auf billige Art ein gutes Gewissen verschaffen können – statt ihr klimaschädliches Verhalten zu ändern. Etliche Umweltverbände lehnen insbesondere die Kompensation durch Bäume ab, weil die aufgenommenen CO2-Mengen relativ schwierig zu berechnen sind und oft unklar ist, ob die Wälder lange stehen, die Treibhausgase also wirklich dauerhaft gebunden werden.

Grundsätzlich ist das Pflanzen von Bäumen natürlich löblich. Mazda aber tut es, um den Verkauf seiner Autos anzukurbeln – und die sind ökologisch nicht herausragend. Auf seiner Internet-Seite schmückt sich der Konzern denn auch mit zweifelhaften Dingen, etwa einem Harnstoff-Katalysator ausgerechnet für den klimaschädlichen Stadtgeländewagen CX 7 oder einem Kleinserien-Wasserstoff-Hybrid mit Wankelmotor. Und im Kleingedruckten der „grünen“ Zeitungsannonce heißt es zum Mazda 2:

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Wirklich sparsam ist das nicht, Autos derselben Größe kommen längst auf unter 100 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer. Und der Mazda 6, den das Unternehmen ebenfalls im Rahmen seines „grünen“ Leasings anbietet, stößt je nach Motorenvariante zwischen 138 und 188 g/km aus. Beim Flottenausstoß lag Mazda im vergangenen Jahr mit 151,9 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zwar einen Deut besser als der Durchschnitt aller Neuzulassungen – aber weit hinter Marken wie Toyota (130,7 g/km) oder Fiat (136,8 g/km). Und übrigens auch weit entfernt von der 140-Gramm-Marke, die die europäischen Autohersteller gemäß einer Selbstverpflichtung von 1998 eigentlich schon 2008 erreicht haben wollten.

Eine schnelle Grob-Kalkulation ergibt zudem, dass der „CO2-Ausgleich“ für Mazda eine ziemlich billige Sache ist: 15.000 Kilometer pro Jahr und verleastem Fahrzeug gleicht das Unternehmen aus, das wären monatlich 1250 km. Für den Mazda 2 mit genanntem CO2-Ausstoß ergibt sich ein Kompensationsvolumen von 156,25 Kilogramm CO2. Prima Klima Weltweit verlangt zehn Euro je Tonne Kohlendioxid – das macht dann 1,56 Euro, die Mazda von 99 Euro monatlicher Leasingrate abzweigen muss. Nimmt man nun an, dass Mazda vielleicht 10.000 Fahrzeuge über diese Aktion absetzt (was angesichts der Gesamtverkaufszahlen hoch gegriffen sein dürfte), ergäben sich monatliche Kosten für den Klima-Ausgleich von rund 15.000 Euro.

Das Werbebudget für die ganze Aktion dürfte ein Vielfaches davon betragen.

Danke an Marie R. für den Hinweis


Klein, aber oho (4): X-Leasing München

Mittwoch, den 30. Juli 2008

Echt was Feines hat sich die Münchner Firma X-Leasing ausgedacht: „co2-neutrale“ Leasingfahrzeuge. Gegen Aufpreis, so das Versprechen, werde alles während der Vertragslaufzeit anfallende Kohlendioxid durch neugepflanzte Wälder „kompensiert“. Eine eigene Internetseite gibt es auch, in bewegten Grafiken verwandeln sich dort sieben Autos in wunderschön grüne Urwälder – doch bis auf einen Mini Cooper sind alle präsentierten Fahrzeuge echte Klimakiller wie der Porsche Cayenne (Spritverbrauch: 15,8 l/100 km, Kohlendioxidausstoß: ca. 350 g/km).

X-Leasing könnte den Kunden natürlich auch raten, ein kleineres Auto zu wählen oder generell weniger Auto zu fahren, wenn sie etwas fürs Klima tun möchten. Doch das Unternehmen kennt den „Mythos Auto als Ausdrucksmittel für Individualität, Status und Lebensfreude“, so die Homepage, will aber eine „optimale Dienstleistung für alle Belange rund ums Auto“ anbieten – und dazu zählt nun offenbar auch ein gutes Gewissen. Für drei Jahre Porsche-Cayenne-Fahren kostet es exakt 227,52 Euro.

