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Alexander Gauland (AfD): Oldies gegen’s Klima

Freitag, den 22. September 2017

Noch ist Wahlkampf, deshalb – sehen Sie es uns bitte nach – hier schon wieder ein politisches Thema: Im ZDF lief gestern Abend die „Schlussrunde“, die wohl letzte TV-Debatte von Spitzenpolitikerinnen und -politikern vor dem Sonntag. Und, oh Wunder, zehn Minuten vor Schluss dieser Schlussrunde sprachen die Moderatorinnen ENDLICH mal das Zukunftsthema Klimawandel an (ab 1:19:40 in diesem Video):

Doch das Wort erhielt dann ausgerechnet Alexander Gauland (AfD). Einer seiner Parteigenossen, der Berliner Landeschef Georg Pazderski, war im vorhergegangenen Einspielfilm mit der Behauptung aufgetreten, es sei ja gar nicht nachweisbar, dass der gegenwärtige Klimawandel menschengemacht ist.

Weder diese These noch jene, die Gauland im Folgenden vorbrachte, waren irgendwie originell. Die beiden älteren Herren schnurrten einige der ältesten Oldies der Klimaleugnisten-Szene herunter – weshalb wir hier gar nicht viel Arbeit haben, sondern einfach auf einige der dutzendfachen Widerlegungen verlinken können:

Nein, liebe Herren, es ist belegt, dass der Mensch hauptverantwortlich für den gegenwärtigen Klimawandel. Nur mit dem Effekt seiner Treibhausgas-Emissionen lässt sich die längst zu beobachtende Erderhitzung schlüssig erklären.

Und nein, Herr Gauland, dass sich das Erdklima schon immer wandelte, sagt nichts über die Ursache der gegenwärtigen Erderhitzung. Eine kleine Analogie: Wenn Sie vor einem umgesägten Baum stehen, sagen Sie dann auch, das könne kein Mensch gewesen sein, denn schon immer seien doch bei Stürmen Bäume umgefallen?

Witzigerweise bekam es Gauland aber nicht einmal hin, die alten Schallplatten der Klima-Leugnisten korrekt aufzulegen, sondern machte aus zwei weiteren Oldies ein krudes Medley: „Deutschland ist für zwei Prozent des CO2-Ausstoßes in der Welt verantwortlich“, so Gauland, „für zwei Prozent! Und von diesen zwei Prozent sind 95 Prozent nicht menschengemacht …“ Herrje, beide Zahlen für sich genommen sind ja nicht mal ganz verkehrt: In der Tat verantwortet die Bundesrepublik direkt gut zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, und in der Tat ist der menschengemachte CO2-Ausstoß relativ gering im Vergleich zu natürlichen Emissionen, etwa Ausgasungen aus Böden und Weltmeeren. Aber zusammengerührt sind beide Zahlen wirklicher Quatsch. Herr Gauland muss wohl mal seine Plattensammlung sortieren.

Was er mit den beiden (unter Leugnisten beliebten) Zahlen suggerieren wollte, ist ebenso falsch: Auch mit relativ geringen Mengen CO2 bringt der Mensch den natürlichen Kohlenstoffkreislauf aus dem Gleichgewicht und sorgt so für den gefährlichen Temperaturanstieg auf der Erde. Und obwohl die deutschen Emissionen nur einen Bruchteil der weltweiten ausmachen, ist es natürlich sehr wichtig, was hierzulande passiert. Politisch und diplomatisch betrachtet: Wenn Deutschland seine Emissionen nicht senkt, werden andere – auch ärmere – Länder es erst recht nicht tun. Und ökonomisch betrachtet: Die milliardenschweren Investitionen in erneuerbare Energien (egal ob sie ausreichen, das deutsche Klimaziel zu erreichen, oder nicht) haben einen weltweiten Effekt. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Solarpaneele und Windräder heute so billig sind und neue Kohle- oder Atomkraftwerke preislich locker unterbieten. Nicht irgendein Öko-Träumer, sondern die US-Wirtschaftsagentur Bloomberg schrieb deshalb völlig zutreffend schon vor Jahren:

Aber klar, der Welt (oder dem Weltklima) etwas Gutes zu tun ist einem National-Populisten wie Alexander Gauland vollkommen schnuppe.

Danke an Katrin R. aus Berlin für den Hinweis