Bei diesem Angebot kooperiert X-leasing mit dem gemeinnützigen Verein „Prima Klima weltweit“ aus Düsseldorf. Dieser unterstützt seit mehr als zehn Jahren Aufforstungsprojekte; das Geld dafür kommt von Menschen oder Unternehmen, die mittels neuer Wälder ihren eigenen Kohlendioxid-Ausstoß wiedergutmachen wollen. Nun ist es ohne Frage eine feine Sache, Bäume zu pflanzen. Das Prinzip „Klimaneutralität“ aber – den eigenen Treibhausgasausstoß an anderer Stelle wieder einzusparen – wird von vielen Umweltschützern als Ablasshandel kritisiert: Die Kunden kauften sich damit von Verhaltensänderungen frei; und langfristig könne es gar nicht funktionieren, wenn alle Welt immer nur versuche, woanders die CO2-Emissionen zu senken.

Besonders umstritten ist der Ansatz von Anbietern wie „Prima Klima weltweit“, Wälder als Klimakompensation anzubieten. Umweltorganisationen wie der WWF oder das Klima-Bündnis lehnen diese explizit ab. Denn es ist praktisch unmöglich, das von Bäumen im Laufe ihres Lebens gebundene Kohlendioxid präzise zu beziffern. Zudem gibt es Aufforstungsprojekte in der Dritten Welt, bei denen die örtliche Bevölkerung von angestammtem Land vertrieben wird. Und was passiert eigentlich, wenn die neuen Wälder irgendwann abbrennen?

Liest man das Angebot von X-Leasing genau, stößt man auch auf den prinzipiellen Haken an der Klimakompensation durch Wälder – das Problem der Ungleichzeitigkeit:

Nur „linearisiert betrachtet“ bindet der Wald eine (per „Faustregel“) bezifferte CO2-Menge. Im korrekten Zeitverlauf sieht die Sache anders aus: Neugepflanzte Bäume entziehen der Atmosphäre während der ersten Jahre kaum Kohlendioxid, im Gegenteil. Vor allem in jungen Jahren setzen sie bei der Aufnahme von Nährstoffen an den Wurzeln oft mehr von dem Klimakiller frei, als sie aufnehmen. Es dauert also viele Jahre oder gar Jahrzehnte, bis neugepflanzte Bäume die versprochene Menge Kohlendioxid aus der Atmosphäre gefiltert haben – der dafür zahlende Porsche-Fahrer aber stößt das Klimagift heute aus. Den paradoxen Effekt von Waldprojekten hat die Gruppe Carbon Trade Watch in einer Broschüre genau beschrieben („The Carbon Neutral Myth“, zu deutsch: „Der Mythos der Kohlenstoff-Neutralität“, siehe S. 63ff.): Wenn ein Kunde Jahr für Jahr in derartige „Klimakompensation“ investiert, statt sofort CO2 zu sparen, türmt er eine immer größer werdende Bugwelle vor sich auf – weil Jahr für Jahr netto erst mal Treibhausgase freiwerden.

Bei Werbern und Konsumenten sind Waldprojekte wie die von „Prima Klima weltweit“ trotzdem populär, denn es ist so unheimlich einleuchtend, Bäume zu pflanzen. Fürs Klima allerdings ist die Tücke der Ungleichzeitigkeit alles andere als egal. Klimaforscher weisen nämlich darauf hin, dass die Erderwärmung in den nächsten Jahren einen Punkt erreichen könnte, an der sie unumkehrbar wird. Als solcher „tipping point“ gilt etwa das Tauen des sibirischen Permafrostbodens. Sind diese „Kippschalter“ erst umgelegt, wäre der Klimawandel unbeherrschbar, die Erdtemperatur könnte sprunghaft steigen, und die mit dem Geld von Porsche-Fahrern gepflanzten Wälder würden vermutlich eingehen. Ist dann aber auch egal.

P. S.: Die Werbung von X-Leasing hantiert mit Bildern eines tropischen Urwaldes – das sieht besonders grün aus. Die Mehrzahl der Projekte von „Prima Klima weltweit e.V.“ aber liegt nicht in den Tropen, sondern hier in Deutschland.

Danke an Elke D. für den Hinweis